Offenbarung 5, 6a+8+9
Überschrieben ist dieses Kapitel: "Das Buch mit den sieben Siegeln." Zunächst muss man zur Kenntnis nehmen, was der Jude darunter verstanden hat:
Laut Beschreibung von Johannes kann man davon ausgehen, dass es sich bei diesem Dokument um eine Art der antiken Doppelurkunde handelt. Bei wichtigen Urkunden, wie etwa Testamenten und herrscherlichen Erlassen, wurde eine Kurzfassung des Buchinhalts zusätzlich auf die die Rolle umgebende Außenhülle geschrieben, so dass die Bedeutung des Inhalts ersichtlich war. Der eigentliche Inhalt dann mit 7 Siegeln versehen. Mit 7 Siegeln versehen heißt nach jüdischer Tradition: etwas ist unveränderlich. Der Gottesbeschluss in diesem Buch ist unabänderlich. Wäre er nur "untersiegelt" und nicht "versiegelt" ist, kann dieser Gottesbeschluss noch verändert und aufgehoben werden.
Christen dürfen sich für heute und in alle Zukunft sicher sein: nichts von dem, was sich in dieser Welt, in meinem Leben abspielt, läuft ins uferlose, herrenlose, hoffnungslose, endlose. Alles von dem mündet zum Zeitpunkt von Offenbarung 5 im Beschluss Gottes, wie und das es weitergehen soll. Als Christ weiß ich: Gott hat sich entschieden, das es mit der Welt, mit uns, mit mir einmal weitergehen wird. Das besondere an einem Beschluss, der versiegelt wurde ist, dass er nicht mehr allgemein zugänglich ist, damit er vor Missbrauch geschützt ist. In dieser Spannung leben Christen: wir wissen, das Ende, gleichbedeutend mit "die Zukunft" ist endgültig besiegelt. Es kann nicht mehr abgewendet werden. Gott ändert daran nichts mehr. Ich darf wissen, dass es weitergeht. Ich weiß nur nicht, wie es weitergeht.
Und genau das ist ja mein Leben: Viele Lebensstationen kommen mir vor wie ein Buch mit sieben Siegeln. Unergründlich, schwerverständlich, völlig unbekannt, undurchschaubar vorkommen, unbegreiflich, unerklärlich. Viele mögen sich schon über die Kräfte hinaus mit solch ungelösten Problemen und völlig unerklärlichen Schicksalsschlägen konfrontiert sehen. Und immer noch ist kein Ende abzusehen. Im Gegenteil: Noch immer nimmt das Leben seinen Lauf. Noch immer dreht sich meine kleine Welt mehr schlecht als recht. Mal mehr in der Bahn, mal völlig aus der Bahn geworfen.
Hier in Offenbarung 5 scheint das Leben still zu stehen. Nichts geht mehr. Es ist, als ob alles festgefahren ist. Kein Vor, kein Zurück mehr möglich. Und alle beteiligten halten den Atem an: was soll jetzt werden. Sie wissen: es geht nur weiter, wenn einer gefunden wird, der das Buch mit den 7 Siegeln öffnen und lösen kann. Sprich: der den Beschluss, das Testament, den Willen Gottes ins Rollen, in Bewegung bringen kann. Der Zukunft eröffnen kann. Dann geht das Leben weiter!
Nur dann, wenn einer gefunden wird, der würdig ist, das ungelöste zu lösen, das unverständliche zu erklären, das unergründliche zu begründen, das unbekannte zu beschreiben, das unbegreifliche begreiflich zu machen, nur dann geht das Leben weiter. Die große Not von Johannes ist, dass niemand im Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde würdig ist, das zu tun. Und wenn niemand gefunden wird, geht es nicht weiter. Es müsste einer gefunden werden, der würdig ist aufzutun das Buch und seine sieben Siegel und hineinzusehen und den Durchblick zu haben. Würdig meint im griechischen, der die Befähigung hat, der die Qualifikation hat.
Es scheint so, dass vom Finden dieser geeigneten Person alles Weitere abhängt. Es wird eine Stelle geben, an dem das ganze weitere Weltgeschehen von dieser einen fähigen und qualifizierten Person abhängt.
Quasi wie Vorboten, wie Symptome spielt sich das große heute schon bei mir in meiner kleinen Welt ab. Schon heute spürt der eine oder andere von uns: das wir unser Leben nicht selber in der Hand haben. Mein Leben ist an vielen Stellen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Wer kann mir den Sinn erklären, wo ich nur Sinnloses sehe? Wer kann mir die Bedeutung erklären, von dem, was mich zur Verzweiflung treibt? Wer hat den Durchblick, Einblick und Überblick über alles, was sich mir als rätselhaft, unbegreiflich, unverständlich, völlig sinnlos präsentiert. Ich darf für mich und meine kleine Welt heute schon wissen, was sich im Großen und Ganzen einmal abspielen wird: meine Zukunft ist beschlossene Sache von Gott. Daran lässt sich nichts mehr ändern. Er gibt mir darauf Brief und Siegel. Durch den Propheten Jeremia spricht Gott "Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung." In diesem Buch mit den sieben Siegeln ist meine Zukunft besiegelt.
Aber diese Zukunft hängt einzig und alleine von dieser einen Person ab, die qualifiziert ist, die geeignet ist, dass mein Leben weitergeht, dass ich Zukunft habe! Das Gottes gute Gedanken über mich zu meiner persönlichen Zukunft werden, hängt von diesem Vermittler, von dieser würdigen Person ab. Wenn die das Buch Buch mit den sieben Siegeln öffnet, entstehen für mich und für die Welt völlig neue Lebensperspektiven, völlig neue Lebensmöglichkeiten. Völlig neue Lebensqualitäten.
Und dann ist es endlich so weit: mitten in dem Augenblick, wo nichts mehr geht, wo die Zeit und der Atem von vielen still steht, wird der gefunden, der würdig ist. Der qualifiziert ist und fähig: siehe, das Lamm Gottes. Und Johannes sieht das Lamm Gottes: "Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet."
Johannes erkennt in dem Lamm Jesus wieder, den er schon einmal als Lamm beschrieben hat. Als Jesus zu ihm kam, in Betanien, wo Johannes taufte: "Siehe das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!"
Und dann bestätigen alle Älteste, die ganze Gemeinde von Zeugen: Ja, dieses Lamm Gottes ist würdig zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel. Von dem ist abhängig, dass unsere Weltgeschichte und meine Lebensgeschichte weitergeht.
Und Johannes und alle sehen auch, warum er würdig ist, warum er qualifiziert und befähigt ist. Will das Lamm geschlachtet wurde und mit seinem Blut Menschen für Gott erkauft hat.
Von dem, was das Lamm, Jesus für mich getan hat, ist mein Leben abhängig. Der am Kreuz für sein Blut für uns vergossen hat, um uns damit neues Leben zu geben, von dem ist letzten Endes und letztgültig alles abhängig.
Warum ist von seinem Blutvergießen mein Leben abhängig?
3. Mose 17, 11:
"Denn des Leibes Leben ist im Blut und ich habe es euch für den
Altar gegeben, dass ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil
das Leben in ihm ist."
Mein Leben ist davon abhängig, weil ich vom Jesusblut entsühnt werde. Das heißt, es reinigt mich von aller Schuld.
1. Johannes 1, 7:
"Das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde."
Und es gibt mir neues Leben. Im Blut ist das Leben. Wenn Christus sein Blut für mich vergießt, heißt das letzten Endes, das neues Leben in mich strömt. Ewiges Leben. Ewig im hebräischen Wortsinn: von unvergleichbarer, unverwüstbarer, unzerstörbarer Qualität. Deshalb kann Paulus sagen:
ist jemand in Christus, ist er eine neue Kreatur. Das alte ist vergangen
, vergossen, weggespült, nicht mehr relevant.
Neues ist geworden.
Und diese neue Kreatur, dieses neue Leben ist auch seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben worden, nämlich Gott. Die alte, lebensnotwendige Beziehung zwischen Gott und Mensch wird "instand" gesetzt.
Unser Leben hängt letzten Endes von diesem Lamm, von diesem Christus, von dieser Erlöserfigur ab. Von nichts und niemand anderem. Unser Leben: das sind viele Teilbereiche. Ich merke es in meiner Ehe. Sie lebt von der Versöhnung. Vom immer wieder Instand gesetzt werden. Ich merke es überall, wo ich mit Beziehungen zu tun habe: mit Kollegen, mit Freunden, mit Nachbarn. Beziehungsqualität ist abhängig von dem, der die Schlüsselqualifikation dafür hat: Versöhnen und Verwöhnen. Auch die Beziehung zu mir selber lebt vom qualifizierten und befähigten Wirken Christi, der mich immer wieder aus Knechtschaften und Gestörtheiten herausholt und mich meinem rechtmäßigen Besitzer übergibt.