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Gottesdienst am 19. Januar 2003, in
Illmensee
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Hätte Paulus heute zu predigen bei der
Allianz-Gebetswoche, hätte er vielleicht genau diesen Vers den Christen der Allianz ins
Stammbuch geschrieben. Wie können wir als Christenverbund überleben! 3 Tipps von Paulus
zum Überleben.
1. Allianz-Tipp:
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Wenn ich das Zimmer von meinem Bruder
betreten habe: hat man früher kaum ausgehalten. Überall Poster von AC/DC, von Ozzy
Osborne usw. Sein Prinzip. Seine Idole hängen an der Wand. Stehn im Plattenschrank.
Rakeln auf T-shirts usw. Wenn ich das Zimmer meines Studienkollegen betrat: überall
flogen theologische Bücher und Socken rum. Sein Prinzip: Hauptsache, ich finde noch
meinen Schreibtisch, die Schokolade und die Schuhe. Wenn man Wohnungen betritt merkt man
was für Prinzipien herrschen. Merkwürdige oder bemerkenswerte. Schuhe ausziehen. Feste
Sitzordnung am Esstisch. Die Zeremonie, wie man Gäste wieder aus dem Haus bekommt.
"Bevor wir schlafen gehen, essen wir vorher gerne noch ein Äpfelchen. Wollt ihr auch
ein Äpfelchen?" Was ich nicht wusste: wenn man Dörfer betritt bemerkt man
Prinzipien. Man spricht gerne über dies oder jenes. Über anderes spricht man gar nicht
mehr. Schwarzes Schaf bleibt prinzipiell schwarzes Schaf. Altwilhelmsdorfer bleibt
Altwilhelmsdorf - aus Prinzip. Neuzugezogene auch nach 25 Jahren Neuzugezogene - aus
Prinzip. Man kauft da, denkt so, reagiert so - aus Prinzip. Wer etwas bewohnt, schafft
sich dort schnell Prinzipien. Die sind dann maßgeblich. Das Wort Prinzip kommt aus dem
Lateinischen und wird meistens mit dem Kaiser, dem Herrscher in Verbindung gebracht. Er
ist der princeps, der erste, der der Führer, der Vornehmste. Prinzipien kommen an erster
Stelle, sie haben Vorrang, sie sind Grundkraft, sie stehn an höchster Stelle. Sie kommen
ja auch von höchster Stelle.
Paulus: lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
Warum sagt er das? Wer etwas bewohnt, schafft Prinzipien. Das Wort Christi soll uns
bewohnen. Bei uns wohnen. Das Wort Christi soll bei uns Prinzipien schaffen. Biblische
Prinzipien sollen sich breit machen.
In der Kirchengeschichte sind Gemeinden, Gemeinschaften,
Kirchen usw. gewachsen wie Sand am Meer. Kirchen sind gekommen und gegangen. Und vieles
hat einfach nicht überlebt. Der Grund: es haben sich nicht biblische, sondern menschliche
Prinzipien breit gemacht. Denken Sie an:
Die Bewegung des Montanismus. Von den 60 er Jahren bis 3. Jhd. Dann eingegangen. Die
Reformkirche des Marcion, 2/3. Jahrhundert. Aus der Kirche rausgeflogen, eigene
gegründet. Nach 200 Jahren eingegangen. Nebenkirchen wie die Novatianer (immerhin 300
Jahre), Melitianer (bis ins 328 bis 5. Jhrd.) Was ist von den Katharern aus dem 10 Jhd.
übriggeblieben? Einer anfänglich großen Geheimkirche? Menschen haben den Hungertod
bewusst auf sich genommen, um nicht in Sünde zu verfallen. Das Kreuz wurde abgelehnt. 14.
Jhd. Ausgestorben.
Wilhelmsdorf ist noch keine 200 Jahre alt. Und Wilhelmsdorf
als Gemeinde wird keine 300 Jahre alt, wenn das Wort Christi nicht reichlich unter uns
wohnt. Illmensee ist keine 50 Jahre alt. Und sie werden keine 100 Jahre alt, wenn das Wort
Christi nicht reichlich unter euch wohnt. Weil sich dann Prinzipien breit machen, die
nichts jesusmäßiges an sich haben. Biblische Prinzipien sind:
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wie Gott mir, so ich dir. Vergib mir meine Schuld, wie wir
vergeben unseren Schuldigern. |
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Lasst uns einander lieben, denn er hat uns zuerst geliebt
(1. Joh. 4,19). Lieben heißt achten, respektieren, akzeptieren, annehmen
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Ein jeder trage die Last des anderen (Gal. 6,2), denn er
trug unsre Krankheit, und lud aus sich unsre Schmerzen, er hat die Sünde der Vielen
getragen und für die Übeltäter gebeten (Jes 53, 4-12) |
Lass das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. Was
wohnt unter uns? Was hat sich breit gemacht? Was hat sich eingenistet?
Sind das noch die Prinzipien, die das Wort Gottes schafft,
wenn es uns bewohnt? Oder ist viel "halt aus Prinzip"? Gott sagt das im Hesekiel
37: "Ich will unter ihnen wohnen, damit auch die Heiden erfahren, dass ich der Herr
bin." Wort Gottes, das reichlich unter uns wohnen kann, schafft neue Prinzipien, die
sich alle Lebensbereiche, alle Weisheit von uns durchsetzen.
2. Allianz-Tipp:
Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. Die Kolosser sind gebildete Menschen. Viele
vornehme Juden wohnten dort. Astrologie. Psychologie. Philosophie und allen
Wissenschaften. Das war für sie Weisheit. Sich mit den Wissenschaften zu beschäftigen.
Selbst aus dem einfachen Handwerk wurde eine Wissenschaft gemacht. Aus der Kunst. Aus der
Bildung. Alles war zu jener Zeit sophia, Weisheit (alles lehrbare und erlernbare Wissen.).
Sich mit Wissen zu beschäftigen war im Trend. Wissensdurst herrschte! Und genau das wurde
der christlichen Gemeinde zum Verhängnis, so dass Paulus ermahnt (Kol 2, 8): Seht zu,
dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von
Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. Menschliche Weisheit ohne
das Wort Christi wird nie zur Klugheit. Deshalb fordert Paulus auf: "das Wort Christi
wohne reichlich unter euch und lehrt und ermahnt einander (damit) in aller Weisheit."
In aller "vermeintlich" menschlichen Weisheit, Wissenschaft, soll sich das Wort
Gottes breit machen. Warum? Weil laut Sprüche 9, 10: "Der Weisheit Anfang ist die
Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand." Jede Weisheit mit der
sich Menschen beschäftigen fängt mit der Weisheit Gottes an. Vom Wort Gottes, durch das
alle Dinge gemacht sind, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist." (1.
Joh 1, 2). Sprüche 8 erzählt die die Weisheit Gottes, wo sie überall zu finden ist:
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"Durch mich regieren die Könige und setzen die
Ratsherren das Recht. Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf
Erden." (Politisches Handeln) |
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"Ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ich
fülle ihre Schatzkammern." (Wirtschaftliches Handeln). |
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"Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der
Straße; an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte!" (Öffentliches
Leben). |
Usw. Paulus sagt: Leute, passt auf, das sich eure
Weisheiten nicht verselbstständigen, zur Irrelehre werden und zum Trugschluß. Lehrt und
ermahnt in allen euren Weisheiten, in dem ihr das Wort Gottes reichlich unter euch wohnen
lasst. Keine eure Wissenschaften und Lehrmeinungen, eure Konzepte, Systeme und Handlungen
sollte euch so gefangen nehmen - sagt er den Kolossern, das sie nur noch gegründet sind
auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht mehr auf Christus, in
dem letzten Endes "verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der
Erkenntnis." Wie elegant, wenn mein Freund Norbert Pailer, der als Astrophysiker in
Friedrichshafen bei Astrium arbeitet im Hänssler-Verlag Bücher über die Sterne und das
Weltall rausbringt und durch die Weisheit, die in der astronomischen Wissenschaft liegt,
Menschen zum Glauben an Gott führt. Zur Erkenntnis Gottes. Wir wissen so viel. Aber wenn
sich unsere Weisheit, unser Wissen von der ursprünglichen Weisheit Gottes löst, dann
wird alles zur absoluten Dummheit. Vielleicht würde uns Paulus das auch für unseren
Biologieunterricht, unsere Kindergartenkonzepte, unsere politischen Systeme sagen. Unseren
Physik. Und Handwerkern. Und
Erst durch Christus entfaltet die Weisheit ihre
Schätze. Aber wie gesagt: vor lauter menschlicher Weisheit kann man die göttliche
Weisheit aus den Augen verlieren. Deshalb: "Wer mich findet, der findet das Leben und
erlangt Wohlgefallen vor dem Herrn. Wer aber mich verfehlt, der zerstört sein
Leben." (Sprüche 8, 35-36) Darum ermahnt Paulus: das Wort Christi wohne reichlich
unter euch und ermahnt und lehrt in jeder Weisheit.
3. Allianztipp:
Singt in euren Herzen. Kirche war von Anfang an singende Kirche. Erste
Gottesdienstbeschreibung stammt vom römischen Statthalten von Bithynien, der einen
Bericht über das Wirken der Christen an Kaiser Tajan nach Rom sandte. : "In der
Dämmerung treffen sie sich, um Christus als ihrem Gott eine Hymne zu singen." Der
jüdisch-hellenistische Philosoph Philo berichtet, dass die Juden oft die ganze Nacht mit
dem Singen von Hymnen und Lieder zubrachten. Paulus sagt: singt in euren Herzen. Man kann
viel im Herzen machen: klagen. Neidisch sein. Voll Groll. Selbstmitleid. Maßloser Trauer.
Wut. Hass.
Singt Gott in eurem Herzen. Lassen Sie diesen
Abschlussgottesdienst Christenallianz nicht vorübergehen, ohne das sie die Melodie, das
Lied gefunden haben, das sie im Herzen Gott singen wollen. Meine Frau hat mir nach dem
Weihnachtsgottesdienst vorgeschlagen, was wir auf die Geburtsanzeige unseres ersten Kindes
schreiben sollten: "Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast
mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da
hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden." In der Tat: mit diesem
Lied im Herzen kann man durchs Leben. Oder vor jeder Klassenarbeit, vor jeder
Vorstandsitzung, vor jeder Supervision im Herzen zu singen: "Von Gott will ich nicht
lassen, denn er lässt nicht von mir. Führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte
sehr. Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo
ich auch sei im Land." Schade, dass wir keinen einzigen Psalm mehr singen können
nach alten Melodien. Was müssen das für Lieder gewesen sein, die ein Volk alle auswendig
gekonnt hat, wenn sie zum Berg des Herrn gezogen sind. Nichts von "Hoch auf dem
gelben Wagen", sondern: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir
Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß
nicht gleiten lassen und der dich behütet, schläft nicht." Hab ich mir schon
gedacht, dass Sie sagen: ich kann nicht singen. Paulus sagt: Eph. 5, 19: "Singt und
spielt dem Herrn in eurem Herzen." Dann spielt in eurem Herzen. Ich wollte schon
immer so gut Gitarre spielen können wie Reinhard. Wollte so gut Klavier spielen können
wie
Im Herzen kann ich's schon lange! Im Herzen spielen Sie besser Gitarre als
Reinhard auf der Bühne! Im Ernst: im Herzen singen Sie schöner und echter und
überzeugender, als jeder Sänger der Welt. Sie haben Ihren eigenen Stil! Geben Sie heut
noch ein Konzert in ihrem Herzen! Wie gerne wäre ich dabei! Singen (griech. adw) meint:
alle Arten vokaler Laute hervorbringen, wie zB den Schrei der Eule oder das Quaken des
Frosches. Oder den Klang der Saite und alle ihm gleichenden oder ähnlichen Laute
hervorbringen, z. Bsp das Sausen des Windes in einem Baum. Wir haben Abendmahl. Bis 500
Leute alle satt geworden sind ist viel Zeit, um innerlich sein Lied zu finden! Bitte tun
Sie's! Wir haben viel Zeit, um uns bei entschuldigen zu lassen, das wir so oft
Prinzipienreiter sind, und nicht seine Prinzipien befolgen. Und das unserer Weisheit so
oft meint, ohne seine Weisheit zur Klugheit zu kommen. Geht nicht. Lassen wir uns beim
Abendmahl dafür entschuldigen.
(Pfr.
Heiko Bräuning)
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