|
Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, 26. Januar 2003, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Matthäus 8, 5-13. Da hat ein Vater seine Kinder in den Keller verbannt. Er hat die Betten einfach hinuntergestellt und die Schränke und ein paar einfache Regale. Sie sollen ihre Siebensachen packen und unten hausen. Die Zimmer in der Wohnung will er Fremden einräumen; nicht wegen der Miete, sondern weil die Kinder ständig mit ihm haderten. Aber die Fremden haben ihn geschätzt. Nun sagen vielleicht manche: Das darf nicht sein. Das ist eine Provokation. Manche Geschichte aus der Bibel kennen wir schon so lange, wir nehmen aber nicht wahr, welche Zumutung sie bedeutet. Hören Sie einfach die Geschichte des Hauptmanns von Kapernaum mit den Ohren der jüdischen Zeitgenossen Jesu. 5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging,
trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn Die Fremden sind Gott näher, kündigt Jesus an. Die Fremden, nicht die Kinder des Reichs. Und dann kommt die Zeit, da werden sie von allen Himmelsrichtungen kommen, aus der ganzen Welt, und sie werden sich das Erbe teilen. Gut für die Fremden, eine Katastrophe für die Kinder. Hätten Sie gedacht, dass Jesus so provozieren kann? Aber das kam ja erst im Verlauf der Geschichte. Mit dem Hauptmann hatte sie angefangen. Es war in Kapernaum. Hier hat Jesus gehäuft wie sonst nirgendwo Wunder getan. - Hier heilte er die Tochter des Synagogenvorstehers
Jaïrus; Fast jedes Haus hatte irgendeine Geschichte mit Jesus. Nirgends ist die Erinnerung an ihn so dicht. Hier hat er gewohnt. Unweit von hier hielt er die Bergpredigt, wo die Leute in Scharen hinliefen. Hier fand er seine ersten Jünger. Wem in Kapernaum ein menschliches Herz schlug, der musste wissen, wer Jesus war: Das ist der Mann, der so viele Wunder tut, der die Kranken heilt, die Dämonen austreibt und der vom Reich Gottes redet. Kapernaum war eine Grenzstadt. Wenige Kilometer entfernt begann die Gaulanitis, die zum Herrschaftsgebiet von Philippus gehörte, einem Sohn Herodes' des Großen. Wegen der nahen Grenze war hier eine Hundertschaft von römischen Soldaten stationiert, nicht mitten im Ort, sondern eher am Rand. Der Hauptmann fragt mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit bei Jesus nach Hilfe. Er fragt, als wäre das die normalste Sache der Welt, dass Jesus einfach nur ein Wort sprechen muss, und der Knecht wird gesund. Für den Hauptmann war das völlig klar: Jesus hat unbedingte Vollmacht über die Gesundheit. Haben das seine Landsleute nicht so gemacht? Haben sie wegen der Wunder nicht geglaubt? Nein. Die einflussreichen Leute haben ihn bekämpft. Sie haben nach dem Haar in der Suppe gesucht, und wenn sie es fanden, sagten sie: Aha, da sieht man's wieder! Er bricht das Gesetz. So haben sie's gemacht, als die Jünger Jesu Ähren ausrauften, weil sie Hunger hatten. Sie mussten dabei mit den Händen die Ähren reiben, damit die Spreu weggeht. Das galt als Arbeit. Und das geschah ausgerechnet am Sabbat. Später hat Jesus diese Stadt mit anderen verfluchten Städten in eine Reihe gestellt: Wehe dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als euch. Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Taten geschehen wären, die in dir geschehen sind, es stünde noch heutigen Tages. Doch ich sage euch: Es wird dem Land der Sodomer erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dir. Und ausgerechnet hier geschah es, dass Jesus die Heiden in das Reich Gottes hereinholt. Jesus sagt: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden. Und da der Glaube selig macht, gehört der Hauptmann dazu. Nicht erst in der Apostelgeschichte fängt das an, sondern schon bei Jesus selbst. Er selbst macht die Tür auf in die Völkerwelt. Bei Gott war es schon längst beschlossene Sache, dass auch die Heidenvölker zu seinem Reich gehören würden. Schon die Verheißung an Abraham sagte das aus: In dir sollen gesegnet werden alle Völker! Und Jesaja hatte geweissagt: und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! (Jesaja 2) Heute gehören wir dazu - ja, wir gehören schon gefährlich lange dazu. So lange, dass bei uns heute Kapernaum ist. Wir wissen alles über ihn. Wir kennen seine Wunder. Da ist keine Stadt und kaum ein Dorf in unserem Land, wo nicht Sonntag für Sonntag von ihm erzählt wird. Eigentlich müssten bei uns schon die Steine predigen können. Eigentlich dürfte es kein Haus geben, in dem nicht gebetet und die Bibel gelesen wird. Damals war mit Jesus das Reich Gottes angebrochen. Für die Leute war es zum Greifen nahe. Aber nur wenige habe geglaubt. Nach der Auferstehung Jesu ging das Evangelium nach Ägypten und Nordafrika und Syrien und Kleinasien. Dort ist heute der Islam und das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes ist dort gefährlich. Kein Land hat eine Garantie, dass das Evangelium bleibt und dass auch künftige Generationen im Land an Jesus glauben. Darum sind wir aufgerufen, dass wir unseren Glauben nicht loslassen; Dass wir dabei bleiben: Herr, du hast die Macht im Himmel und auf Erden. Und was auch immer kommt: Sprich nur ein Wort... Darum soll es uns das dringendste Anliegen unseres Lebens sein, zu bezeugen und weiterzusagen: Er ist der Herr. Mein Leben hat nur Sinn mit ihm. Wir sollen ihm unsere Nöte hinlegen. Die Sorge um unsere Angehörigen, die Not und Angst um den Frieden in der Welt, und auch die Krankheiten, die uns quälen. Dass Jesus den Knecht des Hauptmanns gesund macht, wird fast nur noch am Rand erwähnt. Was der Hauptmann glaubte, durfte er dann auch sehen und erleben. Der Glaube war für ihn nicht nur Theorie. Er rechnete fest damit, wo Jesus etwas sagt, da geschieht es auch. So wurde ausgerechnet ein Heide Vorbild im Glauben, einer, der den Glauben nicht von der Mutter und der Großmutter erzählt bekam. Gott sucht bei uns den Glauben. Dann handelt er. Was möchte er bei uns alles tun, wenn er nur Glauben findet. Ich wünsche uns, dass wir ihn nicht enttäuschen. Amen! (Pfr. Dr. K. Knauß)
|
|
|