Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, 26. Mai 2002, in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr, Predigt über: Dreieinigkeit - wir meinen Gott und sagen Jesus - wir sagen Heiliger Geist und meinen Gott.

Mit Gott können wir nicht so unmittelbar umgehen wie mit Menschen. Wir können uns nicht vor ihn hinstellen und ihn ausfragen, wir können uns auch nicht vor ihn auf einen Stuhl setzen und ihm einfach zuhören. Für die einen zur Freude, für die anderen zum Verdruss: Es ist und bleibt eine nicht überbrückbare Kluft.

Die Sehnsucht der Christen ist es, dass diese Kluft wegginge; dass wir unmittelbaren Umgang mit Gott hätten. Doch solange wir auf dieser Erde sind, ist das nicht möglich. In der Ewigkeit werden wir ihm näher sein. Die Bibel beschreibt den Grund dafür so: Wir sind Sünder und Gott ist heilig.

Mit Gottes Heiligkeit hat es auch zu tun, dass wir ihn als den dreieinigen Gott bezeichnen. Es ist ein Ausdruck unserer Hilflosigkeit, davon, dass wir ihn nicht so verstehen können, wie wir gerne wollten. Sagen wir, es ist ein Provisorium bis zur Wiederkunft Jesu. Darum gehört die Dreieinigkeit in das Bekenntnis und in die Anbetung und weniger in gedankliche Beschäftigungen. Doch ich hoffe, wenn wir heute auch einmal über sie nachdenken, dann soll das eine Hilfe für unser Bekenntnis und unsere Anbetung sein.

Wir können Gott nicht beschreiben, wie wir die Dinge dieser Welt beschreiben können: Etwa ein Haus. Das hat normalerweise ein Dach und Wände und Türen und Fenster und Räume. Ein Haus können wir fotografieren und wir können Baupläne zeichnen. Noch mehr: Wir können's betreten und mit den Händen greifen.

Das alles können wir mit Gott nicht. Im Himmel wird er uns einmal näher sein und wir ihm auch. Dann wird unser Wissen nicht mehr Stückwerk sein.

Was meinen wir also, wenn wir vom dreieinigen Gott reden?
1. Gott der Schöpfer ist wahrer Gott
2. Jesus ist wahrer Gott
3. Der Heilige Geist ist wahrer Gott
4. Wir haben dennoch nur einen einzigen Gott
5. Gott der Schöpfer ist wahrer Gott

Vielleicht denken sie: Darüber brauchen wir doch nicht zu reden; das ist doch selbstverständlich.

Doch in Wirklichkeit ist das überhaupt nicht selbstverständlich. Damit ist gemeint, dass wirklich dieser unser Gott den ganzen Kosmos erschaffen hat, derselbe, den wir anbeten, der heilig ist. Die Welt ist nicht sozusagen von selbst geworden, rein aus Zufall; als hätten sich im Laufe von einigen Milliarden Jahren - schwuppdiwupp - die Naturgesetze und der ganze Kosmos gebildet; und dann die ganzen einzelnen Geschöpfe.

Über viele Einzelheiten kann man reden. Da werden auch die Naturwissenschaftler im Lauf der Jahre fortschreiten und meist auch immer besseren Einsichten kommen. Aber im gesamten Verlauf der Schöpfung ist Gott der Schöpfer, da lenkt seine führende und gestaltende Hand, und da steckt auch sein Wille dahinter. Doch er ist nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Erhalter. Da regiert kein kaltes Schicksal, sondern seine liebende Zuwendung. Wenn wir Gott als Schöpfer bezeichnen, dann glauben wir auch nicht an eine Schöpfung durch untergeordnete Engelmächte (oder Demiurgen), wie das einige griechische Philosophen oder Gnostiker dachten.

In manchen Dingen muss man sehr menschlich reden. Diejenigen, die da so untergeordnete Gottwesen eingeführt haben, wollten vielleicht nicht, dass Gott sich "die Hände schmutzig" macht. Oder vielleicht wollten sie nicht, dass Gott die Sexualität erfunden habe. Sie haben gemeint, je weniger sich Gott in die Welt einmischt, desto heiliger bleibt er.

Bei den "schmutzigen Händen" muss ich an meinen Physik-Professor in Erlangen denken, Prof. Huber, ein sehr sympathischer Mann, den ich geschätzt habe. Er hat Theoretische Physik gelehrt. Ich muss denken, wie er an der Tafel stand und ellenlange Ableitungen machte: Eine Formel nach der anderen. Er schrieb die Tafel voll, und wenn's nicht reichte auch noch die nächste und übernächste. Zum Schluss stand dann ein Ergebnis da, eine Formel. Dann nahm er die Kreide und unterstrich das Ergebnis ein paar mal. Im Glück eines Wissenschaftlers drehte er sich um und sagte: "So, und das weiß ich jetzt alles, ohne mir die Hände schmutzig gemacht zu haben." Und er meinte damit: Er musste keinen Apparat bauen um mühsam zu messen und daraus Ergebnisse zu gewinnen. Sondern das alles kann man im guten Anzug machen, ohne sich zu verschmutzen.

So denken sich manche Gott: Er bleibe im vornehmen Abstand von seiner Schöpfung und mische sich nicht ein.

Doch die Schöpfung war kein Werk von minderbegabten Geistwesen und auch kein Betriebsunfall im heiligen Himmel. Sondern sie ist Gottes eigenes Werk; wenn Sie so wollen, im blauen Anton, mit hochgekrempelten Ärmeln. Und weil es sein Werk war, konnte er sagen: Es war alles sehr gut.

Jesus ist wahrer Gott
Vom Alten Testament her war das gar nicht naheliegend. Den Messias hat man sich damals als einen reinen Menschen vorgestellt; gewiss einen hervorragenden Menschen, aber doch nicht als Gott. Seine Zeitgenossen haben Jesus deshalb Gotteslästerung vorgeworfen, weil er sich als Gottes Sohn bezeichnet hat oder sich so von seinen Jüngern nennen ließ; gewiss nur selten, in Ausnahmefällen. Denn er wollte nicht, dass das auf der Straße herumgesprochen wird. Aber doch wird in allen Evangelien davon berichtet, am meisten im Johannesevangelium. Genauso spricht Paulus von Jesus als dem Sohn Gottes und andere Briefe des Neuen Testaments, besonders der Hebräerbrief und der 1. Johannesbrief.

Nach Pfingsten verkündeten es die Apostel und Jünger, und zwar von Anfang an. Sie haben das aus der vorösterlichen Zeit übernommen. Sie haben sich zu Jesus bekannt, auch wenn sie deswegen verfolgt wurden oder den Tod erleiden mussten. Wenn sie Jesus verleugnet hätten, dann hätten sie ihren Glauben aufgegeben.

Das erste und kürzeste Bekenntnis der ersten Christen hieß: Jesus Christus ist der Herr. Und das bedeutete, dass er Gott ist. Denn die Juden durften den Gottesnamen Jahwe nicht aussprechen. Sie sagten statt dessen Herr. Selbst im Alten Testament wurde dort, wo der Gottesname Jahwe steht, immer Herr gelesen. So ist es auch bis heute in der Lutherbibel übersetzt und durch eine besondere Schreibweise (Großbuchstaben) gekennzeichnet. Natürlich war es für die jüdischen Zeitgenossen eine Provokation, dieses Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn. Deswegen wurden sie auch als Irrelehrer angesehen. Aber dieses Bekenntnis konnten sie nicht aufgeben. Wie hätten sie es auch aufgeben können?

Als Stephanus seine Verteidigungsrede hielt, da bekannte er sich zu Jesus: "Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen." Das gab den letzten Anstoß, dass er wegen Gotteslästerung gesteinigt wurde. Und dann wird in der Apostelgeschichte weiter berichtet, dass er hinaufrief: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" (Apg. 7,59) Mit dem auferstandenen Herrn wurde gesprochen als mit Gott, mit dem, der schon immer Gottes Sohn gewesen war, der schon bei der Erschaffung der Welt dabei war, und der einst auch das Gericht halten wird.

Auch heute ist für Christen das Bekenntnis zu Jesus als zu Gottes Sohn und Herrn zentral. Daran entscheidet sich das Christsein. Wir setzen damit heute nicht mehr unser Leben auf's Spiel. Aber vielleicht gibt es welche, die darüber den Kopf schütteln.

Der Heilige Geist ist wahrer Gott
An Pfingsten wurde über den Heiligen Geist gesprochen, im Gottesdienst an vielen Orten, auf Pfingsttreffen, und wahrscheinlich auch an vielen anderen Stellen, wo Menschen beieinander waren. Aber wenn nur über ihn gesprochen worden wäre, dann wäre das zu wenig. Er will auch mit uns reden und er tritt für uns ein, wenn wir nicht mehr weiter wissen im Gebet.

In der Bibel ist viel von den Gaben des Heiligen Geistes und von seinem Handeln die Rede, aber nicht so oft von dem, wer er selbst eigentlich ist. Ist's eine Kraft, die von Gott ausgeht, sozusagen eine göttliche Wirkung?

Als die Gemeinde in Antiochia über ihre Missionsarbeit nachdachten und beteten, da wird in der Apostelgeschichte berichtet, dass der Heilige Geist (zu ihnen) sprach. Der Heilige Geist tat das so direkt und autoritativ: Man hätte das gleiche auch von Gott oder von Jesus sagen können. In ähnlicher Weise sprach er auch zu Philippus, er solle den Kämmerer begleiten, der mit seinem Wagen auf dem Heimweg nach Äthiopien war. Oder der Heilige Geist hinderte Paulus in Kleinasien einen bestimmten Weg weiterzugehen. Er wollte ihn statt dessen nach Griechenland leiten, nach Philippi. Und da heißt es sogar, es sei der Geist Jesu gewesen.

Der Heilige Geist ist eine Person, die dritte Person der Gottheit. Jesus hatte ihn auch angekündigt, dass er ihn als den anderen Tröster schicken werde. Er ist von Jesus gesandt, um uns zu begleiten und beizustehen.

Manche fragen: Dürfen wir zum Heiligen Geist beten? Einige Pfingstlieder sind wirklich Bitten und Erwartungen an den Heiligen Geist. Und weil er eine Person ist und nicht nur eine Kraftwirkung, dürfen wir auch zu ihm beten.

Wir haben dennoch nur einen einzigen Gott
Christen glauben an Vater, Sohn und Heiligen Geist. Das hat viele Menschen irritiert, nicht erst heute, sondern auch schon in den ersten Jahrhunderten. Der Islam behauptet bis heute, wir würden an drei Götter glauben. Doch das ist ein Missverständnis.

Auch wenn Gott auf verschiedene Art wirkt, auch wenn er uns als der Schöpfer, als der Erlöser und als der Tröster begegnet, so lässt sich Gott dennoch nicht aufspalten in drei. Er ist dennoch einer. Das ist ein Grundbekenntnis der Bibel. Daran halten sich auch Christen, und darin sind wir mit den Juden einig.

Schon der geheimnisvolle Besuch der drei Männer bei Abraham wird von den Christen seit jeher trinitarisch gedeutet. Jesus war bei diesem Besuch mit dabei.

Warum sagen wir dann nicht jedesmal einfach nur Gott?

Weil die Bibel in dieser Weise von Gott redet. Wir haben nicht Gott erfunden und sozusagen in unseren Gedanken entworfen. Sondern der Heilige Gott begegnet uns. Und da müssen wir ihn so lassen, wie er uns begegnet. Es ist nicht Gottes Problem, sondern ein Problem unseres eng begrenzten Verstandes, dass wir Gott nicht fassen können.

Darum dürfen wir Jesus sagen und Gott meinen, oder wir dürfen Heiliger Geist sagen und meinen dennoch ein und denselben Gott. Amen.

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(Pfr. Dr. K. Knauß)

 

 

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