Gottesdienst am Ostersonntag, 31. März 2002, in Wilhelmsdorf um 9.30 Uhr, Predigt über 1. Korinther 15, 19-28 - Pfr. K. Knauß

Am Osterfest feiern wir, dass Jesus auferstanden ist. Seine Auferstehung hat unser Leben neu gemacht.

Aber nun sollen wir in Gedanken auf einen anderen Zug aufspringen. Denn ausgerechnet heute wird uns eine absurde Vorstellung zugemutet. Nämlich die Vorstellung, Jesus wäre der einzige gewesen, dem die Auferstehung zuteil wurde. Das mit Jesus, ja, das würde alles stimmen: Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung auferstanden und jetzt bei seinem Vater. Ja, das wäre alles wahr.

Aber dann, dann wäre Gott gewissermaßen die Luft ausgegangen, oder er wäre am Ziel seiner Pläne gewesen. Dann hätte er sozusagen mit dem Tod einen Vergleich gemacht und Frieden geschlossen und hätte gesagt: Und die anderen alle, die kannst du behalten! Die sollen in den Gräbern bleiben. Wenn das so wäre, dann wäre das Leben überhaupt nur für das Diesseits.

In der Gemeinde in Korinth gab es Leute, die so ähnlich gedacht haben. Sie meinten, die Auferstehung Jesu sei eine Ausnahmeerscheinung. Oder vielleicht meinten sie sogar noch radikaler: Eine Auferstehung ist überhaupt nicht möglich.

Mit dem heutigen Predigttext hören wir, was Paulus dem entgegnet hat (1. Korinther 15, 19-28)

19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm "alle Feinde unter seine Füße legt".
26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
27 Denn "alles hat er unter seine Füße getan". Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.
28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Vor wenigen Tagen habe ich bei der Bank einen Scheck zur Gutschrift eingereicht. Es ging nur um eine kleinere Summe, nur so etwa 60 Euro. Meine Frau hatte sich das verdient durch einen kleinen Beitrag zu einem Buch bei einem angesehenen Verlag. Nun kam in der letzten Woche eine Rückforderung mitsamt der Forderung von Bankgebühren über 10 Euro. Das Geld konnte nicht gutgeschrieben werden, weil der Verlag den Konkurs angemeldet hatte. Eine solche Summe ist zu verschmerzen. Aber wir haben uns natürlich nicht gefreut.

Bei der Auferstehung geht es um mehr. Wenn wir auf die Auferstehung setzen, geht dann die Rechnung auf? Ist Gottes Konto gedeckt? Und da geht es um Jahrzehnte des Lebens! Da geht es um den Sinn unseres Lebens überhaupt. Die Auferstehung ist kein Streit um Kaisers Bart. Ob sie stimmt oder nicht stimmt, das entscheidet über alles oder nichts.

Ohne Auferstehung würde uns unser Glaube an Jesus Christus überhaupt nichts nützen. Es wäre kein Unterschied zwischen Heiden, Atheisten und Christen. Ja schlimmer noch: Wir wären dümmer dran als die anderen, denn wir hätten unser Leben auf falschen Voraussetzungen aufgebaut.

Eigentlich ist hier weniger nach der Auferstehung Jesu Christi gefragt, sondern nach unserer eigenen. Es geht um die Frage, ob eine Auferstehung überhaupt möglich ist. Es gab also welche, die meinten etwa so, dass unser Glaube bereits die Auferstehung sei. Aber Paulus weist ihnen nach, dass sie dann konsequenterweise auch die Auferstehung Jesu bezweifeln müssten, weil unsere Auferstehung und die Auferstehung Jesu Christi untrennbar zusammengehören.

Nun will ich den Text in seinen 3 Etappen nachvollziehen.
1. Christus, der Erstling der Auferstehung
2. Danach die, die Christus angehören.
3. Danach das Ende
4. Christus, der Erstling der Auferstehung

Wie einen endgültigen Triumph ruft es Paulus aus: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind! In einer langen Kette von Zeugen hat Paulus sich selbst als den letzten aufgeführt. Aber niemand bezweifelte das, was er bezeugt hatte. Außer ihm gab es ja noch sehr viele Zeugen; und außerdem hatten sie ja die Macht Jesu erlebt durch die Taten, die unter ihnen geschehen waren. Die Korinther waren von uns her gesehen beneidenswert nahe dran. Sie konnten die Menschen noch direkt fragen, die Jesus als Auferstandenen erlebt hatten. Und doch brachte ihnen das keinen Vorteil ein. Sie haben sich in Spekulationen verirrt. Man kann nahe dran sein und doch in die Irre gehen.

So dumme Meinungen wird heute kaum mehr jemand vertreten: Jesus sei zwar auferstanden, aber wir würden trotzdem nicht auferstehen. Da haben wir schon klarere Verhältnisse: Entweder ist Jesus Christus auferstanden, dann können wir ihm auch darin nachfolgen, oder er ist nicht auferstanden, dann wird es auch bei uns nicht gehen. So kann man es auf den Punkt bringen.

Aber überheben wir uns nicht zu schnell über die komische Logik der Korinther damals. Ein ähnlicher Vorwurf könnte auch uns treffen. Viele in unserer Gesellschaft glauben, dass Jesus auferstanden ist und dass auch wir auferstehen. Doch in ihrem Leben verhalten sie sich so, als ob das nicht so wäre. Sie haben ein christliches Herz und einen heidnischen Kopf, heidnische Hände und Füße.

Und darum ist jeder persönlich gefragt: Glaube ich wirklich an den Auferstanden, oder ist das nur eine hilfreiche Theorie, um den Gedanken an den Tod zu verdrängen?

Merkt man das in meinem Leben, dass ich an den Auferstandenen glaube? und dass ich auf die Auferstehung zulebe?

Wenn sich das wirklich in unserem Leben auswirken würde, dann würde man unsere Gesellschaft nicht wiedererkennen. Dann würde unser Familienleben anders aussehen. Wir könnten in großer Kraft einander liebhaben und unsere Eigenarten ertragen. Wir würden einander stärken und aufbauen. Doch wir beobachten anderes: dass auch unter Christen eine große Ichsucht um sich greift, nach dem geheimen Motto. "Wenn ich nicht meine Erfüllung finde, dann mache ich das nicht mehr mit!"

Wer aber aus der Kraft der Auferstehung lebt, für den sind die feindlichen Mächte schon entmachtet, die Gottes Werk zerstören wollen.

Darum wird uns die Welt nicht abnehmen, dass wir an den Auferstandenen Herrn glauben, wenn es in unserem Eheleben und in unseren Arbeitsverhältnissen genauso aussieht wie anderswo auch. Da, wo wir leben, muss es sich zeigen, dass ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt werden. Denn das gilt nicht für das Weltall, sondern hier in unserem realen und wirklichen Leben. Einer der wichtigsten Beiträge zur Mission ist darum, dass das Leben geordnet wird.

Jesus hat angefangen: Seine Auferstehung war ein Angriff gegen alle widergöttlichen Mächte. Sie sind bereits geschlagen. Es steht nur noch aus, dass das vor aller Augen sichtbar wird. Was die Mächte nun noch gegen Gott unternehmen, sind gewissermaßen Rückzugsgefechte.

Und wenn wir solche Rückzugsgefechte erleben, dann sollen wir daran denken, dass es kein leichtfertiges Spiel ist. Die Feinde Gottes wollen sich nicht so leicht geschlagen geben. Sie sind in unserem persönlichen Leben und in der Geschichte am Werk.

Von dem römischen Kaiser Julian dem Abtrünnigen (331-363 n.Chr.) ist z.B. bekannt, dass er seine ganze Macht einsetzte, um die Kirche Jesu Christi zu verfolgen und zu verdrängen und das Heidentum zu erneuern. Er entfernte die Christen aus dem Staatsdienst, ließ die heidnischen Tempel wiederherstellen und schloss sogar durch ein Schulgesetz die Kinder christlicher Familien vom öffentlichen Schulbesuch aus. Das war etwa 2 Generationen nach der Konstantinischen Wende. Es kam zu einem Aufruhr und zu blutigen Kämpfen, und schließlich soll der Kaiser eine Christenverfolgung geplant haben, so grausam wie einst Nero. Doch da setzt Gott diesem Wahn eine Grenze. Julian fällt im Krieg gegen die Perser. Während er dann im Sterben lag, so wird berichtet, habe er ausgerufen: "So hast du doch gesiegt, Galiläer!"

5. Etappe der Auferstehung: Danach die, die Christus angehören
Diejenigen, die im Glauben an Jesus festgehalten haben, werden zum ewigen Leben auferstehen. Sie sind von ihm gerechtgemacht und dürfen bei Gott sein für immer. Das ist kein Naturgesetz, sondern das hängt mit unserem Verhältnis zu unserem Herrn zusammen.

Wir singen in dem Osterlied "Auf auf mein Herz mit Freuden", das wir vorher angefangen haben, nachher den Vers, wo es heißt. "Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit..." D.h. ich bin mit ihm verbunden wie die verschiedenen Teile eines Körpers auch verbunden sind. Weil er, unser Haupt, auferstanden ist, deshalb werden wir auch nachfolgen.

6. Etappe: Danach das Ende
Dieses Ende ist dadurch geprägt, dass er alle seine Feinde beseitigt hat. Das ist ein Zitat aus Psalm 110. Jesus hat sich bekanntlich auf diesen Psalm bezogen und den Schriftgelehrten ein schweres Rätsel aufgegeben. Er hat dabei die Frage gestellt, wer der Davidssohn sei und warum David ihn seinen Herrn nenne. Kein Zweifel: Jesus hat sich als den gesehen, von dem in diesem Psalm die Rede ist. Also die Feinde unseres Herrn Jesus Christus, die zugleich Gottes Feinde sind, werden dann überwunden sein.

Wer sind diese Feinde? Es können wohl der Antichrist und seine Vorläufer gemeint sein, also auch Menschen, aber vor allem widerstrebende himmlische Mächte, d.h. Dämonen. Die Dämonen sind die Götter der Heiden, die gegen die Wahrheit Gottes auftreten (vgl. Strack-Billerbeck, Komm. z. NT, München 19756, Bd. IV.1 S501 und S527). Es geht darum, wer die Macht hat über die Menschen und über die Geschichte und die Natur. Gott ist derjenige, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden. Und er will diese Macht nicht mit den Geistesmächten teilen, die von ihm abgefallen sind. Er will endgültig herrschen.

Die Auferstehung mit ihren Folgen löst also die Machtfrage. Nicht nur wir sollen bei Gott sein allezeit, sondern Gott will den ursprünglichen Schöpfungswillen durchführen. Die ganze Rebellion, die gegen ihn stattgefunden hat, soll überwunden sein.

Schauen wir danach, dass wir ihm schon hier in unserem Leben alle Macht einräumen.

Aber freuen wir uns: Die Machtfrage ist schon gelöst, weil unser Herr, Jesus Christus, auferstanden ist. Amen!

(Pfr. Dr. K. Knauß)


 

 

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