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Zweitgottesdienst am 19. Januar 2003 in Wilhelmsdorf um 11.00 Uhr, Predigt über: Auf ein Neues Ein paar Wochen vom neuen Jahr sind schon wieder vorbei. Vielleicht gab es gute Vorsätze für's neue Jahr. Viele Menschen machen das. Sie sagen am 1. Januar: Dieses Jahr will ich wahnsinnig energisch lernen. Heute noch nicht. Morgen auch nicht. Aber vielleicht übermorgen... Geschäftsleute machen auch Pläne. Dieses Jahr herrscht allerdings kein großer Optimismus. Große Unsicherheit ist da. Die Börse fährt Achterbahn. Mal rauf, mal runter. Und da soll man richtig planen! Aber man muss es doch. Deshalb ist Vorsicht die Devise in der Geschäftswelt. Oder Pläne für ein besseres Familienleben: Dieses Jahr will ich mir mehr Zeit nehmen für meine Kinder - und meine Frau. Ich muss besser planen, damit ich mehr Freiraum bekomme. Irgendwann werde ich mich richtig mit großer Energie damit befassen. Noch nicht gleich. Aber irgendwann schon. Jesaja 47,13 Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Die Propheten im Alten Testament müssen endlos oft sagen: Ihr habt auf's falsche Pferd gesetzt. Ihr macht euch Pläne, die nicht Gottes Pläne sind. Und dabei hat doch Gott eigentlich gute Absichten mit euch. Lasst euch nicht ablenken von den wesentlichen Dingen des Lebens. Von dem, dass Gott mit euch etwas vorhat. Dass er Ziele und Pläne hat. Nicht meine Vorhaben machen mich stark. Nicht das macht erfolgreich, wenn ich die von mir gewählten Hilfsmittel verwende, um meine Pläne durchzuführen. Sondern das macht mich stark, wenn ich weiß: Gott ist auf meiner Seite - oder vielmehr ich bin auf seiner Seite. Nur da habe ich Zukunft. Wir haben für das Jahr 2003 nur einmal die Zeit zur Verfügung. Da ist ein großer Kuchen. Der ist für alle gleich groß: 24 Stunden mal 365 Tage. Es ist zwar unterschiedlich, wie viel Zeit davon für Essen und Schlafen abgeht. Aber jedenfalls habe ich über den verbleibenden Teil irgendwie eine Entscheidung zu treffen. Der Unterschied bei den einzelnen Menschen ist nicht sehr groß. Ich nehme an, dass sich der große Kuchen in mehrere große Teile aufteilt: Arbeit, Familie, Gemeinde und Freizeit, bei manchen auch noch in Ausbildung. Die Frage zu stellen ist einfach: Wie setze ich meine Schwerpunkte? Es kann sein, dass einer von diesen Bereichen der Problembereich seit Jahren ist. Wo auch immer dieser Problembereich ist, er muss angegangen werden. Wo nehme ich die Kraft für Veränderung her? Es ist schon so: Die alten Muster haben ein ungeheures Beharrungsvermögen. Man denkt etwa: Auf Nikotin wollte ich schon gerne verzichten, aber den Glimmstengel brauche ich zwischen den Zähnen, spätestens wenn ich nervös werde. Neues wollte ich schon gerne, aber ich will eingefahrene Geleise nicht verlassen. Mit Tausend kleinen Fesseln binden wir uns selbst und kommen nicht vom Fleck. Jesus will von Bindungen lösen, wenn ich ihm die Gelegenheit dazu gebe. Er tut's nicht gegen meinen Widerstand. Geistlicher Ansatz: Ich mache immer wieder eine erstaunliche Entdeckung, immer wieder in ähnlicher Weise bei vielen Menschen; ich meine sogar sehr verantwortungsvolle Menschen: Die sind gegen die Sünde, grundsätzlich. Mit großer Energie. Aber denn geschieht etwas Unrechtes bei jemandem in ihrer Familie, oder ganz in der Nähe. Sie werden in diesem Punkt erstaunlich sprachlos. Ein wenig später haben sie Verständnis für diese Position. Verteidigen sie dann. Schauen auch gar nicht mehr richtig in die Bibel, was Gott drüber denkt. Was ist dabei eigentlich das Problem? Das, was man für richtig hält, wird durch die Erfahrung gesteuert, nicht durch den Willen Gottes und das Prüfen vor seinen Augen. Dinge, die ungeklärt sind, verändern, ja manipulieren mein Gewissen. Dinge, die ungeklärt sind, machen das eigene Urteil blind. Sie verhindern das Vorwärtsgehen auf dem Weg mit Gott. Darum ist Klärung vor Gott nötig. Ist das jetzt plötzlich vor Gott richtig geworden, bloß weil es jemand macht, den ich liebhabe? Es ist schmerzhaft, wenn man entdecken muss, dass das Leben nicht heil ist, und dass Konflikte unausweichlich sind. Aber Gott will Menschen haben, die Konflikten nicht aus dem Wege gehen. Jesus hat einmal ein Gleichnis von den anvertrauten Talenten erzählt. Eigentlich geht es da um einen Kapitaleinsatz. Da hat ein Mann eine größere Auslandsreise angetreten. Er hatte ziemlich viel Geld. Das vertraute er seinen leitenden Mitarbeitern einfach während der Reise an. Es war klar: Irgendwann kommt er zurück und will's wiederhaben. Dann kommt es drauf an, was sie daraus gemacht haben. Jesus überträgt das auf unser Leben. Wir werden einmal Rechenschaft ablegen müssen, wie wir dieses Kapital an Gaben, an Zeit, an Menschen... eingesetzt haben. Was ist, wenn Gott mit dir dieses Jahr etwas vorhat? Vielleicht nichts Spektakuläres. Aber etwas, an das du nicht denkst. Wie kommt er an dich ran? Er wartet auf dich, dass du auf Empfang schaltest. Aber dir fällt nicht ein, auf seine Frequenz zu schalten. Da sind dauernd andere Sender eingeschaltet. Mag sein, sogar einige gleichzeitig. Sag einfach: Lieber Gott, ich möchte gerne wissen, was du über mich denkst. Und dann glaube und vertrau, dass er reden wird. Ich möchte nun einfach einen Bereich in unserer Gemeinde
ansprechen, der gerade sehr aktuell ist. Mich hat es vor Jahren erschüttert, dass absichtlich Nahrungsmittel vernichtet wurden. Da hat man riesige Berge von Tomaten gesehen. Gute Tomaten, nicht etwa angegammelte. Einfach auf einen Berg gekippt. Man wollte damit den Preis hochhalten. Natürlich nicht den Preis von den vernichteten Tomaten, sondern von den übrigen, die noch auf den Markt kommen. Manche meinen, das könne man in der Gemeinde auch so machen. Da werden Gaben einfach auf den Berg gekippt. Nicht eingesetzt. Dann ist die Gabe vom Pfarrer und den anderen Mitarbeitern mehr wert. Dann haben wir nicht viel Konkurrenz; das Monopol an Gaben. So läuft's bei uns oft in den Gemeinden. Aber wissen Sie, so hat Jesus sich das nicht gedacht, als er seine Gemeinde wollte. Er wollte nicht, dass die Menschen Zuschauer sind. Sondern er will uns aktiv einsetzen mit dem, was er uns anvertraut hat. Nicht mit der Haltung: Weg da, jetzt komme ich! Sondern mit der Haltung, dass mein Herr mich einsetzen will. Diese Fragen unserer Gabenentfaltung hat mich in letzter
Zeit sehr beschäftig und ich freue mich auf dieses Seminar. Es erscheint mir ungeheuer
spannend. Wir wissen ja noch gar nicht, was dabei herauskommt. Aber eines werden wir jetzt
schon sehen können: Es wird uns verändern. Gaben sollen eben nicht nur entdeckt, sondern auch eingesetzt werden; dafür sind sie ja da. Amen.
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