Gottesdienst an 16. Sonntag n. Trin., 26. September 2004, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über 2. Timotheus 1, 6-10.

Heute möchte ich vor allem euch Konfirmanden ansprechen, und trotzdem soll es alle angehen.

Ihr habt vor kurzer Zeit mit dem Konfirmandenunterricht begonnen. Die meisten von euch waren schon im YouGo, dh im Jugendgottesdienst oder in anderen Gottesdiensten. Der Gottesdienst im Betsaal ist wahrscheinlich für manche eher noch ungewohnt. Natürlich habt ihr euch darauf eingestellt, dass hier kein Film abläuft, sondern dass normale Menschen hier sind.

Aber was ist normal?

Wenn man 13/14 ist, meint man, die Normalität hört mit spätestens 30 auf. Also so gesehen sind ja hier aus eurer Sicht sehr viele unnormale Menschen. Das merkt man z.B. schon an der Musik. (Dass sie unnormal sind, darf man natürlich nicht verraten. Die würden sich ganz schon beschweren.) Die meisten Menschen über 30 empfinden sich selbstverständlich als höchst normal.

Wir kriegt man das zusammen? Denn wir sollen ja eine Gemeinde sein, die zu Jesus Christus gehört! Wir brauchen auch miteinander Orientierung für das Leben. Wie bekommen wir sie?

Vielleicht denkt mancher, es wäre am besten, wenn Jesus selbst kommen würde, wenn er eine Zeitlang die Gemeinde leiten würde und eine Orientierung geben würde, etwa im Konfirmandenunterricht, im Gottesdienst, in der Schule und in unseren Familien. Wäre das nicht super, wenn er direkt sagen würde: Das machst du so und das so.

Aber wir haben Pech. Das tut er nicht. Das will er nicht. Er hat sich etwas anderes ausgedacht. Er möchte, dass wir‘s machen, durch die Kraft seines heiligen Geistes. Das ist, wie wenn man ein neues Betriebssystem auf einem Computer installiert.

[Wer hat das schon mal gemacht? Oder wer hat schon neue Software installiert?]

Man kann einen super Computer haben; wenn Betriebssystem und Software fehlen, dann kann man mit ihm nichts anfangen. Da bleibt er schwarz und stumm. Aber wenn das Betriebssystem drauf ist und die Software, dann kann man mit dem Computer etwas anfangen.

So ähnlich ist es mit Gott und mit Jesus auch. Er will in uns drin sein durch seinen Heiligen Geist und durch seine Gaben; er will unser Leben leiten und ermöglichen. Er will, dass das Ganze auch einen Sinn hat.

Der Apostel Paulus hat an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus geschrieben. Da ist in dir etwas drin, das Gott dir geschenkt hat. Paulus hatte ihm die Hände aufgelegt. Dabei wurde ihm Vollmacht verliehen, und Gaben. Vielleicht hatte er Probleme und hat sich manches nicht zugetraut. Jedenfalls sagt Paulus zu ihm, er soll das herauslassen, was Gott in ihn hineingelegt hat; oder besser: Er soll die Glut immer wieder zu einem Feuer anfachen; die Gottesgaben schüren. Denn es wäre falsch, wenn man ängstlich das zurückhält, was Gott geschenkt hat. Gott will keine Angsthasen, sondern mutige Menschen mit Liebe und dem richtigen Augenmaß. Paulus sagt Besonnenheit. Mut, Liebe und Augenmaß schenkt Gott. Das schaffen keine Arzneimittel und kein Doping.

Also recht verstanden: Gott hat ein dringendes Interesse, dass sich unsere Persönlichkeit entfaltet; dass das rauskommt, was er an Gaben in uns hineingelegt hat. Er denkt dabei nicht kleinkariert. Sondern hat ein riesiges Ziel, in das er uns mit einbaut. Und andere können mithelfen, dass diese Gaben herauskommen: Z.B. Lehrer und Eltern. Ja, das ist sogar deren besondere Aufgabe. Nicht jeder hat die gleichen Gaben. Manchem gibt Gott sehr spezielle Gaben. Paulus nimmt diese Aufgabe auch an dem jungen Timotheus wahr, dass die Gaben Gottes zur Entfaltung kommen.

[2. Tim 1, 6-11]
6 Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, dass du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände.
7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,
11 für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer.


Es sind mehrere Schwerpunkte. Über einen habe ich gesprochen, über die Entfaltung der Gaben. Es kommen noch 2 weitere:

1. Unbeirrbar im Bekenntnis
2. Der Tod ist entmachtet
Beim ersten Punkt bin ich eigentlich schon mitten drin.
3. Unbeirrbar im Bekenntnis

In der Schule fragt sich mancher: Ich stecke viel Zeit hinein. Energie. Mühe und Schweiß. Lohnt sich‘s? Was kommt dabei heraus?

So fragen sich die Erwachsenen auch: Konfi-Unterricht. Wieviel Zeit, Mühe und Schweiß stecke ich da rein? Ist‘s das wert?

Vielleicht auch die Eltern: Lohnt sich die Mühe der Erziehung?
Darf man solche Fragen auch im Glauben stellen.

Was stecke ich hinein und was kommt heraus? Lohnt es sich, so viel einzusetzen, vielleicht sogar das ganze Leben? Da muss doch am Ende etwas dabei herauskommen. Man könnte vermuten, dass so der junge Timotheus auch gefragt hat. Habe ich es recht angepackt, wenn ich mir so viele Widerstände und Feinde schaffe?

Es ist ein schwieriges Leben, wenn man sich ständig die Richtung überlegen muss. Oder wenn man ständig etwas zurückhalten muss.

Darum ist es Paulus wichtig: Es ist keine Schande, mit Gott verbündet zu sein. Es ist keine Schande, Jesus zum Herrn zu haben. Darum steh zu ihm.

Kommt was dabei heraus? - Ja, viel mehr, als wir hineinstecken können.

Bleib dran! Steh dazu! Lass nicht nach! Denn du weißt, wofür du kämpfst.

4. Der Tod ist entmachtet
In den letzten Wochen hat die Operation der siamesischen Zwillinge aus Lemgo viele Menschen beschäftigt. Ein Mädchen ist inzwischen gestorben. Beim anderen ringen die Ärzte um das Leben. Sie haben noch Hoffnung.

Aber auch sonst ist der Kampf um das Leben oft schwer. Man fragt sich doch, ob es zum Schluss etwas gebracht hat, wenn dann doch nur das Ende kommt. Doch für Christen geht es nach dem Ende weiter.

Wenn man nur auf dieses irdische Leben schaut, dann ist vieles umsonst. Denn am Ende geht es nicht mehr weiter. Aber Jesus hat die Tür aufgemacht zur ewigen Welt Gottes.

Viele Menschen wissen nicht, wofür sie eigentlich leben. Für sie kommt nach den vielleicht 80 oder 90 Lebensjahren einfach das Nichts. Dann ist es aber hart, im Leben alles einzusetzen. Christen wissen, dass auf sie das ewige Leben wartet. Deshalb lohnt sich auch der Einsatz heute und morgen.

Ich wünsche euch: Ihr habt Gaben von Gott, darum bekennt euch zu ihm. Weil Christus den Tod entmachtet hat, darum seid auf seiner Seite. Amen!

 

(Pfr. Dr. K. Knauß)                                    

  

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