Gottesdienst am 23. März 2003, in Wilhelmsdorf

Lassen Sie uns träumen

Wiederholungstäter träumen!

Vortrag von Irina Prekop: hat mich in Träumen verfolgt. Pro Christ. Irgendwie schläft man unruhig, weil man Parzany überall in den Träumen begegnet. Meine Frau hat mir erzählt, wie sie vor der ProChrist für kids Veranstaltung Träume hatte - Alpträume. Kein Mikro ging, keine Übertragung, 200 Kinder und man weiß nicht was mit ihnen tun. Gott sei Dank nur ein Alptraum! Meine schönsten Träume sind, wenn ich von meiner Frau träume, oder wenn ich die ganze Nacht fliege. Über eine Wiese. Knapp ein Meter oberhalb und dann den ganzen Tag, bzw. die ganze Nacht hindurch fliegen, fliegen, fliegen… dann steh ich morgens auf und fliege zuerst mal weiter: meiner Frau um den Hals, und von dort direkt weiter ins Büro und alles vier Meter über dem Boden usw. Träume! An einen schönen Traum erinnere ich mich: erste Führerscheinprüfung durchgefallen. Mit Pauken und Trompeten. Zweite stand an. Kurz vorher ein seltsamer Traum. Ich sitze im Auto und fahre die ganze Nacht hindurch mit dem Golf meines Fahrschullehrers. Und zwar Perfekt. Jeder Blick hat gesessen: über die Schulter, unter der Schulter, rechts und links. Und jede Vorfahrtsstelle wurde beachtet. Jede Kupplung hat funktioniert. Jeder Blinker war richtig gesetzt. Mit diesem Gefühl bin ich am nächsten Tag in die Prüfung gegangen. Und das Resultat: ich hab den Führerschein bis heute noch! Die paar Nachschulungen fallen kaum ins Gewicht! Träume. Helfen! Die Bibel hält Träume in uns wach. Schöne Träume! (Übrigens: Die Zeit des Träumens war immer die absolute Krisenzeit. Politische Bedrohung, existenzielles aus, vor der Katastrophe oder mitten im Weltuntergang.)

Lassen Sie uns ins träumen kommen! Träumen von …

Vor 2800 Jahren wecken Micha 4, 4 und Jesaja 2,4 in Menschen Träume: "Gott wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Dann es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Vor 1900 Jahren hält Johannes diese Träume wach, in dem er noch viel differenzierter den Grund zum Träumen angibt (Offenbarung 21, 3): "Ich sah einen neuen Himmel, eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr. Und siehe da: die Hütte Gottes bei den Menschen. Und er wird bei ihnen wohnen. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Siehe, ich mache alles neu!"

Und dann kneift mich einer. Dann weckt mich einer aus den Träumen. Und sagt mir: hör auf rumzuträumen. Guck Dir die Realität an! Und wie bitte passen diese Träume, diese Hirngespinste mit dem Zustand der Welt zusammen? Ist die Bibel von lauter Tagträumern geschrieben, die irgendwann jäh aus ihren Träumen gerissen werden? Ist "Hans Guck in die Luft" unter die Schriftsteller gegangen, der den Sinn für die Realität aus den Augen verloren hat? Müsste man nicht eher aufstehen und die Menschen wachrütteln, damit sich endlich an der harten Realität was ändert?

Die harte Realität so, wie sie jetzt ist, wird in der Bibel ganz einfach beschrieben und auf den Punkt gebracht. Ohne Träume, nichts traumhaftes, keine Träumerei, einfach nur eine simple Deutung unserer Zeit.

Prediger: Es geschieht nichts Neues unter der Sonne! "Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: "Sieh, das ist neu"? Es ist längst vorher auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Man gedenkt derer nicht (…)" Prediger 1, 9-11

Nichts Neues unter der Sonne. Längst vorher auch geschehen, in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Problem: Man gedenkt derer nicht!

Nichts Neues unter der Sonne, zum Beispiel in Sachen Hussein:

Einer der "Vorgänger" von Saddam Hussein: Nebukadnezar: Hussein baut heute seine Paläste auf die Ruinen von Nebukadnezar! Nebukadnezar, ein heidnischer König, der sein Land mit harter Hand geführt hat. Der sein Weltreich ausbauen wollte und deshalb Israel überrollt hat. Und das Volk Gottes ins Exil geschafft hat. Nebukadnezar, ein Diktator ohne Gleichen! Wenn auch nur ein Politiker damals Macht und Möglichkeiten gehabt hätte, ihn zu beseitigen: sofort! Und auf dem Höhepunkt seiner Diktatur, steht auf dem Dach des königlichen Palastes (nachzulesen Daniel 4, 26) da sagte er: "Das ist das große Babel, das ich erbaut habe zur Königstadt durch meine große Macht zu Ehren meiner Herrlichkeit." Und er hatte die Worte noch nicht ausgeredet, da antwortet eine Stimme vom Himmel: "Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Dein Königreich ist dir genommen. Man wird dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen und du sollst bei den Tieren des Feldes bleiben…" Sein letztes Bekenntnis, nachdem er den (jüdisch-christlichen) Gott Israels: "Darum lobe, ehre und preise ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen." Zum Schluss beugt Nebukadnezar seine Knie vor dem einen Gott. Kriegt seinen Mund nicht mehr zu. So als ob die Bibel recht hat. "Er wird viele Heiden in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten werden." (Jes 52, 15à Gottesknechtslied)

Saddam Hussein, ein direkter Nachfolger von Nebukadnezar.

Das ist die Bibel: sie sagt uns - quasi schon voraus, was zur Zeit passiert. Schlicht weg alles Dinge, die nichts wirklich Neues unter der Sonne sind. Die auch sagen: schlimmer kommt es nicht mehr. Alles vorher auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Parallelen sind zu ziehen. Bewusst mit der Geschichte leben und sie lebendig halten. Dran denken ist gefragt. Aber sich nicht die Illusion machen, irgendwas würde zu "erneuern" sein. Ein Geschichteablauf, der zu uns Menschen passt, der uns entspricht: denn wirklich Neues kriegen wir doch nicht zustande, oder?

Wie passen in dieses Geschichts- und Weltverständnis nun aber die Träume von Jesaja, Micha, Johannes, die Visionen hinein?

Die Bibel kennt drei Ausnahmen, wo diese ständige Wiederholung der Geschichte unterbrochen wurde bzw. wird.

1. Wirklich Neues geschah am Anfang. Als Gott Himmel und Erde schuf und noch keine Wiederholungen da warn. Denn das war und ist einzigartig! Und da stößt man uns das erste mal mit der Nase drauf: wirklich Neues ging und geht nur vom Schöpfer aus. Wirklich Neues hat nur der Schöpfer ins Spiel gebracht.

2. Wirklich Neues, unvergleichliches geschieht durch die Menschwerdung Gottes. Das er nicht nur Menschen schafft, sondern Mensch wird ist völlig neu und noch nie da gewesen.

3. Wirklich Neues geschieht dann, wenn der Schöpfer, der Erste und der Letzte, das A und das O, der, der da ist und der da war und der da kommt, das letzte Wort spricht. Quasi das Rad der Zeit, in dem wir jetzt wie Hamster laufen, anhält. Der jede Wiederholung, mit der wir im Moment leben, endgültig aus dem Programm streicht und Neues sendet! Gemeinde Gottes, Gemeinde Wilhelmsdorf ist eine Versammlung, die eine Sehnsucht hat, nach diesem Neuen! Die gehört haben: Ich komme bald! Und die sprechen: Amen, ja, komm, komm doch Herr Jesus und mach neu!

Hier werden und wurden Wiederholungen unterbrochen.

Wiederholungen, die uns oft das Leben schwer machen und nicht nur große Weltereignisse zum Krieg werden lassen, sondern ganz alltägliches zu unserem persönlichen Kleinkrieg machen. Weil sich so vieles wiederholt. In meiner Ehe wiederholt sich ständig alles. Nichts Neues unter der Sonne. In meiner Arbeit nichts Neues unter der Sonne. In meiner Lebensgestaltung und -planung: Wiederholungen am laufenden Band. Im Umgang mit mir selber: Wiederholungen ohne Ende. So oft hab ich mir vorgenommen, mich zu ändern: es gibt nichts an mir, wo ich sagen kann: wirklich neu.

Dass alle Wiederholungstäter den Mund halten müssen, alle ins Staunen kommen, ist letzten Endes das Werk dessen, der für viele Wiederholungstäter schon längst gestorben ist. "Meinem Knecht wird es gelingen. Er wird viele Heiden in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten werden." Meinem Knecht - und das ist eine eindeutige Signal auf Christus hin: ihm wird es gelingen, das aus Wiederholungstätern, Neulinge, "Frischlinge" werden, die zwar noch grün hinter den Ohren sind, aber die wirklich ein neues Leben haben und denen die das Leben wieder vor sich haben.

Ich träume davon, das Wilhelmsdorf ins Staunen kommt, was dieser Gottesknecht alles kann! Was ihm alles gelingt. Im großen Kriegszeiten und in meinen Kleinkriegszeiten. Ich träume davon, wie unsere Gemeinde den Mund halten muss vor dem Knecht Gottes, dem unvergleichliches gelingen kann. Und wie wir von nichts anderem mehr reden können, als über den Knecht, dem es gelingen wird. "Er wird viele Heiden ins Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten werden."

(Pfr. Heiko Bräuning)

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