Mitarbeiterfest am 03. 02. 2006 im Gemeindehaus
Vortrag von Herrn Rolf Scheffbuch, Prälat i.R.
anläßl. des 160igsten Todestages von G.W. Hoffmann am 29. 1. 2006.
 

 

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Wilhelmsdorfer,

Gottlieb Wilhelm Hoffmann hat kurz vor seinem Tode am 29. Januar vor 160 Jahren mit zitternden Fingern immer wieder etwas auf seine Bettdecke geschrieben. Wer genau hinsah merkte, dass es der Name „Wilhelmsdorf“ war. Nun hat Gottlieb Wilhelm Hoffmann sonst nicht gezittert. Er war ein hoch gewachsener, stämmiger Mann von 1,90 m Größe. Er war ein echter Chef, ein starker Mann, der durch sein Amt als Amtsbürgermeister verantwortlich war für die Dörfer im großen Amt Leonberg.

16 Gesuche sind abgeschmettert worden. Es war früher schon so, wenn man bei der Regierung was erreichen wollte, musste man bohren. 16 Eingaben – die 17. wurde auch noch gemacht. Er hat die Not des Landes gesehen, dass die besten Leute aus dem armen Württemberg abwanderten. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie elend die Armut damals war nach den Hungerjahren 1816/17, die quer durch Europa ging. Im Remstal, in dem ich 14 Jahre Pfarrer sein durfte, sind die Leute in den Schurwald und in den Welzheimer Wald gegangen, haben Rinde von den Bäumen runter geholt und ins Mehl hinein gemahlen.

Es sind viele der besten Leute ausgewandert, und Hoffmann sagte: Wir müssen ihnen einen Anreiz bieten, dass sie im Land bleiben. Wenn wir eine Möglichkeit hätten, dass sie eine christliche Gemeinde bilden, wo sie selber bestimmen können, wie ihr Gesangbuch aussieht, welchen Pfarrer sie einladen, der die Gemeinde im neutestamentlich biblischen Sinne leitet. Oh Wunder, das 17.Gesuch wurde genehmigt. In diesem armseligen Tal, in dem heute Korntal ist. Der Name ist unrecht, es gab Jahre, wo man im Slalom um die einzelnen Halme herumlaufen konnte, es war ein lehmiger Boden. Und der Herr von Görlitz hat dann sein Schlossgut verkauft an Hoffmann, und so entstand 1819 die Brüdergemeinde Korntal.

G.W. Hoffmann sagte: Ich möchte doch nicht nur ein Korntal, sondern weitere Gemeinden gründen. König Wilhelm sagte: Ach, da gibt es so viel Widerstand gegen Euer Korntal, also höchstens, wenn ihr einen national ökonomischen Zweck damit verbinden könnt, einen volkswirtschaftlichen Zweck. Wenn Ihr etwa in dem Oberland, da gibt es ein paar Domänen, noch viel Land, was urbar gemacht werden kann, das Lengenweiler Ried, wenn ihr das vielleicht bebauen könntet, dann genehmige ich eine zweite Gemeinde. Und so wurde die Genehmigung ausgesprochen für das, was wir jetzt hier sehen. Wenn Sie in das Heinrich Gutbrod-Zimmer hineingehen, sehen Sie ein schönes Bild von König Wilhelm und daneben das Bild von Gottlieb Wilhelm Hoffmann. In großer Dankbarkeit war er ihm verbunden, dieser Hoffmann, der sonst nicht viel auf Könige gesetzt hat, aber diesem König Wilhelm wollte er Dankbarkeit erweisen. Aber noch mehr seinem König Jesus Christus.

Aber schon mit den ersten Siedlern erlebte Gottlieb Wilhelm Hoffmann einige Enttäuschungen, denn wir bleiben eben Menschen. Er hat mal gesagt: Am liebsten würde ich alle Siedler von Korntal in einem Mörser zerstoßen zu Pulver und daraus neue Korntaler machen.

Und in Wilhelmsdorf war es so, dass die Not mit dem Grund und Boden bis heute da ist. Ich hab mir vorher erzählen lassen, dass man dieses schöne Gemeindehaus in eine Wanne hineinbauen musste wegen des nassen Bodens. Es war für die ersten Siedler knochenharte, schwere Arbeit. Und Hoffmann hat sein letztes Vermögen hineingeopfert, um das Wilhelmsdorf zu retten. Bei seiner Beerdigung am 31.1. 1846 verlas der Sohn, Ludwig Wilhelm Hoffmann, einen Brief seines Vaters: „Sammelt doch Geld für Wilhelmsdorf, wir dürfen doch Wilhelmsdorf nicht kaputt gehen lassen.“

Da er eine Begabung für junge Menschen hatte, sah er, wie die Straßenkinder damals auf der Straße lebten, was wir heute von Nairobi hören oder von Rumänien, dass Bettlerbanden durch die Lande ziehen, war nach den Hungerjahren1816/17 gang und gäbe bei uns in Württemberg. Die bürgerlichen Gemeinden haben Kinder, wenn die Eltern gestorben waren, verstoßen, weil sie Geld kosteten. So entstand ein Rettungshaus, eine Kinderrettungsanstalt zunächst in Korntal und 1830 in Wilhelmsdorf.

Nebenher hatte Hoffmann die Kolonisten vor allem in Südrussland im Auge. Er sandte ihnen Pfarrer, die das Modell der Brüdergemeinde nach Russland verpflanzt haben. Aktive Menoniten-Brüdergemeinden sind aus diesem Modell von Russland heraus entstanden. Ich will damit sagen, dass Gott Hoffmann die Gabe gegeben hatte, für die anstehenden Aufgaben die richtigen Leute zu finden.

Hoffmann hat den ersten Missionsunterstützungsverein schon in Leonberg gegründet und war glücklich, dass sein eigener Sohn Ludwig Wilhelm Hoffmann einer der ersten Missionsdirektoren der jungen Basler Mission, später Generalsuperintendent in Berlin wurde.
Aber dieser Sohn von Hoffmann, befreundet mit Johann Christoph Blumhardt und mit dem späteren Prälat Kapf, diese drei sagten: Was wir bei Gottlieb Wilhelm Hoffmann gelernt haben, das übersetzen wir hinein, bei Kapf in die Württembergische Kirche, bei Dr. Hoffmann, Generalsuperintendent, in die Preußische Kirche und bei Johann Christoph Blumhardt in seine Seelsorgearbeit. Wir ahnen nicht, wie viele Impulse auf Hoffmann zurückgehen. Bei ihm sprudelte es nur so von Ideen. So war es auch in Wilhelmsdorf, es musste ein Heim im armen Wilhelmsdorf entstehen für strafentlassene Frauen. Zusammen mit Spittler richtete er die erste Taubstummenanstalt ein.

160 Jahre nach dem Tod von Gottlieb Wilhelm Hoffmann und 182 Jahre nach der schwierigen Gründung von Wilhelmsdorf, bitten Sie so wie Hoffmann gebetet hat im schlichten Gebet: "Herr gib mir Phantasie, Durchhaltekraft und Liebe zu den Menschen, über die ich mich manchmal aufrege." Wir sind so verschieden in der Gemeinde Jesu, nur die Liebe des Herrn Jesu kann uns zusammenhalten und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass diese Liebe Sie zusammenhält und neue Aufgaben zeigt.

Korntal und Wilhelmsdorf, das war ein Wort von Hoffmann und damit will ich schließen, dürfen keine Tümpel sein mit abgestandenem Wasser, sondern gespeist von der Quelle Gottes sollen Sie lebendiges Wasser hinein strömen lassen ins Land. Das ist von Wilhelmsdorf und von Korntal aus geschehen.

Rolf Scheffbuch

 

                       

  

 

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