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Gottesdienst mit
Konfirmandenabendmahl, "Vergebung", am 19. März 2005 um 19.00 Uhr in
Wilhelmsdorf

Ich habe es noch vor Augen,
wie wir auf der Konfirmandenfreizeit am Abschlussabend an eine Feuerstelle
gingen, und vielleicht 1 bis 2 kg Papier verbrannten. Es waren keine
leeren Blätter, sondern es stand was drauf. Von Euch Konfirmanden drauf
geschrieben. Als große Gruppe von etwa 50 Konfirmanden und Mitarbeitern
standen wir um das Feuer herum.
Es waren einige Tage vorausgegangen. Gespräche, Singen; thematische Arbeit
in verschiedenen Formen, Unterricht, Spiel usw.
Dazu hatten wir meist Fragen gestellt. Nicht alle waren besonders
aufregend. Aber einige davon gingen euch unter die Haut; besonders wo es
um Menschen ging, die euch nahestehen.
Wie wäre das gewesen, wenn die Eltern dabei gewesen wären und das
miterlebt hätten?
Wir hatten z.B. die Frage gestellt:
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Was heißt das für mich, Vater und Mutter zu ehren?
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Wo fällt mir das schwer?
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Wo bin ich wütend oder enttäuscht über meine Eltern?
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Wo habe ich meine Eltern verletzt oder enttäuscht?
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Was wäre denn wohl passiert, wenn Sie da miteinander hätten reden können?
Vielleicht haben ja anschließend zu Hause noch Gespräche stattgefunden,
und sei es vielleicht auch ohne Worte, einfach nur durch das Verhalten.
Und es betraf nicht nur das Verhältnis zu den Eltern, sondern auch zu
Geschwistern oder Mitschülern, Lehrern und anderen.
Wer wollte, konnte offen über die Fragen antworten, wie man sich fühlt,
wenn man bestohlen worden ist oder bei anderen etwas mitgehen ließ;
Wie man sich fühlt, wenn man über andere ein falsches Gerücht verbreitet
hat.
Was einen vielleicht im sexuellen Bereich verunsichert, oder wo es
schuldhafte Verletzungen gab.
Oder wie ist das, wenn man mit Hassgefühlen zu tun hat?
Damit sind nur wenige aber sehr zentrale Fragen angesprochen. Es ging
nicht darum, schlechte Gefühle zu schaffen oder ein schlechtes Gewissen.
Sondern es ging darum, dieses loszuwerden. Es ging darum, die Vergebung zu
erfahren und frei zu werden. Geht das, dass das schlechte Gewissen
nachhaltig weg ist?
Normalerweise hat man nicht den Eindruck, frei zu wählen, wenn man in
Schuld gerät. Aber hinterher entdeckt man, dass Schuld sich auswirkt:
3 Bereiche unserer Beziehungen:
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Schuld stört Beziehungen zu anderen Menschen, manchmal werden sie sogar
zerstört; zu Freunden, Eltern oder zu Kindern.
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Schuld macht auch die
Beziehung zu mir selbst kaputt
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Schuld macht auch die
Beziehung zu Gott kaputt
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Vergebung macht Versöhnung möglich. Es gibt einen neuen Anfang. Das ist,
wie wenn wir jetzt im Frühling in den Garten gehen. An allen Ecken und
Enden sprossen die Blumen, Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher. Noch
vor wenigen Tagen schien das nicht vorstellbar. Schnee und eisige Kälte
haben das zurückgehalten. Aber jetzt ist es einfach herrlich. Die Natur
wird wieder lebendig.
So ist es bei uns Menschen auch - wenn Vergebung praktiziert wird.
Beziehungen können wieder neu werden. Viele Ehen hätten noch Bestand,
viele Familien wären noch beieinander, wenn Vergebung ausgesprochen worden
wäre, aber nicht nur mit Worten, sondern wirklich und echt.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das ein schweres Geschäft ist. Wenn
zwischen mir und meiner Frau etwas gewesen ist, das die Atmosphäre eisig
macht... wenn das Herz zum Kühlschrank wird... Wenn wir uns aus dem Weg
gehen... Mir fällt es schwer, zu sehen, was ich falsch gemacht habe. Aber
ich spüre die gestörte Beziehung. Dann zu sagen: „Komm, lass uns darüber
reden! Was habe ich, was hast du dabei gedacht, als dieses schlimme Wort
gefallen ist?...“ Lieber repariere ich den Gartenzaun als da dran zu
gehen.
Aber es ist schöner als ein reparierter Gartenzaun, wenn man sagen darf:
O.k. Kannst du mir das vergeben? Und wenn dann die Vergebung ausgesprochen
wird, und die ganze Geschichte auch vor Gott hingelegt und in Ordnung
gebracht wird.
Das ist mehr als nur eine zufällige Erfahrung. Sondern das hat Gott
versprochen!
Im Psalm 103 heißt es: ... der die alle deine Sünde vergibt und heilet
alle deine Gebrechen...
Oder Jesus sagt: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei
(Joh. 8, 36)
Also, das ist ein Griff in Gottes Arzneikasten. Heilmittel Vergebung.
Besser als jedes Antibiotikum. Beziehungen werden wieder heil, zu anderen,
zu mir und zu Gott.
Das ist‘s also.
Dann standen wir am Feuer (bei der Konfirmandenfreizeit). Kuverts mit den
Zetteln. Sie verbrannten. Als Zeichen, wie das mit der Vergebung ist.
..........
Stellen Sie sich vor, was an diesem Kreuz hängen würde, wenn wir alle
unsere Zettel da hin hängen würden!
Auch wenige Worte können eine große Last in sich schließen. Eine Last, die
wir loswerden können. Die brennenden Zettel im Feuer waren nur ein äußeres
Zeichen. Was verbrannt ist, kann nicht wieder zusammengesetzt werden.
Wir sind alle eingeladen, die Vergebung konkret zu erfahren. Besonders
jetzt heute Abend. Amen

(Pfr. Dr. Knauß)
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