Jesaja 65, 17-25
Wir Menschen sind meistens ziemlich vergesslich. Wir müssen an das erinnert werden, was wir eigentlich längst wissen; heute daran, dass unser Leben vergänglich ist. Aber wir werden auch an die Ewigkeit erinnert, an den neuen Himmel und die neue Erde.
17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.
Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.
23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.
Wussten Sie, dass in Deutschland die zuversichtlichsten Menschen in Baden-Württemberg wohnen? Das geht jedenfalls aus der Befragung durch eine Versicherungsgesellschaft hervor. Sie wird regelmäßig durchgeführt. Demnach hat sich die Angstsituation gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Am meisten Angst haben die Leute zwischen 20 und 60. Die Jüngeren und die Älteren haben deutlich weniger Angst.
Doch aufs Ganze gesehen sind wir ein angstbesetztes Volk. Und die anderen nehmen das auch so wahr. Im amerikanischen Magazin Time wurde (2004) davon gesprochen, dass die "Zukunftsangst" (auf deutsch) das Hauptproblem in Deutschland sei.
Haben wir Anlass zur Hoffnung?
Wirkliche Hoffnung gibt es nur von Gott her. Denn nur er kann Verheißungen geben, weil er die Zukunft in seiner Hand hat.
Wir wollen jetzt einfach genau hinschauen, welche Schwerpunkte im heutigen Predigttext liegen.
Was uns in unserem Leben ins Leere laufen lässt. Vergebliche Arbeit.
Ein Studienkollege meiner Frau während des Studiums hat von seiner Arbeit im Labor erzählt. Pharmazeuten müssen ja viel im Labor arbeiten. Irgendwelche Analysen machen oder im Reagenzglas etwas herstellen. Dieser Studienkollege sagte: Jetzt suche ich schon 2 Jahre nach weißen Kristallen, und was ich bekomme, ist eine braune Brühe.
Wahrscheinlich kann jeder von seinem Leben viel erzählen, wo etwas danebengegangen ist. Frustrierende Erfahrungen. Du pflanzt einen Baum und er bringt keine Früchte. Aber trotzdem gibt es schlimmere Dinge.
Zu früher Tod. Unheilbare Krankheiten.
Eine junge Mutter stirbt an Krebs, von den Kindern weg.
Oder Eltern müssen ihr Kind wegen eines Unfalls hergeben.
Krieg und Vertreibung. Wie viele Menschen haben in unserer Generation ihr Hab und Gut, ihr Haus, ihre Felder, oft auch ihr Vieh zurücklassen müssen. In den über 25 Jahren meines pfarramtlichen Dienstes in vielen Gemeinden haben ich viele von den Schicksalen kennen gelernt. Aber nicht nur Deutsche aus den Ostgebieten, sondern weltweit gab es in den letzten Jahrzehnten unglaublich viel Flüchtlingselend.
Genau das wird auch angesprochen: Das wird nicht mehr sein. Es wird kein Anlass für die Angst mehr geben. Man wird nicht mehr Häuser bauen und sie zurücklassen, man wird nicht mehr anpflanzen, was dann andere ernten und essen.
Der Prophet sieht: Das alles wird es nicht mehr geben. Denn Gott will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen - oder ich schaffe den Himmel und die Erde neu. Beim Lesen merkt man, dass er das alles mitten in dieser unserer Welt beschreibt, sozusagen eine Renovierung dieser Welt.
Wir haben im NT eine andere Situation. Da wird von einer wirklichen Neuschöpfung gesprochen. Diese Welt wird nicht mehr vergänglich sein. Die Kennzeichen des Vergänglichen sind vorbei.
In der Bibel wird immer wieder das als die größte Freude beschrieben, wo Gott angebetet und gelobt wird über seinen Taten und über seiner Größe. Man denke an die Taten Gottes beim Auszug aus Ägypten, oder an die vielen Lobpsalmen.
Und dann kann man auch an den Lobgesang in der Offenbarung denken (Offb. 19,1-7). Eine große Stimme und schließlich eine Menge von Menschen stimmen in das große Halleluja ein. Die Freude ist groß. Nicht mehr die Mächtigen der Welt geben den Ton an, sondern Gott. Das ist der Inbegriff der Herrlichkeit. Endlich ist die Zeit gekommen, wo man nicht mehr nach der Pfeife des großen Geldes oder der mächtigen Lobbyisten oder Meinungsmacher tanzen muss. Endlich hat Gott auf der ganzen Linie das Sagen. Das ist eine ungeheure Freude.
Ich weiß nicht sicher, ob Händel daraus das Motiv für das große Halleluja genommen hat. Es könnte auch z.B. der 150. Psalm sein. Aber es ist nicht so wichtig: Auch Händels großes Halleluja stimmt in dieses Lob Gottes ein. Das ist anders als das Lob von menschlichen Taten.
Nicht erst in NT, sondern auch schon im AT wird diese Fröhlichkeit beschrieben. Der Prophet weiß: Die Fröhlichkeit hat ihren Grund. Da gibt es ein neues Verhältnis zu Gott. Die Menschen rufen und Gott antwortet. Und da gibt es keine Verzögerung mehr. Sondern Gott kommt sogar dem Rufen der Menschen zuvor. Amen.