Gottesdienst an 13. März 2005, in Wilhelmsdorf
um 10.00 Uhr
Gottesdienst am Judica, 13.
März 2005, in Wilhelmsdorf um 9.00 Uhr, Predigt über 1. Mose 22, 1-13
Vor ein paar Tagen erhielt ich ein kleines Heftchen mit der Post. Gratis
stand vorne drauf. Ich hätte das auch nie bezahlt.
Den Inhalt fand ich nicht gut. Es stand drin, ich käme in die Hölle. Zwar
stand mein Name nicht in der Schrift, sondern nur auf dem Kuvert. Aber es
war doch unmissverständlich: Wer an den Sohn Gottes glaubt, der kommt in
die Hölle.
Es war eine Propaganda-Schrift des Islam. Und nach dem Verständnis des
Islam ist Jesus nur ein Prophet. Für sie ist er nicht der Sohn Gottes, und
nicht für unsere Sünden gestorben. Darum werden alle Christen
aufgefordert, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen.
Heute soll dagegen unser Glaube gestärkt werden. Haben wir einen Grund,
dabei zu bleiben?
Zum innersten Kern des Evangeliums gehört, dass Jesus für unsere Sünden
gestorben ist, er, der Sohn Gottes. Mit ihm hat Gott selbst das Opfer
gebracht.
Im Alten Testament gibt es dafür ein Vorbild: Die Opferung Isaaks.
1. Mose 22, 1-13
1 Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm:
Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich.
2 Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und
geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem
Berge, den ich dir sagen werde.
3 Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit
sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer,
machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.
4 Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne
5 und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der
Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir
wieder zu euch kommen.
6 Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn
Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die
beiden miteinander.
7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete:
Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo
ist aber das Schaf zum Brandopfer?
8 Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum
Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander.
9 Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute
Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn
Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz
10 und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn
schlachtete.
11 Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham!
Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
12 Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn
nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht
verschont um meinetwillen.
13 Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der
Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und
opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.
Kann Gott das verlangen?
Wir kennen den Fortgang der Geschichte. Aber das wusste Abraham noch
nicht. Da ruft Gott und verlangt von ihm: Gib deinen Sohn wieder her. Den
Sohn der Verheißung.
Wie viele Jahre hat Abraham auf ihn gewartet? 25 lange Jahre! Aber auch
wenn es keine Wartezeit gegeben hätte: Das kann doch Gott nicht verlangen?
Auf Isaak ruhten doch alle Erwartungen und Verheißungen. Es stand nicht
nur der Fortgang der Familie Abrahams auf dem Spiel, sondern der Fortgang
der Heilsgeschichte. Gott kann doch sein Werk nicht zerstören wollen.
Wie war das denn in unserem Leben, in meinem und in Ihrem? Haben Sie Gott
immer verstanden? Oder gab es Zeiten, wo sie sagen mussten: Herr, da komme
ich einfach nicht mit?
Krankheit? Tod eines Angehörigen? Arbeitslosigkeit? Oder vielleicht
Situationen in der Ehe, die man meint, nicht aushalten zu können?
So schlimm das alles ist. Abraham wurde mehr abverlangt.
Er hatte einen schweren Lernprozess hinter sich. Nicht immer war er so
gehorsam. Wir nennen ihn zwar Vater des Glaubens. Aber es gab Rückschläge
in seinem Vertrauen. In Ägypten bekam er es mit der Angst zu tun, ob sie
ihn vielleicht um seiner Frau willen umbringen würden. Vielleicht war
diese Angst auch nur aus der Phantasie Abrahams entsprungen. Sicher ist,
er handelte nicht nach Gottes Willen. Er erklärte, seine Frau sei seine
Schwester. Diese Lüge hat viel Not gebracht. Verwicklungen und
Verstrickungen, die er sich besser erspart hätte. Gott brachte ihn wieder
zurück in den Gehorsam.
Dann ein weiterer Ungehorsam: Als er schon jahrelang auf den Sohn der
Verheißung gewartet hatte, Jahr um Jahr, und er einfach nicht kam, da half
Abraham wieder einmal der Verheißung Gottes nach und zeugte Ismael. So
hatte es sich Gott nicht vorgestellt. Und es brachte noch viel mehr Not
als alle anderen Irrwege zusammen.
Selbstgewählte Wege schaffen Not und Unglück. Aber absurderweise können
sie uns auch reifen lassen. Manchmal. Dann, wenn wir nach dem Ungehorsam
wieder nach der Hand Gottes fassen.
Da gehst du in der Grauzone zwischen Wahrheit und Lüge. Ganz wahr ist es
nicht, und ganz verlogen auch nicht. Aber es ist nicht echt, nicht
wirklich ehrlich. Hinterher sagst du dann, wenn ich mich doch nur nicht in
diese blöde Situation gebracht hätte. Doch es hilft nichts, diese Sache
wegzuwünschen. Sie macht immer nur weiter kaputt. Und sie lässt nicht
reifen. Erst wenn die unklaren Dinge ans Licht Gottes kommen, gibt es
Reifung.
Abraham war in Wegen des Ungehorsams gereift. Es waren harte Erfahrungen.
Gott hat ihn jedesmal zurückgeholt. Jetzt, bei der schwersten Prüfung
seines Lebens weicht er nicht mehr aus. Keine eigenen Wege mehr. Er geht
mit Gott einfach mit.
Luther übersetzt: Gott versuchte Abraham. Nach dem Urtext heißt es besser:
Gott prüfte Abraham, oder er testete ihn. Das gleiche Wort wird verwendet,
als die Königin von Saba zu Salomo kommt, um ihn mit Rätselfragen zu
testen (1. Kön. 10,1).
Es ist ein geläuterter Abraham, der Gottes Anruf hört: Nimm Isaak, deinen
Herzens-Sohn, den du liebhast, ... und opfere ihn auf einem Berge, den ich
dir sagen werde.
Und dieser geläuterte Abraham macht sich auf den Weg, mit Isaak, mit den
beiden Knechten und mit dem Esel. Die Bibel beschreibt seine Gefühle
nicht. Ganze drei Tage sind sie unterwegs. Die Bibel schweigt über das
Feuer, das in der Seele Abrahams brennt. Drei Tage in innerer Angst und
Spannung, und wohl auch Zweifeln: Hast du dich da nicht getäuscht? Das
kann Gott doch nicht wollen! Und die anderen sollen von diesen Spannungen
nichts merken! So scheint es die Erzählung nahezulegen. Die anderen wahren
ahnungslos.
Dann, als sie die letzte Wegstrecke allein miteinander gehen, stellt Isaak
die Frage, die schon lange in der Luft liegt: Wo ist denn das Schaf zum
Brandopfer?
Abraham hält diese inneren Konflikte aus.
Vielleicht sagen Sie: Er hat Nerven wie Drahtseile!
Doch die Bibel will gar nicht beschreiben, was Abraham hier seelisch
durchmacht. Sie schweigt einfach darüber. Wichtig ist hier auch nur, dass
er gegen allen Augenschein an Gott festhält. Gegen alle menschliche
Vernunft und gegen alles Rechnen. Alles gibt er aus seiner Hand. Sämtliche
irdischen Sicherheiten gibt er auf. Er vertraut nur noch darauf, dass Gott
schon weiß, was er tut. Er kann sich nur noch auf Gottes Zusage stützen.
Mehr hat er nicht.
Wir reden vom Glauben Abrahams. Er ist das Vorbild des Glaubenden. Paulus
hat im Römerbrief gesagt: Er glaubte an Gott, der die Toten auferweckt (Röm
4,17f; vgl. Hebr. 11). Der Glaube bewährt sich darin, wenn wir an Gott
festhalten, obwohl sein Weg mit uns unverständlich ist. Im Glauben geht es
nicht darum, dass unsere Gedanken über Gott sich bewahrheiten, sondern
dass wir ihm vertrauen.
Gott hat dann doch noch die Opferung Isaaks abgewendet. Abraham konnte
nicht damit rechnen. Ein Widder wird an Isaaks Stelle geopfert.
Das Opfer Jesu hat er aber nicht abgewendet. Wir könnten die ganze
Geschichte noch einmal lesen. Anstelle des Isaak steht nun Jesus. Gott ist
der Vater, der seinen Sohn hingibt. Das Kreuz stand nur wenige hundert
Meter vom Berg Morija entfernt. Den Befehl an Abraham, seinen Sohn zum
Brandopfer darzubringen, kann man im Urtext auch so lesen. Dort heißt es
wörtlich: Erhöhe deinen Sohn zur Erhöhung. Und wer würde da nicht an das
Kreuz Jesu denken.
Auf seinem Weg begleitet ihn nach Jerusalem hinein auch ein Esel. In
seinem Leiden stehen im andere Knechte zur Seite, die zwölf Jünger, auch
im Garten Gethsemane, wo Jesus endgültig Ja sagt zu seiner Hingabe am
Kreuz, für unsere Sünden. Und nach seiner Verurteilung ruht auf seiner
Schulter das Holz, so wie Isaak das Holz zum Opfer hinauftrug.
Es ist nicht nötig, alle Einzelheiten zu übertragen. Aber so hat es die
christliche Auslegung schon von Anfang an gesehen: Die (nicht erfolgte)
Opferung Isaaks weist auf das Kreuz Jesu hin. Gott hat seinen Sohn nicht
verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben, damit wir durch ihn
gerettet werden. Amen.
(Pfr. Dr. Knauß)