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Gottesdienst am 2. Advent, 8. Dezember 2002, in Wilhelmsdorf um 10.00 Uhr, Predigt über Lukas 21, 25-33 Mit Schrecken denke ich noch daran: Es ist Samstagabend - nicht gestern, sondern es ist schon Jahre her, aber der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern. Ich sitze am Computer. Lange hatte ich an der Predigtvorbereitung gesessen. Stunden und große Mühe hineingesteckt. Endlich bin ich fertig und will die Predigt ausdrucken. Da stürzt mir der Computer ab und alles ist weg. Ich habe keine Kopie. Mir wird fast schwarz vor Augen. Was sagst du morgen im Gottesdienst? Doch es hilft alles nichts. Ich fange noch einmal von vorne an und schreibe alles noch einmal hin. Jetzt geht es wesentlich schneller, denn ich habe es ja noch im Kopf. Und als ich dann wirklich ausdrucken kann, ist es nach Mitternacht.
Aber eins habe ich mir damals geschworen: Auf den Computer verlässt du dich nicht mehr absolut. Er hat seine Fehler und Schwächen. Und im entscheidenden Augenblick lässt er dich im Stich.
Man kann sich viele Gedanken machen, worauf wir Menschen uns absolut verlassen. Wenigstens tun wir so. Zum Beispiel: Dass die Berge sicher und fest stehen! - Aber da hat doch der Ätna neulich Feuer und Asche gespuckt und sogar sein Aussehen etwas verändert. Selbst die Alpen wurden einst von tektonischen Kräften hochgefaltet. Dann gibt es hin und wieder einen Erdrutsch und auch stetige Erosionen, um das Ganze wieder langsam rückgängig zu machen. Nein, auf die Berge kannst du dich auch nicht verlassen! (Aber da sagt dann einer, auf meinen Vater kann ich mich absolut verlassen. Wenn ich zu dem komme und etwas will, der sagt immer nein!) Bleiben uns vielleicht wenigstens die Himmelskörper, Sonne und Mond und die Planeten? Die erfüllen doch ihre Aufgabe zuverlässig!? Nun sagt Jesus im Grunde: Wenn es an die letzte Grenze geht, dann kannst du auf nichts von dem allem setzen. Weder auf den Himmel noch auf die Erde kannst du dich verlassen. Aber es gibt dennoch etwas, worauf du dich fest verlassen kannst. [Predigttext: Lukas 21, 25-33] 25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und
Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor
dem Brausen und Wogen des Meeres, Die Adventszeit ist eine Zeit der Vorbereitung. Natürlich, sagen da manche, man muss Geschenke kaufen und den Christbaum und so. Aber so ist das nicht gemeint. Es geht um die Vorbereitung, Jesus begegnen zu können. Darum ist die Adventszeit eigentlich immer eine Zeit der inneren Besinnung gewesen. Und am 2. Advent denken wir insbesondere an das zweite Kommen Jesu, an seine Wiederkunft. Ihr gehen voraus, was in diesem Predigttext beschrieben ist. 1. Die Zeichen 2. Die Menschen in Angst 3. Die Menschen in Hoffnung 1. Die Zeichen Die Zeichen sind so etwas wie ausgemachte Signale. Wenn ich mit dem Auto vor einer roten Ampel stehe und sie wird grün, dann weiß ich: Jetzt kann ich losfahren. Sagen wir: Jesus hat seiner Gemeinde auch solche Signale gegeben, auf die sie wie Verkehrszeichen achten soll. Zeichen waren aber auch immer wieder Anlass für Spekulationen und auch für Versuche, die Wiederkunft Jesu vorauszuberechnen. Am bekanntesten sind vielleicht die Versuche Joh. Albrecht Bengels, aufgrund der biblischen Zahlensymbolik die Wiederkunft Jesu zu berechnen. Aber unser Herr hat ausdrücklich vor dem Berechnen gewarnt. Nicht einmal er selbst wisse diese Zeit. Also sollen erst recht wir uns zurückhalten, jedenfalls was die Berechnung betrifft. Doch wenn Zeichen nur zu vernachlässigen wären, dann hätte das Neue Testament gewiss alle Zeichen verschwiegen, die die Wiederkunft Jesu begleiten und ihr vorausgehen. Aber diese Zeichen werden ja gerade an vielen Stellen genannt. Das bedeutet für uns, wir sollen die Zeichen beurteilen können, aber uns durch sie nicht in Spekulationen verirren. Man kann also nach zwei Seiten vom Pferd fallen. Beide liegen schief: Sowohl wer die Zeichen völlig mißachtet, als auch, wer sie zu wichtig nimmt und nur noch über diese Zeichen nachdenkt. Wer überall Verkehrsampeln sieht, auch wenn gar keine da sind, der kann nicht Auto fahren; wer Ampeln übersieht, kanns auch nicht. So ist es mit den Zeichen auch. Schrei nicht überall: Stopp! Sei aber auch gefasst, wenn die Zeichen sich verdichten! Im Frühjahr 1989 war ich mit meiner Frau in Thüringen. Es war etwa ein halbes Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer. Im Gespräch mit den Menschen haben wir gemerkt, dass da eine merkwürdige Unruhe ist. Als wir nach Hause kamen, haben wir weitererzählt: Da ist so etwas wie eine vorrevolutionäre Stimmung. Natürlich haben wir es nicht an die großen Glocke gehängt, sondern nur in kleinem Kreis darüber gesprochen. Doch haben wir nicht ahnen können, wie schnell der Umschwung der friedlichen Revolution kommen würde. So ist es mit den Zeichen: Man ahnt etwas, aber weiß trotzdem nicht, was nun genau erfolgen wird. Und über Zeichen redet man auch nicht überall, weil man ja nicht weiß, wie stark die Anzeichen sein müssen, um wirklich auf einen Umbruch hinzudeuten. Da ist von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen die Rede, und dass die Kräfte der Himmel ins Wanken geraten werden. Manche Menschen sprechen von der Umwelt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist, ob das nicht die endzeitlichen Zeichen seien. Aber ich rate eher zur Zurückhaltung. Es gab in jeder Zeit irgendwelche beunruhigenden Ereignisse. Nicht alle Katastrophen sind sofort endzeitlich zu deuten. Auch früher gab es schon Klimaänderungen. Was Jesus sagt, ist stärker: Die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Mag sein, dass da auf die Naturgesetze kein Verlass mehr ist. Jedenfalls geht es um drastische Vorgänge. An einer Stelle werden die Zeichen deutlicher: Der Feigenbaum als Gleichnis. Der Feigenbaum ist das Symbol für Israel. Was also in Israel vor sich geht, hat stärkeren Zeichencharakter als das, was in der Umwelt geschieht. Und dann nochmals ausdrücklich der Hinweis, dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Das Volk der Juden wird so lange bestehen, bis unser Herr wiederkommt. 2. Die Menschen in Angst Die Menschen vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die Erde. Bei der Furcht handelt es sich um eine Furcht vor den Dingen, aber die Hoffnung richtet sich auf den wiederkommenden Herrn. Es scheint so zu sein, dass die Menschen sich gegenseitig anstecken mit der Furcht, ja, dass sie sich gegenseitig regelrecht in eine Hysterie hineinsteigern, aus Furcht vor dem, was noch gar nicht eingetreten ist. Sie leben in ständiger Sorge. Die größte Furcht verursacht nicht eine schlimme Katastrophe, sondern die Angst, diese Katastrophe würde demnächst hereinbrechen. Und je mehr sich die Katastrophe hinauszögert, desto größer wird die Furcht. So ähnlich beschreibt es auch Alexander Solschenizyn in seinem Archipel Gulag, wo er von den Verfolgung durch den sowjetischen Geheimdienst berichtet. Die Menschen waren in so furchtbarer Angst, sie würden aus irgendeinem unerfindlichen Grund demnächst geschnappt. Die Angst und Sorge brachte sie beinahe um. Und dann waren sie erleichtert, wenn das in Angst Erwartete tatsächlich eintrat. Jesus beschreibt so die Menschen der Endzeit kurz vor seiner Wiederkunft. Die Furcht ist schlimmer als die tatsächlichen Gefahren und auch schlimmer als die Ereignisse. Aber Christen sollen keine Angstmacher sein. Jesus hat keine Angst gemacht. Angst haben nur die Menschen, die an Sachen orientiert sind, nicht aber die, die an Jesus Christus orientiert sind. 3. Die Menschen in Hoffnung Auch diejenigen, die auf das Wort Jesu vertrauen und darauf hören, werden offensichtlich von der Furcht angesteckt. Auch sie haben ihre Häupter gesenkt. Auch sie sind Kinder ihrer Zeit. Das ist gar nicht verwunderlich. Aber sie werden ihre Häupter erheben. Dazu werden wir aufgefordert. Schreckensmeldungen sollen uns nicht kopflos und angstvoll machen, sondern gerade umgekehrt: Wir sollen wissen, so fängt das an; und dann kommt unser Herr bald. Die Erlösung naht - nicht der Untergang. Eine letzte und abgrundtiefe Existenzangst verträgt sich nicht mit dem Glauben an den Herrn, der Himmel und Erde in seiner Hand hat. Und darum sind Christen zuversichtliche Leute, die nicht alles wissen, was kommt, aber die wissen wer kommt, nämlich unser Herr und Erlöser Jesus Christus. Amen!
(Pfr. Dr. Karl Knauß)
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