Und: er gibt allen Geschenken den Vermerk:
"zum gesegneten Gebrauch"!
(1) "Beförderung": Wie mich der
Vater gesandt hat, so sende ich euch. Im rabbinischen Judentum zur Zeit Jesu gab es die
vom alten semitischen Botenrecht deutlich ausgeprägte Funktion des Beauftragten. Sie ist
in dem von der Mischna überlieferten Grundsatz zusammengefasst: "Der Beauftragte
eines Menschen ist wie dieser selbst." Ein solcher Schaliach konnte zB rechtgültig
eine Verlobung erklären. Das ist genauso, wie wenn ich vor 3 Jahren zum Karl Knauss
gesagt hätte: "Du, geh mal zur Gabriele und sag ihr, das ich mich mit ihr
verlobe." Der Gesandte ist Bevollmächtigter, persönlicher Stellvertreter des
Sendenden.
"Wir sind Botschafter an Christi
Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch
versöhnen mit Gott." Auch ein Geschenk Christi: wir dürfen ihn vertreten. Wir
werden befördert zu Botschaftern an Christi statt. Schade, dass wir nicht etwas mehr
über den Auftrag erfahren. Über das, was wir tun sollen. Es heißt nur: Wie mich der
Vater gesandt hat, so sende ich euch. Geht an meiner Stelle. Wäre doch einfacher, wenn er
uns eine Liste gegeben hätte: 1. macht zu Jüngern. 2. Tauft sie. 3. Lehret sie zu halten
alles, was ich euch befohlen habe 4. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. 5. Wascht
euch gegenseitig die Füße. 6. usw. Stattdessen ganz simpel: Wie mich der Vater gesandt
hat, so sende ich euch. Geht an meiner Stelle. Der Auftrag zur Sendung erschöpft sich
eben nicht in Dienstlichem. Wir sollen nicht nur Jesu Dienst fortsetzen. Unsere Nachfolge
ist nicht eine Dienstreise. Vielmehr soll seine Art, sein Wesen unter die Menschen kommen.
Wie Jesus ja auch nicht nur den Willen Gottes abgearbeitet hat, sondern uns lt. Martin
Luther das Vaterherz Gottes offenbart hat. Wir sind keine Dienstgemeinschaft, wir sind
eine Her"zz"eigegemeinschaft"! "Der Beauftragte eines Menschen ist wie
dieser selbst." Anstatt Jesu, anstelle Jesu erleben Menschen hier in Wilhelmsdorf
uns! Und an seiner Stelle bitten wir auch: lasst euch versöhnen!"
(2) Geist: Jesus bläst die Jünger an.
Nehmt hin den heiligen Geist! Hätten sie auf das Geschenk nicht verzichten können? Ich
meine, ist doch nicht so angenehm, wenn einem jemand direkt ins Gesicht bläst! Aber: man
hat uns doch ganz am Anfang schon mal ins Gesicht geblasen! "Gott der Herr machte den
Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Geist des Lebens in seine Nase. Und so ward
der Mensch ein lebendiges Wesen." (Gen 2,2)
"Jesus bläst die Jünger an: Nehmt
hin den heiligen Geist!" Das Symbol des Einblasens bedeutet Übertragung von Leben.
Jetzt wird das Neue, was durch Jesu Tod geschaffen wird, greifbar. Jetzt kommt es zu uns.
Jetzt kommt es uns zu Gute. Jetzt wird es uns übereignet. Durch die Geisteinhauchung
übergibt uns Jesus sein neues Leben, seine neue Kreatur. "Durch Christus sind wir
eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." Neues Leben
ist möglich, dass einmal nicht von der Vergänglichkeit und von der Sinnlosigkeit
geprägt ist. Das nicht immer nur vom Ende gedacht werden muss, sondern wo jedem Tag die
Chance zu einem Neuanfang innewohnt! Neues Leben, das sich nicht erschöpft in
Lebenskrisen wie Verlust, Trennung, Krise, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Depression,
Krankheit, Resignation, Enttäuschung. Neues Leben, das geprägt ist durch den großen
Überwinder. "Seid getrost, ich habe die Welt überwunden." Der große
Überwinder übergibt uns neues Leben. (Eisdiele Überlingen: worauf so lange gewartet
werden musste: jetzt sind Sie an der Reihe! Bitte, für Sie!)
(3) Voll(e)macht: Welchen ihr die Sünden
erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Es ist verrückt. Jesus überlässt uns das Wertvollste, was er durch seinen Tod gewonnen
hat. Das Wertvollste!
(Mein Vater hat mich nie sein Auto putzen
lassen. Angst vor größeren Rückständen nach dem Putzen als vorher. Auto: ist ihm
wertvoll! Meine Frau lässt mich nie in ihr Büro: weil sie Angst hat, ich würde ihre
Schokoladenvorräte plündern. Das ist ihr wertvoll!)
Christus hält uns noch nicht einmal das
Wertvollste, das Größte vor. Das Wertvollste, was ihm durch seinen Todeskampf gelang:
"Siehe, meinem Knecht wird es gelingen (
) um unserer Sünde willen wurde er
zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine
Wunden sind wir geheilt." Durch "Ent-schuldiung" Frieden und Heilung
gewinnen! Seine ganze Kreuzesgeschichte, sein ganzes Blutvergießen, sein ganzes Leiden
und sterben war doch darauf hin angelegt, dass wir "durch sein Blut haben, die
Vergebung der Sünden haben! " (Epheser 1, 7) "das Blut Jesu macht uns rein von
aller Sünde". (1. Joh 1, 7) "Sein Tod ist geschehen zur Erlösung von den
Übertretungen." (Hebr. 9,15)
Und jetzt überlässt er das alles uns! Zum
gesegneten Gebrauch: "Welchen ihr Sünden erlasst, denen sind sie erlassen. Welchen
ihr sie behaltet, denen sind sie behalten."
Um Himmels Willen. Das wertvollste, wo der
Meister selbst mit hantiert hat, liegt in meiner Hand. Ich kann Ihnen Sünden erlassen.
Sie können mir Sünden erlassen.
Ich bitte Sie herzlich, dass Sie mir keine
Sünden anrechnen, sondern dass Sie mit mir so umgehen, dass Vergebung eine Chance hat,
das wertvollste, was Christus für uns gewonnen hat! Ich bitte Sie, schauen Sie das
Telephonbuch durch, wenn es ihnen hilft, sich zu erinnern: rechnen sie keinem Sünden an.
Schaffen Sie Raum für das Wertvollste, das in Ihrer Hand liegt: Wem ihr Sünden erlasst,
dem sind sie erlassen.
Familienväter: rechnet euren Kindern keine
Schuld an. Ehefrauen: rechnet euren Männern keine Schuld an. Wem ihr sie erlasst, dem
sind sie erlassen. Nachbarn: rechnet euren Nachbarn keine Schuld an. Generationen: rechnet
der jüngeren oder älteren Generation keine Schuld an: wem ihr sie erlasst, dem sind sie
erlassen.
Vergebung der Sünden: zum gesegneten
Gebrauch geschenkt!
Nichts von dem, was Christus gewonnen hat,
hat er für sich behalten. Alles hat er uns geschenkt! Gott hat Wort gehalten: er der
seien eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie
sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
(Pfr. Heiko Bräuning)