Gottesdienst an Trinitatis, 11. Juni 2006, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Epheser 1, 3-14.

Viele Musiker und Liederdichter haben der Bibel die Anregungen für ihre Musik für ihre Dichtung entnommen. J.S. Bach und G.F. v. Händel, Paul Gerhardt und Ph. Fr. Hiller, Jochen Klepper oder die Liedermacher unserer Zeit: Sie lebten und leben von den Lobgesängen der Bibel; und sie haben sich dadurch zu eigener Anbetung führen lassen.

Der Epheserbrief beginnt mit einem großen Lobgesang. Aus diesem Text könnte man den Stoff für ein ganzes Liederheft entnehmen. Es ist das Lob des dreieinigen Gottes. Deswegen ist es für heute auch der Predigttext, für den Sonntag Trinitatis - Dreieinigkeit.

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe 5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.
7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. 9 Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, 10 um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.
11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens; 12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.
13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.


Wir haben von Gott viel geschenkt bekommen. Passen wir auf, dass wir es nicht vergessen.

Zur Taufe, die wir eben gefeiert haben: Liebe Familie Bitter, wenn Ihre Tochter je einmal danach fragen sollte - später, wenn sie größer ist und fragen kann - wenn sie je einmal danach fragen sollte: Was hat mir denn Gott für ein Geschenk angeboten? Dann sagen sie, sie soll in diesem Text nachschauen. Das war der Predigttext bei ihrer Taufe. Wenn ein Kind getauft wird, dann ist es noch nicht automatisch ein Nachfolger Christi. Es muss später dieses Angebot Gottes aufgreifen und zu ihm gehören wollen. Denn von einem Angebot allein kann ein Mensch nicht leben. Doch die Taufe bei einem kleinen Kind ist ein Angebot Gottes, auf das man zurückgreifen kann, jederzeit und egal was gewesen ist.

Wenn mir die Werbe-Prospekte der Einkaufs-Ketten in den Briefkasten geworfen werden und ich sie mir dann auf den Tisch lege und durchschaue, dann habe ich nichts davon. Ich habe gar nichts davon, wenn ich sehe, was für tolle Nahrungsmittel zu haben sind. - Es sei denn, ich mache mich auf den Weg und kaufe ein.

Aber dafür sind die Werbe-Prospekte: Sie sollen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Sie sollen uns hungrig machen, damit wir‘s haben wollen.

Dieser Lobgesang, den Paulus an die Christen in Ephesus schreibt: Er soll sie hungrig machen nach den Gaben Gottes. Und wenn sie sie haben, dann sollen sie durch den Lobpreis noch verstärkt werden. Der Lobpreis ist seine Werbung um uns.

Wir beten Gott an, obwohl wir ihn nicht verstehen. Er ist uns zu hoch, zu groß, wir können ihn nicht erfassen. Gerade darin dürfen wir ihn anbeten.

Wenn wir anbeten, dann wissen wir um unsere Grenzen. Wie es überhaupt für Menschen zu den größten Aufgaben gehört, nicht nur seine Gaben zu erkennen, sondern auch seine Grenzen. Man weiß nicht so recht, was schwerer ist. Jedenfalls, wer staunend vor Gott steht, für den ist beides wichtig. Seine Gaben und seine Grenzen erkennt man nur dann recht, wenn man Gott gegenübersteht. Darum ist die Anbetung für uns wichtig! Wer Gott ehrt und seine Grenzen einhält, der betet an, wer seine Grenzen nicht wahrhaben will, flucht

Als Gott in der Wüste den Mose berief, sagte er: „Tritt nicht herzu...“ Das bedeutet auch: Greif nicht hinein in diesen brennenden Busch. Gib deiner Neugier nicht allzu sehr nach! Wir hätten im menschlichen Miteinander und auch im Zusammenleben von verschiedenen Kirchen und Völkern weniger Schwierigkeiten, wenn wir unsere Grenzen einhalten würden. Erst recht unsere Grenzen vor Gott. Wo der grenzenlose Gott unseren menschlichen Grenzen begegnet, da weist er uns auf unsere Kleinheit hin.

Darum lässt das Dreieinigkeitsfest auch uns selbst besser wissen, wer wir sind: Nämlich Empfangende. Wir leben von dem Segen Gottes. Und unser Leben soll eine Antwort darauf sein.

1 Vom Vater erwählt
Der Schöpfer ist auf uns nicht durch Zufall gestoßen, so wie wir bei einem Gang durch den Flohmarkt auf eine nette Tasse stoßen und sie uns erwerben. Sondern vor Anbeginn der Welt hat er uns erwählt. Die unermessliche Weite der Zeit spiegelt sich in den Tiefen des Weltalls wider. Und wenn wir dann an den Nachthimmel hochschauen und die Sterne sehe, von denen einige Milliarden von Lichtjahren entfernt sind, dann dürfen wir denken: Vor noch längerer Zeit, da hast du schon an uns gedacht und uns erwählt. Wir sind nicht nur geschwind hier und dann gleich wieder verschwunden. Sondern wir sind dir so wertvoll, dass du dir damals schon einen Plan für uns gemacht hast. Dein Herz ist bei uns. Du bangst um uns, du freust dich über uns. Es lässt dich nicht kalt, wie es uns geht.

Und wenn wir dir so wichtig sind, dann sollst du uns auch wichtig sein. Dann soll in unserem Alltag nicht das unser erstes Ziel sein, dass wir groß herauskommen, sondern dass du groß bist.

Mehrmals ist im Text davon die Rede, dass Gott uns vorausgegangen ist, uns im Voraus erwählt, im Voraus zu seinen Kindern bestimmt, im Voraus bestimmt zu Erben. Das soll uns festmachen: Gott steht zu uns.

2 Durch den Sohn erlöst
Der kleine Jens hatte sich zu seinem Geburtstag ein Segelschiff gewünscht. In mühevoller Arbeit hatte er es zusammen mit seinem Vater zusammengebastelt. Endlich war es fertig. Voller Stolz nahm er es mit zum naheliegenden See. Vorsichtig setzte er das Boot aufs Wasser. Es trug. Er schaute zu, wie der Wind in die Segel blies und das Schiff vorantrieb. Doch plötzlich geschah etwas Erschreckendes. Eine Windböe trieb das Schiff hinaus auf den See. Für Jens war es unerreichbar.

Wenige Wochen später bei einem Einkaufsbummel mit seiner Mutter entdeckt er bei einem Antiquitätenhändler im Schaufenster sein Boot. Er kann es kaum glauben. Er versucht den Antiquitätenhändler davon zu überzeugen, dass das Boot ihm gehört. Doch der hat kein Verständnis. Wenn er es haben wolle, dann müsse er das Boot schon kaufen. Umsonst sei nichts drin. Jens muss also alle seine Ersparnisse zusammenlegen. Schweren Herzens opfert er sein Geld. Doch es geht ihm ja um sein Boot, das er zurückbekommen möchte. Als er es dann stolz in Händen hält, sagt er zu seinem Boot: „So mein Boot, jetzt gehörst du mir zweimal. Einmal habe ich dich zusammengebaut und dann habe ich dich zurückgekauft.“

Wir gehören Gott zweimal. Er hat uns erschaffen und mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, damit wir etwas seien zu seinem Lob und seiner Freude. Jedoch wir haben uns wegwehen lassen von ihm, dem Schöpfer und Erhalter unseres Lebens. Wir haben das Weite gesucht und suchen es immer wieder. Gott aber gibt uns nicht verloren. Er sucht uns. Er denkt an uns Tag und Nacht. Wie könnte ich mein Eigentum zurückbekommen? Wie könnte ich meine Menschheit, die ich mir zur Freude erschaffen habe, wieder mein Eigentum nennen? - Deshalb hat er seinen Sohn geschickt.

In Christus haben wir die Erlösung. Er hat uns noch einmal erworben. Hier steht das Wort, das man beim Freikauf eines Sklaven verwendete. Gott hätte mit gutem Recht sagen können: Das ist nicht richtig, dass du mir davongelaufen bist, dass ich dich verloren habe. Aber das hat er nicht gesagt, sondern er hat sein Eigentum noch einmal zurückgewonnen und alles dafür gegeben: Christus ist dafür ans Kreuz gegangen, nicht aus Versehen, sondern das war Gottes Absicht: Als die Zeit erfüllt war.

Gott lässt sich von seiner Liebe nicht abbringen. Auch durch unsere Torheit und durch unsere Schuld nicht.

3 Im Geist erleuchtet
Man sagt: Es gibt Menschen, die können vor einem vollen Kühlschrank verhungern. Da gibt es eine Fülle von Gaben, aber man weiß nicht damit umzugehen.

Es ist das Werk des Heiligen Geistes, dass wir nicht geistlich verhungern, dass wir die Gaben, die er uns gegeben hat, nicht übersehen.

Normalerweise, für Menschen unter natürlichen Bedingungen, da sind die Gaben dazu da, uns selbst vorwärtszubringen. Da macht man aus den Gaben einen guten Prüfungsabschluss oder einen guten Umsatz.

Der Heilige Geist dreht den Spieß um. Wir sollen etwas sein zum Lob seiner Herrlichkeit. Er ist der Geber, ihm soll es auch wieder zugute kommen. Das heißt zunächst, dass wir unsere Gaben für ihn in dieser Welt einsetzen sollen, zur Stärkung seiner Gemeinde, und um neue Menschen für seine Gemeinde zu gewinnen.

Unsere Gaben werden veredelt, damit wir für Gott Frucht tragen: Die Frucht des Geistes.

So soll am Dreieinigkeitsfest das Werk des dreieinigen Gottes in sein Lob und seine Anbetung einmünden. Er zeigt uns, dass wir vom Vater erwählt, durch den Sohn erlöst und im Geist erleuchtet sind. Amen!

 

(Pfr. Dr. Karl Knauß)                          

  

 

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