Gottesdienst am 23. März 2003, in Wilhelmsdorf II

Gott ist anders

Immer in Krisenzeiten spielt die Frage eine Rolle: wer ist eigentlich Gott. Was tut er noch zur Sache. Wer ist er für mich. Und interessant: in Krisenzeiten kommt immer irgendwas von Gott. Er hat sich gerade in Krisenzeiten offenbart in der Geschichte. Wo gibt's denn so etwas, das man verlässlich - schon im Voraus sagen kann - da ist einer in der Krise da für mich. Oder mit dem man verlässlich rechnen kann. Oder von dem man weiß: in der Krisenzeit gibt's wieder eine Offenbarung von ihm.

Beleg, Beweis, schwarz auf weiß kriegen wir solche Offenbarungen Gottes mitten in der Krisenzeit im Buch Jesaja mit. Ein Volk befindet sich in der Krise. Es ist von heidnischen Machthabern überrollt worden und Israel ist endgültig - so sieht es aus - die Luft raus gelassen worden. Nebukadnezar war am Werk. Das Volk befindet sich in Atem- und Erklärungsnot. Wer ist Gott jetzt noch für uns. Was hat er / es für einen Wert? Was macht das noch für einen Unterschied, auch jetzt noch sich auf ihn zu verlassen. Und in diese bohrenden Fragen hinein, offenbart sich Gott.

Jes 41: "Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dich auch, ich halte dich durch die rechte hand meiner Gerechtigkeit."

Wer ist Gott? Das ist unser Gott:
Ein Gott der mit mir ist. Der für mich ist. Der mein Ansprechpartner ist. Der mein Mitleider ist. Mein Mitstreiter. Im Leben und im Tod.

Jes 44: "Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott."

Wer ist Gott?

Einer, der die Zeit in seinen Händen hält. Der Erste, der SchöpferGott, der Letzte, der Richter und der, der das letzte Wort hat. Am Ende Tränen trocknet. Am Ende für uns etwas hat, von dem keiner geträumt hat. Und: wir brauchen keine Angst haben, das es Konkurrenz geben könnte, das wir mit unserem Gottvertrauen auf dem falschen Dampfer sind: nein: "außer mir ist kein Gott!"

Jes 56: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Hören wir nicht auf an Gott zu denken. Über ihn nachzudenken. Aber machen wir uns auch nichts vor: was wir über Gott denken, ist nur begrenzt. Er ist nicht vollständig zu denken. D.h. er ist noch viel mehr. Im Leid kann ich mir Trost denken. Aber soviel Trost, wie er geben kann, kann ich mir nicht denken. Für mein Leben kann ich mir Pläne ausdenken. Aber solche Wege, wie die, die er mich führt, kann ich mir nicht in den kühnsten Träumen vorstellen. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken. Meine Gedanken sind höher als eure Gedanken! Meine Wege höher als eure Wege. Und zwar soviel höher, wie der Himmel höher ist als die Erde. Gott ist anders als denken. Ein Lied von Siegfried Fietz.

(Pfr. Heiko Bräuning)

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