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Gottesdienst am 22. Dezember 2002, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Lukas 1, 46-56 Haben Sie gewusst, dass Männer und Frauen völlig anders sind? Test 1: Putzen Sie Ihre Zähne! Die meisten Frauen können ihre Zähne putzen, während sie in der Gegend herumlaufen und über die unterschiedlichsten Themen reden. Männer können das nicht, jedenfalls nicht mit der Zahnbürste zwischen den Zähnen. Test 2: Frauen können gleichzeitig mit der
Zahnbürste Auf-und-ab-Bewegungen ausführen und mit der anderen Hand in kreisförmigen
Bewegungen einen eckigen Tisch abwischen. 99 Prozent der Männer finden das schwierig bis
unmöglich. Männer müssen sich auf eins konzentrieren. Deshalb stehen sie im Normalfall
vor dem Waschbecken, Füße etwa dreißig Zentimeter auseinander, Körper über das Becken
gebeugt, und ihr Kopf wippt im Rhythmus des Putzens auf und ab. Das Wippen passen Männer
meistens auch noch an die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Weil Männer und Frauen anders sind, sage
ich es frei heraus: eigentlich hätte hier jemand anderes heute predigen müssen. Es geht
um Maria und Elisabeth. Zwei Frauen. Zwei Frauen unter sich. Und muss ausgerechnet ein
Mann darüber reden? Verstehen wir Männer, von was Frauen reden? Verstehen Sie, was Maria sagt, als sie mit
Elisabeth, ihrer Verwandten zusammen ist? Text: Lukas 1, 46-56 (Mitzulesen im Gesangbuch!)
1000 Jahre vor Maria lebte sie: Hanna - eine Frau die keine Kinder bekommen konnte. Weil - Zitat - "Gott ihren Leib verschlossen hatte. Und ihre Widersacherin kränkte und reizte sie sehr, weil der Herr ihren Leib verschlossen hatte. So ging es alle Jahre. Da weinte Hanna und aß nichts" (1. Sam 1, 3 ff.) Und dann betet und weint, weint und betet Hanna im Tempel in Silo. Und dann hört sie vom Priester Eli: "Hanna, geh hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast." Und dann kommt Samuel zur Welt. Und Hanna kann nicht anders als zusagen: "Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn." (1. Sam. 2, 1) Der rote Faden! Und Maria sagt mir: "Jeder von uns hier in Israel kennt diese Geschichte von Hanna. Von klein auf hab ich mir gewünscht, das Gott das mit mir auch mal macht! So eine Geschichte. Von der bis heute jeder spricht! Und jetzt habe ich es erlebt! Gott hat mit mir seine Geschichte angefangen. Ich bin Teil seiner Geschichte mit uns." Stimmt! Deshalb kann Maria mit ihren Worten, bezeugen und dick unterstreichen, was Hanna damals sagte: "Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist erfreut sich Gottes meines Heilandes." Und Maria zitiert zusammenfassend die Geschichte Gottes mit Saul und David. Lk 1, 51-52: "Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen." Genau das ist doch passiert, damals bei Saul und David. Saul, am Ende seines Lebens völlig zerstreut in seines Herzens Sinn. "Saul sprach im Krieg gegen die Philister zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und erstich mich damit, dass nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und treiben ihren Spott mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein. Als das die Männer Israels sahen, verließen sie die Städte und flohen auch." (1. Sam 31) Geschichtsschreiber resümieren: "So starb Saul um seines Treubruchs willen, mit dem er sich an dem Herrn versündigt hatte, weil er das Wort des Herrn nicht hielt, ach weil er die Wahrsagerin befragt, den Herrn aber nicht befragt. Darum ließ er ihn sterben und wandte das Königtum David, dem Sohn Isais, zu. und David nahm immer mehr zu an Macht und der Herr Zebaoth war mit ihm." (1. Chronik 10+11) Geschichte Gottes mit den Menschen! Der rote Faden! Maria bezeugt. Weil sie erlebt hat, wie Gott jetzt plötzlich mit ihr Geschichte schreibt. Nicht mit den Großen der Welt. Sondern mit ihr. Mit ihr, die empfindet, das Gott die "Niedrigkeit seiner Magd angesehen" hat." Maria gehörte zu einer Generation von Juden, denen die Eltern, die Großeltern, die Urgroßeltern und alle, die unter einem Dach lebten, die Geschichte Israels immer sehr plastisch erzählten. Vor allem erzählte man sich natürlich noch vom Exil. Wo genau das passiert ist, was Maria jetzt zusammenfassend sing: "Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israels auf." Lk 1, 53-54 Exil Israels, damit verbinden die Vorfahren Marias: ein komplettes Volk wird aus dem Land verstoßen. Hunderttausende verlieren Heimat, Hab und Gut. Familien werden auseinander gerissen. Frauen heulen um ihre von den Assyrern ermordeten Männer. Eltern um ihre Kinder, die ihnen weggenommen wurden. Kinder um ihre Eltern, die sie im sinnlosen Kampf verloren hatten. "An den Wassern zu Babylon saßen wir und weinten wenn wir an Zion dachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn wir könnten wir des Herrn Lied singen, in fremdem Lande?" (Ps 137,1) Und wie Gott dann in dieser auswegslosen Geschichte neu Geschichte nach seinem Willen, nach seiner Idee, nach seiner Vorstellung schreibt. Plötzlich, nach endlosen Gebetsnächten hören die Israeliten die Stimme Jesajas. Eine Einladung Gottes an diese geistlichen und seelisch total Verhungerten: "Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen und habe dich behütet ( ) Ihr werdet weder hungern noch dürsten, euch wird weder Hitze noch Sonne stechen, denn euer Erbarmer wird euch führen und euch an die Wasserquellen leiten. Ich will alle meine Berge zum ebenen Wege machen, und meine Pfade sollen gebahnt sein. ( ) Der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. ( ) (Jes 49, 8 ff.) Genauso passiert, wie Maria sagt: Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israels auf. Und das die Reichen leer ausgegangen sind, weiß man auch, denn das babylonische Reich inklusive aller Herrlichkeit ist interessanter Weise direkt nach der Gefangenschaft Israels vollkommen eingegangen. (Unter Nabonid (555-539) fiel das Reich 539 an Kyros II und verlor damit für immer seine Selbsttändigkeit.) Der rote Faden! Maria bleibt nur zu sagen: "Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf." "Und dieser Gott, der so Geschichte schreibt, hat jetzt Geschichte auch mit mir geschrieben.." erzählt mir Maria. "Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen " Während Maria weitererzählt und sie hat noch viel, viel, viel zur Geschichte zu sagen, hat sie eine stille Ahnung in mir geweckt: was man bisher nur aus der Geschichte kannte geschieht jetzt mit ihr. Gott, der eine großartige Geschichte mit den Menschen schreibt, bezieht Maria mit ein, einen Menschen, wie du und ich. Gott schreibt mit ihr Geschichte. Heute nicht mit der großen Hanna, die Samuel zur Welt brachte. Heute nicht mit Saul. Heute ist nicht David der niedrige, den er erhöht! Heute ist sie es, Maria! "Denn er" so sagt sie, "hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen." Niedrigkeit heißt: unbedeutend, gering an sozialer Stellung, mutlos, niedergeschlagen. Hat der Grieche damals benützt, wo man heute sagen würde "ich bin völlig down". (Das Gegenteil von Niedrigkeit ist nicht eine soziale Höherpositionierung sondern eine Denkweise: Hochmut, Übermut, Überheblichkeit.) Für Griechen war klar: Niedrigkeit ist zu überwinden. Auszumerzen. Für Gott ist klar: in der Niedrigkeit fange ich meine Geschichte an. Wenn einer sich mutlos, niedergeschlagen, zu unbedeutend empfindet. Heißt: morgen schreibt Gott nicht mit Maria Geschichte, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem von uns. Der rote Faden! Bis gestern hat er erst wieder Geschichte geschrieben. Interessant, das er manchmal ganz kleine Zeitabschnitte benutzt, um seine Geschichte zu schreiben. Rahel. 2 Monate war sie da in der Jugendarbeit. Nichts geht davon verloren. Nichts war unbedeutend, nichts war umsonst. Kein Gespräch, keine Begegnung, kein Wort. Alles gehört zur perfekt ausgedachten und inszenierten Geschichte Gottes. Interessant, das Gott manchmal uns fremde Menschen und Situation benützt, um Geschichte zu schreiben. Ich stand vor 11 Jahren im Büro von Horst Brändle auf dem Ringgenhof. Hatte mich als Praktikant beworben. Er sagte mir: Praktikumsplatz hätte eigentlich gestrichen werden sollen. Aber wir versuchen es noch mal. Er drückte ein Auge zu. Dadurch entstand eine Geschichte. Keine beliebige Geschichte. Geschichte, die geprägt ist vom Stil Gottes. Von seiner Wortwahl. Von seinem Spannungsbogen. Von seiner Dramaturgie. Und manche Geschichte sind sehr spannend: Meine Frau und ich haben eine enge Freundschaft zu Dirk Kleemeyer. Wir haben oft über Wilhelmsdorf gesprochen. Auch da hat Gott Geschichte geschrieben. Auf Linien die uns krumm erscheinen, schreibt er mit Schönschrift. Gestochen scharf wird mit der Zeit, was uns total verschwommen erscheint. Macht heute eine super gute Arbeit in Giengen an der Brenz. Konnte durch seine Gaben in der Musik eine klassische CD auf den Markt bringen und mit dem Erlös hat er seinen Jugendreferenten in der Gemeinde finanziert. Wenn mir Wolfgang Link immer wieder erzählt, was aus ehemaligen Kindern aus dem Hoffmannhaus geworden ist - Gott schreibt Geschichte. Wenn man landauf landab ehemalige Ringgenhofleute trifft - und das ist alles nur nicht selten - Hut ab! Gott schreibt Geschichte. Wahrscheinlich werden wir heulen, wenn wir irgendwann tief bewegt bei uns und anderen feststellen werden: Ja es stimmt, Gott schreibt Geschichte. Da ist auch kein Komma und kein Wort, kein Ereignis und gar nichts sinnlos, wertlos. Mit jedem von seinen Kindern schreibt er Geschichte. Aber genau das sagt ja Maria auch: "Wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit." (V. 55) Reden heißt, Geschichte wird weiterformuliert! Schneiden Sie sich nachher ein Stück vom roten Faden ab! (Pfr. Heiko Bräuning)
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