Gottesdienst am Sexagesimae, 30. Januar 2005, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt Markus 4, 26-29

26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie.
28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.
29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Was machst du eigentlich als Pfarrer. Hat das einen Sinn? So habe ich mich schon manchmal gefragt. Und viele andere ähnlich, Pfarrer und Jugendreferenten und Lehrer. Du siehst doch nichts von dem, was du da getan hast, jedenfalls sieht man es normalerweise nicht unmittelbar. Und es ist nicht die Frage, ob wir es gut oder schlecht machen, sondern es geht überhaupt um das Ziel, für das Reich Gottes zu arbeiten. Können wir wirklich die Herzen treffen? Müssten wir uns nicht noch viel mehr anstrengen?

Manchmal ist es schon eine Anfechtung: Man kann niemand davon abhalten, diesen oder jenen Unsinn zu machen. Und niemand kann man zu seinem Glück zwingen.

Wenn einer ein Auto verkauft, da weiß man wenigstens, was das für einen Sinn hat: Mit dem Auto kann man fahren. Produktion und Vertrieb laufen. Das sichert Arbeitsplätze. Die Leute haben was zu tun. Und unser Finanzminister bekommt Steuern herein. Damit kann er wieder Straßen bauen lassen. Und die Leute haben wieder was zu tun.

Schaut beim Predigen was raus?
- und in unseren verschiedenen Gottesdiensten ?
- und bei den Jugendgruppen...
- und im Konfirmandenunterricht...
- und im Seniorennachmittag..?

Gut! Manchmal sehen wir ein Zwischenergebnis. Dank und Freude. In Wilhelmsdorf dürfen wir zur Zeit sehr viel sehen. Das gibt Mut. Wenn wir an die Menschen denken, die in unsere Gottesdienste kommen, an die vielen jungen und älteren und mitten im Leben stehenden Menschen. Und wenn man erleben darf, dass viele in der Nachfolge Jesu gestärkt werden, dass welche neu zum Glauben kommen, dass andere Freude an der Mitarbeit haben; und dass sie fragen, wie sollen wir denn als Christ leben; und dass sie danach fragen, wie werden wir denn unsere Schuld wieder los?...

Manchmal darf man auch erst nach einigen Jahren etwas sehen. Auf einer christlichen Veranstaltung treffe ich einen ehemaligen Konfirmanden. Ich hatte nie erwartet, ihn bei so etwas sehen zu können. An den Konfirmandenunterricht des damaligen Jahrgangs dachte ich nicht gerne zurück. Aber dann frage ich ihn, wie das kommt. Und er erzählt mir, dass es doch eingeschlagen hat, damals im Konfirmandenunterricht und auf der Konfi-Freizeit, und dass er Jesus nachfolgt und in der Jugendgruppe mitarbeitet.

Da muss doch ein Geheimnis dahinter stecken! Ich habe nichts anderes getan, als was mein Auftrag und meine Aufgabe ist: Gottes Wort weiterzusagen. Natürlich mit großem Einsatz, mit anderen zusammen. Ich weiß es noch, wie ich mit anderen gemeinsam auf dieser Konfirmandenfreizeit gekämpft habe. Wie wir nicht nur Freude sondern auch Angst miteinander durchmachen mussten. Damals waren genau wie auf unserer diesjährigen Freizeit die zehn Gebote dran. Und wie wir nicht wussten, ob sich dieser Einsatz lohnt.

Das Geheimnis ist: Wir handeln doch im Auftrag Gottes! Er ist viel dichter an den Menschen dran. Wir geben nur weiter, was wir erhalten haben.

Viele in unserer Gemeinde arbeiten mit. Wirklich viele. Wir arbeiten in einem großen Vertrauen. Nicht darauf, dass unsere Methoden greifen. Sondern wir vertrauen darauf, dass unser Herr selbst dafür sorgt, dass was dabei herauskommt. Was wir tun, lässt er wachsen und gedeihen.

Darum gilt für uns: Wir sollen nicht daran herumzweifeln, ob unser Tun auch Sinn hat. Der Landwirt im Gleichnis streut die Saat aus. Und er hat dabei keine Skrupel, dass er große Werte einfach hinauswirft in den Dreck, in den Boden. Er zuckt nicht bei jedem Ausstreuen jedesmal mit der Hand und zählt nach oder rechnet. Er weiß aus Erfahrung: Das wird schon! Denn er sieht‘s jedes Jahr. Da geht was auf. Er muss auch nicht den ganzen biologischen Ablauf verstehen. Das alles passiert von selbst - automatisch. Alles was er tun muss, ist nur, dass er seine Aufgabe wahrnimmt: Ausstreuen.

Wir müssen nicht über alles Bescheid wissen, nicht jede Methode beherrschen. Nicht jeder Mitarbeiter in der Gemeinde muss Psychologie studiert haben oder Sozialpädagogik oder Theologie. Ich verachte das nicht. Aber manchmal macht zu viel Nachdenken die einfache Sache eher komplizierter. Vielleicht würde sich das Experiment lohnen, für eine gewisse Zeit sämtliche Psychologen und Theologen in den Steinbruch zu schicken. Mal sehen, ob das der Gemeinde nicht gut tun würde.

Jesus hat seine Jünger vor allem zum Handeln angeleitet, das zu tun, was er selbst auch tat; es ihm einfach nachmachen. Und wer weiß, dass sein Reich kommt, und dass es hier schon anfängt, der kann und darf sehr sorglos sein.

Für uns gilt eigentlich nichts anderes. Es ist das einfache Vertrauen: Was ich tue, wird wirken. Automatisch. Ganz von selbst. Denn in Wirklichkeit ist es Gottes Kraft, die da wirkt. Er selbst steckt dahinter. Er schenkt Frucht. Und wenn sie entsteht, dann dürfen wir uns freuen, wie Kinder sich freuen, wenn sie Pflanzen aufgehen sehen, wo sie den Samen gesät haben. Wir dürfen uns freuen an dem Geheimnis Gottes.

Wenn nun jemand gemeint hat, der Landwirt, das seien die Mitarbeiter in der Gemeinde, dann ist er auf dem Holzweg. Der Landwirt ist Jesus selbst. Denn er schickt zum Schluss auch die Sichel hin. Wir sind nur seine Handlanger. Und je mehr wir zurücktreten und ihn in die Mitte stellen, desto besser.

Oft können wir überhaupt nicht verstehen, dass sein Reich wächst und gedeiht. In Nordkorea sitzen Tausende von Christen in Konzentrationslagern und dennoch wächst die Gemeinde. Jesus hat darin auch ein Stück vom Geheimnis des Reiches Gottes gesehen. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, dann bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, dann bringt es viel Frucht. Er selbst hat dieses Geheimnis in seiner Person erfüllt, durch seinen Tod am Kreuz. Aber immer wieder zeigt es sich auch in der Gemeinde: Wo sie machtlos scheint, gibt ihr Gott große Kräfte und seinen Segen.

Zum Schluss: Wie sagte noch Norbert Blüm immer? - Die Rente ist sicher. Wir vertauschen die ersten beiden Buchstaben: Die Ernte ist sicher. Wir brauchen uns nicht darum zu kümmern, dass etwas dabei herauskommt. Das schafft Gott selbst, und es bleibt sein Geheimnis, wie. Alles der Reihe nach. Zuerst das zaghafte Aufkeimen, dann die Halme und schließlich das Reifen. Es ist gut, wenn wir auch Menschen das Reifen gestatten. Wer jung zum Glauben gekommen ist, muss noch nicht alles gleich machen wie geistlich reifere Menschen.

Ernte ist aber nicht nur ein Bild für das geistliche Wachstum eines Menschen. Ernte ist noch mehr ein Bild für die Endzeit. Die Gemeinde geht diesem Ziel entgegen, das auch Gott selbst in seiner Hand hat.

Endgültig wird man erst dann über das Werk Gottes jubeln können. Dann werden wir es auch erst richtig sehen können: Er hat uns zwar eingesetzt in seiner Gemeinde, jeden mit seinen Gaben und Fähigkeiten. Aber er selbst war es, der das Wachstum und die Reife gemacht hat. Amen
 

(Pfr. Dr. K. Knauß)                                    

  

 

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