Gottesdienst am 9. Februar 2003, in Wilhelmsdorf

Zufriedenheit? Menschen, die absolut Zufriedenheit erleben, absolutes Glück, das durch nichts zu toppen ist, lernen wir in Mt 17 kennen.

Text, Matthäus 17.

Die Geschichte kommt schon ähnlich in 2. Mo 24 vor: Mose steigt auf den Berg Sinai und nimmt drei Begleiter mit (Aaron, Nadab und Abihu). Auch eine Wolke, die den Berg umhüllt. Usw. Analogie zur Verklärungsgeschichte. Natürlich gibt es kleine Unterschiede: Mose Angesicht leuchtete nach der Begegnung mit Gott. Jesu Angesicht leuchtet aus sich heraus. Als Aaron, Nadab und Abihu Gott geschaut hatten, aßen und tranken sie. Petrus hats gewaltig auf den Magen geschlagen. Aber es gibt auch einen großen: damals gabs Gesetz pur. Jetzt gibt's Evangelium. Damals hieß es: ich gebe dir die steinernen Tafeln, Gesetz und Gebot, die ich geschrieben habe, um sie zu unterweisen. Jetzt heißt es: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

1. Mit Jesus in "Verklärungsnot"

Wissen Sie, ich weiß nicht, ob ich mich über Petrus aufregen soll, oder ob ich mir köstlich amüsieren soll. Hat der noch alle Tassen im Schrank? Wird von Jesus mit auf einen hohen Berg genommen, inkl. Jakobus und Johannes, die anderen 9 müssen unten warten. Kommen nicht in den Genuss. Und als dann die Verklärung passiert, kommt er sofort in Verklärungsnot. Am liebsten wäre er ausgestiegen. Hätte alles hinter sich gelassen und wäre dort geblieben. Ohne jegliches abwägen, überlegen, nachdenken, wie alles weitergehen soll für die zurückgebliebenen. Petrus hat nur eins im Kopf: hier ist so super, lass uns doch hier bleiben. Und der gelernte Fischer wächst über sich hinaus. Verspricht Jesus das blaue vom Himmel: will Hütten bauen. Für Mose eine, für Elia eine, für Jesus eine. Auf eine eigene Hütte verzichtet er. Sich selber sieht er in Gedanken schon im Gräbele schlafen, zwischen Mose und Elia, oder zwischen Elia und Jesus, oder zwischen Mose und Jesus. Oder aber, wenn Jesus das stören würde, dann zwischen Jakobus und Johannes draussen vor den drei Hütten. Total den Sinn für die Wirklichkeit verloren. Dafür aber mit einem Sinn für Humor. Obwohl: es war ja für Petrus gar kein Spaß! Er hat es ja Ernst gemeint. Das ist das gefährliche in den Stunden, wo uns Jesus auf die absoluten Höhen führt. Schwindelerregende Höhen im Leben führen zu angsterregendem Wirklichkeitsverlust. Wer es mit Jesus zu tun hat, begibt sich - ob er will oder nicht - in eine andere Wirklichkeit, die unsere Sinne bei Weitem übersteigen. Und tatsächlich: als plötzlich auch noch statt Hagel und Regen und Schnee und Sturm aus den Wolken eine Stimme rauskommt, da haut es selbst Petrus um. "Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr."

Was hören sie? Sie hören, wie Gott sein Geheimnis lüftet. Paulus hat Recht: "Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis." (Eph. 1, 9) "Das Geheimnis" wir er einem anderen Briefwechsel schreibt, "das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart. Das Geheimnis, nämlich Christus" (Kol 1, 26-27) Das Geheimnis: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Das Geheimnis ist der Schlüssel zum Leben. Bisher lag das Leben unter einem Schleier, etwas Geheimnisvollen, etwas Ungeklärtem. Man hatte es, aber man hatte es doch nicht so ganz. Leben war nur unter dem Rätselhaften des Geheimnisvollen möglich. Jetzt lüftet Gott das Geheimnis. Mein Sohn, an dem ich Gefallen habe, den sollt ihr hören! Gott bekennt sich zu Jesus. Kein Grund, sich aus irgendwelchen Gründen nicht zu Jesus zu bekennen. Wenn sich schon Gott zu Jesus bekennt, wie viel mehr können wir uns zu Jesus bekennen. Wenn Gott das Geheimnis des Lebens preisgibt, warum sollten wir uns dann immer noch reserviert halten. Wenn Gott sein ganzes Vertrauen in Jesus legt, dann muss doch was drin sein. Denn dass es einen Gott gibt, das glaubt doch jeder irgendwie. Aber das Gott uns jetzt sagt, was er von Jesus hält, das ist doch was! Wenn sogar Gott ihm vertraut, warum sollten wir ihm nicht vertrauen? Jesus ist in den Augen Gottes absolut vertrauenswürdig! Petrus - dieses Geheimnis braucht es nicht in deinen Hütten! Das Geheimnis braucht es unten im Tal! Aber der Hüttenbau ist Petrus eh längst vergangen. Er liegt mit dem Bauch flach auf dem Berg. Schnappt selber nach Luft wie die Fische, die ihm sonst im Netz zappeln. Er ist in absoluter "Verklärungsnot"! Und hat es erstmal nötig, von Jesus angerührt zu werden - wie Jesus Kranke anrührte und Tote (8, 3.15; 9,25.29) und sie haben es nötig, von Jesus aufgerichtet zu werden, wie die Tochter des Jairus und nimmt ihnen die Furcht weg, in dem sie von ihm hören: Steht auf und fürchtet euch nicht! Das müssen die Jünger hören und glauben, denn mit Jesus gibt es keine Berührungsängste mehr mit dem Himmel.

2. Mit Jesus ohne Berührungsängste zwischen Himmel und Erde.

Bisher war der Weg in den Himmel gebahnt und geplant und gepflastert mit Gesetz. Und das führte zu Berührungsängsten zwischen Himmel und Erde. Zwischen Mensch und Gott. Ich habe Berührungsängste schon oft gehabt. Wenn Sünde immer und immer wieder passiert. Obwohl ich's nicht will. Und der Verbotscharakter des Gesetzes diktiert mir ein solch schlechtes Gewissen, das der Weg zu Gott verbaut ist. Berührungsängste. In Matthäus 17 wird für Jesus und die drei Jünger zum ersten mal angedeutet: Berührungsängste zwischen Gott - Mensch sind Fehl am Platz. Und wenig später befindet sich Jesus wieder auf dem Weg auf einen Berg. Vom Berg Sinai, über den Berg der Verklärung geht's jetzt auf Golgatha. Und da wird es endgültig. Berührungsängste werden ein für allemal ausgemerzt. Jesu, fasst erkennt man ihn da nicht mehr wieder: nichts mehr mit verklärtem, herrlichen, strahlenden Gesicht Jesu, sondern leichenblass und blutüberströmt. Aber: Gottes Bekenntnis zu Jesus hört nicht am Fuß des Berges Golgatha auf. "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Und genau am Kreuz, zu diesem selben Jesus, kann man hören: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!" Den hört - auch am Kreuz. Seit Golgatha gibt es keine Gründe mehr für Berührungsängste! Also, sagt Hebr. 4, 14: "Er, Jesus, der Sohn Gottes, hat die Himmel durchschritten! Deshalb können wir hinzutreten, bis hin zum Thron Gottes, dem Thron der Gnade, das wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn Hilfe nötig haben."

3. Mit Jesus leben die Toten!

Ich weiß nicht, ob Petrus nach der Verklärung der gleiche war, wie vorher, oder ob er bleibenden Schaden davon trägt. Muß man sich vorstellen: Mose und Elia erscheinen und er, Petrus, sieht sie. Mose war schon lange tot! Von Mose heißt es: "Mose steig aus dem Jordantal auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land. So starb Mose, der Knecht des Herrn daselbst im Lande Moab. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab. Niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag." (5. Mose 34) Mose = Mausetod. Interessant: vor seinem Tod wird Mose noch mal auf die Höhen geführt. So als ob man uns sagen will: keiner, der Gott vertraut, stirbt im Tal. Begraben wird er nachher im Tal. Aber wen kümmert das, wo man Körper vergräbt, wenn das Wesentliche Aussicht auf Ewiges Leben hat! Und Mose erscheint quietschfidel auf dem Berg! Mit Jesus leben die Toten!

Von Elia heißt es: "Siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden (Elisa und Elia) voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel. Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! Und sah ihn nicht mehr!" Was hätte Elisa für dieses Petruserlebnis gegeben. Der Totgeglaubte, der Hinweggeraffte lebt! Mit Jesus leben die Toten. (Allerdings wird das den Jüngern erst nach dem Tod Jesu klar. Nachdem er ihnen als Auferstandener erscheint und ihnen die Augen öffnet, das es Auferstehung doch gibt!)

Das Geheimnis? In Jesus! "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"

Lassen Sie uns bei Jesus keine Abstriche machen. Ob uns der Name passt oder nicht. Viele haben ja ein inneres "Aber" gegen den Vornamen von Jesus. Jesus. Das ist ein Format für die Kinderkirche. Den Kindergarten. Aber Jesus ist das Geheimnis. Natürlich auch der Anstoß. Jesus ist der Trumpf. Am Ende der Zeit, wenn wirklich Eintritt, was Johannes in der Offenbarung gesehen hat, dann werden wir diesen kleingeglaubten Jesus erkennen. Und wir werden ihn mit dem Namen "Jesus" ansprechen. Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Herr über die Könige auf Erden! Er der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut. Jesus! Schlicht Jesus. Das ist mein Sohn, sagt Gott. Das ist nicht ein Funktionsträger. Nicht ein x-beliebige Variable in der Theologie. Durch nichts ersetzbar. Mit nichts zu vergleichen.

Daran wird sich letzten Endes unser Grad der Zufriedenheit entscheiden!

(Pfr. Heiko Bräuning)

 

 

 

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