Zweitgottesdienst am 16. März 2003, in Wilhelmsdorf

Wir sind alle kleine Sünderlein

Treffen oder nicht treffen. Volltreffer oder Daneben. Das ist doch auch die Frage für unser Leben.

Treffe ich mit meinen Worten immer den guten Ton? Oder geht's daneben?
Treffe ich mit meiner Entscheidung, so die Kinder zu erziehen, die beste Entscheidung. Oder geht der Schuss in den Ofen?
Ziel der "Schießübungen" ist im Leben ja nicht eine Blechbüchse sondern die Ehefrau, die Kinder. Die Schwiegermutter. Der Arbeitskollege. Also etwas Beziehungsmäßiges, etwas Lebenswichtiges.
Und wir schießen aufeinander ja auch nicht mit Gummibällen und Wasserpistolen. Wir schießen doch mit scharfen Geschützen. Mit Worten, die verletzen können. Mit Blicken, die töten können. Mit Gedanken, die Ehebruch denken, obwohl wir es gar nicht getan haben. Wir schießen weniger aus der Hüfte als aus dem Herzen mit Urteilen, Vorurteilen, usw.

Treffe ich ins schwarze mit meinem Charakter, Stil, Art oder bin ich der geborene Querschläger. Wo jeder Schuss der von mir kommt, dem anderen eines vor den Bug knallt und letzten Endes Beziehungsschiffe versenkt.

Wie hoch schätzen die Trefferquote eines durchschnittlich 80 Jährigen, am Ende seines Lebens? Wie viel Volltreffer landet man? Wie viel ging daneben?
Was sind sie für ein Schütze? Scharfschütze? Meisterschütze? Ich vermute mal, dass wir alle, eine ziemlich hoher Trefferquote haben. Wir meistern oder mogeln uns so 88 Jahre lang durchs Leben und keiner merkt was von den vielen Schüssen, die daneben gingen. Gratulation. Die Treffer sind ja auch super. Zählen was und kann man zeigen!

Aber eine hohe Trefferquote heißt vielleicht 20 % gehen ins Schwarze. Und die anderen Dinge, die daneben gingen? Was mache ich mit der vergeudeten Munition. Was mache ich mit dem Gedanken, das es für mich ein Ziel gibt, und ich habe es immer noch nicht getroffen? Mit allem bisher irgendwie recht und schlecht aber noch kein Volltreffer.

Etwas verfehlen, ein Ziel verfehlen heißt in religiöser Sprache "sündigen".

Was ist damit? Die Bibel erzählt von einem, der mit seinen Zielverfehlungen folgendes erlebt hat. Zitat: "Als ich meine Verfehlungen verschweigen wollte, verschmachteten mir meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand llag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird."

Da macht einer die Gedanken: mein Danebentreffen, mein ständiges nicht treffen zermürbt mich innerlich. Macht mich schwach. Auch wenn ich es oberflächlich nicht wahrhaben möchte und gut und gerne 80 Jahre so rumkriege: mein Saft vertrocknet.

Wenn sie noch genügend Saft und Kraft haben - gehen Sie spazieren. Oder machen Sie hier Schießübungen. Die können Sie besser brauchen als das, was jetzt kommt.

Der Mensch erfährt: ich kann mit meinen ständigen Fehltritten, ich kann mit meinen ständigen Blindgängern, mit meinem ständigen Zielverfehlen, danebenschießen, danebentreffen: Ich kann damit nicht für mich bleiben. Ich kann es nicht mit mir selber glatt bügeln, rechtfertigen, ausmachen. Ich muss mit einem drüber reden:

Ps 32: "Darum bekannte ich dir meine Sünde und meine Schuld verhehlte ich dir nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meine Sünde."

Gott ist nicht einer, der unsere Verfehlungen krampfhaft und bürokratisch aufaddiert. Gott ist ein vergebender Gott. Und wer den vergebenden Gott erfahren hat, der kann nicht anders als:

Ps 32: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist. Wohl dem, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist!

Ich stelle mir da einen Menschen vor, der ganz alleine im Thermalbad in Saulgau sitzt. Sich aalt im schönen warmen Wasser. Sich Massagen verpassen lässt von den medizinischen Therapeuten. Von frischem Quellwasser trinkt das im Kassenbereich kostenlos zum schlürfen dasteht. Das ist der Mensch, dem es wohl geht, weil ihm von Gott die Schuld bedeckt wurde. Weil er Gott erfährt als einen, der Schuld nicht zurechnet. Der mich nicht behandelt wie ein notorischer Versager. Sondern der will, dass ich und mein Leben zu einem Volltreffer werden. Der will, das wieder neuer Saft in alten Adern fließt!

Wissen Sie, genau das will Jesus. Markus 2, 13-17: "Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten." Menschen zu sich zu rufen, die das Gefühl nicht loswerden, bei mir geht viel daneben. Ich schenke ihnen was: eine Freikarte für Saulgau. Wer brauchts? Lassen Sie sich's wohl gehen.

Ich möchte Sie einladen, zum Schluss einfach über folgende Lieder ein wenig nachzudenken. Entweder das eine oder das andere zu beten.
Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so,
's war immer so.
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih'n,
's war immer, immer so.
Denn warum sollten wir auf Erden
schon lauter kleine Englein werden?

Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so,
's war immer so.
Englein können wir im Himmel sein,
's war immer so, immer so.

Wir dreh'n uns nach hübschen Mädeln um,
's war immer so,
's war immer so.
Und die Mädeln wissen schon warum,
's war immer, immer so.
Denn wenn wir nit zueinander streben,
dann kann's ja keine neuen Menschen geben!
Drum dreh'n wir uns nach den Mädeln um,
's war immer so, 's war immer so.
Und die Mädeln wissen schon warum,
's war immer, immer so.

Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so,
's war immer so.
Englein können wir im Himmel sein,
's war immer so, immer so.

Uns quält oft ein großes Durstgefühl,
's war immer so,
's war immer so.
Und dann sind wir immer sehr labil,
's war immer, immer so.
Erst woll'n wir nur ein Gläschen naschen,
doch dann gibt's nur noch leere Flaschen . . .
Wir sind halt alle kleine Sünderlein,
's war immer so, 's war immer so.
Doch der Herrgott wird's bestimmt verzeih'n,
's war immer, immer so.

Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so,
's war immer so.
Englein können wir im Himmel sein,
's war immer so, immer so.

Jesus nimmt die Sünder an;
Saget doch dies Trostwort allen,
Welche von der rechten Bahn
Auf verkehrten Weg verfallen!
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.
2..
3. Wenn ein Schaf verloren ist,
Suchet es ein treuer Hirte;
Jesus, der uns nie vergisst,
Suchet treulich das Verirrte,
Daß es nicht verderben kann:
Jesus nimmt die Sünder an.
4. Kommet alle, kommet her,
Kommet, ihr betrübten Sünder!
Jesus rufet euch, und er
Macht aus Sündern Gottes Kinder.
Glaubet's doch und denket dran:
Jesus nimmt die Sünder an.
5. Ich Betrübter komme hier
Und bekenne meine Sünden.
Laß, mein Heiland, mich bei dir
Gnade zur Vergebung finden,
Daß dies Wort mich trösten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.
6. Ich bin ganz getrostes Muts.
Ob die Sünden blutrot wären,
Müßten sie kraft deines Bluts
Dennoch sich in Schneeweiß kehren,
Da ich gläubig sprechen kann:
Jesus nimmt die Sünder an.
7. Mein Gewissen beisst mich nicht,
Moses darf mich nicht verklagen;
Der mich frei und ledig spricht,
Hat die Schulden abgetragen,
Daß mich nichts verdammen kann:
Jesus nimmt die Sünder an.
8. Jesus nimmt die Sünder an,
Mich hat er auch angenommen
Und den Himmel aufgetan,
Daß ich selig zu ihm kommen
Und auf den Trost sterben kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

(Pfr. Heiko Bräuning)

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