Zweitgottesdienst am 20. April 2003 in Wilhelmsdorf um 11.00 Uhr, Predigt über: Spurensuche im Morgengrauen.

Man weiß eigentlich nicht so recht. Soll man das alles ernst nehmen, was da in der Familie Meyer abläuft. Folklore oder Ostern?

Die Suche nach Ostereiern gehört für uns zu Ostern. Aber was hat Ostern mit einer Henne zu tun? Oder mit einem Ei?

Ist das nicht lauter oberflächliches Zeug, das uns vom Wesentlichen an Ostern ablenkt? So meinen viele Menschen.

Doch in Wirklichkeit gehört es zu einer uralten Bildersprache, die schon die Christen in den ersten Jahrhunderten benützten. Es ist ähnlich wie das Symbol des Lichts spätestens seit dem 4. Jahrhundert gebraucht worden. Die frühe Christenheit hat es als Sinnbild für die Auferstehung Christi benützt, als ein Bild dafür, dass Christus aus dem Grab auferstanden ist (Karl Veitschegger, Jesus eine Henne? - Osterbräuche, Artikel Osterei; http://members.surfeu.at/veitschegger/texte/osterbrauch.htm).

Es gibt ein Mosaik in der Kirche "Dominus flevit" in Jerusalem (am Ölberg), in der eine Henne abgebildet ist. Das soll an das Wort Jesu erinnern: "Jerusalem, Jerusalem,... Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!" Man hat diese Bildersprache sogar von der Bibel hergeleitet.

Ein leeres Ei, wo man ein volles erwartet?

Ein leeres Grab, wo man einen Hingerichteten hingelegt hat!

Ganz sicher: Bilder allein bringen's nicht; wenn wir nicht weitergehen und uns mit den Frauen am Ostermorgen auf die Suche machen nach dem Auferstandenen. Eigentlich haben sie nicht erwartet, dass er auferstanden ist. Sie haben ihn als Toten gesucht. Aber dann stand er plötzlich da. Unerwartet. So ging's der Maria Magdalena, und dann auch Petrus und Johannes (Johannes 20,1-17). Nach dem toten Jesus wollten sie schauen. Aber sie entdecken mehr.

Spurensuche: So geht das weiter auch in späteren Generationen.

Ich denke an einen bekannten Mann um's Jahr 400 herum. Er war ein Top-Rechtsanwalt. Die Gutbetuchten ließen sich von ihm beraten und rechtlich vertreten. Dann geriet er in eine Gruppe von Leuten, die auf der Suche nach der Wahrheit waren; lauter studierte Leute, Philosophen und Wissenschaftler. Das ganze überkandidelte Leben hing ihnen zum Hals heraus. So fingen sie ein alternatives Leben an. Rückzug aus der Stadt auf ein Anwesen auf dem Land. Zwänge hinter sich lassen! Zeit haben für die Suche nach der Wahrheit und nach dem echten Leben! Sie haben nicht die Zeit totgeschlagen. Sondern das hat sie nicht losgelassen: Das Leben muss doch irgendeinen Sinn haben! Sollten denn die einfachen Leute das Reich Gottes erben, und wir Studierten gehen dran vorbei? Da greift er nach dem Römerbrief des Apostels Paulus. War es ein Ruf Gottes oder war es ein Kinderreim, der ihn zu diesem Schritt führt? Vielleicht beides! Und plötzlich, als wäre es ein Wunder, öffnet er sich dem lebendigen Herrn. Es war der Kirchenvater Augustin. Der Auferstandene verändert sein Wesen. Er wurde sein Zeuge. Denn das kann man doch nicht für sich behalten, wenn man dem Auferstandenen begegnet ist. Man kann doch nicht die anderen vor die Hunde gehen lassen, wenn man weiß, er lebt, wenn man weiß, bei ihm finde ich das Leben.

Heute könnte es uns ebenso gehen. Wir wollen wissen: Wie ist es denn eigentlich? Ist Jesus wirklich auferstanden? Oder ist das nur eine Erfindung der Jünger? Wie kommt man eigentlich dahinter? Die Spuren des auferstandenen Jesus stellen jeden vor eine Entscheidung. Vertraue ich und stelle ich mich auf seine Seite, oder vertraue ich nicht und suche irgendwelche Ausflüchte? Wenn Sie so wollen: Jesus lockt uns an Ostern in besonderer Weise. Der Auferstandene will uns auch heute Zeichen seiner Nähe geben.

Es gibt 2 Linien: Erfolgsgeschichte und Geschichte eines Misserfolgs
Die Erfolgsgeschichte: In der Bibel wird von einigen Zeugen am ersten Tag berichtet, gleich am Ostersonntag: Sie haben Jesus gesehen. Später haben viele weitere den Auferstandenen gesehen. Paulus spricht von über 500 in den folgenden etwa 50 Tagen. Diese Zeugen haben dann die Nachricht von der Auferstehung weitergesagt. Sie haben ihr Leben dabei riskiert. Viele haben es dabei sogar verloren. Sie alle wussten, das ist wahr. Denn für einen Betrug hätte keiner sein Leben riskiert. Aber weil es wahr ist, mussten sie es weitersagen.

Die Misserfolgsgeschichte: Im Judentum wurde die Geschichte erfunden, dass Jesus aus dem leeren Grab gestohlen worden sei. Diese Geschichte berichtet auch Matthäus in seinem Evangelium. Aber es ist leicht zu erkennen, dass es sich dabei um einen Betrug handelt. Denn wenn der Leichnam Jesu wirklich gestohlen worden wäre, hätte man damals nach den Dieben gesucht. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass man das wirklich tat. Es gibt auch keinen Hinweis, dass irgend jemand verurteilt worden wären, den Diebstahl durchgeführt zu haben. Ganz sicher ist auf jeden Fall, dass das Grab wirklich leer war. Wenn es nicht leer gewesen wäre, hätten die Hohenpriester eine Prozession zum Gab Jesu veranstaltet. Jeder hätte sich vom vollen Grab überzeugen können. Dann hätten die Leute dagestanden und gelacht und hätten gesagt: Da seht ihr's, wie die Anhänger Jesu Märchen erfinden. Aber wissen Sie, diese Prozession hat es nie gegeben. Denn das Grab war leer. Wer nicht glauben wollte, musste ein falsches Gerücht verbreiten.

Nun will ich die Berichte der Bibel aktualisieren, durch etwas Brandaktuelles aus unserer Zeit:
In den letzten Jahren ist das Turiner Grabtuch wieder ins Gerede gekommen. Spurensuche! Entweder ist es die beste Fälschung der Geschichte, oder es ist wirklich das Grabtuch Jesu. Vor 10 Jahren ging es mir so, dass ich es für eine Fälschung hielt. Aber neuere Forschungsergebnisse haben mich dazu gebracht, dass ich von der Echtheit überzeugt bin.

Ich kann nicht die ganze Geschichte erzählen, sondern nur manches andeuten. Sicher bekannt ist dieses Tuch seit dem Mittelalter. Weil es davor einen unbekannten Weg gegangen ist, haben es viele für eine Fälschung gehalten.

grabtuch.jpg  

Das Erstaunliche an diesem Grabtuch ist, dass es den Körper eines wirklich Gekreuzigten abbildet, und zwar nicht als Gemälde, sondern grob gesagt, wie ein Abdruck, aber viel feiner. Wie diese Abbildung auf das Tuch kommt, darüber rätseln viele. Man weiß sicher, dass es nicht gemalt ist, weil keinerlei Farbspuren vorhanden sind. Denn das Bild muss eingebrannt sein in das Leintuch. Eingebrannt durch eine starke Strahlung! [Bild: www.huinfo.at/grabtuch/grabtuch.htm]

Das Bild zeigt eine fotografische Aufnahme. Es hat sich wie in einer 3d-Aufnahme auf der Leinwand eingebrannt. Das ganze Tuch ist einer der bestuntersuchten Gegenstände der Welt. Ärzte, Physiker, Archäologen, Historiker, Gerichtsmediziner, Künstler und viele andere haben sich damit ausführlich beschäftigt. Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Gekreuzigte genau die Merkmale der Berichte über die Kreuzigung Jesu trägt.

Den deutlichsten Hinweis auf die Entstehungszeit bilden runde Abbildungen, die man auf den Augen entdeckt hat. Es handelt sich um die Abbildung von Münzen. Eine davon konnte man ganz eindeutig identifizieren. Pilatus ließ sie zwischen 26 und 31 n.Chr. prägen. Man weiß aus archäologischen Funden, dass es in Israel den Brauch gab, beim Begräbnis den Toten Münzen auf die Augen zu legen.

Das Ergebnis der ganzen Untersuchungen: Man kann es wohl nur so erklären, dass die Abbildung auf der Leinwand durch eine Strahlung mit hoher Energie entstanden ist. Die Leinwand wurde gewissermaßen mikroskopisch versengt.

Die biblischen Berichte über die Auferstehung selbst sind sehr zurückhaltend. Sie deuten höchstens etwas an. Aber es spricht nichts dagegen, dass in diesem Augenblick ein Strahlenblitz von hoher Energie das Abbild erzeugt hat. Wir haben sozusagen einen bildhaften Zeugen der Auferstehung. Nicht sicherer oder besser als die Evangelien. Sondern nur eine Spur.

Dieses Bild beweist uns nicht den Glauben. Aber es kann uns so ähnlich gehen wie den Frauen und den Jüngern am Ostermorgen. Sie kommen ans Grab. Es ist leer! Und es durchzuckt sie die Ahnung: Der hat doch in den letzten Wochen so etwas angedeutet...! Die Berichte sagen, mit Zittern und Entsetzen seien sie vom leeren Grab hinweggegangen.

Wer jemals Gottes Handeln erlebt hat, auch wenn es viel, viel kleiner war, der weiß, dass man das erst verdauen muss. Darüber kann man nicht sofort reden. Denn es ist ungeheuer. Ungeheuer, wenn man weiß und erlebt: Da hat Gott seine Hand im Spiel.

Niemand wird überrumpelt. Weder an Ostern noch später. Jesus ist nicht vor dem versammelten Hohen Rat erschienen. Er sagte nicht: So, und jetzt zeige ich euch, dass ich wirklich auferstanden bin. Wer nicht will, darf bei seiner Ablehnung bleiben. Jesus ist nie aufdringlich. Auch heute ist er nicht aufdringlich. Sondern er möchte, dass wir den Spuren nachgehen, die uns zu ihm führen. Amen.

(Pfr. Dr. K. Knauß)

 

 

 

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