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Gottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni 2002, in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr, Predigt über: Die Gemeinde als Stadt auf dem Berg. Endlich hat die Fußball-Weltmeisterschaft begonnen. Viele haben gestern das Spiel gegen Saudi-Arabien gesehen, trotz des schönen Wetters. Im Spiel sieht das so leicht aus, einfach losziehen und Tore schießen. Aber so einfach ist das nicht. Die Jungs müssen vorher trainieren. Jahrelang! Und erst recht die letzten Wochen und Monate. Sie können nicht sagen, heute habe ich keine Lust. Sondern sie haben ein Ziel, auf das sie zugehen. Diesem Ziel müssen sie alles unterordnen. Oft sind sie verletzt, weil sie so hart ran müssen. Das ist kein harmloser Spaziergang. Oft werden sie ausgepfiffen, wenn sie einmal nicht in guter Form sind. Sie müssen es wegstecken. Ja nicht empfindlich sein! Um des Zieles willen lohnt sich der Einsatz. Gibt es für die Gemeinde auch ein Ziel? Ordnen wir diesem
Ziel auch alles unter? Ziemlich am Anfang der Bergpredigt sagt es Jesus zu seinen Anhängern und Nachfolgern: "Ihr sei das Salz der Erde... Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben." (Matthäus 5, 13a.14). Ich lese den Satz zweimal und nehme das als Überschriften. 1.Eine Stadt auf dem Berg kann nicht verborgen
bleiben Nicht der einzelne, sondern die Gemeinde ist gemeint. Jesus hat nichts von einem einsamen Haus ganz oben auf dem Großglockner oder auf dem Hermon gesagt. Sondern von der Stadt auf dem Berg. Er hat nicht an einen Wettbewerb gedacht, wer als einzelner nun besser, frömmer, glaubwürdiger ist! Sondern da geht es um eine Mannschaftswertung. Natürlich braucht man dazu einzelne. Aber sie sind nicht als fromme Individualisten gefragt. Nicht als solche, die nach verschiedenen Seiten ausscheren; nicht als solche, die meinen, die brauchen mich nicht - oder ich kann das nicht. Jesus hat uns als solche gemeint, die zusammengehören, die sich Aufgaben zwar teilen. Aber wir müssen und sollen wissen, dass es die gemeinsame Aufgabe ist. Die Gemeinde Jesu hat in Deutschland die besten Voraussetzungen. Fast in jedem Dorf eine Niederlassung, viele in jeder Stadt. Sie hat die beste Infrastruktur, die man sich denken kann. Viele Gebäude, viele Zeitschriften, viele freiwillige Helfer und viele Hauptamtliche. Das hat nicht einmal die Bundespost geschafft in ihren besten Zeiten. Müsste nicht eigentlich von den Christen eine große Wirkung ausgehen? Doch die Gemeinde Jesu wird nicht sehr wahrgenommen. Wenn der eine etwas sagt oder tut, dann sagt oder tut der andere das Gegenteil. Das ist dann kein Mannschaftsspiel! So kriegt man nie ein Tor rein. In der eigenen Mannschaft muss man zusammenhalten. Da dürfen Sturm und Verteidigung nicht gegeneinander spielen. Ich will nicht sagen, der Sturm, das sind die Jungen, und die Verteidigung, das sind die Älteren. Denn manchmal ist es sogar genau umgekehrt. Oft sind die Älteren im Sturm und preschen vorwärts, und haben das Ziel im Auge, das Jesus uns vorgegeben hat. Es ist gar nicht so wichtig, wer an welcher Stelle seine Aufgabe wahrnimmt. Wichtig ist aber, dass wir alle ein Ziel haben, und dass es das Ziel Jesu selbst ist. Auf einer Karikatur-Postkarte habe ich den Spruch gelesen: "Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen." Nicht auf die Anstrengung als solche kommt es an, nicht darauf, dass in der Gemeinde halt eine Menge läuft. Sondern es kommt darauf an, dass man in dem, was wir tun, die Handschrift Jesu erkennt. Er ist der Leiter seiner Gemeinde. Er soll im Mittelpunkt stehen. Er soll groß werden. Die Stadt auf dem Berg ist nichts anderes, als dass in 1000 Varianten nur der Name Jesus zu lesen ist. Wenn uns die Leute in unserem Alltag beobachten, dann sollen sie merken, da steckt Jesus dahinter. Wenn sie sehen, wie wir uns freuen, dann sollen sie spüren, das ist die Freude von Menschen, die Gottes Zukunft vor sich haben. Wenn sie uns leiden oder trauern sehen, dann soll erkennbar werden, dass wir aus seiner großen Kraft leben. Hoffnung und Kraft und Leben ist das Kennzeichen der Jüngergemeinde. Denn er ist der Herr und Erlöser der Welt. Lasst uns aufeinander achten, dass wir ihm gemeinsam mit unseren Gaben dienen; aber so, dass klar wird, er hat uns diese Gaben für eine Weile anvertraut, damit wir sie für ihn einsetzen. Und auch wenn wir 2 (oder mehr) Gottesdienste an einem Sonntag haben: Es sind Gottesdienste für aufgeweckte Leute, die deswegen wach sind, weil Jesus sie aufgeweckt hat. Auch wenn das Thema des Zweitgottesdienstes in 2 Wochen zu Missverständnissen Anlass geben sollte: Es soll sagen, dass wir nicht von unserem Schaffen leben, sondern aus seiner Kraft. 1. Eine Stadt auf dem Berg kann nicht verborgen bleiben Welche von den Bibelübersetzungen ist die beste? Das war in der letzten Woche das Thema in einer bekannten christlichen Zeitschrift (Idea-Spekrum 23. Mai 2002: Gottes Wort in deutscher Sprache). Ergebnis: Keine ist so gut, keine ist so uneingeschränkt zu empfehlen, dass man sagen müsste: Die und keine andere. Sie haben alle ihre Vorzüge und Nachteile. Doch eins stand nicht in der Zeitschrift. Es gibt eine Übersetzung, die lesen die Leute. Sie ist ihre Lektüre Tag für Tag: Mein Leben und dein Leben. Man braucht dazu keine guten Vorträge und Bibelstunden und Predigten. Die Leute verstehen's auf Anhieb, was da geschrieben ist. Wir haben keinen Grund, unseren Glauben zu verbergen. In einer Welt mit erschreckend viel Dunkelheit brauchen wir das Licht Gottes. In Familien, in Ehen, zwischen Eltern und Kindern, ebenso wie an der Arbeitsstelle. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns hier und da immer wieder neu an die Welt anpassen müssten. Das Licht Gottes muss sich nicht der Finsternis anpassen. Die Lichter sollen nicht ausgehen, sondern sie sollen heller werden. Es müssen nicht noch weitere "Erfurts" kommen. Schon eines ist zu viel gewesen. Darum lasst uns selbst im Licht der Bibel die wichtigen Themen suchen. Wichtig ist, wie können wir in Zukunft überhaupt noch leben? Ich sehe unter den vielen Verantwortungsbereichen 5 Schwerpunkte: Familie, Arbeitsplatz, Politik, Gemeindeleben und Mission. Es wäre viel zu viel, heute auf alle Punkte einzugehen. Dazu braucht es andere Gelegenheiten. Heute nur wenige Andeutungen zum ersten Schwerpunkt. Zur Familie: Manche Streitereien haben nichts gebracht außer Leid und Wunden. Jesus will heilen. Jesus will, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben. Wir müssen darüber wohl an verschiedenen Stellen reden, wie das auszusehen hat, aber vor allem in den Familien selbst, die nach dem Willen Gottes leben wollen. Wir haben nicht alle Lösungen schon in der Tasche, sondern wir müssen darüber viel beten und unseren Herrn fragen. Was sind wir bereit, für dieses Ziel einzusetzen? Für das Ziel, dass die Familie eine Zukunft hat, und damit überhaupt die Menschen eine Zukunft haben. Denn ohne Familie gibt es keine Zukunft! Wir Christen müssen daran arbeiten, dass das Leben in der Familie Freude macht und Kräfte gibt. Das muss so ansteckend wirken, dass die anderen sagen: Das wollen wir auch. Zum Abschluss: Jesus hat nicht gesagt: Trachtet danach, dass ihr eine Stadt auf dem Berge werdet. Sondern wir sind es, wenn wir seine Gemeinde sind und aus seiner Kraft leben. Amen!
(Pfr. Dr. K. Knauß)
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