Gottesdienst am 21. April 2003 (Ostern), in Wilhelmsdorf

Ein Kreuz ist recht und schön. Aber es hätte der Welt noch nichts genützt, wenn nicht… Ein leeres Grab ist recht und schön, aber man hätte drauf verzichten können, wenn nicht…. Ein auferstandener, erhöhter Christus ist recht und schön, aber er hätte der Welt noch nichts genützt wenn nicht… wen er nicht noch einmal bei uns vorbeigekommen wäre und uns all seine Zugewinne uns übereignet hätte! Alles, was durch Jesus erwirtschaftet wurde, musste irgendwie mit dem Menschen in Verbindung kommen! Und das geschieht nach der Auferstehung! Johannes 20, 19-23

Und da wird aus Ostern plötzlich Weihnachten:

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Gott kommt in Jesus - nicht mehr nur Mensch, sondern schon in göttlicher Gestalt - zu den Menschen. Jetzt ist es nicht die Krippe mit Ochs und Esel, in die er kommt. Jetzt ist es der aus Angst verschlossene Raum, mit mutlosen, zurückgezogenen Jüngern.

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Jetzt sind es nicht die Hirten, die total verändert werden: bei denen aus Angst und Furcht vor himmlischen Wesen Freude wird. Jetzt sind es die Jünger, die total verändert werden: bei denen aus Angst und Furcht Fröhlichkeit wird, mehr noch: "nagelneue" Menschen!

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Und das Besondere: dieses Mal kommen nicht die heiligen drei Könige und bringen Geschenke, sondern der heilige Christus kommt und bringt Geschenke mit! Gab es damals Gold, Weihrauch und Myrrhe, gibt es dieses Mal Beförderung, Geist und Vollmacht.

Christus schenkt uns alles, was er erwirtschaftet hat! Was er gewonnen hat, behält er nicht wie fette Beute für sich - das war noch nie seine Art (Philipper 2, 6) - sondern bringt es unter die Leute. Gott sei Dank hat sich Jesus nach der Auferstehung nicht in Luft aufgelöst, sondern hat den Umweg gemacht, vor der Himmelfahrt noch einmal bei den Menschen vorbeizuschauen und ihnen alles zu schenken, was er gewinnen konnte!

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Was hätte uns genützt wenn Jesus nach getaner Arbeit verschwunden wäre? Nein: wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Sagt Jesus in Vers 21.

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Was hätte es uns genützt, wenn nach Jesu Auferstehung alles beim alten geblieben wäre? Der alte Trott, der alte Geist unter uns. Nein, "nehmt hin den heiligen Geist!" sagt er in Vers 22.

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Was hätte es uns genützt, wenn Christus die Macht zur Vergebung der Sünden mit in den Himmel genommen hätte und diese Macht zur Vergebung der Sünden dort hegen und pflegen würde. Nein! "Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten."

Und: er gibt allen Geschenken den Vermerk: "zum gesegneten Gebrauch"!

(1) "Beförderung": Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Im rabbinischen Judentum zur Zeit Jesu gab es die vom alten semitischen Botenrecht deutlich ausgeprägte Funktion des Beauftragten. Sie ist in dem von der Mischna überlieferten Grundsatz zusammengefasst: "Der Beauftragte eines Menschen ist wie dieser selbst." Ein solcher Schaliach konnte zB rechtgültig eine Verlobung erklären. Das ist genauso, wie wenn ich vor 3 Jahren zum Karl Knauss gesagt hätte: "Du, geh mal zur Gabriele und sag ihr, das ich mich mit ihr verlobe." Der Gesandte ist Bevollmächtigter, persönlicher Stellvertreter des Sendenden.

"Wir sind Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott." Auch ein Geschenk Christi: wir dürfen ihn vertreten. Wir werden befördert zu Botschaftern an Christi statt. Schade, dass wir nicht etwas mehr über den Auftrag erfahren. Über das, was wir tun sollen. Es heißt nur: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Geht an meiner Stelle. Wäre doch einfacher, wenn er uns eine Liste gegeben hätte: 1. macht zu Jüngern. 2. Tauft sie. 3. Lehret sie zu halten alles, was ich euch befohlen habe 4. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. 5. Wascht euch gegenseitig die Füße. 6. usw. Stattdessen ganz simpel: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Geht an meiner Stelle. Der Auftrag zur Sendung erschöpft sich eben nicht in Dienstlichem. Wir sollen nicht nur Jesu Dienst fortsetzen. Unsere Nachfolge ist nicht eine Dienstreise. Vielmehr soll seine Art, sein Wesen unter die Menschen kommen. Wie Jesus ja auch nicht nur den Willen Gottes abgearbeitet hat, sondern uns lt. Martin Luther das Vaterherz Gottes offenbart hat. Wir sind keine Dienstgemeinschaft, wir sind eine Her"zz"eigegemeinschaft"! "Der Beauftragte eines Menschen ist wie dieser selbst." Anstatt Jesu, anstelle Jesu erleben Menschen hier in Wilhelmsdorf uns! Und an seiner Stelle bitten wir auch: lasst euch versöhnen!"

(2) Geist: Jesus bläst die Jünger an. Nehmt hin den heiligen Geist! Hätten sie auf das Geschenk nicht verzichten können? Ich meine, ist doch nicht so angenehm, wenn einem jemand direkt ins Gesicht bläst! Aber: man hat uns doch ganz am Anfang schon mal ins Gesicht geblasen! "Gott der Herr machte den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Geist des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen." (Gen 2,2)

"Jesus bläst die Jünger an: Nehmt hin den heiligen Geist!" Das Symbol des Einblasens bedeutet Übertragung von Leben. Jetzt wird das Neue, was durch Jesu Tod geschaffen wird, greifbar. Jetzt kommt es zu uns. Jetzt kommt es uns zu Gute. Jetzt wird es uns übereignet. Durch die Geisteinhauchung übergibt uns Jesus sein neues Leben, seine neue Kreatur. "Durch Christus sind wir eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." Neues Leben ist möglich, dass einmal nicht von der Vergänglichkeit und von der Sinnlosigkeit geprägt ist. Das nicht immer nur vom Ende gedacht werden muss, sondern wo jedem Tag die Chance zu einem Neuanfang innewohnt! Neues Leben, das sich nicht erschöpft in Lebenskrisen wie Verlust, Trennung, Krise, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Depression, Krankheit, Resignation, Enttäuschung. Neues Leben, das geprägt ist durch den großen Überwinder. "Seid getrost, ich habe die Welt überwunden." Der große Überwinder übergibt uns neues Leben. (Eisdiele Überlingen: worauf so lange gewartet werden musste: jetzt sind Sie an der Reihe! Bitte, für Sie!)

(3) Voll(e)macht: Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Es ist verrückt. Jesus überlässt uns das Wertvollste, was er durch seinen Tod gewonnen hat. Das Wertvollste!

(Mein Vater hat mich nie sein Auto putzen lassen. Angst vor größeren Rückständen nach dem Putzen als vorher. Auto: ist ihm wertvoll! Meine Frau lässt mich nie in ihr Büro: weil sie Angst hat, ich würde ihre Schokoladenvorräte plündern. Das ist ihr wertvoll!)

Christus hält uns noch nicht einmal das Wertvollste, das Größte vor. Das Wertvollste, was ihm durch seinen Todeskampf gelang: "Siehe, meinem Knecht wird es gelingen (…) um unserer Sünde willen wurde er zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." Durch "Ent-schuldiung" Frieden und Heilung gewinnen! Seine ganze Kreuzesgeschichte, sein ganzes Blutvergießen, sein ganzes Leiden und sterben war doch darauf hin angelegt, dass wir "durch sein Blut haben, die Vergebung der Sünden haben! " (Epheser 1, 7) "das Blut Jesu macht uns rein von aller Sünde". (1. Joh 1, 7) "Sein Tod ist geschehen zur Erlösung von den Übertretungen." (Hebr. 9,15)

Und jetzt überlässt er das alles uns! Zum gesegneten Gebrauch: "Welchen ihr Sünden erlasst, denen sind sie erlassen. Welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten."

Um Himmels Willen. Das wertvollste, wo der Meister selbst mit hantiert hat, liegt in meiner Hand. Ich kann Ihnen Sünden erlassen. Sie können mir Sünden erlassen.

Ich bitte Sie herzlich, dass Sie mir keine Sünden anrechnen, sondern dass Sie mit mir so umgehen, dass Vergebung eine Chance hat, das wertvollste, was Christus für uns gewonnen hat! Ich bitte Sie, schauen Sie das Telephonbuch durch, wenn es ihnen hilft, sich zu erinnern: rechnen sie keinem Sünden an. Schaffen Sie Raum für das Wertvollste, das in Ihrer Hand liegt: Wem ihr Sünden erlasst, dem sind sie erlassen.

Familienväter: rechnet euren Kindern keine Schuld an. Ehefrauen: rechnet euren Männern keine Schuld an. Wem ihr sie erlasst, dem sind sie erlassen. Nachbarn: rechnet euren Nachbarn keine Schuld an. Generationen: rechnet der jüngeren oder älteren Generation keine Schuld an: wem ihr sie erlasst, dem sind sie erlassen.

Vergebung der Sünden: zum gesegneten Gebrauch geschenkt!

Nichts von dem, was Christus gewonnen hat, hat er für sich behalten. Alles hat er uns geschenkt! Gott hat Wort gehalten: er der seien eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

(Pfr. Heiko Bräuning)

                        

Der Betsaal am 23.04.2003

 

 

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