Familiengottesdienst zur Kindergartenentlassfeier, 7. Juli 2002,
in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr,
Predigt: Jesus stillt den Sturm (Matthäus 8, 23-27)

Was die Jünger wohl gedacht haben, als sie in das Boot stiegen? Wahrscheinlich hatten sie keine Angst. Sie sind jeden Tag x-mal in ein Boot gestiegen und sie wussten: Da passiert nichts.

Aber diesmal war's schlimm. Wenn die das gewusst hätten, dann wären sie nicht in das Boot gestiegen. Dann wären sie am festen Ufer geblieben und hätten gesagt: Hier habe ich festen Boden unter den Füßen. Hier kann mir nichts passieren. Dann hätten sie ihren Mantel über die Ohren gezogen, um nichts zu sehen und nichts zu hören.

Aber wenn so ein richtiger Sturm kommt, dann ist man ja nirgends richtig sicher. Dann kann ein Baum umknicken. Oder der Sturm kann Dachplatten von den Dächern reißen, oder sogar Wohnwagen durch die Gegend wirbeln.

Jedenfalls kam dann der Sturm, als die Jünger im Boot saßen, und sie bekamen richtig Angst. Man wundert sich ja, dass Jesus bei einem solchen Sturm schlafen konnte. Die Jünger mussten ihn erst aufwecken.

Jesus fuhr den Sturm an und bedrohte ihn. Dann wurde er still. Die Wellen wurden wieder ganz glatt.

Die Jünger waren entsetzt, weil Jesus eine solche Macht hatte. Der heilte nicht nur kranke Menschen und erwies sich stärker als die Krankheit, sondern er war auch stärker als die Natur. Eigentlich muss das ja auch so sein, denn Jesus ist der Herr der Natur. Aber das ist ein himmelweiter Unterschied, ob man das nur für möglich hält oder ob man das wirklich erlebt. Sie fragten sich: Wer ist der denn? Er muss ganz eng mit Gott verbunden sein.

Manchmal ist ein Sturm gar nicht außen, sondern innen im Herzen. Wenn man Angst hat, vor etwas, was einen bedroht. Vielleicht vor einem großen Hund.

Wer von euch hat einen Hund? Gell, ihr sagt: Vor einem Hund muss man keine Angst haben. Weil ihr ihn kennt. Aber ich habe einen ordentlichen Respekt. Denn mich hat schon mal einer gebissen. Richtig rein, da in den linken Oberschenkel.

Nein, Angst habe ich keine, bloß Respekt. Denn Erwachsene haben keine Angst! Oder?

Gell die Erwachsenen tun halt so, aber in Wirklichkeit haben die auch Angst - vielleicht vor der Arbeit, die ihnen über den Kopf wächst, oder vor dem Zahnarzt oder... Manchmal fegt der Sturm durch die Felder. Dann muss man Angst haben, ob nachher noch alle Felder so sind wie vorher. Manchmal fegt der Sturm auch durch eine Firma. Der kann die Menschen und die Zahlen unheimlich durcheinanderbringen dass man nachher nicht mehr weiß, was schwarz und was rot ist. Manchmal fegt der Sturm auch durch eine Familie und bringt vieles durcheinander, den Frieden und die Liebe und das Glück.

Davon ist niemand gefeit. Ein Sturm kann immer mal kommen, außen oder innen. Da ist es gut, wenn Jesus mit im Boot sitzt. Und wenn er ansprechbar ist.

Ein vierjähriger Junge geht mit seiner großen Schwester eine Straße entlang. An jedem Haus will er wissen: "Und wer wohnt hier?" Sie gibt geduldig Antwort, indem sie jedesmal das Namensschild liest. Dann kommen sie an einer Kirche vorbei: "Und wer wohnt hier?" Hier wohnt Gott, sagt das Mädchen. - "Nein", sagt der Vierjährige, "der wohnt doch im Himmel." "Ja, das schon", sagt das Mädchen. "Er wohnt schon im Himmel. Aber hier hat er seine Sprechstunde."

Es ist gut, dass er hier seine Sprechstunde hat, und zwar nicht nur in der Kirche, sondern immer, wenn wir ihn suchen und ansprechen wollen. Wir müssen nur zu ihm kommen.

Das wünsche ich euch jetzt auch, wenn ihr da in ein neues Boot steigt, in das Boot zur Schule. Dann braucht ihr keine Sorge zu haben. Es kann sein, dass ihr manchmal den Eindruck bekommt, dass Jesus schläft. Diesen Eindruck haben die Erwachsenen auch manchmal. Aber dann kann man ja Jesus wecken. ZB. wenn man betet.

"Herr, merkst du nicht, wie dumm ich dran bin?" Es ist nicht schlimm, wenn man den Eindruck hat, dass Jesus schläft. Es ist nur schlimm, wenn man ihm nichts sagt. Denn wenn wir schlafen, das ist dumm. Dann verachten wir die Hilfe, die Jesus gerne gibt.

Ich wünsche das aber auch allen Erwachsenen. Wir sollen wissen, dass Jesus der Herr der Lage ist.

Das gilt jetzt auch bei dem entsetzlichen Flugzeugunglück, bei dem so viele junge Menschen sterben mussten. Wir können das nicht verstehen. Es ist nicht schlimm, wenn wir fragen, wo denn da Gott oder Jesus gewesen ist. Aber es wäre schlimm, wenn wir schweigen. Wenn wir sagen würden, damit hat er nichts zu tun. Denn wer so sagt, der will nichts mit ihm zu tun haben. Doch wir legen es ihm hin, was über das hinausgeht, was wir erfassen können. Und wir bitten ihn: Führe du die Wege weiter: Für die Familien, aber auch für die, die für das Unglück Verantwortung tragen.

Wir vertrauen darauf, dass er auch diese Lage in seiner Hand hat. Amen.

(Pfr. Dr. K. Knauß)

 

 

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