Aussendungs-Gottesdienst, 30. Juli 2006, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, mit integriertem Heiligem Abendmahl, Predigt über Matthäus 10, 29-33.

In diesem Gottesdienst werden fünf junge Leute ausgesandt, in verschiedene Länder der Welt. Was bringt sie dazu, ins Ausland zu gehen? Natürlich, es ist eine beschränkte Zeit, ein Jahr oder weniger! Und doch ist es eine Zeit des Lebens. Sie arbeiten seit Jahren in unserem Jugendgottesdienst und in der Jugendarbeit mit.

In diesem Jahr habt ihr Abitur gemacht. Ihr werdet die gewohnte Umgebung verlassen und euch auf eine Situation mit vielen Unbekannten einlassen. Ist es Abenteuerlust? Oder ist es Dienst? Oder noch etwas anderes? Vermutlich gibt es eine Mischung verschiedener Motive. Dieser Auslandseinsatz geschieht im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres, oder im Rahmen des Zivildienstes im Ausland. Und es scheint einen zunehmenden Trend zu geben, solche Dienste im Ausland zu machen, die bisher hauptsächlich im Inland gemacht wurden.
Unser Wunsch und unsere Bitte ist, dass Gott euch den Weg vorausgeht.

29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. 31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.
32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.


Hier steht etwas von der Bedeutung, die wir Menschen für Gott haben. Er passt sogar auf die Spatzen auf, die wir doch fast für wertlos halten. Wir sind Gott sehr wertvoll. Das steht außer Frage. Aber nicht nur wir, sondern auch andere Menschen, egal, wo sie wohnen.

1. Die anderen sind Gott wichtig
Ich stelle mir vor, wie Gott auf die Welt herunterschaut; natürlich nicht wie ein Raumfahrer von außen. Aber er hat die Welt sozusagen in der Übersicht vor sich. Er kennt ihre Brennpunkte. Da ist Deutschland mit seinen Problemen ganz klein. Und Wilhelmsdorf ebenso. Es gibt Länder und Städte mit viel größeren Problemen. Das hat mitgespielt bei der Wahl eurer Einsatzorte.

Gott wird sich wohl gedacht haben, ich brauche Menschen, die sich einsetzen lassen. Deswegen hat es euch getroffen. Sie sollen wenigstens ein klein wenig die Nöte lindern. Nicht für alle, sondern nur für ein paar wenige Menschen. Wir denken vielleicht zuerst an wirtschaftliche Nöte, dass es an den grundlegenden Dingen des Lebens mangelt, an Nahrung, Kleidung, Wohnung, und dass diesem Mangel abgeholfen werden soll. Aber meist sind diese Fragen auch mit gestörten Beziehungen der Menschen untereinander verbunden, und mit gestörten Beziehungen zu Gott.

Der Text aus Matthäus 10 ist Teil einer Rede, als Jesus seine Jünger in die Städte und Dörfer in Israel aussandte. Dabei gab er ihnen den Auftrag zu reden und zu handeln. Sie sollten Kranke gesund machen, sogar Tote auferwecken, und sie sollten vom Reich Gottes erzählen, dass es nahe herbeigekommen ist. Jesus hat die Nöte in ihrer verschiedenen Ausprägung gekannt. Aber für ihn war immer das Verhältnis zu Gott der Schlüssel zu den Nöten der Menschen. Wenn dieses Verhältnis in Ordnung ist, dann gibt es Gesundung. Das sagt sich so einfach, und das können wir auch im Neuen Testament beobachten. Aber diesen engen Zusammenhang zwischen dem Evangelium und dem Ergehen der Menschen erleben wir nicht mehr so elementar wie die Jünger damals. Trotzdem haben wir Teil an dem großen Auftrag Gottes.

Ich will an ihm sehen und lernen: Trotz des umfangreichen Auftrags hat Jesus den einzelnen Menschen und den gegenwärtigen Augenblick nie aus dem Blick verloren. Er hat nie gesagt, die Aufgabe ist zu riesig. Also werden wir bescheidener. Sondern in den anscheinend kleinen Dingen ist Gott ganz da. Z.B. als Menschen zu ihm kamen, die die anderen längst abgeschrieben hatten. Da ist der Mann im Teich Bethesda, jahrelang krank, keiner hat mehr Hoffnung für ihn. Die anderen ziehen sich von ihm zurück. Aber Jesus geht auf ihn zu und heilt ihn an Leib und Seele.

Was bedeutet das für euch?

Das ist Gottes Art, dass er uns an den Stellen ganz einsetzt, wo er uns hinschickt. Was in unseren menschlichen Augen wie ein Tropfen auf einen heißen Stein ist, das ist in Gottes Augen anders. Wir dürfen uns mit ganzem Herzen und voller Seele an der Stelle ganz einsetzen, wo er uns hinstellt.

Jesus hat ein Gleichnis von der stillwachsenden Saat erzählt. Da ist ein Landwirt, der im Frühjahr die Saat ausstreut. Er sorgt nur für einen minimalen Bereich. Er sorgt eigentlich nur dafür, dass das Korn an der richtigen Stelle ist. Das muss zwar sein, aber es braucht noch Regen, Sonne, Energie, Wind; und vor allem, das ist das Geheimnis des Lebens uns Wachsens überhaupt. Das alles kann der Bauer nicht. Und trotzdem wächst die Frucht. Der Bauer muss nicht mehr als seine kleine Aufgabe tun. Gott tut das Wesentliche. Er sorgt für das Wachstum.
So ist es mit eurem Tun auch. Meint nicht, dass ihr alles tun müsst. Gott macht die Hauptsache.

2. Ich selbst bin Gott wichtig
Weil wir für Gott sehr wertvoll sind, deshalb sollen wir uns nicht fürchten. Ich weiß nicht, was euch oder eure Eltern für Gedanken bewegen, wenn ihr an eure Zielorte im Ausland denkt. Das ist ja nicht irgendwo in Mitteleuropa. Es herrschen andere Zustände als bei uns. Vieles ist unberechenbar. Aber der sicherste Ort ist immer noch der, im Schutz Gottes zu leben.

Was man für kritisch halten muss, ist aber sehr relativ. Ich mache mir das am Leben des Apostels Paulus klar. Er war an vielen Stellen wirklich in Gefahr. In Stürmen auf der See, oder in den verschiedenen Orten, wo er Menschen über Jesus erzählt hat, in Damaskus, oder Ephesus, oder Philippi. Doch am gefährlichsten war es für ihn in der Stadt, wo er lange zu Hause war, in Jerusalem. Und selbst da war er in Gottes Hand. Gott passte auf ihn auf.

Darum, wenn ihr hingeht in euch noch unbekannte Orte: Gott wird mitgehen. Ihr seid unter seinem Schutz.

3. Gottes Ziele sollen unsere Ziele sein
Zu den Management-Methoden der Wirtschaft gehören auch Zielvereinbarungen. Sie sind oftmals sogar Bestandteil im Arbeitsvertrag. Zu solchen Zielvereinbarungen gehört z.B., dass man aus den roten Zahlen herauskommen will, oder dass man einen bestimmten Marktanteil erreichen will.

Bei der Aussendungsrede Jesu geht es ja um die Aufgaben für seine Jünger, die er aussendet. Es wäre also denkbar, dass er ihnen auch strategische Ziele vorgibt, die sie erreichen müssten. Also z.B., sie müssten täglich 5 Menschen heilen, mindestens an einem Ort predigen und durchschnittlich 3 in die Nachfolge Jesu führen. Das wären Zielvereinbarungen.

Es ist auffällig, dass Jesus nicht von derartigen strategischen Zielen für seine Jünger spricht. Nicht die Ziele sind für ihn entscheidend, er will nicht innerhalb einer gewissen Zeit einen bestimmten Marktanteil erreichen, sondern es geht um ein persönliches Verhältnis zu ihm und um das Bekenntnis zu ihm. Das nimmt den Druck weg. Jedenfalls geht es nicht um eine Mindestleistung.

Er will mein ganzes Herz, meine ganze Hingabe. Diese Hingabe beantwortet er damit, dass auch er zu uns steht.

Unser Leben steht im Licht der Ewigkeit. Aber vor Jesus müssen wir nicht zählbare Ergebnisse vorweisen, sondern ob wir uns zu ihm bekennen.

Ich fasse zusammen: Weil wir Gott wichtig sind, sind auch kleine und unbedeutende Aufgaben eine ganze Sache. Dort geht es um das Reich Gottes. Jesus möchte von uns, dass unser Herz voll für ihn da ist. Amen.
 

(Pfr. Dr. Karl Knauß)                          

  

 

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