|
Erntebittgottesdienst am 20. Juli 2003, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über 2. Korinther 9,6 Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Liebe Schwestern und Brüder, liebe
Gemeinde! Aber es gibt Menschen, die meinen, wenn du wenig reinsteckst, kommt trotzdem viel heraus; wie durch ein Wunder. Sie meinen: Du brauchst dich nicht anzustrengen. Das Leben würde wie bei den Heinzelmännchen laufen: "Und eh ein Faulpelz sich bedacht, war all sein Tagewerk bereits gemacht." Landwirte wissen es aus langjähriger Erfahrung, dass das nicht geht. Es kostet einen gewissen Einsatz, ja ein Opfer, die richtige Menge zu säen, damit man auf eine gute Ernte hoffen kann. Landwirte wissen: Man muss auch ständig dranbleiben, wenn man einen vernünftigen Ertrag erwarten will. Und selbst dann kann einem das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung machen. Eine Garantie gibt es nicht, dass bei großem Einsatz auch viel herauskommt. Aber wer im Einsatz geizig ist, kann nicht viel erwarten. Wir bitten in diesem Gottesdienst um eine gute Ernte, um eine Ernte, die gelingt. Das Säen ist längst vorbei. Daran kann man jetzt nichts mehr ändern. Wenn hier ein Fehler vorgekommen sein sollte, kann man aus ihm höchstens Lehren für das nächste Jahr ziehen. Nehmen wir einmal an, dass kein Fehler vorgekommen ist: Alles ist nach allen Regeln der Kunst gemacht, nach bestem Wissen und Gewissen. Dann dürfen wir die Früchte aus Gottes Hand nehmen, nicht als unser Werk, sondern als Werk Gottes. Denn davon leben wir in allem, was wir tun. Nun meint Paulus die Geschichte eigentlich bei den Spenden: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten. Er will keine Anleitung zum Arbeiten in der Landwirtschaft geben. Sondern er geht davon aus, dass das die Leute bereits wissen und kennen. Er will sagen: Schaut, manches ist beim Säen und Ernten so ähnlich wie in der Gemeinde. Wenn du nichts einsetzt, kann auch nichts herauskommen. So ist das mit dem Säen und Ernten eigentlich ein Vorbild, ein Modell für das ganze Leben. Wer hingibt, der empfängt. Und nur wer hingibt, kann empfangen. Für die Christen hat das Bild vom Säen und Ernten deshalb immer im übertragenen Sinn auch die drei Bereiche bedeutet: 1. Saat und Ernte im rein irdischen Leben 1. Saat und Ernte in unserem irdischen Leben In einer Legende wird die Geschichte erzählt, wie ein junger Mann im Traum einen Laden betrat. Hinter der Theke stand ein Engel. Der Mann war überrascht und fragte: "Was verkaufen Sie denn?" Der Engel antwortete freundlich: "Alles, was Sie wollen." Der junge Mann begann aufzuzählen: "Dann hätte ich gern das Ende von allem Unrecht in der Welt, keine Verfolgungen, Hungersnöte mehr, keine Kriege und Bürgerkriege, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche, und dann auch noch selbst immer genügend zu essen und was ich sonst noch brauche, und... und... und ..." Da fiel ihm der Engel ins Wort: "Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen." Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten. Wir werden schon nach dem gefragt, was wir eingesetzt haben; vielleicht sogar angefangen bei den nächsten Menschen, mit denen wir zu tun haben, bis hin zu denen weiter weg. Deshalb gebe ich die Anregung für eine stille Stunde zu Hause. Was habe ich bisher schon eingesetzt oder bin bereit, weiter einzusetzen? Güte und Liebe kommen mir in der Regel nur dann entgegen, wenn ich sie auch selbst gegeben habe. So hat Gott die Welt eingerichtet. 2. Saat und Ernte im Gemeindeleben Paulus bittet die Christen in Korinth um eine Opfersammlung für die arme Gemeinde in Jerusalem. Er tut das sehr ausführlich, über zwei Kapitel hinweg. Unser Abschnitt ist der Höhepunkt und Schluß des langen Opferaufrufs. Nicht, dass er den Korinthern mit allen Mitteln der Überredung und Psychologie möglichst viel Geld aus den Taschen holen will. Nicht aus Zwang, sagt er. Der Grund liegt darin, dass Paulus den Christen in Korinth einen neuen Lebensbereich für den Glauben erschließen will. Sie haben als Christen ein neues Leben angefangen. Es wurde innerlich unsagbar reich, aber auch äußerlich hat er ihnen viel gegeben. Und nun sollen nach und nach alle Bereiche des Lebens geheiligt werden, so dass Christus in ihnen Gestalt gewinnt. So wird ihr Leben ein Wachsen auf Christus zu, es wird zunehmen an Freude und Dankbarkeit. Glaube darf nicht auf der Stelle treten. Er darf sich nicht auf das beschränken, was sich in unserem Kopf abspielt, etwa, dass wir Gott für den Schöpfer halten. Glaube darf auch nicht bei einzelnen schönen und beglückenden Erlebnissen stehen bleiben. Erst wenn er wächst, wenn er aus unserem Kopf und aus unserem Herzen hinein in unsere Hände geht, wenn wir ihn nach und nach alle Bereiche des Lebens durchdringen lassen: Unser Familien- und Privatleben, die Arbeit, die Freizeit, - erst dann führt er zur Lebenserfüllung, zur Dankbarkeit, zum Lebensdank. Auch der zentrale Lebensbereich des Besitzes und des Geldes, des Habens und Hergebens soll von unserem Herrn geheiligt werden. Die Gemeindeglieder der christliche Gemeinde in Korinth haben nicht zu den Reichen der damaligen Zeit gehört. Sie mussten ihre Sachen sehr einteilen. Und doch haben sie ein großes christliches Hilfswerk durchgeführt, weil es denen in Jerusalem noch unvergleichlich viel schlechter ging, die doch ihre Geschwister im Glauben waren. Es war offenbar gerade eine Hungersnot dort, wo die Jerusalemer ja nichts dafür konnten. Die Gabensammlung damals in Korinth war ein Ausdruck dafür, dass die Christen zusammengehören, wo auch immer sie wohnen. Deshalb werden wir für heute das Opfer nicht für uns selbst erbitten. Es soll anderen in der Dritten Welt zugute kommen. Wir haben nicht wählen können, dass wir in ein Land hineingeboren wurden, in dem wir trotz Einschränkungen noch mehr haben als andere auf der Welt. Unsere Gabe ist nur ein bescheidener kleiner Dank, mit dem wir Gott einen Teil von dem zurückerstatten, was er uns gegeben hat. 3. Saat und Ernte für das ewige Leben Ich habe es öfter bei älteren Menschen erlebt. In der Rückschau auf ihr Leben bleibt nicht sehr viel übrig, was erwähnenswert ist. Wir sind ja zumeist keine Menschen, die weltbewegende Taten tun. Das Bewegendste, das mir bei Menschen
begegnete: Wenn Frucht entstanden ist, die über das irdische Leben hinausreicht. Hier und
da ein Gespräch, das dem anderen weitergeholfen hat. Das ihm eine Tür aufmacht, die Welt
Gottes zu sehen. Ich fasse zusammen: Saat und Ernte sind Kennzeichen unseres ganzen Lebens. In der Landwirtschaft, im persönlichen Leben und im Gemeindeleben schenkt Gott Frucht, wenn wir bereit sind, das unsere zu tun. Und dennoch gilt in allem, dass wir eigentlich von einem göttlichen Wunder leben. Amen. (Pfr. Dr. K. Knauß)
|
|
|