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Gottesdienst am 9. Sonntag n. Trin,
28. Juli 2002, Es gab einmal ein Aufsatzthema, das hieß: "Wenn ich noch drei Tage zu leben hätte..." Natürlich kamen die verschiedensten Ergebnisse heraus. Aber was die Schüler schrieben, zeigte ihre verschiedenen Lebensziele und -Inhalte. Doch die meisten Schüler haben das nicht wirklich in ihrem Leben umgesetzt, was sie da beschrieben. Sie fühlten sich noch weit weg davon, dass sie das auch wirklich umsetzen müssten. Kann man sich echt und realistisch auf das einstellen: Was würde ich tun, wenn es auf's Ende zuginge? Auf mein Ende oder auf das Ende aller Dinge, auf das Ziel der Welt? Wir machen eine ganz kurze Pause. Bitte bedenken Sie, was
für Sie die 3 wichtigsten Dinge im Leben sind.... So schnell ist das gesagt: Petrus fasst in ein paar Sätzen das Wichtigste für das Leben der Christen zusammen. Er redet nicht über Geld und Besitz und denkt auch nicht an große Erlebnisse und Augenblicke. Was er schreibt, ist sehr unspektakulär und unaufgeregt. Es wirkt weder heldenhaft noch irgendwie großartig. Schon wenn es um sehr viel kleinere Dinge geht, können Menschen viel heldenhafter sein. Ich denke da beispielsweise an die Menschen, die am 11. September letzten Jahres, am Tag der Terroranschläge in Amerika ihr Leben geopfert haben, um ein weiteres Flugzeug nicht in sein Ziel gelangen zu lassen. Sie haben es durch ihren Einsatz zum Absturz gebracht. Und dabei ging es doch nur um die Rettung eines weiteren Gebäudes und der darin befindlichen Menschen, und natürlich auch um nationale Symbole. Man kann das, was sie zustandebrachten, nur bewundern. Sie haben Großartiges geleistet. Sie wussten, dass es um etwas geht. Und dabei waren es nicht einmal Ewigkeitswerte. Im Vergleich dazu wirkt das, was Petrus hier schreibt, cool wie bei einem deutschen Gelehrten. Kein Aufwallen der Gefühle, kein Wecken sämtlicher verfügbarer Ressourcen und Kräfte, keine großartigen Rettungsprogramme! Sondern einfach nur das, was der Normalfall für Christen ist und sein soll. Man könnte geradezu sagen: Wenn der Boden wankt, bleibt auf dem Boden. So möchte ich überschreiben 1. Seid besonnen und nüchtern: Betet Nicht mit Wut im Bauch sondern nüchtern und besonnen. Das heißt: Nehmt die Lage, wie sie ist. Beschönigt nichts in euren Gedanken, verschlimmert auch nichts. Macht euch nicht große Verschwörungstheorien. Und spekuliert auch nicht, was alles sonst noch Unheimliches kommen könnte. Es ist die Lage, in die euch Gott hineingestellt hat. Bleibt bei den Tatsachen. Das Beten ist ein nüchternes Geschäft. Man braucht gute Information. Und man sollte ein gutes und klares Urteil haben. Vielleicht hat man's noch nicht von Anfang an. Aber das Beten soll zu einem guten und nüchternen Urteil verhelfen. Denn mit meinem Beten komme ich doch zu dem Gott, der unbestechlich ist. Ihm kann ich nichts vormachen. Ich kann ihn nicht manipulieren. Ihm darf ich sagen, wo ich Angst habe. Wenn ich um unsere Gemeinde bete, dann sollte ich wissen, was die Menschen bewegt. Und ich soll mir nicht sagen: Die sind eigentlich doof, dass das für sie ein Problem ist. Zum echten Beten muss ich wirklich verstehen, was sie bewegt. Zur Nüchternheit beim Beten gehört auch das Hören. Beim Beten soll ich erwarten, dass Gott zu mir spricht, dass ich von ihm Antworten auf meine Bitten und Fragen bekomme; dass er mir sagt, wie ich mit einem Menschen umgehen soll, der mir Nöte macht. Darum lege im Gebet auch Pausen ein und höre, in der zuversichtlichen Erwartung, dass Gott dir auch etwas zu sagen hat. Und dann prüfe, ob das tatsächlich Gottes Wille sein kann und nicht vielleicht dein eigener Wunschtraum ist. 2. Seid besonnen und nüchtern: Bleibt in der Liebe Gastfreundschaft: Ich erinnere mich noch an einen Besuch aus Südamerika - das ist schon einige Jahre her. Wir kannten den Mann vorher nicht. Ich weiß nicht mehr, warum und wie wir mit ihm Kontakt bekamen. Aber irgendwie haben wir ihn dann als Gast in unserem Gästezimmer gehabt. Er hatte eine halbe Weltreise hinter sich und eine weitere halbe vor sich. Nun machte er Zwischenstation. Die Verständigung war schwer. Er sprach ein entsetzliches Englisch mit portugiesischem Akzent. Und meins mit deutschem Akzent ließ auch viel zu wünschen übrig. Doch er war froh, dass er bei Nacht statt auf einem Bahnhofsfußboden in einem echten Bett schlafen konnte und warmes Essen bekam. Und er war froh, dass in der Wohnung auch eine Badewanne war. Er schien so etwas lange nicht gesehen zu haben. Ist das erlaubt, dass man bei der Gastfreundschaft sagt: Es hat uns gegraust? Doch in großem Abstand darüber nachgedacht: War das eigentlich so schlimm, dass wir nachher die Badewanne kaum mehr sauber kriegten? Ich will die Realität nicht verhehlen: Wir haben uns vorgenommen, unsere Gäste künftig sorgfältiger auszusuchen. - Seid gastfrei ohne Murren! Da trifft uns die biblische
Vorstellung an einer wunden Stelle. Ich bekenne, dass ich hier noch lernen muss. Es
müssen nicht alle Menschen die gleichen Vorstellungen haben, sei es an Hygiene oder bei
andern Wertvorstellungen. Jesus hat sogar mit Menschen Umgang gehabt, die von der
Gesellschaft ausgestoßen waren, mit Zöllnern und Sündern. Vergebung: Hier geht es um die Vergebung unter Menschen, Vergebung als Gegensatz zu festgehaltenem Hass. Wir haben die Nüchternheit und Besonnenheit auch auf die Vergebung bezogen. Da geht es um ein überlegtes Handeln und Denken, nicht um ein Handeln aus dem Bauch heraus. Es ist schon längst erkannt, wie viele menschliche Schäden ein einfaches Handeln aus dem Bauch heraus schafft. Vergebung soll dem entgegenwirken. Die Vergebung soll wieder Frieden schaffen, wo Entzweiung war. Sie führt Ehepartner und Familien wieder zusammen, die sich zerstritten haben. Man braucht dazu Besonnenheit. Wenn man es nicht selbst hat, muss man sich von Gott ein Stück Nüchternheit und Besonnenheit schenken lassen. Das ist, wie man einen Kredit bei der Bank abholt. Es ist auch noch kein eigenes Geld. Und trotzdem kann man damit etwas bezahlen. Wenn du es von deinen Gefühlen her noch nicht schaffst mit dem Vergeben, dann denke, dass du von Gott dazu beauftragt bist. Tu es wenigstens im Gehorsam und du wirst sehen, dass die Gefühle dann auch noch hinterher kommen. 3. Seid besonnen und nüchtern: Dient einander In unserem Rechtsstaat reagiert man darauf so: Dann müssen eben die Gesetze verschärft werden. Gesetzeslücken müssen geschlossen werden. Aber das kann keine Neuorientierung schaffen. Es können noch so viele Gesetze geschaffen werden, sie können das, was am Kaputtgehen ist, nicht aufhalten. Denn letztlich sind auch die staatlichen Gesetze von der Verantwortung vor Gott hergeleitet. Sie verlieren ihre eigentliche Grundlage, wenn Gott vergessen oder geleugnet wird. Darum brauchen wir auch für die Zukunft der gesamten Gesellschaft nichts so nötig, wie die Verantwortung vor Gott. Es waren zerstörerische Kräfte, die uns in den letzten Jahrzehnten beigebracht haben: Denk zuerst an dich selbst. Das biblische Denken ist anders. Nur wenn wir auch einander dienen, sind wir vor Gottes Augen nüchtern. Im Grunde ist der Dienst aneinander ja ein ureigenes Thema der Diakonie. Doch es wundert uns vielleicht, dass das im Hinblick auf die Ewigkeit formuliert ist. Diakonie ist doch eigentlich etwas, das sich auf diese Welt einrichtet. Doch wenn es nach Endzeit aussieht und das Wort Gottes einen schweren Stand hat, könnte die Diakonie das letzte noch vernehmbare Zeugnis von Gott sein. Schließlich hat sogar Jesus in seinem Wort vom Weltgericht die Diakonie als Maßstab genannt. Was ihr getan habt einem von diesen meinen Geringsten, das habt ihr mir getan. Schließlich ist das Dienen nicht nur im engeren diakonischen Bereich gemeint. Alles, was wir einander als Christen im Angesicht der Ewigkeit tun, ist Dienst im Auftrag Gottes. Auch Predigt oder das Miteinander-Reden ist Dienst im Auftrag Gottes. Es gibt verschiedene Gaben. Und sie alle sollen vor Gott geheiligt sein. Gott soll mit unserem ganzen Tun gepriesen werden. Amen! (Pfr. Dr. K. Knauß)
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