Gottesdienst am 4. Advent, 18. Dezember 2005, in Wilhelmsdorf um 9.00 Uhr, Predigt über 2. Korinther 1, 18-22.


Wissen Sie, was eine Hausfrauen-Apologie ist? - Eine Verteidigungsrede, wenn etwas schiefgelaufen ist.

Das Essen steht auf dem Tisch. Es dampft und lädt ein zum Essen. Das Tischgebet ist schon gesprochen. Aber die Hausfrau muss erst noch eine Vorrede halten. Es ist zu viel Salz in die Suppe geraten. Und die Erklärung: Ursprünglich war überhaupt kein Salz da. Dann hat sie es doch gefunden. Vor lauter Freude über das lang Gesuchte geriet dann ein bisschen zu viel hinein. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm. Aber erklärt werden muss es eben.

Der Predigttext gehört zu etwas Ähnlichem, nämlich zu einer Art Apologie des Apostels, wovon es im 2. Korintherbrief mehrere gibt. Doch dann wird aus dieser Apostel-Apologie etwas ganz anderes.

18 Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.
19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.
20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.
21 Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt
22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.


Zunächst soll der menschliche Hintergrund angesprochen werden: Es ist der Vorwurf der Unzuverlässigkeit und des Misstrauens. Überall, wo Menschen sind, gibt es auch dieses Misstrauen.

Unzuverlässigkeit, Lüge, Betrug: Das ist eine teure Sache.

Was kostet es, Betrugsfälle aufzudecken? Herauszufinden, wo Menschen einander oder die Gesellschaft an der Nase herumführen?

Die modernen Staaten unterhalten große Institutionen, die größtenteils den Zweck haben, herauszufinden, was einem die Menschen vorenthalten. Die Rechtsprechung, Wirtschaftskontrolldienst bzw. Lebensmittelüberwachung, Steuerfahndung und vieles mehr.

Allein der Etat des BND ist pro Jahr ca. 500 Millionen Euro. Und das ist ja nur ein kleiner Teil der Gelder zur Aufklärung. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sind damit beschäftigt, herauszufinden, wo die Menschen etwas anderes sagen als sie wirklich meinen. Misstrauen verschlingt riesige Summen an öffentlichen Geldern, und manche Menschen geben ihr halbes Vermögen deswegen hin.

Ach, was wäre das schön, wenn wir uns immer aufeinander verlassen könnten! Aber selbst in der christlichen Gemeinde gibt es Misstrauen; sogar in der angesehenen Mustergemeinde zu biblischer Zeit.

Dem Apostel Paulus wird Misstrauen entgegengebracht. Offenbar haben einige Leute in Korinth gesagt, er sei unzuverlässig. Er würde Versprechungen abgeben, die er dann nachher gar nicht halte. Soweit der Vorwurf.

Tatsache ist: Er hatte einen Besuch geplant und das die Korinther wissen lassen. Seine Reisepläne waren schon sehr konkret gediehen. Doch dann wurden sie wieder und wieder umgeworfen. Kurz gesagt, weil sich die Umstände geändert hatten.

Aber die Hauptsache für den Ärger wird wohl gewesen sein: Die Korinther hätten bei dieser Reise eine wichtige Aufgabe gehabt. Und sie wussten auch schon selbst, dass sie wichtig sind. Sie galten etwas unter den Christengemeinden. Und so waren diese ehrenkäsigen Korinther einfach sauer, als Paulus seine Reise nicht entsprechend den Plänen durchführte. Verletzter Stolz wird die Ursache gewesen sein, dass sie nun Paulus vorhalten, er sei nicht zuverlässig. Auf seine Worte sei kein Verlass.

Das ist die ganz menschliche Seite.

Vielleicht sagen manche: Die Chemie zwischen beiden Seiten hat eben nicht gestimmt. Aber die Sache geht tiefer. Der Glaube in Korinth könnte darüber zerbrechen.

Das Vertrauen oder Misstrauen gegenüber dem Apostel ist keine Nebensache. Denn kann und darf es sein, dass ein Diener Christi seinem Herrn nicht entspricht? Gott ist treu. Muss dann sein Diener nicht ebenso treu sein? Und wenn er unzuverlässig ist, färbt das dann nicht auch auf Gott ab?

Es ist um so erstaunlicher, dass Paulus sich kaum rechtfertigt. Nur sehr zurückhaltend deutet er es an: Er wollte ihnen noch Zeit lassen, die nötigen Dinge in der Gemeinde zu ordnen, bis er kommen könne. An anderen Stellen hat Paulus den Korinthern schon ganz gehörig die Meinung sagen können. Aber hier tut er es nicht. Wo er selbst angegriffen wird, hält er sich mit der Verteidigung sehr zurück. Nicht auf Paulus sollten sie schauen, sondern auf den, in dessen Auftrag und Dienst er stehe. Auf seine Zuverlässigkeit will er verweisen. Menschliche Streitereien lenken ab.

Darum schaut doch auf ihn. Gott täuscht uns nicht. Er hat zu uns vorbehaltlos Ja gesagt, als er Jesus zu uns geschickt hat. Wenn wir in ein paar Tagen Weihnachten feiern, dann feiern wir dieses Ja, das Gott zu uns gesagt hat, wir feiern, dass dieses Ja zu uns gekommen ist, dass es Mensch geworden ist, sich verkörpert hat. Gott hat es nicht vorgezogen, uns aus der Ferne mitleidig zuzuschauen, sondern er ist gekommen, um alle seine bisherigen Versprechen einzulösen.

Und in Jesus hat er seine Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt. In ihm macht er die alten Verheißungen wahr.

Diese Verheißungen fasse ich in 5 Punkten zusammen:

 

1. Verheißung:
Unsere Befreiung von der zerstörerischen Macht des Teufels

Als die Menschen das erste Mal diesem Feind folgten und auf ihn hereinfielen und die Folgen der Sünde sichtbar wurden, da stellte Gott erstmals auch die Befreiung von dieser Macht des Satans in Aussicht, den Befreier: Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Jesus kam und hat ihn besiegt. über seine Sendung hat er selbst gesagt: „Ich bin gekommen, dass ich die Werke des Teufels zerstöre.“

2. Verheißung
Die Erlösung von Schuld und Gericht Gottes.


Die ganze Strafe, die wir wegen unserer Sünde verdient hätten, hat Gott auf Jesus gelegt. Als er litt und am Kreuz starb, da hat er uns von der Strafe losgekauft, die uns hätte treffen sollen. Durch seinen Tod sind wir frei von unserer Schuld und werden im Gericht Gottes nicht mehr angeklagt, wenn wir seine Erlösung anerkannt haben.

3. Verheißung:
Die Überwindung unserer Einsamkeit, unserer Ohnmacht und unserer Ängste.


Einsamkeit, Ohnmacht, Angst und das Gefühl der Sinnlosigkeit machen die Menschen krank.

Wer sich auf die Seite Jesu gestellt hat, für den sind nicht alle Ängste und Fragen schlagartig gelöst. Aber er hat einen Zufluchtsort, wo er mit diesen Nöten allen hin kann. Jesus hat ja gesagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, denn ich habe die Welt überwunden.“ Bei ihm können die Wunden unserer Ängste ausheilen, wenn wir nur zu ihm das Vertrauen haben und uns von ihm durch unser Leben leiten lassen.

Wir brauchen nicht ängstlich herumzuirren, sondern es gibt einen Halt: Bei dem Kind in der Krippe, der Gottes Ja ist, ein unscheinbares Ja, und doch größer als unsere menschlichen Versprechungen. Wer auf ihn vertraut, der wird nicht enttäuscht.

4. Verheißung:
Das neue Leben aus Gott


Als Israel in der Babylonischen Gefangenschaft war und es ihnen so dreckig ging wie nie zuvor, da dachten sie darüber nach, was die Ursache ihres großen Unglücks sei. Sie entdeckten, das ist nichts anderes als unsere falsche Lebensausrichtung. Und sie begannen, sich danach auszustrecken, dass sie neue Menschen werden könnten. Da versprach ihnen Gott:

„Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus euch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“

Wer ein Eigentum Jesu ist, der hat alle Möglichkeiten zu diesem neuen Herzen. Er kann in der Nachfolge Jesu lieben, wo er gehasst wird, er kann helfen, wo nur Gleichgültigkeit ist. Aber es kommt nicht automatisch. Man muss sich danach ausstrecken, man muss sich von ihm von Tag zu Tag erneuern lassen. Das nennt man Heiligung. Sie ist eine Frucht der bewussten Nachfolge Christi.

5. Verheißung
Die Lösung der Machtfrage

Wie viel Not hat die Machtfrage den Menschen schon bereitet. Gott hat versprochen, dass er sich seiner Herde selbst annehmen will. Auch das will er durch Jesus eines Tages lösen, wonach wir uns sehnen. Bei dem Propheten Daniel heißt es, dass sein Reich ewig ist und alle Mächte ihm dienen und gehorchen werden (7,27).

Alle Verheißungen sind durch Jesus erfüllt. Das ist eine ungeheure Aussage. Denn das heißt, dass nur mit ihm unsere Hauptfragen gelöst werden können. Amen!
 

(Pfr. Dr. Karl Knauß)                          

  

 

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