Gottesdienst am 22. Sonntag n. Trin., 23. Oktober 2005, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Matthäus 10, 34ff.

 

Liebe Gemeinde,

bei manchen Texten haben wir den Eindruck, sie passen so gar nicht zu Jesus, sie gehen uns irgendwie gegen den Strich, wie kann JC so etwas gesagt haben sollen! Auch unser heutiger Text geht in diese Richtung:

Matthäus 10, 34ff.

Wie passt denn dieses:

bullet

Ich bin gekommen das Schwert zu bringen

bullet

Zu entzweien

bullet

Krach und Spaltung zu bringen in die engste, vertrauteste Einheit: die Familie

bullet

S/ Kreuz auf sich zu nehmen und sein Leben zu verlieren

Wie passt das zusammen mit dem Regenbogen, der Friedenstaube, diesen Worten von Schwertern zu Pflugscharen?  Wo ist der Gott, der Liebe ist?

Oder passt es doch?

1.     Das Schwert im NT

      Lk.22,36b rät JC seinen Jüngern, ihren Mantel zu verkaufen und ein Schwert kaufen: die Sikarier liefen immer mit einem Dolch rum, um Meuchelmorde zu begehen, auch JC war immer bedroht.

Petrus zieht im Garten Gethsemane sein Schwert und haut dem Malchus das Ohr ab, doch da – mit dem Ereignis seines Todes, sagt JC: „stecke es weg, denn wer das Schwert benutzt, der kommt durch das Schwert um.“

Um in einer Verfolgungssituation (also um unseres Glaubens willen) eine Waffe zu benutzen, ist von da an nicht mehr möglich. Das Schwert – also Zeichen für Strafe und die Verantwortung für das Recht - hat die Regierung.

Wir Christen haben allein das Wort Gottes, das Schwert des Geistes, das Schwert, das durchdringt, Mark und Bein scheidet und ein Richter der Gedanken und Sinne ist – für uns selbst.

      Das Schwert, von dem hier die Rede ist, zielt auf

 

2.     Die Trennung :               (auf die Entzweiung komme ich später!)

Mose: Er wollte nicht Israel aus Ägypten führen, aber er geht, mit Zippora, seiner Frau. Durch seine Intervention beim Pharao wird in Ägypten alles noch schlimmer für die versklavten Israeliten, sie gehen auf Mose los. Ob er zu diesem Zeitpunkt Zippora und die Söhne zurück schickte – kulturell unwahrscheinlich, dass sie ihn verließ – lässt sich nicht eindeutig sagen,  aber dass sie mit ihm losgezogen war steht im 2.Mose 3, und dass später ihr Vater sie und die Buben zu Mose brachten, ist ausführlich erzählt.

Verzweifelt bittet der tief in seinem Herzen angesprochene  Petrus nach diesem genialen Fischzug: „geh weg von mir, du und ich passen nicht zusammen,  du durchkreuzest alles, was mir vertraut ist, das ist unheimlich. In deiner Majestät , in deinem Licht sehe ich mich so anders – unerträglich – geh, denn ich bin ein sündiger Mensch!“

Wenn Jesus in ein Leben kommt, dann ändert sich alles.

In Kressbronn ist gerade ein Glaubenskurs: Anstößig leben: dabei ging es um Maria, die oft vor den Kopf gestoßen wurde, z.B. als JC 12 Jähre als, sich nicht entschuldigt, dass er der Grund war für die Sorgen – wir haben dich mit Schmerzen gesucht! JC aber antwortet nur: „Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich dort sein muss, wo meines Vaters Haus ist?“ Wie zuckt sie zusammen, bei der Hochzeit zu Kana, wo sie ihren Sohn drauf hinweisen will, dass er jetzt mal seine Macht zeigen könnte, er aber recht schroff sagt: „Frau, was habe ich mit dir zu schaffen, meine Stunde ist noch nicht gekommen!“

Ein anderes Mal will sie ihn beschützen will, ihn nach Hause  holen, weil die Pharisäer schon seinen Tod beschlossen haben. Doch als man ihm sagt, seine Mutter rufe ihn, antwortet er: „wer ist meine Mutter?“  Weil sie zu Gott Ja sagte, war ihr Leben ein gehen durch den Dornenwald.

 

„Sie haben mich gehasst und sie werden euch auch hassen“ – sagte JC am Abend, bevor er in den Garten Gethsemane ging.

Bereits in der Apostelgeschichte  sehen wir das dann von Anfang an – Gefängnis, Verfolgung, Steinigung. 

Doch starben in den vergangenen 100 Jahren mehr Christen wegen ihres Glaubens, als in den 1900 zuvor. Neros Christenverfolgung war nichts gegen das, was Christen heute erleben, erlebten unterStalin, Idi Amin, Pol Pot, Mao tse Tong, um nur ein paar zu nennen.

 

Aber wie passt das ins Evangelium, die Botschaft vom Sieg und der Freude? Wie passt das zusammen mit unserem Auftrag:

So sind wir nun  Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

 

3.     Botschafter an Christi statt: lasst euch versöhnen mit Gott und dagegen:  Ich bin nicht gekommen Friede zu bringen auf Erden.

      JC sagt: Ich bin nicht gekommen, dieser politische Machtmessias zu sein, den ihr euch

      erhofft, sondern ich bin gekommen, um euch mit Gott zu versöhnen.

      JC ist der priesterliche Messias, der sagt: Jo 14,27: meinen Frieden gebe ich euch, nicht gebe ich euch, was die Welt euch gibt: euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

      Ro 5,1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Es geht in der Versöhnung nicht um den Himmel auf Erden, sondern um diese wunderbare Beziehung mit Gott, wie wir in den ersten beiden Kapiteln der Bibel lesen: wo Gott so einfach sichtbar und real diese vertraute Freundschaft mit dem Menschen hatte. Wo JC, Gottes geliebter, eingeborener Sohn uns zu seinen Freunden macht, kommt der Friede in unser Herz, der Friede, welcher höher ist als alle Vernunft und der unser Denken und Empfinden regiert.

 

Aber gleichzeitig muss sich das in einer Welt, die sich gegen Gott stellt, dann auch bewähren: das ist der geistliche Kampf von dem die Schriftlesung handelte (Eph. 6): wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern Mächte und Gewalten stellen sich gegen uns. Und wer weiß das nicht: wer sich auf Jesu Seite stellt, ist heute nicht beliebt - das ist die

 

4.      Entzweiung

Die wollen wir nicht!

Es ist doch nicht nur bei den Teenagern, dass sie cool sein wollen, von den anderen bewundert und akzeptiert. Uns Älteren geht es doch kein Haar besser! Wir haben doch auch Angst davor, wie andere über uns denken und was passieren könnte, wenn wir für unsere Überzeugung an die Öffentlichkeit gingen.

Wann schreiben wir denn einen Leserbrief? Wilhelmsdorf ist ja so eine Art fromme Insel im Bodenseegebiet, aber Friedrichshafen ist anders: Dort z.B. wird an jedem Laternenpfahl für die  Erotik Messe geworben, 3 Wochen später für die Esoterik. Und wir – bleiben wir da einfach still?

Gehen wir auf die Strasse, wenn Neonazis sich wieder breit machen wollen? Oder nehmen wir immer noch Leute wie Bonhoeffer und Sophie Scholl als Feigenblatt, dass auch Deutsche damals gegen Hitler auftraten?

Sagen wir laut und liebevoll, dass wir gegen Abtreibung sind, und das liebevoll würde dann eine aufopferndes Helfen für ein  schwangeres Mädchen beinhalten?

Fällt es Ihnen auch so schwer wie mir, ihren Kindern, Enkeln – in meinem Fall meiner reizenden Nichte zu sagen, dass das Zusammenleben mit einem Mann gegen Gottes Willen ist?

Oder ihrem Patenkind, dass ihre lesbische Beziehung nicht ok ist?

Meine Verwandten erzählen mir, dass für sie im Alltag ein Medium die Hilfe gibt – was sage ich? Man will doch bei einem Familienfest nicht die Harmonie stören!

Lassen wir uns nicht zu schnell darauf ein, das was alle tun dann auch als akzeptabel stehen zu lassen?

Bekannte von mir erlaubten ihrem Sohn und dessen Freundin nicht, in ihrem Haus zusammen zu leben. Doch sagten sie später: „Hätten wir gewusst, dass sie daraufhin über Jahre den Kontakt mit uns abbrachen und wir unsere Enkel nicht sehen durften, wir wissen nicht, ob wir die Kraft gehabt hätten“. Schweigen wäre so viel einfacher. Reden bringt diese Erfahrung des Schwertes, diesen Schmerz, diese Entzweiung.

Wie kommen wir damit klar und weiter?

 

5.   Was wir lernen müssen:

3 Dinge

bullet

Gott zu fürchten, nicht die Meinung der Menschen

bullet

Uns entscheiden, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen

bullet

Aus der Liebe zu Gott, zu Jesus heraus zu reagieren

Dass wir wieder zu Gott dem Vater reden dürfen,

dass wir als Christen keine Angst vor dem Tod und dem Gericht haben müssen,

      dass wir versöhnt sind,

das hat auch JC vom Vater getrennt: Mein Gott, warum hast du mich verlassen – schreit er in die Dunkelheit vom Kreuz, als er den Kelch des Zorns angenommen hatte!

Dort bittet er für die, die ihn auspeitschten, die ihm die Dornenkrone tief in die Stirn drückten, die ihm die Nägel in durch Hände und Füße schlugen: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

 

JC durchkreuzt unsere Vorstellung von einem Heile-Welt-Messias und überbietet gleichzeitig alles, was bisher an Liebe je geschehen ist. Und er zieht uns mit hinein in diesen – jemand nannte es: Spagat und sagt: Wenn du zu mir gehören willst, dann nimm dein Kreuz auf dich und folge mir, dann lass dein Ich los, lass mich die Mitte sein – dann erlebst du, was echtes, erfülltes Leben ist.

 

Von JC her reagieren – ihm nachfolgen. Wenn wir – ich sage es nun mal abgekürzt – diese harten Worte Jesu hören, dann sind die immer in einem bestimmten Context:

bullet

entweder dort, wo er von Theologen angegriffen oder in eine Falle gelockt werden soll,

bullet

oder wenn seine Nachfolger in Gefahr sind, etwas zu übersehen, was uns dann von ihm wegbringen könnte.

Diese harten Worte Jesu rechtfertigen NIE Lieblosigkeit, Sturheit oder dickköpfige Rechthaberei und Selbstgerechtigkeit, die wir oft an den Tag legen, wenn wir angegriffen werden.

Wir haben von der geistlichen Waffenrüstung , die wir anlegen sollen, gehört. Es gibt noch etwas, was wir anlegen sollen, jemand nannte es mal die geistlichen Unterwäsche, die uns auf der Haut liegen muss, die findet man im Brief an die Kol. 3,12

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;

 

Die Motivation unseres Herzens ist entscheidend: aus Gottesfurcht und Dankbarkeit, aus der Liebe Gottes zu allen Menschen heraus, wollen wir sein Licht, seine Wahrheit, seine Heiligkeit in unsere Zeit, in unsere Familien hinein bringen. Mit liebendem Herzen, betend lassen wir uns von Gott leiten. Prof. Michel fasste das mal zusammen mit den Worten: es ist der Weg des Gebets, der Stille, der Geduld und der Leidensbereitschaft in Gottesfurcht, nicht Menschenfurcht.

Drum ist es meine Hoffnung und mein Gebet, dass wir Menschen werden, die Friedensstifter sind, aber nicht wie die falschen Propheten im AT, die um des lieben Friedens willen vor Missständen die Augen verschlossen, die Wahrheit nicht sagten und Konflikte umgingen,

 

bullet

Es geht für uns heute darum, dem priesterlichen Friedensmessias zu folgen.

bullet

Und dass wir in selbstloser Liebe zum Nächsten das sagen, was Gott, der Liebe ist, sagt.

Dass wir wie er das Kreuz nicht scheuen und alles tun, damit auch unsere Familien dann dort ankommen, wo Jesus einmal alle Tränen abwischen wird, wenn wir in der unvorstellbaren Freude bei ihm sein werden.

 

Amen

(Ulrike Schnürle )                          

  

 

Impressum