Gottesdienst 24. Juli 2005, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr
(- leider nicht am Lengenweiler See)

Es passt einfach alles! Das Wetter passt. Der Lengenweiler See passt. Die Taufen passen. Die Loblieder passen. Das Theaterstück passt. Die Bibelverse passen. Sowohl unser Predigttext für heute, als auch die wunderbaren Taufsprüche von Merle und Matthias. Darf ich alles drei nochmal in Erinnerung rufen.

 

Unser Predigttext aus Hebräer 11, 29: Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über trockenes Land; das versuchten die Ägypter auch und ertranken.

Taufspruch von Matthias Roller aus Psalm 27, 1: Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Vor den Ägyptern hinter mir?

Taufspruch von Merle Koch 1. Johannes 4, 19: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

 

Sie fragen zurecht, wie passt das zusammen. Lassen Sie uns reinschlupfen in diese drei Bibelverse wie in einen dreiteiligen Anzug. Ich hoffe, auch die Frauen können sich da hineinversetzen. Nichts schöner, wenn ein Anzug passt. Mir ist das letztens bei einer Tagung christlicher Manager passiert, dass beim Bücken vor meinem Vortrag die Anzughose hinten gerissen ist. Sie können sich vorstellen, wie das aussah. Oder stellen sie sich das besser nicht vor. Schlupfen wir kurz rein und spüren sie wie das passt. Kleiden wir uns als erstes mit der Hose.

 

Hebräer 11, 29: Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über trockenes Land; das versuchten die Ägypter auch und ertranken.

 

Und? Das sitzt doch wie angegossen. Deshalb feiern wir in absoluter Fröhlichkeit und Dankbarkeit Gottesdienst. Weil wir Christen etwas haben, was die anderen nicht haben. Durch den Glauben, aufrechten Ganges, ab durch die Mitte. Die Gefahr wandelt sich durch die Macht Gottes zum Schutzwall. Für uns. Nur für uns. Weil Gott für uns ist. Deshalb feiern wir Gottesdienst: Weil wir Christen Dinge tun können, die andere nicht tun können. „Das versuchten die Ägypter auch und ertranken.“ Ja, versucht mal ohne die Macht Gottes – um mit Jesus zu sprechen – „böse Geister auszutreiben, in neuen Zungen zu reden, Schlangen mit den Händen hochzuheben, und wenn ihr etwas Tödliches trinkt, wird es euch nicht schaden, und wenn ihr Kranken die Hände auflegt, so wird’s besser mit ihnen werden. Versucht es, durch tiefe Wasser zu gehen ohne die Gewissheit zu haben, Gott ist für dich. Nur den Christen gilt: „Wenn durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen.“ Gratulation: das steht euch sehr gut! Das passt zu euch. Das ist wie für euch zugeschnitten! Das ist nichts billiges von der Stange. Das ist wertvollster Lebensstoff, maßgeschneidert!

 

Diesen Gott dürfen wir auf gnädig und liebevoll auf unserer Seite wissen, wenn wir wie die Israeliten damals durch den Glauben durchs Rote Meer gehen. So dürfen wir Gott auf unserer Seite wissen, wenn wir durch den Glauben durch die Taufe hindurch kriechen. Christen benützten früher ein großes Taufbecken, in das man am einen Ende reinging, das Wasser durchquerte und am anderen Ende wieder herausstieg. Augustin sagt: "Mit der Lanze durchbohrt ist die Seite Christi, und es floss daraus unser Lösepreis. Darum wird mit dem Zeichen Christi die Taufe gesegnet, und damit das Wasser, mit dem ihr getauft werdet und durch das ihr wie durch das Rote Meer hindurchgeht."

 

Ohne Glauben können wir das gerne versuchen, durch das Wasser durchzukommen. Aber es wird so enden, wie bei den Ägyptern. Deshalb bitten wir die Eltern, die Paten, die Gemeinde, die Kindergartenmitarbeiter, die Kindergottesdienstmitarbeiter: tut euer Bestes, damit Matthias und Merle zum Glauben finden, und nicht ohne Glauben durchs tiefe Wasser gehen.

 

Und jetzt lasst uns nach der Hose die Weste überstreifen und sehen wie das passt:

 

Denen, die getauft sind und glauben, denen schreibt der alte Kirchenvater Origines - über den Durchzug durch das Rote Meer -  ins Stammbuch: „[»Glaubt nicht, dass Mose nur damals das Volk aus Ägypten herausgeführt hat. Auch jetzt will der Mose, den wir bei uns haben …, das heißt Gottes Gesetz, aus Ägypten herausführen; wenn du darauf hörst, wird er dich vom Pharao befreien … Er will nicht, dass du in den dunklen Handlungen des Fleisches stehen bleibst, sondern dass du in die Wüste hinausgehst, daß du an den Ort gelangst, wo es keine zeitlichen Störungen und Schwankungen gibt; er will, daß du zur Ruhe kommst und still wirst … Wenn du diesen Ruheort erreicht hast, dann kannst du dem Herrn opfern, dann kannst du Gottes Gesetz und die Macht der göttlichen Stimme erkennen.“] Du musst wissen, du, der du in Christus, im Wasser und im Heiligen Geist getauft wurdest, dass dich die Ägypter verfolgen und wieder in ihren Dienst stellen wollen, das heißt in den Dienst der Herrscher dieser Welt und der bösen Geister, deren Sklave du zuvor warst. Sie werden dich gewiss verfolgen, aber du steige in das Wasser hinunter und entrinne, und nachdem du die Flecken der Sünden abgewaschen hast, steige empor als neuer Mensch, bereit, das neue Lied zu singen« (Omelie sull’Esodo, Roma 1981, S. 71–72, S. 107).

Und dieses neue Lied heißt eben so, wie wir es über Matthias ausgesprochen haben:

 

Psalm 27, 1 (Matthias): „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

 

Das ist es, was wir die Getauften und wahrhaft Gläubigen aus voller Kehle singen dürfen: Vor wem sollte ich mich fürchten. Vor wem sollte mir grauen. Das passt doch wie angegossen genau zu meiner Situation von Montag früh bis Sonntag spät in die Nacht. Sollte ich mich Sonntag Abend fürchten vor der neuen Woche? Der Herr ist dein Licht, dein Heil, deines Lebens Kraft. Sollte ich mich Montag morgen fürchten, dass die Ägypter mich erreichen werden und mich niedermachen werden, weil ich nicht genug stark bin, nicht genügend leisten kann, mich nicht zur Wehr setzen kann? Der Herr ist dein Licht, dein Heil, deines Kraft! Natürlich werden sie dich verfolgen, auch am Dienstag, am Mittwoch, bis Freitag, aber du steige in das Wasser hinunter und entrinne und nachdem du die Flecken der Sünden abgewaschen hast, steige empor als neuer Mensch!

 

Und jetzt noch das schöne Jacket! Fantastisch. Wieder nichts billiges von der Stange, sondern höchste Wert- und Handarbeit für den neuen Menschen.

 

Diese neuen Menschen, aus der Taufe gekrochen, haben laut Martin Luther etwas ganz besonderes an sich. Er schreibt An den christlichen Adel deutscher Nation
Von des christlichen Standes Besserung“ (1520)  „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszuüben. Denn weil wir alle gleich(mäßig) Priester sind, darf sich niemand selbst hervortun und sich unterwinden, ohne unser Bewilligen und Erwählen das zu tun, wozu wir alle gleiche Gewalt haben.“ Oder schlicht und einfach auf den Punkt gebracht mit Worten aus 1. Johannes 4, 19 (Merle): „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ Wir haben in den Rettungstaten Gottes, gleichwie die Israeliten, nichts als pure Liebe erlebt. Liebesbeweise Gottes. Er will, dass keiner verloren geht, sondern alle durch den Glauben durch das tiefe Wasser gerettet werden. Soviel Fürsorge, soviel Wertschätzung, soviel Anerkennung unserer Menschenwürde, unseres Lebenswertes gibt es weder vom Pharao in Ägypten, der als Sinnbild für die Versklavung, für die Unterdrückung, für die Gefangenschaft steht. Noch können wir uns das selber geben und zusprechen. Das kann nur der, der angefangen hat, auf diese Weise zu lieben.

 

Christen, die die herrlichen Rettungsaktionen Gottes am eigenen Leib erlebt haben, die die grandiose Liebesbeweise Gottes gespürt, können nicht anders als sich gegenseitig auf ähnliche Art und Weise zu lieben. Sich wertzuschätzen. Sich in Liebe anzunehmen. Sich in Liebe wertzuschätzen. Sich in Liebe zu akzeptieren. Sich in Liebe aufzubauen. Zu ermutigen. Zu korrigieren. Laßt uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt, sonst hätte er uns nicht durch den Glauben durch das tiefe Wasser hindurch gerettet!

 

Das passt doch wie angegossen! Und wenn die Hose rutscht, wenn das Jacket nicht mehr zugeht, weil man selber und alles drum herum zu schwer-ge-wichtig geworden ist, wenn das kostbare Jacket Flecken angenommen hat, dann „steige in das Wasser hinunter und entrinne, und nachdem du die Flecken der Sünden abgewaschen hast, steige empor als neuer Mensch, bereit, das neue Lied zu singen.“

 

(Pfr. Heiko Bräuning)                         

  

 

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