|
Gottesdienst am Sonntag Estomihi, 2. März 2003, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Markus 8, 31-38 War Ihnen der Leidensweg Jesu schon einmal eine Anfechtung? Hätte Jesus nicht einfach von Anfang einen anderen Weg gehen können? Nicht den Weg der Konfrontation, sondern den des Sieges und des Glanzes. Genau so, wie sich die Juden den Messias vorgestellt haben. Z.B. den Weg: Mit ungeheurer geistlicher Überzeugungskraft die Menschen gewinnen! Dann sehr rasch die geistlichen Schlüsselstellen einnehmen und herrschen. Und dann das Leben des Volkes in großer Dynamik erneuern! Klingt doch so überzeugend. Warum hat er es nicht so gemacht? Jesus ist davon ja nicht überrascht worden. Er hat seinen Weg im Voraus gekannt und ihn beschrieben. Heute geht es um die erste Leidensankündigung. 31 Und er fing an, sie zu lehren: Der
Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern
und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Viele Menschen beschäftigen sich wieder einmal mit dem Islam; manche vielleicht sehr oberflächlich. Aber andere wollen es doch genauer wissen. Immer, wenn sich die Krise im Nahen Osten verschärft, weckt auch die Religion das Interesse der Menschen. Ich möchte heute ein klein wenig vergleichen, und zwar das, was über Jesus gesagt wird. Was der Islam über Jesus sagt, sehr aufschlussreich. Er lehrt auch, dass Jesus einer der größten Propheten gewesen sei und schreibt von vielen Wundern, sogar noch von mehr, als im Neuen Testament stehen. Im Koran ist von ihm da und dort die Rede, von der Jungfrauengeburt bis zur Himmelfahrt, ja sogar bis zu seiner Wiederkunft im Zusammenhang des Gerichts. Manche Menschen meinen nun, dort sei der gleiche Jesus gemeint. Aber das scheitert am Kreuz Jesu. Denn die Kreuzigung Jesu wird im Koran geleugnet. Wenn man das liest, dann wundert man sich zuerst. Denn gerade das kann man am allerwenigsten bezweifeln. Die Kreuzigung Jesu wird schließlich auch von nichtchristlichen römischen Schriftstellern bezeugt. Die Begründung, die im Koran dafür steht, warum das nicht sein kann, lautet sehr einfach: "Gott ist mächtig und weise". Das ist typisch. Die Muslime glauben: Das kann der mächtige Gott in der Höhe nicht zulassen, dass sein Bote von den Gegnern getötet wird. Im Koran wird ein Gott von unermesslicher Größe und Stärke gelehrt, ein Gott, der sich nichts gefallen lässt. Aber unser Gott, Jesus Christus leidet und stirbt am Kreuz den Tod der Schande, den Tod, den die Verbrecher erleiden mussten. Sein Leidensweg wird ernst, als er ihn seinen Jüngern ankündigt. Im Mittelpunkt ist heute nicht dieses Leiden selbst, sondern die Tatsache, dass das Gott so vorausgeplant hat. Propheten haben es schon Jahrhunderte vorher so angekündigt und Jesus hat es gewusst. Beim Propheten Jesaja steht z.B. im 53. Kapitel: "Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen... Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." Und bei Sacharja 12 ist die Klage angestimmt: "... sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind". 1. Jesu Weg - von Gott geplant Da funkt Petrus aber dazwischen: "Herr, das ist nicht recht. Das darf nicht sein. Das kann Gott nicht zulassen." Petrus reagiert wie ein guter Muslim. Vielleicht ist dieser Vergleich ärgerlich. Aber das ist doch so natürlich menschlich! Wo kommen wir denn da hin, wenn Gott seine ganze Würde aufgibt? Hätten wir nicht genauso geschaltet wie Petrus? Die Jünger damals haben's nicht begriffen, sondern erst nach Ostern. Heute können wir es auch nur begreifen, wenn für uns Ostern gewesen ist, d.h. wenn wir mit Christus auferstanden und zum neuen Leben gekommen sind. Dem natürlichen Menschen ist es ein Blödsinn, ein Ärgernis, wie Paulus sagt, dass Gott selbst am Kreuz Jesu gelitten hat. Ja, nicht einmal nur dem natürlichen Menschen, sondern sogar auch den sehr religiösen wie den Juden: Das Kreuz ist "den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit" (1.Kor.1,23). Was Petrus sagte, war für Jesus eine Versuchung. Und er redet ihn auch an, wie den Versucher. "Hinter mich, du Satan! Scher dich weg!" War das nicht etwa gut gedacht, was Petrus meinte? Wenn er schon den Weg Gottes nicht verstand, dann war es doch zumindest völlig normal. Was war daran so schlimm? So denken doch alle normalen Menschen! Schlimm daran war, dass Petrus das menschliche Empfinden wichtiger war als Gottes Plan, denn davon hatte Jesus ja gesprochen. Aber Petrus war es egal, ob das Gottes Plan ist oder nicht. Wenn er so aussieht, dann kann und darf er nicht sein. Und dabei hat Petrus nicht einmal richtig zugehört. Er hat schon bei der ersten Hälfte "Halt" geschrieen. Hätte er beim Rest zugehört, wo Jesus von der Auferstehung sprach, dann hätte er nicht so schnell abwehren können. Bei Gottes Weg darf man sich nicht so lange an den Zwischenstationen aufhalten. Die Zwischenstationen sind manchmal mitten in der Hölle. An den Jüngern war erstaunlich, dass sie sich nicht von Jesus abgewandt haben, als er das sagte. Auch Petrus ließ sich zurechtweisen: Hinter mich, hatte Jesus gesagt, das heißt: Nachfolge. 2. Unser Weg - Jesus hinterher Das widerspricht unserem normalen Wunschdenken total. Unser Wunsch ist doch, ich will zu meinem Recht kommen. Ich will, dass es mir immer super geht. Jesus sagt: Für meine Nachfolger gilt das nicht. Auf euch wartet nicht alle Tage Sonnenschein. Es ist keine rosarote Zukunftsaussicht, sondern geradezu niederschmetternd. Ihr müsst bereit sein, euer Leben aufzugeben. Da könnten manche sagen, das sei nicht die richtige Werbung. Damit kann man doch keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Aber Jesus will nicht Persönlichkeiten zerstören. Er will eher sagen: Da musst du durch. Das ist so ähnlich wie beim Eisen. Wenn man das schmieden will, dann muss man es vorher glühend heiß machen. Nur wenn es glüht, kannst du es schmieden und in die richtige Form bringen. Wenn es kalt bleibt, kann man es nicht formen. So geht es uns auch, wenn wir Jesus nachfolgen. Er will uns sich ähnlich machen. Darum müssen uns seine Ziele wichtiger werden als unsere eigenen. In zwei Wochen beginnt die ProChrist-Evangelisation. Da werden viele Menschen in 1300 Übertragungsorten in ganz Europa auf diese Nachricht hören, was Gott für uns getan hat. Und da werden sie auch gefragt werden, ob sie diesem Jesus nachfolgen wollen, der für sie in den Tod gegangen und auferstanden ist. Aber es wird nicht gesagt werden: Wenn du diesem Jesus nachfolgst, dann geht nachher alles super gut. Du wirst jeden Tag eine dicke Überweisung auf deinem Konto haben, ohne dass du arbeiten musst. Ich wollte den Menschen sehen, der dann so dumm wäre und nicht mit ihm gehen würde, wenn es seinen Nachfolgern immer gut gingen. Dann würden sie in Massen kommen. Dann könnten wir uns nicht retten vor Nachfolgern. Die würden alle schreien: Da will ich auch mit dabei sein. Aber Jesus hat gesagt, so ist's nicht. Die haben's sogar schwerer. Aber es lohnt sich! Das ist die einzige Chance zum großen Wurf, mehr noch, zum Ziel. Nur wenn du alles gibst, kannst du alles gewinnen. Für uns heißt das, die eigenen Lebenspläne für zweitrangig anzusehen und mehr zu fragen, wo will Gott mich haben? Petrus hat Jesus den Fuß in den Weg stellen wollen, als er den Weg ans Kreuz voraussagte. Petrus wollte nicht auf der Seite der Verlierer sein, sondern im Mittelpunkt stehen, Macht, Einfluss haben, mithelfen die Macht ausüben, mit Jesus zwar, aber doch gleich nach ihm kommen. Wir wollen uns nichts vormachen. Das ist nicht nur die Schwäche von Petrus, sondern von vielen Menschen. Auch wenn sie sich nicht unbedingt ganz nach vorne drängen, dann wollen sie doch wenigstens etwas vom Leben haben. Uns wird aber mehr angeboten. Es gibt einen Lohn, der ist jeden Einsatz wert: Das ewige Leben! Kein Preis lässt sich damit vergleichen. Da ist z.B. ein Sportler, der richtet sein ganzes Leben darauf ein, etwas zu leisten und bei den Wettbewerben gut abzuschneiden. Der Radfahrer Jan Ullrich wurde gestern im Sportbericht interviewt. Er war ja vor allem aus persönlichen Gründen gescheitert. Jetzt plant er sein Comeback. Und er ist entschlossen, persönlich alles zu geben, viele auf sich zu nehmen, um es noch einmal zu packen. Wenn ein Sportler nicht bereit ist, auf vieles zu verzichten, was die Menschen normalerweise im Leben haben, dann hat er keine Chance auf gute Leistungen. Obwohl es doch nur eine verhältnismäßig kleine Belohnung ist, machen es die Sportler trotzdem. Wieviel mehr sollte es uns das ewige Leben wert sein, uns ganz in unserem Leben darauf auszurichten. Amen! (Pfr. Dr. K. Knauß)
|
|
|