Predigt Dominogottesdienst am 15.01.2006 um 10.00 Uhr im Gemeindehaus

Stellen Sie sich vor, Sie sind in Ravensburg, Sie bummeln durch die Geschäfte und plötzlich spricht sie eine Ihnen unbekannte Frau an: „Darf ich Sie etwas fragen“, eröffnet sie das Gespräch. “Verdutzt und überrascht bleiben sie stehen. „Können Sie mir sagen, was für eine Haarfarbe Sie haben?  Ihre Haare sind doch gefärbt, oder?“

Mit dieser Frage wurde ich kurz vor Weihnachten tatsächlich in Ravensburg konfrontiert. Und nach einem kurzen Moment, gab ich der mir völlig unbekannten Dame eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann noch ein kurzes Gespräch ergeben, und ich habe auch noch ein paar Dinge über die Frau erfahren.

Zwei sich völlig fremde Frauen sind sich kurz begegnet. Die eine offen, zugewandt, die andere etwas überrascht, verlegen und dann aber doch auch ehrlich und echt.

In der Bibel finden wir eine Geschichte über zwei Frauen, die einander nicht fremd waren, sie waren Geschwister, aber in ihrer Persönlichkeit waren sie sehr unterschiedlich. Ich möchte Ihnen zunächst den Text über Martha und Maria kurz vorlesen.

 

Bibeltext aus Lukas 10, 38-42:

Es begab sich aber, da sie weiter zogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie es auch angreife! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not: Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

 

Ich habe für meine Predigt die Geschichte von Martha und Maria ausgewählt, weil uns darin zwei ganz unterschiedliche Frauentypen begegnen. Jede der beiden Frauen hat auf ihre je eigene Art versucht, ihren Glauben auszudrücken und zu leben.

 

Vordergründig provoziert uns die Geschichte zur Parteinahme. Kann ich eher den Ärger von Martha verstehen, die den Eindruck hat, dass alles an ihr hängt, dass sie die „Dumme“ ist, die schuftet und sich verausgabt?

 

Oder identifiziere ich mich mehr mit Maria, die die Geschäftigkeit ihrer Schwester nervt, die nicht verstehen kann, weshalb Martha nicht mal ruhig sitzen kann, sondern immer etwas tun muss?

 

Interessant ist, dass im Laufe der Jahrhunderte diese biblische Geschichte unterschiedlich theologisch ausgelegt wurde und je nach Zeitgeist mal Martha mal Maria positiver beurteilt wurden. Zeitweise standen die beiden Frauen auch für unterschiedliche Bewegungen in der Kirche. Martha für die tätige Nächstenliebe oder eher negativ ausgedrückt für die Werkgerechtigkeit. Maria stand für Kontemplation oder auch für eine Weltvergessenheit.

 

 

Aber wenden wir uns wieder der Geschichte zu und versuchen wir einmal möglichst neutral zu hören, wie Martha und Maria beschrieben werden.

 

Martha heißt Herrin. Nach allem, was wir den Texten entnehmen können, war sie eine wohlhabende Grundbesitzerin, die das Familienerbe verwaltete. Martha war demnach das Familienoberhaupt. Wahrscheinlich war sie die Älteste und übernahm die Verantwortung für die jüngeren Geschwister. Sie war die Vernünftige, die Praktische, die mütterlich Dienende. Eine die anpackt, wenn sie gebraucht wird. Eine die sieht, wo es Arbeit gibt und die selbstverständlich und selbständig arbeitet.

 

Aber vielleicht tat sich Martha auch etwas schwerer ihre Gefühle zu zeigen. Und das Kochen und Bedienen könnten ihre Ausdrucksmöglichkeiten gewesen sein, um Jesus ihre Liebe und Wertschätzung entgegen zu bringen. Martha war dann wohl eher etwas emotional reservierter. Eine Frau, die lieber keine großen Worte machte, sondern ihre Einstellungen und Überzeugungen durch Taten ausdrückte.

 

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind wohl eher die Marthatypen gefragt. Leistungsbereit, voller Dynamik und Power, zielstrebig, geradlinig, körperlich und seelisch robust, rational.

 

 

Und wie können wir uns die Persönlichkeit von Maria vorstellen?

 

Maria sucht die emotionale und körperliche Nähe zu Jesus. Sie ist voller Neugierde und Erwartung. Sie ist interessiert an der Person Jesu; aber auch an seiner Lehre. Sie ist wissbegierig. Sie erkennt im Augenblick - in der Begegnung mit Jesus - das Wichtigste. Vielleicht ist sie eher die Passive, die darauf angewiesen ist, dass man ihr sagt, was sie tun soll. Vielleicht hat sie nicht von sich aus so den Überblick. Vielleicht hat sich zwischen den Schwestern schon das Muster eingespielt, dass die Ältere ihr Anweisungen gibt, sie vielleicht sogar etwas gängelt und Maria dann nur noch die Ausführende ist. Maria war wohl auch die Stillere. Sie ist nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellt oder der auffallen will. Sie stellt Jesus auch nicht viele Fragen und übernimmt nicht die Gesprächsführung. Maria ist aufnahmebereit. Sie kann empfangen, sich beschenken lassen und auch mal bedienen lassen.

 

In unserer lauten Zeit in der viele nur noch hetzen und nicht zuhören können, wissen wir, wie kostbar das ist, wenn jemand Anteil nehmen kann. Wie wohltuend es ist, wenn jemand nicht immer nur mit sich selber beschäftigt ist und nur sich selbst mitteilen möchte.

 

 

Und wie geht Jesus mit den beiden Frauen um, auf welcher Seite steht er?

 

Auch er scheint Partei zu ergreifen. Aber nicht so, wie es Martha erwartet hat. - Martha ging ja ganz selbstverständlich davon aus, dass sie im Recht ist und dass Jesus Maria rügen wird -. Jesus stellt sich zu Maria und sagt, sie habe das „gute Teil“ gewählt.

 

Wie verstehen wir die Haltung von Jesus?

Martha brachte doch Jesus ganz viel Wertschätzung entgegen. Sie hat ihn in ihr Haus eingeladen und wollte dass es ihm gut geht. Sie hat ihn bekocht, bedient und versorgt. Warum wird das von Jesus nicht anerkannt und gewürdigt?

 

Wir kennen das doch auch. Wir mühen uns ab, überlegen uns wie wir jemandem etwas abnehmen können, wollen, dass andere sich bei uns wohl fühlen und sind bemüht andere gut zu versorgen. Und ... oft wird kein Dank ausgedrückt, oft wird unser Tun scheinbar nicht gesehen.

 

Maria verhält sich anders. Sie drückt ihre Wertschätzung durch ihr Zuhören aus. Sie hat vielleicht mehr das Einmalige erfasst. Dass jetzt die Zeit des Zuhörens ist. Der richtige Zeitpunkt im Sinne des Kairos. Dass es vielleicht nie wieder diese Gelegenheit gibt, so innig und vertraut mit Jesus zusammen zu kommen.

 

Und ich glaube die Antwort von Jesus drückt genau dies aus. Das Verhalten und die Persönlichkeit von Maria sind nicht das, was immer das „gute Teil“ ist, nein, es geht nur um diesen Tag, um diese Stunden, das Jetzt.

 

Maria hat intuitiv gespürt, was dran ist. Sie war mit sich im Einklang. Sie hat sich nicht gängeln lassen von der Schwester, hat nicht ängstlich gefragt, was die anderen von ihr denken, wenn sie sich zu Jesus setzt. Sie stand zu sich und zu ihren Wünschen und Bedürfnissen.

 

Auch Martha war authentisch. Sie hat ihrem Ärger Luft gemacht. Sie hat ihren Ärger nicht runtergeschluckt oder ihn nur indirekt über Blicke oder schlechte Laune ausgedrückt. Und Jesus wendet sich auch ihr liebevoll zu und bringt ihr gegenüber zum Ausdruck, dass sie sich zu sehr sorgt und müht. So als wolle er ihr sagen: Streng dich nicht so an, ich nehme dich auch ohne all Dein Bemühen wahr und mag Dich, Du bist kostbar. Jesus will Martha ermutigen, sich auch Zeit zu nehmen für ein Gespräch mit ihm.

 

Ich höre weniger einen Tadel zwischen den Zeilen heraus als vielmehr ein liebevolles Ermutigen, doch die Geschäftigkeit einmal einzustellen und bei Jesus Ruhe zu finden. In Johannes 11,4 heißt es: „Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus.“ Jesus liebte Martha also genauso. Und wie aus vielen anderen Bibelstellen hervorgeht, ließ Jesus sich gerne einladen und hat Gastfreundschaft und gute Bewirtung genossen und nie abgewertet.

 

 

Über Martha und Maria wird in der Bibel noch einmal berichtet und zwar in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus. Johannes 11, 1-44.

 

Lazarus war der Bruder von Martha und Maria und als er krank wurde riefen seine Schwestern Jesus und ließen ihm ausrichten: „Herr, sieh’, den du lieb hast der liegt krank.“ (Vers   ). Nachdem diese Nachricht Jesus erreicht hatte, blieb er noch 2 Tage an dem Ort, wo er sich gerade aufhielt. Und als Jesus sich schließlich mit seinen Jüngern auf den Weg nach Bethanien machte, wusste er bereits, dass Lazarus tot war. Als Jesus mit seinen Jüngern in Bethanien ankam, lag Lazarus schon 4 Tage im Grab.

 

Als Martha hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, ging sie ihm entgegen und als sie ihn traf sprach sie: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt noch weiß ich, dass was du bittest von Gott, dass wird dir Gott geben.“ Darauf weist Jesus sie auf die Möglichkeit der Auferstehung von Lazarus hin. Martha missversteht dies jedoch und gibt ein Zeugnis  ihres Glaubens an die Auferstehung am Jüngsten Tag. Sie formuliert das so: „Herr, ja, ich glaube, dass du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“

 

Martha rief dann heimlich ihre Schwester Maria. Auch Maria ging zu Jesus und fand ihn noch vor den Toren der Stadt. Und als Maria Jesus sah, fiel sie ihm zu Füßen und sprach: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“  Maria und die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten und Jesus war ergriffen. Er ging mit ihnen zum Grab und verlangte, dass sie den Stein wegnehmen sollten. Martha machte Jesus darauf aufmerksam, dass der Leichnam ihres Bruders schon stinken würde. Sie hoben auf Jesu Verlangen den Stein weg und Jesus rief: „Lazarus, komm heraus!“ Und der Verstorbene kam heraus.

 

In dieser zweiten Geschichte können wir nochmals die unterschiedlichen Charaktere studieren. Martha war die erste, die Jesus entgegen lief. Wieder ist sie die Bestimmende, die Aktive. Martha ist voller Vertrauen zu Jesus. Sie weiß, dass er den Tod des Bruders hätte verhindern können; traut ihm aber auch zu, dass er noch jetzt –nach dem Eintreten des Todes- noch etwas machen kann. Martha gibt ein klares Glaubensbekenntnis ab –.

 

Martha ist also eine glaubensstarke Frau mit sehr viel Realitätssinn. Die schnörkellos und klar die Bedeutung von Jesu Leben erkannt hat. Das heißt doch, auch sie hat Jesus zugehört und sich ein eigenes Bild gemacht, so dass sie ein so tiefes Glaubensbekenntnis ablegen konnte.

 

Und wie verhält sich Maria?

Sie war zunächst ganz in ihrer Trauer und in ihrem Schmerz gefangen. Sie ist so stark bei sich und mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht mitbekommt, dass Jesus sich der Stadt nähert. Martha muss sie auffordern und zu Jesus schicken. Als sie ihn sieht kann sie ihre Tränen nicht zurück halten. Sie fällt Jesus zu Füßen und drückt hiermit ihre Ergebenheit aus. Auch sie weiß um die Vollmacht von Jesus und formuliert wie zuvor ihre Schwester: “Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“

Auch in dieser Geschichte zeigt sich Maria als die Gefühlvolle.

 

Und Jesus lässt sich von der Trauer und dem Schmerz der anderen ergreifen. “Er ergrimmte im Geist und ward betrübt“, heißt es in der Bibel. Das war wohl so eine Mischung aus Ärger und Trauer. Jesus kam erst fünf Tage nach dem „Notruf“ der Schwestern in Bethanien an. Der Tod von Lazarus und dessen Auferweckung sollte zur Verherrlichung Gottes dienen.

 

Jesus reagiert nicht hektisch oder allzu menschlich auf die Botschaft von der Erkrankung des Lazerus. Er wartet in Ruhe ab und läßt die Dinge sich entwickeln. Es soll für alle in Bethanien klar sein, dass Lazarus wirklich tot ist. Keiner soll hinterher sagen können, dass Lazarus nur geschlafen habe oder scheintot gewesen sei. Er mutet Martha und Maria den Schmerz des Verlustes zu. Vielleicht liegt in der Aussage der beiden Frauen auch ein gewisser Vorwurf. Im Sinne von: Wärst du da gewesen, dann wäre das nicht passiert. Und damit verbunden die Frage: Warum bist Du unserem Hilferuf nicht sofort nachgekommen?

 

Man könnte auf der einen Seite in der Tat den Eindruck gewinnen, dass Jesus hart und wenig einfühlsam mit den beiden Schwestern in ihrer Sorge um den todkranken Bruder umgeht. Die Auferweckung von Lazerus unterstreicht auf der anderen Seite noch einmal die besondere Beziehung, die Jesus zu den Geschwistern aus Bethanien hatte.

 

Die Auferweckung von Lazarus markiert schon das Ende des Wirkens von Jesus auf der Erde. Und man könnte meinen, dass der Tod von Lazarus und dessen Auferweckung deutlich auf Jesu eigenen Tod hinweisen sollte. Vielleicht sollte so der Glaube der Menschen gestärkt und ihnen Mut und Hoffnung gegeben werden. Eine Hoffnung, die dann auch im Angesicht seines eigenen Todes die Jünger trösten sollte.

 

 

Im möchte auf der Grundlage der Charaktere von Martha und Maria einige allgemeine Sätze zur seelischen Gesundheit formulieren.

 

  1. Psychische Gesundheit bedeutet, dass man flexibel reagieren kann. Man kann antizipieren, wann welches Verhalten angemessen ist. Wer über möglichst viele Handlungsalternativen verfügt, hat eine höhere Handlungskompetenz. Je größer die Handlungskompetenz ist, desto besser ist die psychische Gesundheit.

 

Martha und Maria verfügten über unterschiedliche Verhaltensweisen.

 

Wenn Sie, lieber Zuhörer, von ihrer Grundeinstellung her ein eher pessimistischer, misstrauischer Mensch sind, wagen Sie es ab und zu trotzdem, zu vertrauen und hoffnungsvoll und zuversichtlich zu sein?

 

Sind Sie jemand der Dinge eher schwer nimmt und zur Depression neigt? Können sie auch ausgelassen und froh sein?

 

Oder, sind Sie eher ein sich zurückhaltender Mensch? Können Sie auch mal die Initiative ergreifen, aus sich heraus gehen und auf andere zugehen?

 

Sind Sie eher gehemmt und introvertiert? Können Sie sich auch mal vorne hinstellen und sich zu Wort melden?

 

Teilen sie sich anderen mit, auch wenn Sie eher verschlossen sind und lieber zuhören?

 

 

  1. Psychische Gesundheit heißt, dass man im Einklang mit seinen Gefühlen lebt, dass man seine Affekte angemessen ausdrücken kann.

 

Wer seine Gefühle nicht wahrnimmt oder nicht auslebt, gefährdet seine psychische Gesundheit.

Martha und Maria haben ihre Gefühle ausgedrückt. Martha stand zu ihrem Ärger als Maria ihr bei den Hausarbeiten nicht half. Maria weinte über den Tod ihres Bruders und zeigte auch Jesus gegenüber ihre Trauer.

 

 

  1. Psychische Gesundheit heißt, dass man authentisch ist, sich und seine Gefühle wahrnimmt und diese ernst nimmt. Aber auch, dass man zu seinen Einstellungen, zu seinen Grundüberzeugungen und Werten steht und diese auch anderen gegenüber vertritt.

 

D.h., dass man sich nicht verstellt und sich nicht verleugnet. Authentisch ist jemand dann, wenn es eine Übereinstimmung gibt zwischen dem Gesagten, dem nonverbal Ausgedrückten und dem Gelebten.

Wie sieht es mit Ihrer Authentizität oder Echtheit aus? Stehen Sie zu ihren Überzeugungen und dürfen andere ihre Gefühle wahrnehmen?

 

 

  1. Psychische Gesundheit heißt, dass man eine feste Identität hat.

 

Eine Identität zu haben meint, dass man ein klares Bild über sich selbst hat, dass man weiß, wer man ist, was man kann. Identität bezieht sich auf etwas zeitlich Feststehendes. Das Geschlecht, Beruf, Charakter etc. tragen zur Identität bei.

 

Haben Sie ein Selbstgefühl, verfügen Sie über Selbstwert und Selbstvertrauen? Wissen Sie, was Sie ausmacht? Stehen Sie zu sich und Ihrer Einmaligkeit?

 

 

Wie können wir das Gehörte auf unser Leben übertragen?

 

Jesus macht uns deutlich, dass er ganz Mensch und doch ganz Gott ist. Er nimmt seine Gefühle ernst, weiß sie aber in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Nämlich in den Zusammenhang mit seinem Auftrag, seiner Berufung.

 

Jesus fühlt mit uns mit, wenn wir leiden. Er weint mit uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig.

 

Beides ist in unserem Christ-sein gefragt. Das Sich-emotional-betreffen-lassen, die Selbstannahme und die Nächstenliebe. Aber auch das rationale Erfassen der Heilsbotschaft Jesu und damit das klare Bekenntnis. Martha hat dies wie folgt formuliert:

 

„Herr, ja; ich glaube, dass du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“

 

bullet

Wie sollten/können wir unser Verhaltensrepertoire erweitern?

Kannst du dir vorstellen,

jetzt , in deinem Alter,

noch neue Haltungen zu entwickeln,

ungewohnte Einstellungen zu üben,

und nicht schon im Voraus zu wissen,

wie es am besten ist?

Oder hast du dich so festgelegt

und festlegen lassen,

dass jede Veränderung dir zu anstrengend ist?

 

Kannst du dich noch in Frage stellen,

dich herausfordern etwas Neues zu wagen,

anstatt dich immer nur zu wiederholen?

Lass dich von dir selbst überraschen!

In dir gibt es noch Reichtum an Unerschlossenem,

Wirklichkeiten, die erlebt werden wollen,

Gedanken, die in Taten umgesetzt werden wollen.

Kannst du noch aufbrechen?

 

Ulrich Schaffer

  

bullet

Wo gibt es in unserem Leben Herausforderungen?

           Wo sind wir gefragt über unseren Schatten zu springen – vielleicht mal nicht zu fragen,
           was die anderen denken?

 

bullet

Sind wir eher der Martha-Typ und sollten einmal zur Ruhe finden und lernen, uns gefühlsmäßig zu öffnen und Intimität und Nähe zuzulassen?

 

bullet

Oder fehlt uns eher die praktische Seite? Wo sollten wir aktiv werden und handeln?

 

bullet

Wo sind wir zu abwartend, zu passiv, vielleicht auch zu gefühlsbetont?

 

bullet

Fehlt uns der Mut zu einem öffentlichen Bekenntnis unseres Glaubens?

 

Zu sich stehen heißt für mich nicht stehen zu bleiben, sondern sich weiter zu entwickeln. Im persönlichen Glauben gegründet zu sein, heißt für mich, Gott das Unmögliche zuzutrauen.

 

Martha und Maria ließen nach Jesus rufen. Wir können uns im Gebet an Jesus wenden und ihn um Hilfe bitten. Die Hilfe erfolgt nicht immer so wie wir es erwarten. Oft dauert es auch länger bis Jesus eingreift, länger als wir uns das vorstellen. In dem scheinbar nicht Antworten liegt oft schon die eigentliche Hilfe. Gott erhört unsere Gebete nicht immer so, wie wir es erwarten.

 

Wir dürfen zu uns stehen, zu unseren Eigenarten, Verletzungen und Unzulänglichkeiten. Aber wir dürfen uns auch lebenslang weiterentwickeln und müssen uns nicht abfinden. Gott hat in uns viele Potentiale hineingelegt und er möchte, dass wir zu einer tieferen Persönlichkeitsentfaltung finden.

 

Unsere Wege und Ziele verändern sich im Laufe des Lebens und es geht nicht darum, immer höhere Höhen zu erreichen, sondern neuen Situationen immer wieder unvoreingenommen zu begegnen und auch die eigenen Begrenzungen zu akzeptieren.

 

Ich wünsche Ihnen, dass sie sensibel und wachsam sich selbst gegenüber bleiben und, dass sie ihren Gefühlen vertrauen können und lernen, sich selbst angemessen zu vertreten und zu schützen. In ihnen liegt etwas Kostbares, Einmaliges, das wert ist, entdeckt zu werden.

 

 

Ilse Hellmann

                       

  

 

Impressum