Zweitgottesdienst am 15. September 2002;
Thema: ... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. An dieses Lied von Reinhard May haben wir gedacht, als wir dieses Thema gewählt haben. Von solcher Freiheit träumen wir manchmal. Im Urlaub ist sie manchmal zum Greifen nahe.

Aber zurückgekehrt von diesem zeitweiligen Aufenthalt über den Wolken, da fühlen wir uns wieder in der vertrauten Enge. Wir haben keinen großen Spielraum mehr.

Das kann selbst im Urlaub passieren, und das ist uns dieses Jahr wirklich passiert. Etwas, das fast alptraumartig über uns kam. Wir, ich und meine Frau, sind mit dem Auto und Wohnwagen unterwegs. So ein langes Schiff mit Zwillingsreifen hinten dran. Fast am Ziel. In diesem Ort ist ein Campingplatz. Da wollen wir hin. Der Campingführer gibt die Auskunft, dass der Weg gut beschildert sei. Aber an einer Kreuzung fehlte der Hinweis. Wir fahren geradeaus und hätten eigentlich abbiegen müssen. Meine Frau sagt: Wir müssen in den Ort rein. Doch es wird immer enger. Wissen Sie, ein echt italienischer Ort mit engen Gassen! Und dann kommt diese Enge auf uns zu. Wir packen es gerade noch, zu wenden. Wehe, wenn wir da noch weitergefahren wären! Später sind wir mit dem Fahrrad reingefahren. Die Welt hörte tatsächlich mitten im Ort einfach auf.

Von wegen, Freiheit im Urlaub. Auch da musst du deine Gedanken ganz schön beieinander haben. Sonst hängst du fest.

Nun gut. Da sind jetzt manche von Ihnen in einer ungewohnten Situation. Vielleicht eine neue Arbeitsstelle, neue Ausbildungsstelle, oder die alte. Aber eigentlich fast alles vorgegeben.

Das war die Situation, die uns in der Pantomime gezeigt wurde....

Gibt's da einen Weg, der weiterführt?

Im 31. Psalm beschreibt David eine noch viel schlimmere Situation. Er ist umgeben von Feinden. Aber die Feinde geben sich nicht zu erkennen. Sie verbergen sich. Sie stellen heimlich Fallen und warten, ob er hineintappt.

Doch in dieser Situation kann sich David Gott anvertrauen und sagen: "Du stellst meine Füße auf einen weiten Raum." Und später: "Meine Zeit steht in deinen Händen." Da ist doch alles andere nur Bedrohung. Doch es geht Ruhe aus von diesem festen Pol.

Der weite Raum kommt nicht erst, wenn alle Sorge vorbei ist und wenn der Druck weg ist. Sondern der weite Raum ist mitten in dieser Situation da. Die Geborgenheit gilt trotz Angst und Not. Das passt eigentlich logisch gar nicht zusammen. Für David hat es trotzdem gestimmt.

Wenn du auf die Widerstände schaust, wird alles eng. Auch ohne Fallen und Schlingen kann eine ganz alltägliche Situationen sehr bedrohlich empfunden werden.

Da sind wir eingeladen, zu Gott zu fliehen; von seiner Warte aus die Lage zu sehen. Das kann ich im Gebet. Jeden Tag. Immer wieder. Und je näher ich zu Gott fliehe, desto mehr stellt mich Gott in seine weite Perspektive. Dann kann ich sagen: Herr, du überschaust ja meine Lage im großen Zusammenhang. Ich kann fast nur das Heute und das Gestern sehen. Aber für dich gilt mehr, da gilt der weite Raum.

Wir sind eingeladen, unsere Füße auf den weiten Raum Gottes zu stellen. Das ist weit mehr als nur eine Neuorientierung der Gedanken. Es wird im Beten vollzogen. Da gibst du dich in die Hände Gottes. Da nimmst du von ihm deine Situation an. Ja Herr, da hast du mich hingestellt. Und wenn's ein anderer Platz ist als der von mir gewünschte, dann wirst du schon wissen, warum das jetzt mein Platz sein soll. Amen!

(Pfr. Dr. K. Knauß)

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