|
Gottesdienst am Ostermontag, 1. April 2002, in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr, Predigt über Apostelgeschichte 10, 34a.36-43 - Pfr. K. Knauß Man kann es nicht für sich behalten, dass Jesus auferstanden ist. Es muss weitererzählt werden. Jesus hat selbst dazu den Auftrag gegeben. Und dennoch haben die ersten Jünger zunächst gedacht, nur ihren Landsleuten, den Juden das weiterzuerzählen. Der Kontakt mit anderen war ja für Juden nicht erlaubt; jedenfalls eigentlich nicht. Ihre inneren Sperren waren so massiv, dass man Heiden eigentlich nicht weitererzählen konnte: Jesus ist auferstanden. Doch dann wurde Petrus in eine Situation geführt, die er sich nicht ausgesucht hat. Petrus wohnte damals in einem Haus in Cäsarea. Da wäre auch schon nicht jeder gerne hingegangen. Es roch nämlich nicht nach Parfüm. Sein Gastgeber war Gerber. Bei den Gerbern roch es nicht gut. Aber Petrus machte das offenbar nichts aus. Offenbar hatte er ein sehr weites Herz, oder eine schlechte Nase. Das Verfahren erscheint uns sehr kompliziert, wie Petrus dazu überredet wurde, zu einem römischen Hauptmann mitzugehen. Natürlich war das kein Zufall. Der auferstandene Herr hat das in die Wege geleitet. Dann kam er in das Haus dieses Kornelius. Petrus wird sich wohl komisch gefühlt haben, vielleicht so, wie wenn wir das erst Mal in ein Gefängnis kommen. Er war in einer inneren Hab-Acht-Stellung: Petrus! Pass bloß auf, dass du in nichts Dummes hineinkommst. Aber als er merkte, dass da viele Leute auf das Evangelium warteten, war sich Petrus sicher: Das ist von Gott. Was Petrus dann zu den Versammelten sagte, ist der heutige
Predigttext Es ist nicht einfach, über seinen Schatten zu springen. Auch für Petrus war das nicht einfach. Oder sogar noch mehr: Ein Tabu-Bruch. Eine Grenze zu überschreiten, die er für gottgegeben hielt. Etwas zu tun, was gegen seine ganze fromme Erziehung war. Nun erkannte er: Gott ist kein Stammesgott und Jesus auch nicht. Sondern der auferstandene Herr wirkt in allen Völkern. Die Veranstaltung war nach unseren heutigen Begriffen eher trocken. Es gab kein Rahmenprogramm, keinen Posaunenchor, keine Gitarrenspieler, nicht einmal ein Harmonium. Es gab auch kein Anspiel, keine Hinführung - nichts. Staubtrocken. Wenn ich daran denke, was bei unseren Versammlungen und Gottesdiensten oft für ein Aufwand getrieben wird! Wir wollen im Juni mit einem monatlichen Zweitgottesdienst anfangen und haben jetzt schon einige Vorbereitungsabende gemacht. Wie viele Leute haben sich da Gedanken gemacht, und wie viele werden dann auch nachher bei der Durchführung gebraucht! Und Petrus stellt sich einfach hin und erzählt, was da mit Jesus geschehen ist. Er legt einfach los. Er musste sich sicher nicht erst vorbereiten. Sagen wir: Es war seine Standard-Predigt. Die hatte er so oder so ähnlich wohl schon x-mal an anderen Stellen gehalten. Und alle wollen hören und sind aufmerksam. Natürlich war das eine Sondersituation und deswegen nicht wiederholbar. Wenn Gott die Menschen vorbereitet und alle darauf warten, dass es nun um ihn geht, dann braucht's nicht mehr. Vielleicht ist das auch unsere Not, dass wir das alles schon wissen, dass wir es schon hundertmal gehört haben. Und wir merken deshalb das Ungeheure nicht mehr: Jesus war tot, wirklich tot. Und jetzt lebt er. Nicht nur in der Erinnerung, nicht nur in der Weise, wie man einen verdienstvollen Menschen nach seinem Tode ehrt: "Wir werden ihn in ehrendem Gedenken erhalten." Sondern so: Er lebt wirklich und er wirkt und handelt, mehr als vorher, wo er als Wanderprediger durch Galiläa und Judäa ging. Seine Herrschaft ist nicht nur auf die Gegenwart beschränkt. Sondern er wird einmal der Richter über Lebende und Tote sein. Darum gilt diese Nachricht jetzt allen Menschen, in allen Ländern, in allen Sprachen, in allen sozialen Schichten. Diese Nachricht gilt auch in jede beliebige religiöse Umgebung. Es ist also nicht so, dass Petrus sich gesagt hätte: "Aber lieber Herr, warum soll ich denn denen von deiner Auferstehung erzählen. Die haben doch den Kaiserkult! Wenn die damit zufrieden sind, dann soll man sie doch in Ruhe lassen." Nein! Jesus will nicht, dass die Leute bei ihren Kulten bleiben; weder damals noch heute. Nur in einem ist die Rettung, in Jesus. Alle sollen die Nachricht von der Rettung erfahren. Niemand ist ausgeschlossen. Alle, das sind die Menschen mit irgendeiner Naturreligion genauso wie die Anhänger einer Hochreligion: Muslime, Buddhisten und Juden. Nicht die Ausbreitung mit Gewalt, sondern nur durch Weitersagen. Das war der große Durchbruch, den damals Petrus begriffen hat. Die andern Apostel in Jerusalem waren übrigens nicht sofort damit einverstanden. Auch sie mussten erst noch begreifen, wie umfassend das Heil ist, das Jesus gebracht hat. Alle, die an ihn glauben, bekommen Vergebung und werden vor Gott gerecht. Kornelius und die anderen Zuhörer, die zuvor Heiden gewesen waren, ließen sich taufen zum Zeichen dafür, dass sie zu Jesus gehörten. Das wird im Anschluss an den heutigen Predigttext berichtet. Die Taufe war überall das Zeichen, wenn jemand an Jesus gläubig geworden war. Wenn heute Kinder getauft wurden und in unserer Gemeinde auch
sonst getauft werden, dann hängt das schon auch mit der Herrschaft Jesu zusammen. Aber
die Situation ist dennoch verändert. Eine Taufe an Kindern heißt nicht, dass sie nun zum
Glauben gekommen wären. Ihr Glaube muss später nachkommen. Erst dann ist ihre Taufe
sozusagen in Kraft getreten. Und darum haben die Eltern eine große Verantwortung, ihren
Kindern diese Nachricht von Jesus weiterzugeben. (Pfr. Dr. K. Knauß)
|
|
|