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Gottesdienst am 14. Sonntag n. Trin, 12. September 2004, in Wilhelmsdorf
um 10.00 Uhr, Predigt über Römer 8, 12-17.
Eltern machen sich um ihre Kinder oft viele Gedanken; vom Babyalter
manchmal bis ins Erwachsenenalter hinein. Sie denken viel darüber nach,
was sie für ihre Kinder tun sollen. Man kann nun fragen: Was ist der
Antrieb, dies und jenes zu tun und anderes zu unterlassen? Z.B. sie in die
Schule zu schicken.
Morgen beginnt ja wieder die Schule. Und in den nächsten Tagen fängt auch
für die Erstklässler ein neuer Lebensabschnitt an.
Fragen wir also konkret: Was treibt eigentlich Eltern, ihre Kinder in die
Schule zu schicken. Natürlich die Schulpflicht. Aber sie versprechen sich
doch von der Schule etwas. Zukunftschancen, Berufsaussichten für ihre
Kinder, Hoffnungen, Wünsche, Ziele treiben uns an, auch Pflichten...
Und die Kinder? Die denken nicht so weit voraus. Vielleicht wollen sie
einfach nur groß sein. Da gibt es so viele Größere um sie herum. Sie
wollen ihnen nacheifern. Sie werden wichtig. Sie stehen auch mal im
Mittelpunkt.
Nicht Schule und Erziehung sind heute das Thema. Sondern was uns antreibt,
unsere Motive, die Antriebskraft für das, was wir tun. Auch im beruflichen
Alltag werden wir angetrieben. Geld, Erfolg, Ansehen, oder einfach nur das
Überleben...
Paulus sagt im Römerbrief, wovon Christen angetrieben werden.
[Römer 8, 12-17]
12 So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir
nach dem Fleisch leben.
13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn
ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr
leben.
14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch
abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist
empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder
sind.
17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und
Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur
Herrlichkeit erhoben werden.
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Wer auf irgend
eine andere Triebkraft setzt, auf irdische Ziele, der erntet den Tod,
nicht der irdische Tod, sondern die Zerstörung des Verhältnisses zu Gott.
1. Der Heilige Geist ist der Motor unseres Christseins
2. Er macht uns zu Kindern Gottes
3. Er bürgt für unser ewiges Erbe
1. Der Heilige Geist ist der Motor unseres Christseins
Überall auf der Welt halten Motoren die Technik in Gang. Denken Sie einmal
alle Motoren in unserem Land weg. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen.
Wenn man etwas bewegen will, braucht man eine Antriebskraft.
So ist der Heilige Geist der Motor unseres Christseins. Ohne ihn läuft
nichts. Ohne ihn herrscht geistlicher Stillstand, geistlicher Tod. Ohne
ihn sind wir in der Gottesferne.
Paulus benennt eine Macht, die im Stillstand herrscht: Das Fleisch. Wenn
wir im Bild bleiben wollen, dann müssten wir sagen: Das ist die
Schwerkraft, die nach unten zieht, von Gott weg. Im Galaterbrief (5,19)
zählt er einige Ergebnisse dieser Kraft auf, die von Gott wegzieht. Ich
sage es nun nicht in seinen Worten, sondern versuche es anders
zusammenzufassen. Es sind zerstörerische Kräfte, die sich in allen
Lebensbereichen auswirken: In der Sexualität, im Gottesdienst, im
Wirtschaftsleben, im sozialen Miteinander in der Gemeinschaft, in unseren
Emotionen und Gefühlen und im Ruinieren der eigenen Gesundheit.
Diese Werke des Fleisches sind nur nicht seltene Ausnahmen, sondern
alltägliche Erfahrung. Sie sind so normal, wie die Schwerkraft normal ist.
Niemand kann dagegen ankommen, außer er hat eine andere Kraft. Und die ist
der Heilige Geist. Er ist es, der erneuert, der das Destruktive wegnimmt,
der neues Leben schafft.
Viele Menschen sagen: Das wäre doch gelacht, wenn ich damit nicht fertig
würde, etwa mit meinem Zorn, mit meinem Geiz, mit meiner Trägheit... Sie
denken, wenn eine solche Emotion da ist: Nimm dich zusammen. Das hast du
doch in der guten Kinderstube gelernt. In gewissen Grenzen kann sich
natürlich etwas ändern, man kann sich z.B. andere Verhaltensmuster
angewöhnen.
Aber Paulus ist sehr viel grundsätzlicher. Er geht aufs ganze. Veränderte
Verhaltensmuster reichen nicht, jedenfalls nicht vor Gott, wenn sich nicht
auch das Herz ändert. Denn gegen die Schwerkraft, gegen das Fleisch sind
wir machtlos. Du brauchst den Heiligen Geist als Motor. Er gibt neue
Bewegung, neues Leben, neue Kraft.
2. Der Heilige Geist macht uns zu Kindern Gottes
In einem Zeitungsartikel wurde berichtet: Drei Jahre das falsche Kind
aufgezogen. - Es ist schon eine Weile her. - Im Krankenhaus waren zwei
Neugeborene verwechselt worden. Niemand hatte es bemerkt. Nach drei Jahren
wurde der Irrtum irgendwie entdeckt. Es wurde nicht beschrieben, was die
Eltern daraufhin taten, als sie die Wahrheit erfuhren. Oder was die Kinder
empfunden haben. Aber sicher ist: Das lässt keinen Beteiligten unberührt.
Denn es ist wichtig, wo wir hingehören!
Wie oft sind wir Menschen von Zweifeln umgetrieben: Kann das denn sein,
dass ich zu Gott gehöre? Kann das denn sein, dass ich sein Kind sein darf?
Unsere Sehnsucht ist doch, dass wir Gewissheit bekommen. Ist‘s in Ordnung
zwischen Gott und mir?
Ich glaube nicht, dass man jemandem die Not solcher Zweifel erklären kann,
wenn er sie nicht selbst durchgemacht hat. Davon werden nur Menschen
umgetrieben, die wirklich zu ihm gehören wollen. Auch das Gefühl hilft
nicht. Das kann wieder umschlagen.
Doch der Heilige Geist gibt uns innere Gewissheit. Er ist sozusagen das
Beweismittel, wie ein Messgerät, wie ein Zeuge, der uns gegenübersteht.
Ein Flugpilot hat von seiner Flugausbildung beschrieben:
Als ich im Flugzeug den Flug nach Instrumenten lernte, hat man mir
beigebracht: Der erste Grundsatz des Blindfluges sei: Man müsse den
Instrumenten mehr vertrauen als dem eigenen Gleichgewichtsgefühl. Und dann
erzählte er weiter, wie schwierig das für manche der Flugschüler gewesen
sei. Da zeigt irgendeine Nadel oder ein Geschwindigkeitsmesser etwas an,
und dein Gefühl sagt dir etwas völlig anderes.
Dieses Beispiel von dem Flugschüler macht es anschaulich, was der Heilige
Geist in uns tut. Er will nicht, dass wir uns an unseren Gefühlen
orientieren. Gefühle können uns täuschen und in die Irre führen. Der
Heilige Geist gibt Gewissheit von Gott her. Er greift von außen in uns
ein. Darum sollen wir nicht in uns hineinhorchen, sondern wir sollen in
Gottes Willen hineinhorchen, den er uns auch in der Bibel gegeben hat.
Dort entsteht Gewissheit.
3. Der Heilige Geist bürgt für unser ewiges Erbe
Kinder müssen sich keine Tricks ausdenken, um ihr Erbe zu bekommen. Sie
müssen keine unlauteren Dinge treiben, um da ranzukommen. Sie bekommen es
in Ruhe, weil sie Kinder sind. Es ist für sie vorbereitet.
Unsere Stellung ist ganz ähnlich. Für Kinder liegt das Erbe noch in der
Zukunft, in der Ewigkeit. Sie haben das Erbe noch nicht angetreten. Und
doch ist es für sie völlig anders als für Sklaven. Ein Sklave hat kein
Erbe zu erwarten. Wir sind für Gott keine Sklaven, sondern Kinder.
Der Heilige Geist macht uns unserer Kindschaft gewiss. Er gibt uns ein
Zutrauen, dass wir Gottes Kinder sind. Und dieses Zutrauen macht er am
außer uns liegenden Willen Gottes fest.
Ich fasse zusammen: Der Heilige Geist gibt uns die Kraft zum Leben vor
Gott. Er ist der Motor unseres Christseins. Wir können die Kräfte nicht
selbst aufbringen, um den gottfeindlichen Mächten und Trieben und Gefühlen
zu widerstehen. Der Heilige Geist schafft Neues. Er bezeugt auch, dass wir
Gottes Kinder sind und Gottes ewiges Erbe bekommen. Amen!
(Pfr. Dr. K. Knauß)
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