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Gottesdienst am 12. Sonntag n. Trin., 7. September 2003, in Wilhelmsdorf, Predigt über Markus 7, 31-37 Rembrandt war zwar ein hervorragender Künstler, aber in wirtschaftlichen und finanziellen Dingen nicht sehr geschickt. Offenbar hat er von einer berühmten Radierung sämtliche Rechte abgetreten. So gab es zwar viele Drucke davon, aber Rembrandt besaß nicht einen einzigen. Um wenigstens ein Exemplar zurückzubekommen, bezahlte er 100 Gulden. Davon hat dieses Bild seinen Namen bekommen: Hundertguldenblatt. Diese Radierung zeigt Jesus in der Mitte, und um ihn herum viele Kranke. Es ist, als wäre darauf die ganze Not und Sehnsucht der Welt abgebildet. Es sind Heilungen dargestellt, die in den Evangelien berichtet werden; ferner die Segnung der Kinder und noch anderes. Ich stelle mir einmal vor, Jesus würde einfach fehlen. Irgendwie weggenommen. Und da ist in dem Bild eine große Lücke. Alles fragt um Hilfe in der Not, alles hat irgendeine Sehnsucht. Und sie warten darauf, dass sie gestillt und die Not behoben würde. Das ist doch das Leben von uns Menschen: Von großer Not und großem Fragen erfüllt. Und vieles in unserem Leben dreht sich einfach nur darum, die Not zu lindern oder gar zu beseitigen. Und wenn dann Jesus aus der Mitte genommen ist, dann wird die Not noch größer. Wir wissen in Wilhelmsdorf viel über die Not von Menschen. Menschen mit Behinderungen oder mit großen Mängeln und Krankheiten. Heute wird von einer dieser Krankheiten berichtet, und wie Jesus ihr begegnet. Da war ein Gehörloser, der deswegen auch nicht reden konnte. 31 Und als er wieder fortging aus dem
Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der
Zehn Städte. Wir können's nicht beantworten. Höchstens können wir andeuten, soweit wir's verstehen: Offenbar hat Gott nicht das Ziel, jetzt in dieser Weltzeit schon alle Not zu beseitigen. Hier und da gibt es Heilungen. Aber im großen und ganzen gehören Not und Krankheit zu den Kennzeichen dieser Welt. Doch bei Jesus leuchtet schon ein Stück von der Vollendung mit ihrer Überwindung der Not auf. Ich möchte in 3 Überschriften gliedern: 1. Jesus steht im Mittelpunkt Nicht der Kranke, sondern Jesus steht im Mittelpunkt dieses Berichts. Jesus ist auf einer Tour unterwegs. Wahrscheinlich hat er sich bewusst aus dem Zentrum des religiösen Lebens zurückgezogen, um nicht ständig Streitereien mit den religiösen Führern zu haben, und um sich dem politischen Zugriff des Herodes zu entziehen (nach der Enthauptung Johannes d. Täufers). So kam er nach Tyrus und Sidon und schließlich in das Ostjordanland. Das waren eigentlich ganz gottverlassene Gegenden, jedenfalls aus der Sicht der Frommen; noch schlimmer als Galiläa. In diesen Gegenden wartete man nicht auf den Messias. Doch Jesus ging auch zu Menschen, die nicht viel von Gott erwarteten. Und auch dort schaute er sich mit wachen Augen die Menschen an. Auch wenn es seinem eigentlichen Auftrag nicht entsprach. Aber Jesus konnte die Menschen, die Hilfe brauchten, nicht links liegen lassen. Geistliche öde Landschaften: Da denken wir heute vielleicht an manche Landstriche in Nord- oder Ostdeutschland; oder an Frankreich. Und viele denken: Da kann auch nichts mehr entstehen; wenn die Leute nicht mehr an Gott denken, dann denkt Gott auch nicht an sie. Merkwürdigerweise hat Jesus bei den
geistlich Unbedarften mehr Erfolg gehabt als bei den Frommen. In der Bergpredigt sagte er:
Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich (Matth. 5,3). Über den
römischen Hauptmann von Kapernaum sagte er: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht
gefunden (Matth. 8,10). Und der Fortgang der Mission bei den Jüngern zeigt, dass das
Evangelium von Jesus bei den Heiden auf einen fruchtbareren Boden fiel als bei den Juden. 2. Jesus ist gegen die Krankheit Jesus will nicht nur predigen. Und er will auch nicht nur unser ewiges Heil. Sondern zeichenhaft beseitigt er das Unheil auch schon jetzt. Jesus nahm den Kranken aus der Menge beiseite. Er widmet sich ihm ganz besonders. Es sollte kein großes Aufsehen erregt werden. Im Gegenteil: Jesus wollte am liebsten unerkannt bleiben. Noch wichtiger war, dass alle störenden Ablenkungen abgestellt werden sollten. Jesus wollte seine Wunder nicht vermarkten. Heilung ist ein Stück Seelsorge. Heilung dient nicht der Propaganda. Der Mann soll wissen und spüren, dass jetzt nur er wichtig ist. Da ist kein Seitenblick, wie es wohl auf die anderen wirken wird. Jesus schafft sich selbst und dem Kranken einen Schutzraum. Das wünscht sich ein Mensch mit einer Not: Ungeteilte Aufmerksamkeit. Volle Zuwendung. Keine Nebengedanken. Mir scheint, dass es ein besonderes Problem unserer Zeit ist: Überall schaut man nach der Wirkung auf die anderen oder auf die Öffentlichkeit. Die Regeln unserer Gesellschaft mit ihrem Wettbewerb sind unerbittlich. Wenn du dir keine Aufmerksamkeit verschaffen kannst, gehst du unter. Wir müssen uns davor hüten, dass diese Gesetze der Öffentlichkeit auch unser geistliches Geschehen bestimmen. Wer Hilfe sucht, braucht einen Helfer, der voll da ist. Was die anderen denken, ist in diesem Zusammenhang unwichtig. Lob oder Tadel können hier nur stören. Allerdings haben sich die anderen doch nicht nach dem Wunsch Jesu um Geheimhaltung gerichtet. Sie haben es anschließend überall bekanntgemacht. Der Kranke kann nicht hören. Jesus geht mit ihm deshalb in der Sprache der allgemeinverständlichen Gebärden um. Er berührt die Ohren und die Zunge, also die Organe, die krank sind. Jesus war nicht cool gegenüber der Not und Krankheit. Sie haben ihn tief aufgewühlt und umgetrieben. Denn Not und Krankheit sind keine Nebensachen. Sondern sie sind Störungen im guten Werk Gottes. 3. Jesus tut das Werk Gottes Nach dem Werk der Schöpfung wird kommentiert: Und siehe da, es war alles sehr gut (1. Mose 1, 31). Die Menschen, die die Heilung mitbekommen hatten, sagen: Er hat alles wohl gemacht. Wir sollen wohl darauf aufmerksam gemacht werden, dass Jesus das Werk seines Vaters tut, es fortsetzt und zum Ziel bringt. Das Werk Gottes schließt die körperliche Gesundheit mit ein. Aber es ist mehr. Da wird an einer Stelle der Schaden der Schöpfung gewissermaßen repariert, wieder in Ordnung gebracht. Was durch den Sündenfall aus dem Gleis geraten ist, das wird wieder gerade gemacht. Krankheit ist ein Merkmal, dass sich etwas zwischen Gott und die Menschen geschoben hat. Die Heilung der Krankheit ist das Zeichen, dass die Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen wieder hergestellt wird. Damit deutet Jesus auf die Vollendung in der Ewigkeit hin. In der Offenbarung heißt es denn auch: "Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein..." Jesus hat in göttlicher Vollmacht Kranke geheilt. Er rückt ihn in die Nähe des Schöpfers. Wir tun gut daran, ihn zu loben und anzubeten. Er soll groß sein unter uns und im Mittelpunkt stehen, damit er sein Werk auch unter uns tun kann. Amen. (Pfr. Dr. K. Knauß)
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