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Gottesdienst am Neujahr, 1. Januar 2003, in Wilhelmsdorf um 10.30 Uhr, Predigt über 1. Samuel 16,7b, Jahreslosung Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. So heißt die Jahreslosung für das neue
Jahr 2003 aus 1. Samuel 16,7. Und bei diesem Opferfest geschah es dann. Ich stelle mir vor: Die Leute werden gemunkelt haben. "Warum hält er sich denn so eng an den Isai? Haben die was miteinander?" Aber Samuel ging dieser Auftrag Gottes durch den Kopf und er hat ihn wohl nicht öffentlich sondern nur Isai mitgeteilt: "Ich soll einen von deinen Söhnen zum König salben." Wie stellt man sich denn einen künftigen König vor? So ähnlich wie Saul, ein Bild von einem Mann. Eines Hauptes länger als alles Volk. Und wahrscheinlich so ein richtiger Kleiderschrank. Wenn der schreit, dann wackeln die Wände. Und wenn er das Schwert in die Hand nimmt, dann nehmen alle schon vom Anblick Reißaus. Also nach den damaligen Verhältnissen eine imponierende Gestalt. So wird der Neue wohl auch aussehen müssen, wird Samuel gedacht haben. Im Geist mustert er die jungen Männer. Und tatsächlich, da kommt er auch schon: Der Älteste von den Söhnen des Isai, er sieht prächtig aus und hieß Eliab. Aber sein Name ist sehr unwichtig. Denn Gott hat ihn nicht erwählt. An anderer Stelle taucht er noch einmal auf. Da soll nämlich David im Auftrag seines Vaters seine älteren Brüder besuchen. David interessiert sich für den Kampf, den die Soldaten führen müssen, und vor allem interessiert er sich für diesen Philister, den Goliath. David kann seine gotteslästerlichen Reden nicht ertragen, wie er das Volk Gottes verhöhnt, ja Gott selbst. Da wird er von seinem ältesten Bruder, eben diesem Eliab, ein wenig missgünstig zurückgewiesen: "Misch dich da nicht ein, du kleiner Gernegroß. Vom Krieg verstehst du schon überhaupt nichts." Es ist, als ob uns nachträglich noch gesagt würde, wo ihm einige charakterliche Eigenschaften fehlten. Das Opferfest war noch eine Zeitlang vorher. Samuel hatte gedacht: Der muss es sein, denn er sieht gut aus. Aber er war's eben nicht. In diese Situation hinein gehört das Wort
der Jahreslosung: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz
an." 1. Unsere Grenzen Und wenn wir Entscheidungen treffen, dann betrifft es andere Menschen. Bei wie vielen Menschen greifen wir in die Lebensführung ein? Im Haus, wo wir unter einem Dach wohnen; oder in der Gemeinde; oder in den Einrichtungen der Diakonie? Auch wenn wir in kleineren Dimensionen leben - wir müssen keinen Fürsten raussuchen. Aber vielleicht hat der eine oder andere schon manchmal gedacht: Eigentlich müsste ich jetzt ein Prophet werden, um klar zu sehen. Doch wir sind auf unsere menschlichen Möglichkeiten angewiesen. Natürlich können wir's ein bisschen aufbessern, indem wir aus Lebenserfahrung lernen, indem wir uns fortbilden und soziale Kompetenz lernen, indem wir die Augen aufmachen und genau schauen lernen. Aber Grenzen bleiben. Auch durch noch so viele Kurse können wir nichts Wesentliches ändern. Wir können den Menschen nicht ins Herz schauen. Es ist wichtig für unser Leben und unsere Gemeinschaft, dass wir uns dieser Grenzen bewusst sind. Es ist befreiend, wenn man sagen kann: Ja, ich weiß nicht alles. Man hätte sich bei Samuel folgenden Einwand vorstellen können: Herr, der hat doch das Zeug zum König. Einen besseren kann man sich gar nicht vorstellen. Und reden kann der wie ein Buch. Und ein sympathisches Auftreten hat er auch. 2. Samuels Vertrauen Auf was schaut nun Gott? - Am Äußeren kann es nicht gelegen haben. Denn auch von David heißt es, dass er von guter Gestalt gewesen sei, mit schönen Augen. Es ist zu fürchten, dass wir mit unseren Maßstäben überhaupt nicht zur Sicht Gottes kommen können. Vor Gottes Augen bleibt unser Tun und Entscheiden letztlich an der Oberfläche. 3. David als Vorbild Ich denke an seine Erlebnisse bei der Verfolgung durch Saul. Diese Geschichte zog sich ja über lange Zeit hin. Meist war David auf der Flucht. Er musste sich verstecken und tarnen. Eine Zeitlang kam er sogar bei den Philistern unter. Ihm durfte kein Fehler passieren, denn er hätte ihn schnell das Leben gekostet. Was hätte näher gelegen, als Saul aus dem Weg zu räumen. Die Gelegenheit kam. Er fand ihn in einer Höhle schlafend. Auf, sagten die Begleiter Davids. Jetzt hast du ihn in der Hand. Doch David sagte: Ich lege meine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn. In entscheidenden Augenblicken hat David die Gottesfurcht über die Menschenfurcht gestellt. Er kam damit zurecht, auch über lange Zeit geächtet zu sein. Wenn Gott auf seiner Seite war und ihn gebrauchen wollte, dann musste er nicht eigenmächtig handeln, sondern konnte warten. Das gilt nicht nur für einen König wie David. Sondern das gilt auch für unseren Alltag im Jahr 2003: Über allem steht das Vertrauen, dass Gott führt und leitet. Es muss nicht unter allen Umständen so gehen, wie ich mir denke und ich mir's gewünscht hätte. Der Herr sieht das Herz an: David war trotz seiner Fehler ein Mann nach dem Herzen Gottes. Man sieht es gerade in seiner schlimmsten Verfehlung, wo er in eine fremde Ehe eingebrochen war und einen Mord zur Vertuschung in Auftrag gab. Er lässt den Prophet Natan nicht verhaften, als er ihm das vorträgt. Sondern er erkennt seine Schuld und bittet um Vergebung. In Psalm 51 heißt es dann: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Dieses neue Herz war ihm wichtig: Nicht zu handeln, wie Mächtige zu handeln gewohnt sind. Sich nicht zu verschließen, wie sich fast alle Menschen verschließen, wenn es um eigene Fehlentscheidungen geht, wenn es darum geht, sich aus der Sicht Gottes zu sehen. In seinen Fehlern ist es bei David besser zu sehen als in seinen großen Taten. Nach diesem Herzen hat Gott gesucht. Was machen die Großen und die Kleinen alles kaputt, indem sie sich der Einsicht in eigene Fehler verschließen! Zum neuen Jahr wünschen wir uns gegenseitig oft, dass unsere Ziele sich erfüllen mögen. Die Jahreslosung legt uns nun anderes nahe: Dass wir uns von ganzem Herzen Gottes Zielen öffnen. Amen! (Pfr. Dr. K. Knauß)
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