Zweitgottesdienst am 21. Juli 2002 in Wilhelmsdorf 11.00 Uhr, mit Taufe Nikolai Nathan Ruppel
Predigt: Erfrischung gefällig? Johannes 7,37-39

Neulich habe ich irgendwo gelesen: Wasser ist das Lebensmittel Nummer Eins. Ich wäre nicht gleich draufgekommen. Ich hätte eher gedacht, das sind Spätzle oder Kartoffeln (für die Kinder Pommes Frittes) oder vielleicht Brot. Manche Leute meinen: Wenn schon was Flüssiges, dann wenigstens Cola. Aber Cola ist ja auch nur schwarz angemaltes Wasser mit ein bisschen Geschmack. Nicht jeder ist scharf drauf, das ist eben Geschmacksache. Aber es hängt nicht von der Laune ab, ob man Wasser braucht. Es ist lebensnotwendig, in der Tat unser wichtigstes Lebensmittel. Wir bestehen ja auch zu etwa ¾ aus Wasser. Bei Wassermangel trocknen wir schnell aus und es geht nichts mehr.

Und weil Wasser so unersetzlich ist, benützen wir es oft als Bild für Leben.

Allerdings gibt es sogar etwas, das noch nötiger ist als Wasser. Jesus hat gesagt, dass wir das nur von ihm bekommen können. Dringender als Wasser. Dringender als alles andere auf der Welt. Das ist die Verbindung zu ihm.

Es war bei einem großen Fest in Jerusalem. Da kann man jedes Fest bei uns vergessen. Die Stadt war rappelvoll mit Leuten. Eine ganze Woche lang wurde gefeiert. Und am Höhepunkt des Festes wurde am Tempelplatz aus großen Krügen Wasser ausgegossen als Trankopfer. Da war natürlich echtes Wasser drin. Und es war kein Geck mit Bonbons oder so. Es war sehr feierlich. In diesem Augenblick stellte sich Jesus hin und rief in die versammelte Menge hinein: Wenn jemand Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken. Wer an mich glaubt, von dem werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Jesus meinte damit den Heiligen Geist. Das bedeutet im Grunde die Verbindung mit Gott und das Leben aus seiner Kraft. Und wer so aus seiner Kraft lebt, kann auch diese Kraft an andere weitergeben. Aber das alles gibt es nur in der Verbindung zu Jesus.

Nicht alle können da gleich jubelnd "ja" sagen. Es gibt Leute, die sagen: Das lassen wir mal drauf ankommen.

Jesus hat niemanden gezwungen, das zu glauben. Aber er hat dazu eingeladen, das auszuprobieren. Doch es war klar, dass es ohne ihn nicht geht, wie es für uns ohne Wasser auch nicht geht. Beim Wasser kann man es eigentlich auch drauf ankommen lassen, ausprobieren, ob es ohne geht. Doch das Ergebnis ist dann auch unausweichlich.

Nun fragen wir: Was passiert denn eigentlich bei der Taufe?

Mit dem Symbol des Wassers wird angedeutet, dass die Taufe etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat. Aber der Heilige Geist wird durch den Glauben vermittelt. Wer an Jesus glaubt, der hat den Heiligen Geist geschenkt bekommen. Die Taufe ist nur ein Zeichen für den Glauben. Niemand kann sich darauf berufen und sagen: Ich bin doch getauft. Also kann mir nichts passieren. Man wird nicht automatisch gerettet, wenn man getauft ist. Die Taufe hat nur zusammen mit dem Glauben einen Sinn. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man als Kind oder als Erwachsener getauft wird. Im Neuen Testament gibt es Hinweise für beides. Man darf sich durch Überlegungen wegen der Taufe nicht davon ablenken lassen, dass der Glaube das Eigentliche und Wesentliche ist. Wir können Unterschiede im Taufverständnis hinnehmen. Aber darin müssen wir uns einig sein: Nur der Glaube an Jesus Christus rettet uns.

Das Wasser bei der Taufe soll uns das zeigen: Wir leben von Gott. Wenn er uns nicht seinen Heiligen Geist gibt, dann verdursten wir innerlich und geistlich. Wenn wir uns einen Brunnen vorstellen, wo das Wasser von oben kommt, oder auch beim ganz normalen Regen, so kommt auch der Heilige Geist von Gott. Wir können nichts anderes, als die Hand aufmachen und das Herz und wir können nur empfangen.

Wenn wir schmutzige Hände oder ein verschmiertes Gesicht haben, dann nehmen wir auch Wasser zum Waschen. So will Gott uns durch die Taufe reinigen. Wir machen's nicht, sondern er, durch seinen Heiligen Geist. Der Heilige Geist reinigt uns, indem wir uns ihm aussetzen, indem wir die Hand oder das Gesicht ihm hinhalten. Die Taufe ist ein Symbol, dass Gott uns reinigen will.

Aber das geschieht natürlich auch nur, wenn man sich ihm aussetzt. Wenn man sich entzieht, dann geschieht das nicht. Der Segen der Taufe, dass Gott uns reinigt, der kommt nur dann, wenn wir's wollen und zulassen.

Erfrischung gefällig? - so haben wir das Thema des Gottesdienstes genannt. Unser Glaube braucht immer wieder Erfrischung, eine Erneuerung durch den Heiligen Geist.

Wer feststellt: Ich brauche eine solche Erneuerung, für den hat Jesus Hilfen angeboten. Wir sind als Gemeinde verpflichtet, solche Hilfe anzubieten. Denn Jesus will, dass seine Gemeinde dazu tauglich ist. Ja, das ist sogar eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinde, einander im Glauben weiterzuhelfen, wenn es irgendwo hakt.

Es ist möglich, nach dem Gottesdienst oder später auf jemanden zuzugehen und ihn um einen solchen Dienst bitten. Vielleicht können es auch mehr als einer sein. Man kann miteinander reden, man kann sich segnen lassen.

Jesus hat uns eine große Verheißung gegeben: Es sollen Ströme lebendigen Wassers von uns ausgehen. Diese Verheißung dürfen wir ernst nehmen. Amen!

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(Pfr. Dr. K. Knauß)

 

 

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