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Gottesdienst am Ökumenischer Gottesdienst m. Fahnenweihe, 29. Juni 2003, in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr, Predigt über Philipper 2, 1-4 1 Wenn es also Ermahnung in Christus gibt,
Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, Heute hat Michael Schumacher wieder mal einen großen Auftritt. Da gibt es doch tatsächlich einen Pfarrer, der heißt genauso: Michael Schumacher. Und er wird von den Leuten auch Schumi genannt. Dieser (katholische) Pfarrer sagte, dass ihn mit seinem berühmten Namensbruder etwas verbindet. Sie seien beide auf unterschiedliche Weise Gott nahe: Pfarrer Michael Schumacher in der Kirche und der Rennfahrer Michael Schumacher, wenn er mit 300 Sachen über die Piste rast. Vom zweiten ist dringend abzuraten. Nicht zur Nachahmung empfohlen. Ich lade Sie ein, heute auf die erste Art und Weise Gott nahe zu sein, auch wenn's heute keine Kirche ist, sondern ausnahmsweise ein Zelt. Das Zelt war einst für die Israeliten der Ort, wo sie Gott begegneten, im wandernden Gotteszelt in der Wüste. Der Inhalt unseres Gottesdienstes hat einen Anlass, der nicht jeden Tag vorkommt. Der Musikverein weiht seine neue Fahne. Nun hat jeder Staat seine Fahne, genauer gesagt, Flagge, aber normalerweise unterscheiden die Menschen hier kaum. Den Unterschied zwischen Fahne und Flagge kann ich nicht einmal richtig erklären. Sagen wir mal kurz: Eine Flagge ist billig, eine Fahne ist teuer. Bei einer Flagge ist vieles gesetzlich geregelt, besonders das Aussehen und der Einsatz, eine Fahne kann man sich nach eigenem Geschmack gestalten. Es gibt aber viele Gemeinsamkeiten, so dass wir den Unterschied oft nicht so genau nehmen. Der Kenner weiß auf jeden Fall: Das ist die Flagge von Frankreich oder England oder Deutschland. Bei der Olympiade oder anderen großen Sportveranstaltungen wehen die Fahnen der teilnehmenden Nationen am Stadion oder etwa im Olympischen Dorf. Wenn so was im Fernsehen kommt, dann suchen meine Augen fast unwillkürlich nach der deutschen Fahne. So, als wollte ich die Bestätigung: Wir sind auch dabei. Natürlich weiß ich, dass wir mit dabei sind. Sonst würde ich ja gar nicht schauen. Und trotzdem schaue ich danach. Und ich denke, vielen wird es ebenso gehen. Das ist doch merkwürdig! Unser Blick geht auf das hin, was wir schon kennen, was uns also keine neue Information gibt. Eine Fahne soll das Wir-Gefühl fördern. Ich identifiziere mich mit den Sportlern oder mit dem Verein. Wir gehören zusammen. Und wir brauchen einander auch. Einer allein kann keinen Verein bilden. eine Ein-Mann-Show braucht auch keine Fahne. Sondern eine Fahne soll das fördern, dass wir sagen: Unser Verein. In der Bibel wird die Gemeinschaft ungeheuer wichtig genommen, so auch in dem Wort von Paulus an die Gemeinde in Philippi, die ich als Predigttext genommen habe. Mir fällt auf: Einheit muss offenbar extrem schwierig sein. Dass man zusammengehört, ist nicht selbstverständlich, selbst für die damalige Pionier-Gemeinde. Ich hoffe, das wird nicht peinlich. Aber da brauchen wir heute uns nicht zu verstecken. Das läuft in jeder politischen Partei, in jedem Verein und auch in kirchlichen Gremien ähnlich. Das Normale ist, dass immer wieder Reibereien auftauchen, Schwierigkeiten, einander nicht verstehen können, dass sich da jemand alleingelassen fühlt oder mehr Unterstützung wünscht. Und es ist eine enorme Arbeit, die Einheit hinzukriegen. Wenn es funktioniert, dann leisten wir mehr, dann leben wir mit größerer Freude. Das ist das Geheimnis eines guten Vereinslebens und guten Gemeindelebens. Umgekehrt: Wenn die Chemie in einem Verein oder einer Gemeinde nicht stimmt, dann bekommt man mit dem Ergebnis Probleme. Eigentlich müsste man sich diesen Spruch, diese Sätze aus dem Philipperbrief, über das Bett hängen und jeden Abend anschauen. Macht nichts, wenn er Ihnen vielleicht ein wenig dick aufgetragen erscheint. Macht nichts, wenn Sie denken, wir würden das sowieso nicht hinkriegen. Das würde erst im Himmel klappen: Dass wir herzliche Liebe haben, dass wir eines Sinnes sind, dass wir nichts aus Eigennutz tun, dass wir nicht nur auf das eigene Wohl sondern auch auf das der anderen achten. Doch nehmen wir's ernst: Man könnte diese Sätze eigentlich auch in der Manager-Beratung einsetzen, oder in der Beratung für einen Verein oder überall, wo mehrere Menschen zusammenarbeiten. Vorausgesetzt, man würde es in heutige Sprache übersetzen und man würde die einzige erkennbar fromme Stelle weglassen. Diese einzige fromme Stelle ist, dass von Christus die Rede ist. Natürlich kann man ihn an dieser Stelle nicht weglassen. Darauf werde ich nachher eingehen. Aber zunächst einmal will ich so tun, als wäre das nur eine Anweisung zum Leben in der Gemeinschaft. Es geht um eine gute Gesprächskultur, um Kommunikation (Ermahnung und Zuspruch). Weich den Dingen nicht aus, die Probleme machen! Nenne sie beim Namen! Wir sind in unserem Alltag oft viel zu direkt am Ergebnis orientiert. Für den Musikverein heißt das: Hauptsache, wir machen gute Musik. Für die Kirchengemeinde: Hauptsache, die Kirche ist voll und die Leute kommen. Für die Kommune: Hauptsache, wir können unsere Aufgaben erfüllen und bezahlen. Aber Paulus redet hier nicht von einer Aufgabenerfüllung. Sondern was zwischen uns Menschen läuft, zählt oft mehr als das unmittelbare Ergebnis. Wenn es zwischen Menschen nicht stimmt, kann es uns ja auch jede Freude verderben, auch wenn ein Werk an sich eigentlich gelungen ist. Das mag vielleicht einem Dirigenten nicht
so einfach runtergehen, aber es ist so. Das Einüben eines musikalischen Programms ist nur
ein geringer Teil. Wenn es zwischen den Vereinsmitgliedern knistert, dann muss das
ausgeräumt werden. Auch ein Verein braucht einen "Betriebs-Seelsorger". Das
muss nicht immer der Dirigent sein. Aber es muss jemand da sein, der ein Gespür dafür
hat, wenn man etwas klären muss. Aber der Anspruch des Apostels Paulus ist ungeheuer hoch. Wir sollten nichts aus Eigennutz tun, wir sollten den nächsten höher achten als uns selbst. Das können wir nicht. Manche meinen sogar, das sei gar kein erstrebenswertes Ziel. Deswegen stellt er uns hier das Beispiel
von Jesus hin. Wir sollen es genauso machen. Dieses Beispiel beschreibt er zwar erst
anschließend in dem großen Christushymnus. Aber er hat das Vorbild Christi schon vorher
im Auge: Was ist daran eigentlich so eindrücklich? Jesus hat sich nicht selbst groß herausgestellt und war doch, menschlich gesprochen, erfolgreicher als die Siegertypen. Da steckt eben auch dieses Geheimnis dahinter. In unserer Gesellschaft zählen wirtschaftliche Erfolge mehr als menschliche Werte. Selbst in nicht so guten Zeiten wie gegenwärtig geht es uns immer noch sehr gut. Aber trotz unserer Erfolge fällt uns sehr schwer, zufrieden zu sein. Ist unser Leben lebenswert? Das liegt nicht am ausgeglichenen Haushalt oder am Umsatz, sondern an menschlichen und geistlichen Werten. Ich meine, Paulus legt den Entwurf für
eine zufriedene Gemeinschaft vor. Es ist gewissermaßen ein Gegenentwurf zur
Jammer-Gesellschaft. (Pfr. Dr. K. Knauß)
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