Predigt Konfirmations - Abendmahlsgottesdienst 2006 am 8. April 2006 in Wilhelmsdorf
 

Liebe Gemeinde,

mich haben bei der langen Auseinandersetzung mit der diesjährigen Konfirmation ganz verschiedene Dinge bewegt und beschäftigt. Und ehe ich auf das Thema der Predigt eingehe, möchte ich Sie ein klein wenig an diesen Gedanken teilhaben lassen.

Aber eigentlich geht Sie das ja gar nichts an, so wende ich mich an Euch, denn Ihr habt in mir diese Gedanken ausgelöst.

 

Nun, wir waren die letzten Monate Mittwoch für Mittwoch zusammen und haben verschiedene Themen beleuchtet. Die vier Gruppen waren sehr unterschiedlich, das muss ich sagen und ich wusste nie, wie welches Thema von welcher Gruppe wie aufgenommen wurde. Diese Erfahrungen mit Euch in den Gruppen, die gingen mir während meinem Vorbreiten auf die Predigt noch einmal durch den Kopf.

 

Dann waren es aber auch die vielen Fragebögen, die Ihr größtenteils mit einer bewundernswerten Offenheit ausgefüllt habt. Für mich waren das nicht nur Buchstaben, die ich abzuschreiben hatte, sondern das ward Ihr als Einzelne, die viel von sich Preis gaben und mich und die Kolleginnen und Kollegen an ihren Gedanken und Gefühlen haben teilhaben lassen. Ich war selbst überrascht, dass ich beim Zusammenstellen Eurer Zitate noch bei vielen wusste, wer was geschrieben hatte, obwohl es ja teilweise Monate her ist.

 

Die gemeinsame Freizeit, das intensive Miteinander, die Offenheit und das Vertrauen was das Dritte, was mich noch mal bewegte. Es war eine intensive Zeit, für die ich Euch danke.

 

Und nicht zuletzt durchkreuzten meine vorbereitenden Gedanken so manches Gespräch, das ich mit dem einen und der anderen im Laufe der Monate hatte.

 

Heute nun ist das letzte Gemeinsame das wir miteinander tun, und das ist ein Abendmahlsgottesdienst.

 

Was soll dieser Abendmahlsgottesdienst?

Ist das nicht ein Depri – Gottesdienst, der einem etwas von der Freude dieses Festes nimmt?

Ist das nicht typisch Kirche – oder typisch Geiger? – irgendwie einem ein schlechtes Gewissen zu produzieren und um nachher mit irgendeiner frommen Lösung zu kommen?

 

Für mich ist das nicht so, nein für mich schließt mit dem heutigen Gottesdienst eine Wegstrecke ab, die wir in der gesamten Konfi – Zeit miteinander immer wieder erlebt haben.

Eigentlich war es egal, was für ein Thema wir besprochen haben, immer wieder

·        stießen wir auf offene Fragen;

·        stießen wir auf Dinge, die Euch sehr beschäftigten;

·        stießen wir auf Schuld, die wir auslösen oder die uns gegenüber geschieht;

·        stießen wir auf Fragen, warum Gott das und jenes zulässt oder nicht eingegriffen hat usw.

Und logischer Weise blieben da unsere Familien nicht außen vor, zumal – und jetzt zitiere ich einen Jugendlichen: „Die Pubertät ist das Alter, in dem die Eltern schwierig werden“,

andererseits sage ich: das Begleiten von Jugendlichen ist die Kunst, einen Kaktus zu umarmen.

 

Wenn ich den heutigen Abend – passend zum Abendmahl – unter das Thema

 

Vergebung und Versöhnung

 

stelle, dann komme ich nicht drum herum auch das zu benennen, was Vergebung notwenig und Versöhnung möglich macht.

Das ist auch der Grund, warum manche vielleicht hart wirkende Zitate vorhin genannt worden sind, Dinge ausgesprochen wurden, die so wahrgenommen und erlebt habt und erlebt.

Ziel, das möchte ich aberausdrücklich sagen, ist in keinster Weise auf Schuld herumzureiten  oder andere schuldig zu sprechen, sondern die Hoffnung, dass wir – auch an diesem Abend etwas mehr und tiefer verstehen und begreifen, was Vergebung und Versöhnung ist.

 

Schuld

 

Schuld, und wenn sie noch so harmlos erscheint, hat einen zerstörenden Charakter. Es überschrieb jemand einmal die 10 Gebote als die Maßstäbe der Menschlichkeit.

Wie viel Schweres im Leben vieler von uns hätte verhindert oder gelindert werden können, wenn Schuld bekannt und vergeben worden wäre?

  

 

Schuld hat drei Auswirkungen:

- Schuld zerstört Beziehungen zu anderen Menschen, zu Freunden, zu Eltern, aber auch umgekehrt, sie zerstört die Beziehung von uns Eltern zu unseren Kindern.

- Schuld zerstört die Beziehung zu mir, besonders wenn ich etwas getan habe, was ich eigentlich gar nicht tun wollte.

- Schuld zerstört meine Beziehung zu Gott, trennt mich von ihm und seinem Handeln.

 

Und Vergebung? Was bewirkt sie?

Wenn wir wirklich aus der Vergebung leben, dann zieht das einschneidende Änderungen in unserem Leben nach sich.

 

Vergebung ermöglicht neue Beziehungen

Wenn all die Schuld, die sich zwischen uns Menschen anhäuft, wenn die Schuldkonten, die wir gegenseitig aufbauen, wirklich durch die Vergebung möglich ist, die durch Ihn ausgelöscht werden, dann können viele, ja sehr viele Beziehungen neu werden, auch wenn sie noch so verkrustet sind.

Wie viele Familien könnten heute noch zusammen leben ; wie viele Ehen könnten heute noch bestehen, würde dies praktiziert werden?

 

Vergebung ermöglicht eine neue Beziehung zu mir selbst

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: da explodiert man in einer Situation, motzt herum und hernach könnte man sich ohrfeigen oder man schämt sich für das dumme Verhalten;

oder man zeigt ein Verhalten und weiß genau, dass man eigentlich was ganz anderes beabsichtigt; bei manchen löst das Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle aus.

Vergebung ermöglicht auch, dass verwundete Stellen in mir, die dadurch entstanden sind, dass andere mich innerlich verletzt haben oder ich selbst mich durch mein Verhalten niedermache, geheilt werden und mein Verhalten, ja mein Leben eine Kurskorrektur erfährt.

 

Vergebung ermöglicht einen neuen oder tieferen Zugang zu Gott,

lässt uns erfahren und begreifen, dass wir einen liebenden Gott haben, der sich über unsere Begegnung mit ihm freut.

 

Wie komme ich dazu, dies so felsenfest zu behaupten?

Zum einen zeigen das die Erfahrungen unendlich vieler Christen über die Jahrtausende.

Zum anderen zeugt die Bibel von diesem, ich nenne es mal, Wunder:

Dort heißt es z.B.:

·        „Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünde. Mein Wort gilt!“ (Jerem. 31,34)

·        „Gott wirft unsere Sünde ins tiefste Meer.“ (Micha 7,19)

·        „Mit eurer Schuld habt ihr mir zu schaffen gemacht. Und trotzdem: Ich werde euch alles vergeben – aus freien Stücken. Ich werde alles Böse für immer vergessen.“ (Jes. 43,24+25)

·        Und Jesus sagt: „Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei.“

 

Lassen wir uns dieses Angebot einfach so rausgehen?

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  Erneuerung von Beziehung gegenüber anderen

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  Erneuerung der Beziehung mir gegenüber

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  Erneuerung der Beziehung zu Gott

 

Oder haben wir denn die Vergebung unserer Schuld nicht nötig?

Brauchen wir vielleicht keine Vergebung?

 

Auf der Freizeit konntet Ihr Jugendlichen am Samstagabend all das, was Ihr in diesen Tagen für Euch auf Fragen zu den 10 Geboten geantwortet und aufgeschrieben habt, sprich Eure Schuldzettel, an dieses Holzkreuz hängen. Darunter waren Aussagen, die Ihr vorhin vorgetragen habt.

 

Lasst uns gemeinsam das Lied singen, was wir damals gesungen haben und symbolisch Kuverts an dieses Kreuz heften und uns als Gemeinde dabei überlegen, was auf unseren Zetteln heute Abend stehen könnte, würden wir alles aufschreiben, wo wir bisher versagt haben.

Und vielleicht überlegen Sie als Eltern einmal oder Ihr Geschwister, wo Ihr untereinander schuldig geworden seid.

 

> Während ein Lied gesungen wird, werden die Kuverts wieder ans Kreuz geheftet.

 

Was würde alles an diesem Kreuz heften, wenn all unsere Zettel daran hängen würden? All unsere Schuld?

 

Wir haben auf der Freizeit symbolisch, um begreifen zu lernen, was Vergebung ist, das Kreuz mit den Kuverts angezündet und verbrannt. Als alles Asche war und der Wind unzählige Ascheteile mit sich fort trug, fragte ich Euch: Wird je einmal jemand auch nur einen einzigen Eurer Aufschriebe wieder zusammensetzen und lesen können?

Nein, die Zettel bleiben ein für alle mal vernichtet. So ist auch unsere Schuld ein für allemal vernichtet, wenn  wir sie bekennen und sie uns vergeben lassen.

 

Auch wir, jeder von uns, hat heute Abend die Möglichkeit Vergebung konkret zu erfahren. Wollen wir uns darauf einlassen?

 

Noch einen kurzen Gedanken zur Versöhnung:

·        Versöhnung ist dort möglich, wo Vergebung von Herzen geschehen ist.

·        Versöhnung bedeutet, es entsteht ein Friede, eine tiefe innere Ruhe zwischen zwei Menschen und / oder Mensch und Gott;

·        Versöhnung bedeutet, dass auf der Herzensebene eine tiefe, meist herzliche Verbindung zwischen Menschen entsteht.

 

Gibt es etwas, was wir uns im tiefsten Herzen ersehnen?

Warum machen davon nicht noch viel mehr und selbstverständlicher Gebrauch?

 

Jeder von uns hat heute Abend die Chance, etwas davon zu erleben.

 

Amen.

 

 

(Stefan Geiger)                                    

  

 

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