Gottesdienst am 25. Dezember 2002, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr

Es war einmal ein Schäfer, der in einer einsamen Gegend seine Schafe hütete. Plötzlich tauchte in einer großen Staubwolke ein nagelneuer grauer Audi TT auf und hielt direkt neben ihm. Der Fahrer des TT´s, ein junger Mann in Brioni Anzug, Cerutti Schuhen, Ray Ban Sonnenbrille und einer YSL Krawatte steigt aus und fragt ihn: "Wenn ich errate, wieviele Schafe sie haben, bekomme ich dann eins?" Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe, und sagt ruhig "In Ordnung". Der junge Mann parkt den TT, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine NASA Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS Satellitennavigationssystems, öffnet eine Datenbank und 60 Excel Tabellen mit einer Unmenge Formeln. Schliesslich druckt er einen 150 seitigen Bericht auf seinem Hi-Tech Minidrucker aus, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt: "Sie haben hier exakt 1586 Schafe." Der Schäfer sagt "Das ist richtig, suchen Sie sich ein Schaf aus." Der junge Mann nimmt ein Schaf und lädt es in den TT ein. Der Schäfer schaut ihm zu und sagt: "Wenn ich ihren Beruf errate, geben Sie mir das Schaf dann zurück? Der junge Mann antwortet: "Klar, warum nicht." Der Schäfer sagt: "Sie sind ein Unternehmensberater." "Woher wissen Sie das?" will der junge Mann wissen. "Ganz einfach!" sagt der Schäfer, "Erstens kommen sie hierher, obwohl sie niemand hergerufen hat. zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiß, und drittens haben Sie keine Ahnung von dem was ich mache. Und jetzt geben Sie mir meinen Hund wieder!"

Hirten aus der Krippe holen. Um die geht es heute!

Es wäre ein Fall für die HGW gewesen. Hirtengewerkschaft. Groß wäre es in der Zeitung gekommen! (Zeitung). Diesmal geht es nicht um Gehaltsverhandlungen! Sie fordern ein gerichtliches Verbot dieser imageschädigenden Vergleiche ihrer Hirten mit den Führern des Volkes Israel. Ständig rasten Propheten durch das Volk Israel und moserten, motzten und maulten an den Königen, Priestern, Oberen der Gesellschaft herum, und warfen ihnen Versagen auf der ganzen Linie vor. Was der Hirtengewerkschaft eben massiv stinkte: diese Versager von Volksführern wurden mit Hirten verglichen. Mit Hirten, die ihre Herde nicht im Griff hätten. Während dessen immer und immer wieder in der Zeitung Stellenanzeigen: der Himmel sucht nach neuen Hirten! Die vorhandenen Hirten taugen nicht mehr!

Hesekiel 34, 2-5: "Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiten? Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keine Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut." O-TON eines Propheten

Wie mag sich das auf den Berufsstand Hirten ausgewirkt haben? Schlechtes Image. Nicht umsonst waren die Hirten (bis in die Zeit Jesu) gezeichnet. Abgeschrieben. Obwohl das mal ein angesehener Berufsstand war! Heute werden sie mit Räubern und Mördern auf eine Stufe gestellt.

Dann plötzlich kursierte eine für die Oberen sehr bedrohliche und erschreckende Nachricht durchs Land: anscheinend ist ein neuer Hirte gefunden! Gott lies ausrichten durch seinen Propheten Hesekiel 34, 23: "Ich will meinem Volk einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein."

Weihnachten von dieser Seite aus gesehen: jetzt ist die Zeit angebrochen, wo Gott seinen Musterhirten erweckt hat. In der Krippe liegt der Musterhirte! Der gute Hirte, in dessen Gestalt sich Gott selbst um sein Volk annimmt. Und dieser Musterhirte Jesus wird sich in seinem tiefsten Inneren auch als solcher verstehen. Der bringt in die Hirtenwelt ein neues Paradigma, ein neues Ethos, ein neue Überzeugung, eine neue Arbeitsmoral, einen neuen Lebenswert, einen neuen Sinn: "Ich bin der gute Hirte. (…) Und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen." (Joh. 10)

Das Interessante: kennt Hesekiel einen Musterhirten, spricht Jeremia schon von vielen Hirten, die wie eine Art Abbild dieses Musterhirten tätig werden.

Jeremia 23, 4: "Ich will Hirten über sie setzen, die sie weiden sollen, dass sie sich nicht mehr fürchten noch erschrecken noch heimgesucht werden, spricht der Herr."

Wie werden nun aus alttestamentlichen Hirten, die politische Verantwortung hatten und versagt haben, neue Hirten, die sich neu um das Volk kümmern und erfolgreich Verantwortung übernehmen? Werden die Hirten in Bethlehem etwa zur Konkurrenz der Minister und Staatsoberhäupter der Welt? Werden das die neuen Politiker die das Wohl des Volkes und Frieden der Welt im Sinne haben? Auf den ersten Blick nein. Denn Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, usw. treiben bis auf Weiteres weiter ihr Unwesen. Aber auf den zweiten Blick durchsetzen die Hirten die Gesellschaft. Zuerst mit ihrem Zeugnis in Wort und Tat. Dann werden aus den Hirten Blutzeugen. Menschen, die mit ihrem Blut für die Wahrheit bezahlt haben: Märtyrer. Und aus drei Hirten werden tausende von Missionare durch die das Zeugnis sich über Jahrhunderte und Jahrtausende über das Weltreich verbreitet. Die Hirten an Krippe werden zu den engsten Mitarbeitern Gottes, zu Verantwortlichen, die an einer neuen Welt bauen. Im Hier und Jetzt. Und weit darüber hinaus!

Was für ein Wunder passiert in der Nähe der Krippe! Gott statuiert an den Hirten ein Exempel. Aus alt macht neu! Die Welt hat neue Hirten nötig. Um die Krippe herum geschieht Verwandlung. Zum Beispiel diese drei:

a) Hirten werden gehorsam "Als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: "Lasst uns nun gehen nach Bethlehem, und die Geschichte sehen." à Gottes Boten und Gottes Botschaft hören und umsetzen können. Wenn wir ehrlich sind, hindert uns daran oft unser Stolz, unsere Herzenshärte, unsere Selbstgerechtigkeit und unsere Selbstbewusstsein. Verwandlung die vom Musterhirten in der Krippe ausgeht. Der gute Hirte sagt: "Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir." (Joh 10, 27.) Gottes Boten und Gottes Botschaften hören und umsetzen können.

b) Hirten werden gesprächig. "Als sie es gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten." (Luk 2, 17-18) Können nicht anders, als vom Besten erzählen! Und sind beim erzählen die engsten Vertrauten Gottes, die mitarbeiten an seinem Reich - ein Reich das kommt (nicht nur Fiktion wie Auenland in "Herr der Ringe")! In diesem Reich sollen so viel wie möglich dabei sein! Daran arbeiten die Neuen mit nach ihrer Verwandlung! Eine Verwandlung, die vom Musterhirten in der Krippe ausgeht. Der gute Hirte sagt: "Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall, auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein." (Joh 10, 16)

c) Hirten werden gottbezogen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles." (Lk 2, 20) Lobpreis Gottes ist absolute Gottbezogenheit. Heißt, Gott Anerkennung zu zollen. Ihn zu respektieren. Ihn zu würdigen, für das, was er an einem tut! Eine Verwandlung, die vom Musterhirten in der Krippe ausgeht. Der gute Hirte bringt es auf den Punkt: "Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins." (Joh. 10, 29-30) Gott ist größer als alles. Unser Leben hängt von Gott ab, sonst von nichts.

Vielleicht fragen Sie immer noch: was geht's mich an?

Das hier in Bethlehem alle neu geprägt werden, darf angenommen werden. Hier wird neu geprägt. Im Ansehen des Christus! Hier gibt es neue Kreaturen. Nicht nur Hirten werden verändert. An der Krippe wird alles verändert, was nur lang genug hinkuckt. Was sich satt sieht. Denn: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." Neue Menschen. Neue Familienväter. Neue Mütter. Neue Kinder. Wer sich an der Krippe umsieht, wer die Geschichte sieht, die geschehen ist, der wird verändert. An den Hirten statuiert Gott ein Exempel.

Kommen Sie mit Paul Gerhard an die Krippe ran. Nahsicht. "Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben: ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir´s wohlgefallen. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen."

(Pfr. Heiko Bräuning)

 

 

 

Impressum