Gottesdienst an 11. Sonntag n. Trin, 27. August 2006, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Galater 2, 16-21.

Es hat wieder mal so eine Sitzung stattgefunden. Langweilig, sagen die meisten. Die meisten Leute wollen nichts von Sitzungen und Konferenzen wissen, vielleicht, weil sie sie zu trocken finden oder oft doch nicht viel herauskommt. Ein Fußballspiel hat mehr Erlebnischarakter. Für die Zuhörer ist es meistens dann interessant, wenn sich zwei in die Haare kriegen und wenn es dabei um was geht.

Ich will heute nicht von einer Brüdergemeinderatssitzung erzählen. Sondern da wurde verhandelt, wer eigentlich alles in den Himmel darf. Aha, werden Sie denken. Dann war es sicher nicht in Wilhelmsdorf. Denn solche wichtigen Sachen werden in Wilhelmsdorf nicht verhandelt. Dann war die Sitzung im himmlischen Hofstaat: Gott und die obersten Engel! Doch das stimmt nicht. Es waren wirkliche Menschen. Und es ist auch schon eine Weile her - fast 2000 Jahre. Es war in Jerusalem, in der heiligen Stadt. Doch es ging anscheinend gar nicht so heilig zu, sondern es flogen die Fetzen. Die Apostel saßen da mit roten Köpfen: Wer darf in den Himmel hinein?

Was würden Sie denn sagen? Die Guten, mit vielen Pluspunkten? Die Perfektionisten, die jede Tür 3 mal prüfen, ob sie auch wirklich zu ist? Aber eigentlich ist das nicht so harmlos. Nicht nur eine Frage des persönlichen Typs. Sondern es geht um das Verhältnis zu Gott.

Und dann wurde ihnen klar: Die Tür zum Himmel geht nur von innen auf. Da kann keiner kommen und sagen: Ich bringe alle Voraussetzungen mit und habe viel Gutes getan. Sondern man kommt nur durch Beziehungen in den Himmel, durch persönliche Beziehung zu Jesus. Die Christen nennen das Glaube. Ist sonst noch was zu erfüllen? Nein, allein der Glaube an Jesus Christus! Es wurde beschlossen, diese Tatsache den Gemeinden bekanntzumachen.

Man muss sich vorstellen: Das war schon eine aufregende Sache, eine richtige Revolution. Viele hatten gemeint, man müsse zuerst ein Jude werden, um dann Christ werden zu können. Sie haben gemeint, man müsse die vielen Gebote und Verbote des Alten Testaments peinlichst genau einhalten, immer auf der Hut sein und sein Gewissen erforschen. Ja kein Ausrutscher! Und wenn man dann alles bis zum letzten i-Tüpfelchen recht gemacht habe, dann könne der Glaube an Jesus noch obendrauf kommen. Doch es wurde klar: Das ist falsch.

Und nun sollte ihnen allen klargemacht werden: Jesus allein sorgt dafür, dass du in den Himmel kommst. Wenn er dich kennt, darfst du rein. Wenn er dich nicht kennt, dann geht‘s nicht. Dann kannst du noch so viele gute Ideen haben, dann kannst du noch so vielen Menschen das Leben gerettet haben, noch so viele Hilfsorganisationen unterstützt haben. Es ist umsonst. Nur Jesus macht die Tür auf. Nicht so, dass die Apostel beschlossen hätten, dass sich Gott daran halten muss. Sondern umgekehrt: Ihnen wurde klar, dass das Gottes Weg und Wille war, dass die ganze Heilsgeschichte darauf hinauslief, dass Jesus ihnen das selbst klargemacht hatte und dass das auch die Erfahrung der Gemeinde nach Ostern war. Bei den Menschen hat es gezündet und ihnen wurde klar: So macht es Gott und so will er, dass wir‘s weitersagen und danach handeln.

Aber einige Zeit später passierte ein schlimmes Unglück. Obwohl alle wesentlichen Leute bei diesem Beschluss dabei waren, hielten sich nicht alle daran, peinlicherweise vor allem Petrus nicht.

Und das hatte Folgen. Das beschreibt Paulus im heutigen Text.

16 Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. 17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! 18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.
19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. 20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. 21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.


Wir dürfen es als eine Einladung zu unserem christlichen Glauben verstehen. Eigentlich ist es sehr einfach. Nur eine Liebesbeziehung zu Jesus bringt uns in Verbindung mit Gott. Wenn der Glaube fehlt, dann kann man sich noch so sehr anstrengen und vieles tun. Das ist dann alles umsonst.

Anders sieht es bei anderen Religionen aus: Im Grunde haben alle Religionen außer dem Christentum eine Liste von Pflichten, die man unbedingt erfüllen muss. Das ist für sie das Wesentliche. Wer diese Pflichten möglichst gut erfüllt, gilt für diese Religion als Gläubiger. Nehmen wir als Beispiel den Islam. Als Muslim gilt, wer in die Moschee geht, wer fünfmal am Tag sein vorgeschriebenes Gebet spricht, wer Almosen gibt und noch ein paar andere Dinge einhält, insbesondere den Fastenmonat feiert. Es ist unwesentlich, was einer glaubt. Wesentlich ist nur, was er tut.

Das gleiche könnte man auch bei einer anderen Religion beschreiben. Sie sind sich darin einig: Auf das kommt es an, was du tust.

Für uns gilt aber: Christus hat es getan. Wenn du das anerkennst, dann gilt es auch für dich. Aber das ist nicht bloß eine Theorie, die sich Menschen zurechtgemacht haben, sondern es ist wirklich so. Nur dieser eine Weg gilt vor Gott.

Man kann es auch mit einer Geschichte umschreiben, in einem Bild, wie das unter Menschen ist:

Da ist ein junger Mann in ein Mädchen verliebt. Er versucht, sie zu gewinnen, ihr Herz zu erobern. Was soll er dazu unternehmen, damit ihm dies gelingt? Es gibt welche, die kaufen sich dann ein schnelles Auto. Das imponiert manchen Mädchen. Ein anderer opfert vielleicht einen großen Teil seines Einkommens und kauft ihr ständig wertvolle Geschenke. Ein anderer tut er eine großartige soziale Tat oder vollbringt eine sportliche Leistung. Das Mädchen könnte sich fragen: Kann man daran ablesen, ob er mich wirklich liebt? Denn das ist ja eigentlich das, was sie interessiert. Doch sie kann halt nicht ins Herz schauen. Und darum braucht sie äußere Zeichen.

Nun will jemand Gott für sich gewinnen. Gott soll überzeugt sein: Der ist es wert, dass er zu mir gehört.

In unserem heutigen Predigttext wird uns gesagt: Das funktioniert bei Gott anders. Ihm können wir nichts vormachen, weil er uns im Innersten kennt. Und darum hilft es bei Gott nicht, wenn ich ihm äußerlich zu imponieren versuche. Ihm kommt es auf meine Beziehung zu ihm an.

Nun kommt eine unerwartete Erfahrung. Wer sich darauf eingelassen hat, wer Gott nicht durch äußeres Tun imponieren will, sondern sich auf die Beziehung zu ihm einlässt, der merkt, dass Gott noch viel mehr für eine gute Beziehung getan hat als wir von menschlicher Seite tun können. Wir kommen mit unserem Tun an frühe Grenzen. Aber Jesus hat sein ganzes Leben für mich gegeben. Wir werden überwältigt. Wir merken, er gibt uns ein neues Herz. Ich bekomme von ihm eine neue Kraft, die ich von mir aus nie gehabt hätte. Alles, was Jesus getan hat, das wird mir angerechnet.

Nun gibt es Menschen, die Gottes Erbarmen testen und auf die Probe stellen wollen. Sie meinen: Wenn schon das Tun Jesu für mich gilt, dann kann ich ja tun und lassen, was ich will. Und dann fangen sie an, drauf los zu sündigen. Das ist nicht neu. Das hat es sogar schon in der allerersten Christenheit gegeben.

Darauf sagt Paulus: Christus ist kein Diener der Sünde. So zerstört man das Leben mit Jesus. Wer ihm gehört, der muss sein Leben in der Heiligung leben. Das Tun kommt hinterher, als Folge des Glaubens und der Liebe zu Jesus.

Ich fasse zusammen: Gott nimmt den an, der an Jesus glaubt. Aber es ist eine Folge des Glaubens, dass wir die Sünde meiden. Amen.

(Pfr. Dr. Karl Knauß)                          

  

 

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