Pfingstgottesdienst 15. Mai 2005, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr

Albert Einstein über Erfolg: „Wenn A für Erfolg steht, gilt die Formel A = X + Y + Z. X ist Arbeit, Y ist Muße, und Z heißt Mundhalten.
"Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.

Erfolgsdefinition aus einer wissenschaftlichen Enzyklopädie: „Der Ausdruck Erfolg bezeichnet ursprünglich die allgemeine Folge, Konsequenz oder den Effekt eines Handelns. Ursprünglich wurde mit dem Wort lediglich das Erfolgen bzw. der Verlauf eines Ereignisses beschrieben. Erst später erhält Erfolg die Bedeutung eines zunächst wertfreien, neutralen Resultats. Für das, was später mit "Erfolg" bezeichnet wurde, dienten zunächst Begriffe wie Sieg oder Glück. Man kann Erfolg auch als Erreichen von persönliche Ziele definieren. Auch hierzu gibt es empirische psychologische Forschung.“

Glauben Sie, dass Jesus Erfolg hatte?

Misserfolg Nummer 1: Matthäus 13,57: „Sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Haus. Und er tat dort nicht viele Zeichen wegen ihres Unglaubens.“

Misserfolg Nummer 2: Matthäus 19, 21: Es fehlt dir noch eines: Verkaufe alles, was du hast, und gibt´s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach. Als er das aber hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.“
Misserfolg Nummer 3: Lukas 22, 56: „Da wurde Petrus von einer Magd am Feuer gesehen, die sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. Und Petrus leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht.“

Misserfolg Nummer 4: Lukas 23, 13: Pilatus sprach: Siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient hat. Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben. Da schrieen sie alle miteinander: Hinweg mit diesem, gib uns Barabbas los.

„Es ist gut dass ich weggehe.“ Sagt Jesus. Denn er scheint zwar als das Licht in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht ergriffen. Die Welt erkannte ihn nicht, blickte nicht, was Jesus beisteuern kann, das sich die wichtigsten Fragen des Lebens klären: die Frage der Sünde, die Frage der Gerechtigkeit, die Frage des Gerichts. „Es ist gut das ich gehe“, sagt Jesus, denn er konnte der Welt die Augen nicht öffnen. Aber wenn er geht, sendet er einen, der der Welt die Augen auftun wird! Wo es Jesus nicht gelungen ist, uns in alle Wahrheit zu leiten – der Geist wird euch in alle Wahrheit leiten. Wo Jesus nicht mehr reden konnte, weil es keiner vertragen hätte, tut es der Heilige Geist auf seine Art und Weise, so dass alle mehr vertragen können.

Und wodurch führt der Heilige Geist die große Sache Gottes zum Erfolg?

Zunächst mal handelt er im Auftrag Jesu. Aber nicht im Auftrag Jesu von Nazareth, dessen Erfolg Grenzen hatte! Nein mit diesem Jesus haben wir es nicht zu tun. Paulus sagt sogar: „Auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr.“ (2. Kor 5, 16) Sondern: wir kennen nur noch den, und haben es ausschließlich mit dem zu tun, den Gott erhöht hat und ihm den Namen gegeben hat, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Chirstus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters.

Das ist das Erfolgsgeheimnis des Heiligen Geistes! Er handelt im Namen der Herrn Jesus Christus, in dessen Namen auch die ihre Knie beugen werden, die zur Zeit Jesu von Nazareth halsstarrig geblieben sind. Auch die werden Christus mit der Zunge bekennen, die selbstherrlich geblieben sind.

Aber der Heilige Geist hat noch ein Erfolgsgeheimnis: er handelt nicht als Richter, nicht als Moralapostel, nicht mit schnaubenden und dampfenden Drohgebärden. Sein 2. Erfolgsgeheimnis liegt nicht nur im Namen dessen er handelt, sondern auch an seinem eigenen Namen: Paraklet. Tröster wird er genannt, Helfer, Beistand (der, den man zum Helfen beiruft, der die aktive Tätigkeit eines Anwalts, Beistandes oder Fürsprechers bei der zuständigen Instanz übernimmt.). Und er der Tröster, wird der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht. So als ob die Welt in Sachen Sünde, Gerechtigkeit und Gericht nicht den moralischen Zeigefinger braucht, sondern die tröstende Hand Gottes. So ist „das Augen auftun“, das Überführen, Überzeugen, das „der Sache auf den Grund gehen“ des Heiligen Geistes immer mit Trost verbunden.

V. 9 „Der Tröster wird der Welt die Augen öffnen über die Sünde“ heißt auf deutsch: Die Welt glaubt noch nicht, dass sie im Unrecht ist. Das sie Schuld hat. Und das der Mensch Sünder ist. Es wird abgestritten. Auf dem Gebiet ist der normale Mensch von Geburt an taub. Man kann ihm Angst einjagen vor dem die Sünde hassenden Gott durch manche Form religiöser Erziehung. Dann wird der Mensch im Normalfall etwas sensibler dafür. Aber die Erfahrung zeigt, dass das Sündenbewusstsein mit dem Erwachsenwerden wieder stark abnimmt. Die Welt hat noch nicht erkannt, dass ihnen Sünde zum Verhängnis wird. Nämlich die Sünde, dass sie nicht an Jesus Christus glauben. Wer Sünde bagatellisiert, negiert und Schuld bestreitet, hat auch keine Ahnung davon, wie mit ihr umgehen, wenn man es im Leben mit Schuld und Sünde zu tun bekommt. Der kommt auch nie in den Genuß von Versöhnung. Wer mit Schuld zu tun hat, braucht einen Tröster, einen Beistand. Einen Helfer, der weiterhilft. Der Geist ist von seinem Grundanliegen ein Treiber. (Wen der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder) Ein Treiber hin auf Jesus Christus. Der Geist will den Sünder treiben – dorthin wo er am besten aufgehoben ist. Nämlich in den Glauben an den Herrn Jesus Christus.
Vorsicht! Es kann also sein, dass der Heilige Geist am Werk ist, wenn ein Mensch ins Fragen kommt, wegen seiner Schuld. Weil er seinen (wie Karl Barth die Sünde umschreibt) mit seinem Hochmut, seiner Trägheit, seiner Lebenslüge nicht mehr zurecht kommt. Oder wenn einer mit seiner Entfremdung von sich selbst, von seinem Mitmenschen, von Gott nicht zurecht kommt (so beschreibt Paul Tillich die Sünde). In diesem Nicht-mehr-Zurechtkommen wirkt der Heilige Geist. Der Tröster tröstet mit der Einladung zu dem, wo Freispruch, Freiheit ist. Wo aus Lüge Wahrheit wird die freimacht. Wo aus Entfremdung Versöhnung wird. Dem Heiligen Geist gelingt, dass er jeden von uns zu einer Freifrau, zu einem Freiherr werden läßt. Man nennt ihn Tröster: ist das nicht Trost, zu wissen, wo hin mit der Schuld?

V. 10 Er wird der Welt die Augen auftun über die Gerechtigkeit.“ Heißt auf deutsch: Die Welt hat noch nicht erkannt, was Gerechtigkeit meint. Noch immer steckt in jedem Menschen von uns die ständige Sucht und Mühe, sein Recht sein zu erkämpfen. Überall muss man sich rechtfertigen. Sich ins rechte Licht stellen. Der noch nicht geborene muss sich rechtfertigen, dass er ein Recht auf Leben hat. Nicht Leben lassen wäre Ungerechtigkeit. Der Teenager muss sich rechtfertigen, dass er ist, wie er ist und nicht was man auch ihm gerne machen möchte. Genauso der Erwachsene und der Altgewordene. Leben ist eine ständige Gradwanderung zwischen Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit. Oswald Bayer: „Sein ganzes Leben lang steht jeder vor einem Dauertribunal, bei dem er zugleich als Angeklagter, Ankläger und Richter agiert. Sein Leben lang sucht er Entschuldigungen dafür, dass er lebt, dass es ihn gibt und nicht vielmehr nicht gibt und dass es ihn so gibt, wie es ihn gibt, und nicht vielmehr anders.“ Der Welt wird vom Heiligen Geist die Augen geöffnet, dass Sie folgendes wissen: Jesus ist zum Vater gegangen, hat als Herr Jesus Christus zur Rechten Gottes Platz genommen hat, und dort ist er vor der größten und letzten und maßgeblichen Instanz, der größte Garant, Fürsprecher und Diener für unser Leben ist. Hebr. 8,1 drückt es aus: Das ist nun die Hauptsache bei dem wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel. Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester.“ Und das ist Sache Jesu, von dem der Heilige Geist nimmt und uns vermittelt: das er über unser Leben das große Ja! Akzeptiert! Sehr gut! Ausgezeichnet setzt. Dessen Wert keiner zerstören, und entwerten darf.

Vorsicht! Es könnte sein, dass der Heilige Geist am Werk ist, wenn die Selbstgerechtigkeit, das Selbstbewusstsein des Menschen erschüttert wird. Wenn unser Dasein auf dem Spiel steht, wenn alles in Frage gestellt wird. Denn was am Ende allein zählt ist das Recht sein vor Gott und nicht das ständige sich rechtfertigen vor der Welt. Da hin treibt der Heilige Geist. Man nennt ihn Tröster: ist das Trost, zu wissen, das man absolut gewollt ist und Gott für mich ist, auch wenn alles andere gegen mich ist?

V. 11 Der Tröster wird der Welt die Augen auftun über das Gericht“. Heißt auf deutsch: Die Welt hat noch nicht erkannt, in welcher Krise sie steckt. Im Griech. steht hier: peri de krisew", oti o arcwn tou kosmou toutou kekritai. Man kann das in der Tat wie Luther personifizieren und von einem Fürst der Welt sprechen, der gerichtet ist. Eigentlich steht hier: die Entscheidung des Kampfrichters in der Schlacht ist gefallen: Das Prinzip, die Möglichkeiten der Welt sind in einem Prüfungsverfahren für untauglich, unbrauchbar befunden worden. Die Welt hat eigentlich nichts, was sie zu ihrer eigenen Rettung und Erlösung beitragen kann. Das nennt Johannes hier „Krise“. Das Problem der Menschen: sie setzen ihre Hoffnung immer noch auf das, was eigentlich nicht tauglich ist zum Leben. Was unbrauchbar ist. Die Prinzipien der Welt bestehen eben im sich behaupten müssen, um zu überleben. Sich bekriegen müssen, um selber existieren zu dürfen. Sich selber groß machen zu müssen, um Bedeutung zu erreichen. Sich ansammeln und anhäufen, um gegen die Angst gerüstet zu sein. Sich selber zum Herrn der Lage zu machen, um sich von Gott zu emanzipieren. Sich selber zu Rechtfertigen, um dem schrecklichen Kreuz zu entkommen. Die Taktiken und Praktiken der Welt gelten als längst überholt, bzw. haben längst das Prädikat wertlos, mangelhaft, lebensbedrohlich angehängt bekommen.

Vorsicht: Es könnte sein, dass der Heilige Geist am Werk ist, wenn wir völlig am Ende unserer Weisheit und Möglichkeit angelangt sind. Denn die der Welt zur Verfügung stehenden Praktiken und Taktiken auf allen Gebieten des Lebens sind in der Krise. Der Heilige Geist aber will den Willen Gottes ausführen, dass alle Welt Heil hat, Heil, das sich nicht als Unheil herausstellt, wenn es letzten Endes geprüft und gesichtet wird. Man nennt ihn Tröster: ist das Trost, wenn wir über das Normale hinaus mit den Praktiken und Taktikten des Herrn der Welt rechnen dürfen.

Der Heilige Geist ist am Werk. Im Namen des auferstandenen, erhöhten und von Gott neu benannten „Herrn Jesus Christus“. Und er wird im Namen Jesu das Werk erfolgreich zu seinem Ziel, zu seinem Ende bringen.

 

(Pfr. Heiko Bräuning)                         

  

 

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