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Gottesdienst im Grünen 18.07.2004 Als Pfarrer hat man vielleicht nicht unbedingt die Aufgabe, sich mit Jesus anlegen. Schon gar nicht, wenn es um das Essen geht. Aber da hätte ich mir schon gewünscht, dass es bei Jesus nicht nur um Fisch geht. Jesus, von mir aus hätte es auch ein Steak getan, 400 gramm, medium und nen schönen frischen Salat dazu. Aber Fisch… Aber gut, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt und heute bereitet der gute Hirte persönlich den Tisch. Er serviert. Er tischt auf. Er lädt ein und schenkt voll ein.
Wie kams überhaupt dazu, dass es heute frischen Fisch gibt?
Petrus war mit seinen Freunden rausgefahren und sie hatten die ganze Nacht gefischt, und nichts gefangen. Stell ich mir so vor, dass es bei denen so zuging, wie bei den 2 Anglern, die ganz früh morgens mit dem Boot zum Angeln rausgefahren sind und angeln schon 3 Stunden. Aber auch völlig ohne Erfolg. Da sagt der eine zum andern. „Herrschaftszeiten, die beißen heute nicht.“ Eine Stunde später antwortet der andere „Menschenskinder, kannst Du nicht mal den Mund halten. Sind wir hier zum Angeln oder zum quatschen hergekommen?“
Obwohl sie zum Angeln, zum Fischen gekommen waren, und allesamt erfahrene Grätenjäger waren, kommt heute kein Fisch auf den Tisch. Und so kommen sie ohne frischen Fisch im Schneckentempo aber mit Bärenhunger in Richtung Ufer und hören plötzlich eine Stimme. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“
Apropos
Stimme: Geht einer im Winter angeln. Gerade als er ein Loch in das Eis
schlagen will hört er eine Stimme:
Die Jünger hören am Ufer eine Stimme – die wie sich später rausstellt – Jesus selbst ist. Der fordert sie auf, nochmals rauszufahren und nochmals zu fischen. Das Resultat: 153 Fische im Netz! Diesesmal frischer Fisch im Netz, mit einem Affenzahn und einem Bärenhunger ans Ufer. Ist das tierisch gut!
Aber das Wunder – das vielleicht nur eine Randbemerkung vom Autor ist: „Das Netz, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig: und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.“ (Johannes 21, 11)
153 Fische – Forscher sagen, damals waren am See Genezareth 153 Fischarten bekannt. Von jeder Sorte tummelt sich was im Netz. Und obwohl es so verschiedenartig zugeht, reißt es nicht. Hält das Netz!
Jesus sagt über das Himmelreich: Das Himmelreich gleicht einem Netz, das ins Meer geworfen ist und Fische aller Art fängt. (Matthäus 13, 47)
So ist es hier bei uns im Himmelreich, also wo Gott herrscht: die Vielfalt tummelt sich im Netz und das Netz reißt nicht! So ist es nicht im United Kingdom of Queen Elisabeth, nicht im Fürstentum Monaco bei Fürst Rainer, nicht im Königreich Schweden bei ikea – so geht’s halt nur bei uns im Königreich Gottes zu. Und wohl dem, der in diesem Königreich lebt! Und wir Christen haben die Aufenthaltsgenehmigung, haben doppelte Staatsbürgerschaft. Wir leben dort, wo Gott selbst ein Netz geknüpft hat, das nicht reißt. Das trägt, das hält, das verbindet.
„Das Netz, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig: und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht!“
Das ist der große Vorteil, der unvergleichliche Wert von dem, was wir als Christen haben, was uns zusammenhält: es reißt nicht und wenn es noch so schwer beladen und noch so hart auf die Zerreissprobe gestellt wird. Und wenn man sich die Fischvielfalt im Netz, die Menschenvielfalt im Königsreich Gottes ankuckt, könnte man schon manchmal Angst um das Netz bekommen.
Schauen Sie sich diese Fischvielfalt im Netz an! Da gibt es:
Karpfen: Schon vor 4000 Jahren in China in Teichen gezüchtet. Kann schnell etwas schlammig schmecken. Vorstellbar im Netz, im Reich Gottes? Natürlich! Christen, die es in der gleichen Ausgabe schon vor 4000 Jahren gab. Gleiche Lieder, gleiche Gebete, gleiche Liturgie. Alles im Netz. Und: das Netz reist nicht!
Scholle: Ein Plattfisch mit tollem Geschmack, etwas schwierig, wegen der Gräten. Vorstellbar im Netz, im Reich Gottes? Natürlich! Christen die einen tollen Geschmack haben, weil sie einfach viele gute Ideen haben. Offen sind für neues. Allerdings – wie gesagt – etwas schwierig wegen den Gräten. Halt wie alle – mit Ecken und Kanten. Alles im Netz. Und: das Netz reist nicht.
Makrele: Relativ fett, darum auch gut zum Räuchern oder für den Grill. Vorstellbar im Netz, im Reich Gottes? Natürlich! Relativ fett … meinen die mich? Also, ich möchte niemand sonst ankucken…. Nehmen wir an, damit ist der Pfarrer z.A. gemeint. Gut zum Räuchern oder für den Grill, sonst zu nicht viel zu gebrauchen. Macht nichts. Alle im Netz. Und: das Netz reist nicht.
Seeteufel: Hässlicher Fisch, wird darum oft ohne Kopf verkauft. Geschmacklich aber prima. Vorstellbar im Netz, im Reich Gottes? Natürlich! Die Kopflosen? Oder wenn schon Kopf dann evtl. Dickkopf, Querkopf, Dummkopf… Die man nicht so auf Anhieb versteht. Weil sie andere Ansichten haben. Anders glauben. Anders reden. Anders beten. Alle im Netz der Gemeinde. Und: das Netz reist nicht.
Gehen wir noch kurz in die Abteilung Jungtiere, Kleintiere. Gehört ja in ganz besonderer Weise ins Netz der Gemeinde: die Kleinen, die Jungen. Also zum Beispiel die Heringe.
Hering: Schmackhaft, fett und eiweißreich. Bis 30 Zentimeter groß. Jüngere Heringe eingelegt nennt man Matjes. Gibt’s ne Jungschargruppe, die Matjes heißt? Aber muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: die kleinen Heringe, schmackhaft, fett und eiweißreich. Was für ein Gewinn! Was für ein Leckerbissen im Netz. Und: das Netz reist nicht!
In dieser frühen Morgenstunde damals am See Genezareth bringt Jesus seinen Jüngern die vielleicht wichtigste Lektion bei: nach dem Schrecken des Todes von Jesus, nachdem alles aussah, als ob das ganze gespannte Netz zerreißen würde, die Sache zum Flop werden würde, zeigt ihnen Jesus mit aller Kunst von Erlebnispädagogik. Leute, das Netz das Gott selber gespannt hat mit seiner Herrschaft, reißt nicht. Und alles, was mit dieser Herrschaft Gottes in Kontakt kommt, kann Zerreißproben bestehen. Es hält! Es trägt! Es verbindet! Und zwar nicht weniger als Alles!
(Pfr. Heiko Bräuning)
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