Predigt vom  20.1.2002 im Betsaal Wilhelmsdorf   - Martin Damm

Liebe Brüder und Schwestern:

Geht Ihnen das auch so? Wenn ich von Etwas wirklich überzeugt bin, ja geradezu begeistert bin, dann muß ich das irgendwie an Freunde und Bekannte weiter geben; ich finde immer: das müssen die doch wissen! Wenn z.B. diese oder jene Firma wirklich gute Ware zu fairem Preis liefert, das muss ich das doch weiter sagen! Das drückt mir dann sozusagen aus den Knopflöchern!

So ähnlich muss es dem Petrus gegangen sein, dem vermutlichen Schreiber dieses zweiten Petrusbriefes - der war begeistert von JESUS!

Vielleicht, weil er IHN ja persönlich erlebt hat!

Und diese Begeisterung des Petrus zieht sich ja durch einen großen Teil des Neuen Testaments, habe ich beim Vorbereiten auf diese Predigt gemerkt, ja man sagen, dass Petrus sozusagen eine Schlüsselfigur im Neuen Testament ist!

Petrus? Richtig: das war doch dieser "Sponti" unter den ersten Nachfolgern Jesu, den Jüngern!

Petrus war einer der allerersten gewesen, die Jesus kennen gelernt hatten; und zwar bei der Arbeit: beim Flicken von Netzen.

Jesus hatte ihn dann ja darum gebeten, sein Boot quasi als Kanzel fürs Predigen benutzen zu dürfen ( in einem Boot stehend einen Steinwurf vom Ufer entfernt, wirkt die Wasseroberfläche wie ein Verstärker, indem sie den Schall des gesprochenen Wortes reflektiert ), und Petrus war damit einverstanden gewesen.

Und dann hatte er Jesus noch ein bißchen mehr vertraut: er war auf dessen Aufforderung hin am hellichten Tag Fischen gefahren, obwohl seine Berufserfahrung wohl total dagegen sprach: nur nachts war diese Arbeit erfolgreich - und das auch nicht immer!

Dabei hat er dann wohl gemerkt, dass er diesem Jesus durchaus vertrauen konnte: er fing so viele Fische, dass die Netze zu reißen drohten und er sogar seine Kollegen zu Hilfe rufen musste.

Und dann hat er Jesus noch mehr vertraut: er hat alles stehen und liegen gelassen und ist mit Jesus gegangen. Er hat damit seinen Broterwerb verlassen, seine Existenzgrundlage sozusagen, ohne zu wissen, wohin, wie lange, warum: das einfache Vertrauen genügte ihm. ( nachzulesen in Lukas 5 ).

Petrus war also einer der allerersten "Gläubigen" im wahrsten Sinne des Wortes: er vertraute Jesus in allem und total. Und das hatte Konsequenzen für sein weiteres Leben!
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Petrus, das war auch der, der dann auf dem See Genezareth auf der Wasseroberfläche gegangen war und der dann doch Angst bekam vor der eigenen Courage und der dann unterzugehen drohte.

Ich wäre da jetzt vorsichtig mit schnellen Urteilen von wegen kleingläubig und so...! Denn so wie ich mich kenne, wäre ich hübsch sitzen geblieben im Boot, ich wäre erst gar nicht auf's Wasser gegangen.

Petrus, das war auch der, der unmittelbar vor der Gefangennahme von Jesus einem Soldaten ein Ohr abschlug: Schwert raus und drein geschlagen! Ratz - fatz!

Und der dann im Garten Getsemane hoch und heilig versprach, er werde Jesus nie verlassen, egal was passiert, auch wenn alle Anderen das tun sollten.

Nur Stunden später passierte genau das Gegenteil, und das auch noch gleich dreimal hintereinander: als ihn eine Magd fragte, ob er denn nicht auch zu Jesus gehört hätte, stritt er alles ab ( Lukas 22, 54 ff ).
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Ich vermute der Petrus, das war eben so einer, mit dem so dann und wann einfach sein Temperament durchging, der erst aus Begeisterung heraus spontan handelte und erst später kam die Ratio dazu und "bremste" sozusagen seine Spontaneität. Manchmal eben erst dann, wenn es schon zu spät war.

Sind Sie auch so jemand? Ich beneide ja solche Menschen immer ein wenig, ein bißchen was von denen hätte ich nicht ungern. Obwohl das ja eben auch seine Nachteile hat: man verspricht schnell mehr, als man halten kann. Oder man tut spontan Dinge, die einem nachher leid tun. Aber Gott kann und will solche Menschen offensichtlich gebrauchen - auch nach dem einen oder anderen "Schnitzer". Denn Petrus war auch der, von dem Jesus später gesagt hat, dass er auf diesen Felsen seine Gemeinde bauen will - eben der, der ihn drei mal verraten hatte.

Wenn man das Leben des Petrus weiter betrachtet, kommt man an Pfingsten nicht vorbei. Petrus war dabei, als Jesus nach seiner Auferstehung wieder zum Himmel auffuhr.

Und er gehörte zu denen, die "stets einmütig beieinander waren im Gebet" und die so auf etwas warteten, das sie sich zwar absolut nicht vorstellen konnten, das Jesus ihnen aber angekündigt hatte, bevor er sie verließ: "die Kraft des Heiligen Geistes, die auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein..." Sie vertrauten IHM - also warteten sie (Apg. 1), auf was auch immer...

Und genau das erlebten sie dann an Pfingsten, als sie alle beieinander waren (Apg. 2): plötzliches Brausen vom Himmel, feurige Zungen auf den Köpfen und "sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen."(Vers 4).

Und dann folgte die Pfingstpredigt von - Sie ahnen es schon - eben dem Petrus! Und wie der plötzlich predigen konnte! Ich lese mal ein wenig daraus vor ( ab Vers 14 ):

Hört her, ihr jüdischen Männer und ihr Einwohner von Jerusalem: ich will Euch erklären, was hier geschieht. Diese Männer sind nicht betrunken, wie Einige von euch meinen, es ist ja erst neun Uhr morgens! Nein, hier erfüllt sich, was der Prophet Joel voraus gesagt hat ( Joel 3, 1 - 5). Bei ihm heißt es: "In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich alle Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingabe reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben und sie werden in meinem Auftrag reden."

Ende des Zitats aus dem Propheten Joel. Doch Petrus war noch lange nicht fertig...

Vers 22: Hört her, ihr Männer Israels! Wie ihr alle wißt, hat Jesus von Nazareth in Gottes Auftrag mitten unter euch viele mächtige Taten, Zeichen und Wunder gewirkt. Gott selbst hat es also durch ihn getan. Aber Jesus wurde durch Verrat an euch ausgeliefert, und ihr habt ihn mit Hilfe der ungläubigen Römer ans Kreuz genagelt und umgebracht. Doch genau so war es von Gott vorausbestimmt."

Und weiter in Vers 32: "Diesen Jesus hat Gott von den Toten auferweckt. Das können wir alle bezeugen. Nun hat Gott ihn zum Herrscher eingesetzt. ER empfing vom Vater den Heiligen Geist und gab ihn uns, wie es vorausgesagt war. Ihr seht und hört jetzt selbst, dass es in Erfüllung gegangen ist..."

Vers 36: "Gott hat Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Retter gemacht."

Diese Predigt hatte Folgen bei den Anwesenden: etwa 3000 begannen ebenfalls an Gott zu glauben und ließen sich - als äußeres Zeichen dafür - öffentlich taufen. 3000!

Petrus hatte in seinem Leben gemerkt: auf die ur-alten, prophetischen Worte konnte man sich 100%tig verlassen! Was da im Alten Testament seit Jahrhunderten aufgezeichnet war, wurde Wirklichkeit!

Warum stelle ich Ihnen den Petrus so ausführlich vor? Weil ich denke, es immer gut, wenn man den Schreiber eines Briefes kennt. Denn dieser Petrus war es wohl, der die beiden Petrusbriefe geschrieben hat. Wohl nicht lange vor seinem Tode, 60 bis 70 n.Chr., aus der Gefangenschaft in Rom .

An wen, ist unklar; möglicherweise handelte es sich auch um zwei Rundbriefe ( so was gab's damals also auch schon...) an die zu dieser Zeit bestehenden, dem Petrus bekannten, meist von Paulus gegründeten Gemeinden.

Und warum schrieb Petrus an die Gemeinden? Ich meine: was war eigentlich sein Anliegen, worum ging's ihm eigentlich, was wollte den damaligen Christen sagen?

Speziell mit diesem zweiten Brief wollte er wohl warnen vor Irrlehrern und Spöttern; in ihnen sah er auch eine Gefahr für die jungen Gemeinden. Dabei betonte er besonders das Wort Gottes und die Erfüllung göttlicher Verheißungen.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, dass er sich genau auf die Pfingstpredigt bezieht, wenn er sagt

"Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kund getan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus."

Sorry, das haben wir uns nicht irgendwann in einer schlaflosen Nacht ausgedacht; Und das ist auch nicht "auf unserem Mist gewachsen"!

Er möchte sich sozusagen legitimieren: wie kommt er als einfacher Fischer eigentlich dazu, andere geistlich zu belehren? Bloß weil er Jesus mal in seinem Boot hat predigen lassen??

Aber er beruft sich einfach auf das, was er erlebt hat mit Jesus!

Und auf verschiedene Propheten, weil er das in Verbindung bringt mit dem von ihm Erlebten. Das ist auch in so fern erstaunlich, als er die Propheten allenfalls vom Vorgelesen bekommen kennen konnte, denn lesen konnte er sicher nicht. Er war Fischer, wie gesagt, nicht einer der damaligen Theologen, der Schriftgelehrten. Und trotzdem kannte der sich aus im Alten Testament! Ich glaube: auch das war eine Auswirkung des Heiligen Geistes; GOTT gebrauchte jetzt den Petrus, um durch ihn zu den Menschen zu sprechen.

Der "Heilige Geist" - das ist eben nicht irgend so eine spinnerte Vorstellung von ein paar Superfrommen - sondern eine sehr konkret erfahrbare Kraft in ansonsten ganz normalen Menschen.

Ich habe ja früher kirchliche Jugendarbeit im Hunsrück gemacht. Wenn ich Jugendlichen erklären wollte, was der Heilige Geist ist, dann habe ich eine Plastikschüssel mit Wasser gefüllt, kleine Segelboote aus Holz darauf gesetzt und sie blasen lassen. So wie sie durch ihr blasen den Booten Richtung und Kraft gaben, so erleben Menschen das Wirken des Heiligen Geistes in Ihrem Leben: er gibt ihnen Richtung und Kraft. Das hat der Petrus so erlebt und viele Menschen nach ihm - bis auf den heutigen Tag!

Der Heilige Geist - das ist Gottes Kraft in dieser Welt!

Zur Verfügung stehend für alle Frauen und Männer in dieser Welt, die wie der Petrus anfangen ( bzw. angefangen haben ), Jesus Christus ganz einfach zu vertrauen, sprich: zu glauben. Jeder kann GOTT im Gebet ganz einfach darum bitten.

Aber noch mal zurück zu Petrus. Der liefert hier eine Bestätigung, sozusagen "von höchster Stelle", wenn er sagt: Wir waren dabei, als Gottes Stimme höchstpersönlich in Bezug auf diesen Jesus sagte "Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe"! ( Lukas 5, 35 )

Das war ja nicht irgendwer, der das gesagt hatte, das war GOTT selbst, der hier die Bestätigung dafür gab, das Jesus Gottes Sohn war bzw. ist.

Petrus sagt: wir waren dabei, wir haben das mit eigenen Ohren gehört!

Dabei muss klar sein: dem Petrus geht es nicht darum, sich selber hier als "tollen Hecht" zu verkaufen; dem Petrus geht es um Jesus Christus selbst.

Eben weil er ihn erfahren und erlebt hat - ausprobiert hat sozusagen, und er ist einfach begeistert von Jesus - im doppelten Sinne des Wortes!

Deshalb kann er nicht schweigen, er muß ausdrücken, was ihn so sehr bewegt - oder soll ich lieber sagen: WER ihn so sehr bewegt?

Manchmal frage ich mich, wo ist bei uns eigentlich die Begeisterung geblieben für diesen Jesus?

Petrus ahnte vielleicht zumindest, daß er nicht mehr lange würde zu leben haben, deshalb wollte er den Gemeinden Mut machen mit diesem Brief und ihnen etwas an die Hand geben über seinen Tod hinaus, das ihnen auch künftig erhalten und sie vor Gefahren bewahren sollte. Z.B. von den Gefahren, die von sog. Irrlehrern ausgehen könnten.

Und deshalb verweist er auf das "prophetische Wort" und rät ihnen, sich daran unbedingt zu orientieren "als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen."

Vereinfacht gesagt: ihr wisst ja, wo ihr Licht findet, falls es dunkel werden sollte...: Bei den Propheten!

Schon in seiner Pfingstpredigt hat er ja einige davon zitiert.

Und er schlägt hier den Bogen von den Propheten im Alten Testament über Jesus, den die ja lang vorher angekündigt hatten bis hinein in die Zukunft.

Jesus, sein Leben, Sterben und Auferstehen hatten die Propheten angekündigt. Vorhergesagt wie Sven Wettervogel das Wetter für den nächsten Tag.

Aber nicht nur das. In der Bibel steht ja auch Einiges darüber, was die Zukunft noch bringen wird. Zum einen Dinge, die ich als Christ nicht gerade mit freudiger Erwartung lese: Kriege, Katastrophen, Hungersnöte.

Aber eben auch: das Jesus wieder kommen wird, für alle und jeden sichtbar. Die ersten Wilhelmsdorfer haben damit ja noch sehr konkret gerechnet, als sie die Häuser sehr einfach bauten mit der Begründung, die brauchten ja sowieso nicht lange zu halten, weil Jesus doch bald wieder käme.

Liebe Schwestern und Brüder: rechnen wir eigentlich noch damit? Oder halten wir das für Märchen und Fabeln von gestern??

Ich denke die Gefahr der Irrlehrer besteht auch heute, und Petrus gibt auch uns hier den heißen Tip, wie wir uns davor schützen können: indem wir immer wieder nachlesen und nachschauen, was die Propheten voraus gesagt haben, auch für unsere Zeit heute.

Wobei wir da ja noch etwas besser dran sind: wir haben nicht nur die alten Propheten und das Alte Testament; wir haben obendrein auch noch das Neue Testament.

Das setzt allerdings voraus, das wir darin auch lesen, je mehr um so besser! Irgendwo steht doch auch in der Bibel: laßt das Wort reichlich wohnen unter Euch! Wohnen heißt doch: auch im Alltag um Euch sein!

Ich staune immer wieder mal darüber, dass ich für alles Mögliche Zeit finde, bloß nicht für das Lesen in der Bibel! Und wenn, dann schellt ausgerechnet das Telefon, und der Anruf ist natürlich ganz wichtig!

Mehr und öfter Lesen in der Bibel; sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Nicht, weil wir dann bessere Menschen sind oder wären. Sondern weil wir Licht brauchen in der Dunkelheit dieser Welt - bis der "Morgenstern aufgeht in unseren Herzen"!

Wobei wir heute vielleicht eher das Problem haben, das unsere Welt so hell erleuchtet ist von so vielen bunten und grellen Lichtern, das wir das Licht der Bibel gar nicht mehr wahr nehmen.

Petrus wollte die Gemeinden erinnern an dieses Licht...

AMEN.

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Gebet ( n. d. Predigt) :

Lieber Herr Jesus Christus, wir möchten Dich heute morgen bitten um Deinen Heiligen Geist, denn ohne ihn tappen wir im Dunkeln. Wir brauchen dringend Dein Licht in einer Welt, in der es immer dunkler wird. Wir brauchen Deine Orientierung und Deine Klarheit. Bitte gib uns, was wir brauchen. Und versage uns, was uns ablenkt und abbringt von Dir und von Deinem Wort. Bitte segne uns, die Brüdergemeinde Wilhelmsdorf mit Deinem Heiligen Geist. Wir sind darauf angewiesen. Denn ohne Dich können wir nichts tun.

Segne aber jetzt auch alle Schwestern und Brüder in der ganzen Welt.

Danke, dass Du auch heute Deinen Geist noch gibst.

Wir beten gemeinsam_

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, so auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit.

Amen.

 

 

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