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Gottesdienst am 15. September 2002,
Da ist eine junge Familie mit 4 Kindern, das Jüngste noch sehr klein. Eigentlich geht es ihnen sehr gut. Der Vater ist in einer Firma in leitender Stellung. Aber eines Tages stellt er merkwürdige Symptome an seinem Körper fest, geht zum Arzt und lässt sich untersuchen. Es stellt sich heraus, dass er MS hat, multiple Sklerose. Der Firma ist das Risiko mit einem krank werdenden Mann zu groß. Sie will ihn loswerden, und es gelingt mit einer entsprechenden Abfindung. "Gott wird uns schon durchhelfen", so denkt das junge Ehepaar. "Der ist doch auf unserer Seite." Aber es geht nicht so glatt. Die Versicherung müsste eigentlich bezahlen. Aber es gibt heftige und lange Probleme. Sie zahlt nicht. Da gibt es irgendwelche Fußangeln. Das Geld wird knapp, Schulden können nicht bezahlt werden. Es ist zweifelhaft, wann sich das wieder ändern kann. Lieber Gott, hast du uns vergessen? Die christlichen Freunde stellen immer wieder auch bohrende Fragen: "Habt ihr euch nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, als ihr früher so großzügig für das Reich Gottes eingetreten seid und euch finanziell engagiert habt? Hättet ihr euch nicht finanziell besser absichern müssen?" Und auch noch schlimmere Anfragen kommen. "Ist euer Glaube wirklich in Ordnung, wenn Gott euch nicht hilft?" Glaubenszweifel stellen sich ein. "Warum legst du, lieber Herr, so harte Prüfungen auf uns?" Die Erfahrung dieser Familie ist keine Ausnahme. Wie viele könnten hier ihr Schicksal erzählen, auch aus unserer Gemeinde. Immer wieder anders und doch in der Anfrage an Gott so ähnlich. Hält man so was durch? Kommt man mit den Kräften nicht irgendwann einmal an seine Grenze? Wir haben hier keine blitzschnelle Antwort. Aber wir sollen wahrnehmen: Das ist so, dass Christen in solcher Lage leben. Christsein ist kein Servicevertrag mit Gott, dass er immer einspringt und alles glänzend macht. Vielleicht gibt es sogar unter den Christen mehr Menschen mit Schrammen als unter den Nichtchristen. Wir haben heute einen Predigttext aus dem Hebräerbrief; der richtet sich an Menschen, die sehr schlechte Erfahrungen machen mussten. Am Anfang waren sie recht zuversichtlich. Es heißt kurz vor dem Abschnitt sogar, sie hätten mit Freude ertragen, dass man ihnen ihr Hab und Gut wegnahm, dass sie verfolgt wurden, dass man sie in aller Öffentlichkeit vorführte und sie verspottet. Hohn und Verachtung haben sie ertragen, denn sie wussten: Das, was Christus ihnen gegeben hat, ist viel mehr, und ihr ewiges Erbe hat unvergänglichen Wert. Lange Zeit haben sie gesagt: Das alles stecken wir leicht weg. Aber dann kamen doch manche Zweifel und Anfechtungen. In dieser Situation werden sie gestärkt: Das ist eine Art christliches Überlebensprogramm. Oder
wenn Sie so wollen: Trainingseinheiten für erschöpfte Christen. Hier wird dreierlei
gesagt, was wir festhalten sollen: 1. Haltet das Zutrauen fest Auch und gerade wenn ihr mit den schlechten Erfahrungen
nicht weiter wisst: "Werft euer Vertrauen nicht weg!" Unerschrocken war er auch im Umgang mit den scheinbar Mächtigen seiner Zeit. In Wirklichkeit hatten sie diese Macht meist nur für wenige Jahre. Die Offenheit galt auch vor seinem Vater, wenn er mit ihm im Gebet umging. Kein Drumherumreden. Er sagte das, was wirklich Sache war. Sein Reden mit Gott war von der sicheren Zuversicht geprägt: Gott ist für die gerechte Sache; er kann auch Tote auferwecken. Es kann sogar durchs Leiden hindurchgehen. Aber es geht letztlich auf Gottes Sieg zu. Die Zuversicht, dieses Zutrauen Jesu wird am deutlichsten in dem Gebet im Garten Gethsemane. "Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst." (Matth. 26,39 par). Selbst am tiefsten Punkt wusste er unerschütterlich: Gott hat alles in seiner Hand. Auch wenn das im Augenblick verdunkelt scheint. Sie sagen vielleicht: Das war Jesus. Mit ihm kann ich mich ja nicht vergleichen. Und doch sollen wir in seiner Nachfolge uns an seinen Fußstapfen orientieren, ihm hinterhergehen. Werft euer Zutrauen nicht weg! Das war im Hebräerbrief an Menschen gerichtet, die noch ganz nahe an dem Geschehen um Jesus dran waren, an seiner Kreuzigung und Auferstehung. Doch auch sie mussten erinnert werden: Bleib dran! Mach nicht schlapp! Das Christenleben ist kein Kurzstreckenlauf, der in wenigen Augenblicken schon am Ziel ist; sondern es gleicht eher einem Dauerlauf. Nur wer durchhält, kommt ans Ziel. Es gibt viele Christen, die meinen: Hauptsache, man ist zum Glauben gekommen! Hauptsache, man hat den richtigen Anfang gemacht. Das ist zwar wichtig. Aber es hilft alles nichts, wenn man unterwegs schlapp macht und abhängt. Nicht in erster Linie unsere seelische Kraft soll gestärkt werden und nicht die Emotionen, sondern zuerst die vertrauende Abhängigkeit von Gott; fast könnte man auch sagen: Der Glaube. Darum Das Schwere ist nur, dass wir diesen Zeitpunkt nicht kennen, dass wir meinen, Gott habe uns vergessen. Aber in unserem Leben geht es nicht zu wie im Theater. Du gehst in den Raum, setzt dich hin, der Vorhang geht auf, die Scheinwerfer gehen an und alles ist verwandelt. Statt dessen sollen wir unseren Glauben bewähren. Der soll reifen. Wenn wir davon reden und wenn uns die anderen erleben, dann soll das offenbar sein: Ja, der Glaube hält durch. Das ist nicht bloß eine Sache auf dem Papier, sondern der gehört ins Leben. Da geht es wie bei einem Auto, das neu entwickelt wurde. Das wird über die Teststrecke gejagt und kommt unter extreme Bedingungen, das wird durchgerüttelt und wird auf ein Holperstrecke geschickt, das wird lange starken Wassermassen ausgesetzt und vieles mehr. Und wenn es das alles durchgestanden und ausgehalten hat, dann können die Verkäufer mit gutem Gewissen sagen: Das Auto ist gut. Das kippt dir beim Elchtest nicht um. Manche fühlen sich so wie ein Auto auf dem Teststand. Darum sollen wir unseren Glauben unter verschiedenen Bedingungen bewähren. In der Geduld nehmen wir unser Leben aus der Hand Gottes. Es geht also nicht nur darum, etwas durchzuhalten. Sondern es geht darum, dass Gott uns formt und gestaltet. Wir hätten vieles, was er an uns tut, nicht gewählt. Aber wir können auch nicht alle Pläne Gottes überschauen. 3. Haltet fest an der Hoffnung auf das Heil Er hoffte auf etwas Sinnloses. Die Arbeit hätte er sich sparen können - oder früher drangehen. Er konnte jedenfalls nicht mit guten Äpfeln rechnen. Hoffnung muss einen Sinn haben. Ist unsere Hoffnung wahr und echt? Unser Zutrauen und unsere Geduld haben das Ziel in der Hoffnung auf das ewige Heil. Irdische Ziele sind oft für uns drängend. Wenn man gesundheitliche Nöte durchmacht, Schmerzen oder Todesnöte: Kann man das aushalten? Aber die Fragen um unser ewiges Heil sind noch dringender. Wir werden im Hebräerbrief daran erinnert: Das kann man auch verlieren. Dann, wenn man das Zutrauen aufgibt, dann, wenn man die Geduld loslässt. Der Hebräerbrief hat hier oft eine starke Sprache, fast drohend, jedenfalls ringt der Verfasser um die Menschen, die in großer Gefahr des Abfalls sind. Nur wer an Jesus festhält, an der Verbindung mit ihm, der gewinnt das Heil. Ohne ihn sind wir verloren. Die Sache mit Gott erledigt sich nicht von selbst. Darum sollen wir unser Zutrauen zu Gott untereinander stärken und uns in dem bewähren, wo wir hineingestellt sind, denn wir leben auf Gottes Ziel hin. Amen. (Pfr. Dr. K. Knauß)
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