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Gottesdienst am 1. Sonntag n. Trin, 22. Juni 2003, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, mit Taufen, Predigt über Lukas 16, 19-31 Gott lädt in der Heiligen Taufe Menschen in seine
Gemeinschaft ein. Auch die zwei Kinder, die jetzt getauft worden sind, sind eingeladen. Mit der Taufe ist es so. Sie gilt nur dann wirklich, wenn auch der Glaube dazukommt. Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Er öffnet uns die Tür zum Reich Gottes. Die Taufe ist dafür nur ein Zeichen, und noch ein Stück mehr. Wir haben es nicht in der Hand, was die Kinder aus ihrem Leben einmal machen werden. Wir können ihnen von Gottes Einladung erzählen. Eltern, Paten und andere können ihnen vorleben, wie das ist, wenn man auf Gottes Wort hört, wenn man zu ihm gehört und das Leben unter seinen Augen führen will. Aber schließlich werden sie einmal ihre eigenen Entscheidungen treffen, für die sie dann auch selbst geradestehen müssen. Jesus hat einmal eine sehr eindrückliche Beispielgeschichte erzählt. Wie ist das mit dem Himmel und der Hölle? Müssen wir etwas Besonderes wissen, um zu Gott zu kommen? Müssen wir etwas Besonderes tun? Oder müssen wir vielleicht sogar auf einen besonderen Blitz, eine eigene Offenbarung aus dem Himmel warten? Es ist die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus, das unseren heutigen Predigttext darstellt: 19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich
in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Jesus hat sehr direkt geredet. Verpflichtet uns das dann auch, so direkt zu reden? Muss man in der Kirche von der Hölle und vom Jüngsten Gericht reden? Wir reden doch lieber von der Gnade und von der Errettung! Aber von der Gnade zu reden hat nur Sinn, wenn man auch verlorengehen kann. Jesus hat viel mehr von der Liebe geredet, von der Einladung Gottes, davon, wie er uns Menschen retten will. Weil er unser Heil will, deshalb hat er auch gesagt, dass das nicht selbstverständlich ist. Die Frage um Rettung und Verlorensein darf uns nicht gleichgültig sein. Es ist übrigens verwunderlich, dass in manchen bekannten Liedern vom Gericht in großer Freude und Erwartung gesungen wird. Da heißt es etwa in dem bekannten Adventslied: "Der Jüngste Tag ist nun nicht fern. Komm, Jesu Christe, lieber Herr! Kein Tag vergeht, wir warten dein und wollten gern bald bei dir sein... Ach lieber Herr, eil zum Gericht! Lass sehn dein herrlich Angesicht..!" Ich denke, dass wir nicht recht liegen, wenn wir hier negativ eingestellt sind. Im biblischen Zusammenhang ist klar, dass Gott beim Gericht die Welt wieder ins Lot bringen wird. Da kommt die Welt an ihr Ziel. Da wird Gott die Schöpfung ihrer Vollendung zuführen. Da wird er das Verhältnis zwischen sich und der Welt, vor allem zu uns Menschen, neu ordnen, und zwar so, dass es seiner ursprünglichen guten Ordnung entspricht. Da sind Sünde, Not und Schuld, Unrecht und Krieg und Gewalt nicht mehr die Herren der Welt, sondern da ist Gottes Wille über allem. Nur von daher können wir den richtigen Zugang zu der Beispielerzählung vom reichen Mann und armen Lazarus gewinnen. Als roten Faden nehme ich, dass Jesus sich um uns
sorgt. Er mahnt: 1. Lebe nicht gedankenlos in den Tag hinein! So war es damals und ähnlich noch lange Zeit danach. Wenn jemand nichts hatte, musste er betteln. Ohne die Hilfe der anderen wäre er buchstäblich verhungert. Gott musste Menschen bewegen, um zu helfen. Die Menschen, die helfen konnten, haben das aber auch unmittelbar vor Augen gehabt. Es hat sich tief in das Lebensgefühl eingegraben: Du musst helfen, im Namen Gottes. Nicht zu helfen, war herzlos und unfromm. Wie ist das aber bei uns? Bei uns wird doch die Hilfe vom Konto abgebucht oder beim Gehalt abgezogen. Alles geschieht automatisch. Ohne unser Herz. Und wer hat schon fromme Gedanken, wenn er seinen Gehaltszettel durchsieht und die Abzüge anschaut? Darin liegt für uns das Problem. Äußerlich ist die Hilfe besser organisiert. Aber viele Menschen werden einsam. Sie fühlen sich verlassen. Sie haben keine Zuwendung. Sie erfahren keine menschliche Nähe. Und sie finden das genauso schlimm wie Hunger und Durst. Hier liegt der Mangel in unserer Gesellschaft. Hier sind die Armen. In der Politik versucht man gegenwärtig, die ausufernden Sozialkosten in den Griff zu bekommen. Das ist keine Randfrage. Das gehört vielmehr zu den Hauptproblemen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die christliche Gemeinde kalt lassen kann. Wir können jedenfalls nicht sagen: Das ist ein Problem, das die Politiker zu lösen haben. Es könnte nämlich gut sein, dass dieses Problem für die Politik überhaupt nicht lösbar ist. Es könnte sein, dass die eigentliche Geschichte in der Zerrüttung unserer menschlichen Beziehungen liegt. Das ist für uns heute der Lazarus. Gott will nicht die Not. Gott will nicht eine Gesellschaft, wo die Beziehungen kühl berechnet werden. Sondern er will, dass uns das Erbarmen packt über einer Gemeinschaft, die auseinanderläuft. Als die soziale Frage im 19. Jahrhundert übergroß wurde, ging von der Gemeinde Jesu die Initiative aus zur Diakonie. Die Menschen in der Kirche konnte die Frage nicht kalt lassen. Die heute ganz andere Not kann und darf uns auch heute nicht kalt lassen. Die fünf Brüder des Lazarus sind wir, die wir heute leben. Die Frage hat auch etwas mit der Ewigkeit zu tun. Jesus zeigt in der Beispielgeschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus: Es ist keine Nebensache, was um dich herum passiert. Der Reiche lebte, als ob es keine Ewigkeit gäbe. Wir werden in der Ewigkeit auch gefragt werden, wie wir mit unseren menschlichen und sozialen Problemen umgegangen sind. Wir gefragt werden, was wir mit Lazarus gemacht haben. Vielleicht liegt Lazarus heute gar nicht vor deiner Haustür, sondern er ist in deiner Wohnung. Er könnte ein Familienangehöriger sein. 2. Du hast eine Chance - nutze sie! Der Reiche musste genauso sterben wie der arme Lazarus. Er hatte nicht gemerkt, dass auch er von Gott abhängig ist. Das war der Betrug des Reichtums. Er machte sich vor, dass alles in Ordnung sei. Ihm ging es doch gut! Der Tod schafft die Täuschung beiseite. Lazarus kommt in Abrahams Schoß. Das ist sehr volkstümlich ausgedrückt, so wie man es damals sagte. Der Reiche kam in das Totenreich. Luther übersetzt: in die Hölle. Aber das ist für uns sehr irreführend. Denn hier ist nicht der Ort der ewigen Verdammnis gemeint, sondern ein Zwischenzustand. In diesen Zwischenzustand kommen die gottlosen Menschen, die auf das Gericht warten. In diesem Zwischenzustand, im Totenreich, nimmt der Mann plötzlich wahr, was er eigentlich zu Lebzeiten auch hätte wissen können. Und er hat es sicher auch irgendwo gewusst, denn Abraham nennt er seinen Vater. Das wird ihm keineswegs abgesprochen. In dieser Situation denkt der Reiche an seine Brüder. Und er kommt auf die Idee, dass ihnen eine Totenerscheinung helfen würde. Jesus sagt: Nein. Die Menschen brauchen keine Jenseitsboten. Das wäre nutzlos. Alles, was wir Menschen von Gott wissen müssen, wissen wir durch die Heiligen Schriften (Mose und die Propheten). Für uns heute gilt noch weiter: Wir haben die Schriften des Neuen Testaments, die Worte und Taten Jesu und der Apostel. Wir haben darin den Willen Gottes in großer Deutlichkeit. Damit werden nicht nur Totenerscheinungen abgelehnt. Auch weitere neue Offenbarungen sind unnötig. Wenn uns Gott neue Wege weist, dann sind sie jedenfalls mit den Wegen der Bibel in Übereinstimmung. Gewiss brauchen wir neue Auslegungen für heute. Aber wir können nicht die Bibel manipulieren nach unserem Gutdünken. Wir können nicht weglassen, was uns nicht ins Zeug passt. Und wir können auch nicht sagen, wir hätten nichts gewusst. Sondern wir wissen alles. Im Oberschwäbischen gibt es den Spruch: "Ich will auch nicht dumm sterben." Aber es ist so, dass wir aus dem Wort Gottes schon alles Wesentliche wissen. Es gibt Menschen, die meinen, es muss etwas Außergewöhnliches passieren, dann handle ich: Vielleicht irgendein Zeichen vom Himmel, irgend ein neues Buch mit wahnsinnigem Inhalt. Aber weil das nicht kommt, deshalb verbringen sie ihr Leben in ständigen Warteschleifen. Jesus sagt: Es kommt nichts anderes. Du hast schon alle Informationen, die du brauchst. Darum habe Mut zu Entscheidungen. Es ist tatsächlich auch für uns heute ein großer Ernst. Man kann mit den biblischen Überlieferungen vertraut sein, man kann von der Existenz Gottes überzeugt sein, man kann Jesus für Gottes Sohn halten und vieles mehr. Aber mit dieser ganzen Überzeugung kann man dennoch verlorengehen. Denn das Leben des Christen ist eine Ganzheit. Der Glaube an Jesus Christus schließt das praktische Handeln mit ein. Darum sind auch wir dazu aufgefordert, dass wir den Glauben nicht auf den Warteraum verschieben. Dort ist es zu spät. Hier in unserem Leben entscheidet sich die Ewigkeit. Amen! (Pfr. Dr. K. Knauß)
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