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Predigt am Sonntag, 3. Advent, 16. Dezember 2001 - Pfr. K.
Knauß
Mit einem gewissen Neid sprechen manche heute noch von dem alten
König
Krösus und seinem sagenhaften Reichtum. Er soll einer der reichsten
Herrscher des Altertums gewesen sein, der fast die ganze Westhälfte der
heutigen Türkei beherrschte, das damals mächtige lydische Reich. Sein
Reichtum stammte von den Tributzahlungen der unterworfenen Städte und aus
Gold, das aus einem Fluss und aus Bergwerken gewonnen wurde, ferner von
Handel. Hier wurde das Geld als Goldmünze erfunden. "Der ist ein Krösus",
sagt man heute noch, wenn jemand mit seinem Besitz prahlt. Krösus war aus
Sardes. Das lag zu neutestamentlicher Zeit zwar schon gut 600 Jahre zurück,
aber man wusste noch von der Zeit des einstigen Ruhmes und Glanzes.
Um die christliche Gemeinde aus Sardes geht es heute. Einer von den Briefen,
die der Seher Johannes am Anfang der Offenbarung im Auftrag des erhöhten
Herrn schrieb, ist an diese Gemeinde gerichtet.
Offenbarung 3,1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der
die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke:
Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.
2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine
Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.
3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest
und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein
Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen
werde.
4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die
werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert.
5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich
werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will
seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.
6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
Aus der Antike ist uns der Brauch überliefert: In den Städten wurde ein Buch
geführt, in dem alle Bürger aufgeführt waren. Man hat also damals schon
Listen gehabt ähnlich wie heute auf dem Einwohnermeldeamt auch - Listen aber
nur für die, die Bürgerrecht hatten. Wenn jemand starb oder wenn er sich
gegen den Staat verging, wurde sein Name ausradiert. Er gehörte nicht mehr
dazu.
Vielleicht spielte Jesus auf diesen Brauch an, wenn er zusagt: Die Namen der
Menschen, die mir treu bleiben, werde ich gewiss nicht ausradieren aus dem
Buch des Lebens. Sie sind solche, deren Bürgerrecht in der Welt Gottes nicht
gekündigt wird.
Uns heute scheint das ja gleichgültig, ob ich in Stuttgart oder in
Wilhelmsdorf den 1. Wohnsitz habe oder vielleicht gar in Australien. Wenn es
nur ums Essen und Trinken und Geldverdienen geht, ist das ja auch
unwesentlich. Das kann ich überall. Einen prinzipiellen Verlust von Rechten
können wir uns nur schwer vorstellen, weil es heute allgemeine
Menschenrechte gibt. Aber wer im Altertum kein Bürgerrecht hatte, war ein
Mensch zweiter oder dritter Klasse, praktisch ohne Rechte.
Nun ist es nicht nebensächlich, ob ich im Buch des Lebens geschrieben bin
oder nicht. Ob Jesus dann einmal sagt: Dich kenne ich! Oder ob er sagt: Du
kommst hier nicht vor. Das macht uns zu Menschen, dass wir unser Leben vor
Gott sehen und dass er Gemeinschaft mit uns haben will. Das ist unser
höchster Wert, den wir um alles in der Welt nicht verlieren dürfen.
Es greift mir tief an die Seele, wenn Menschen sagen können: "Gott wird mir
schon gnädig sein!" und dann weiterleben, als wäre nichts gewesen.
Wir kennen nur wenig von der Gemeinde in Sardes. Aber es könnte auch
irgendeine heutige Gemeinde sein, von der auch die anderen mit Hochachtung
sprechen. Und doch ist nicht vieles echt. Fassade. Außen hui und innen pfui!
Was erwartet Jesus von seiner Gemeinde? Echtheit, Wachheit, Rettungswillen
Was erwartet Jesus von seiner Gemeinde? Echtheit
Zwei Männer sind in Florenz und jagen anhand eines Reiseführers von einer
Sehenswürdigkeit zur anderen. Schließlich sagt der eine, der das Buch hat:
"Wir haben nur noch einen Tag, wir werden nicht fertig. Jetzt teilen wir die
Arbeit ein: Ich lese und du guckst..."
Ist's vielleicht nur äußerlicher Betrieb. Jesus schaut auf die Gemeinde und
weiß, was los ist. Ihm kann man nichts vormachen. Er sieht, was in der
Gemeinde wirklich geschieht.
Ich kenne deine Werke: Es klingt danach, die hätten einiges vorzuweisen.
Vielleicht haben sie Hungrigen zu essen gegen, Kranke und Gefangene besucht,
vielleicht sind sie gastfrei gewesen. Und es scheint sogar so vorbildlich,
dass sich andere ein Stück davon abschneiden könnten. Doch das ist es auch
gar nicht, was der erhöhte Herr kritisiert. Vom Äußeren her ist's in
Ordnung. Sie ist lebendig und aktiv. Und dennoch fehlt das Entscheidende.
Jesus erwartet, dass wir uns nichts vormachen. Wo nur viel getan wird, weil
man das halt so von uns erwartet, da verpufft es und erreicht weder unser
Herz noch das der anderen. Wie vieles ist in den Gemeinden der Christen
einfach nur: Man hält ein Rad an der Bewegung, damit es sich dreht. Und es
muss sich drehen, weil es sich schon so lange gedreht hat. Aktivität als
Selbstzweck. Geben, geben, geben!
- Denke, wie du empfangen und gehört hast. Haben sie etwa vergessen, dass
sie von Jesus beschenkt wurden, dass er der Geber und sie die Empfänger
sind. Haben sie vergessen, dass sie damals davon erfasst wurden: Jesus hat
mich aus meiner Verlorenheit gerettet. Er ist für mich gestorben und hat um
meinetwillen so viel Leid auf sich genommen. Und er ist auferstanden und
lebt und will mein Herr sein! Ich darf Gemeinschaft mit Gott haben, obwohl
ich's ja von mir aus gar nicht verdient hätte. Das hat doch ihr Leben
neugemacht und fuhr in sie hinein wie der Blitz.
Echtheit - echtes Leben aus ihm. Das soll man spüren und merken, dass unsere
Kraftquellen bei ihm sind. Jesus will, dass wir auf ihn hören, von seinen
Gaben leben, mit ihm reden, ihn liebhaben... Kurz: Er will ein Leben aus der
Verbindung mit ihm.
Was erwartet Jesus von seiner Gemeinde? Wachheit
Nichts ist so einschläfernd wie der bloße Ruf: "Werde wach!" Denn man weiß
nicht, warum man aufwachen soll. Aber wenn einer ruft: "Aufwachen! In 10
Minuten fährt dein Bus ab." Da fährt der Angesprochene auf wie von der
Tarantel gestochen. Denn das Ziel ist klar.
Es hat einen Sinn, warum Jesus die Gemeinde aufwecken will. Es geht um's
ewige Leben.
Bitte? Könnten da vielleicht manche fragen. Das ist doch eine christliche
Gemeinde und die sind doch getauft! Und die glauben sogar wirklich, dass
Jesus am Kreuz gestorben ist und dass er auferstanden ist und lebt. Wie
sollte denen das ewige Leben verweigert werden?
Jesus hat verschiedene Gleichnisse erzählt, die ausdrücklich vor dem
Einschlafen im Glauben warnen. Und wer einschläft, bleibt draußen vor der
Tür, wie etwa in dem Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen die
törichten, denen das Öl für ihre Öllampen ausgegangen ist. Sie haben sich
deshalb verspätet und kommen zu spät zur Hochzeitsfeier.
Wir fragen uns, was bedeutet das Wachsein?
Hier ist nicht das Aufwachen vom Kirchenschlaf gemeint. Der ist übrigens
nicht so gefährlich wie das Einschlafen auf der Straße oder das
Verschlafensein im Leben.
Im Glauben eingeschlafen ist der, der alles über den Glauben weiß, bei dem
es aber nur im Kopf geblieben ist; - der Glaube hat keinen Weg zum Leben
gefunden - der weiß, dass man als Christ zuerst nach dem Reich Gottes
trachten soll, aber dennoch mehr nach den irdischen Gütern trachtet; der
weiß, dass man als Christ Jesus liebhaben soll, aber er liebt dennoch mehr
seine eigenen moralischen Vorstellungen, die er aus den Illustrierten holt
und der sich verändernden politischen Rechtslage. Im Glauben eingeschlafen,
das ist der, der alle christlichen Aktivitäten mitmacht und vielleicht auch
Kreise leitet und andere in christlicher Lehre unterrichtet, der aber seit
vielen Jahren nicht mehr gefragt hat: "Jesus, was denkst du denn über mich?"
Es klingt wie eine letzte Chance, die Jesus der Gemeinde gibt. Er wird
überraschend kommen wie ein Dieb. Wer eingeschlafen ist im Glauben, der ist
noch nicht tot. Es ist also noch nicht alles zu spät, sondern es ist noch
eine Hoffnung da.
Was erwartet Jesus von seiner Gemeinde? Rettungswillen
In Tübingen ist ein Franzose in den Neckar gefallen und schreit: "Secours,
secours". Oben auf der Neckarbrücke steht ein Gog (Tübinger Wengerter) mit
seinem Sohn und sagt: Hett der nur d's Schwimmen statt Französisch glernt.
Stärke das andere, das sterben will. Wenn jemand in Lebensgefahr ist, dann
springt man hinein. Da ist nicht dran, über irgendetwas zu philosophieren.
Jesus will, dass wir Menschen sehen, die in geistlicher Not sind. Nicht mit
anderen über sie reden, sondern zuerst mit Jesus. Vielleicht zeigt er einen
Weg zum anderen, um ihm zu helfen und im Glauben zu stärken oder wieder
aufzurichten.
Die Sendschreiben in der Offenbarung passen nicht auf jede Gemeinde, aber
vielleicht manche Stücke. Wer sich angesprochen fühlt, ist gemeint.
Das Schönste für die Gemeinde Sardes kommt zum Schluss: Es gibt einige, die
haben ihre Kleider nicht besudelt. Sie werden mit Jesus in weißen Kleidern
einhergehen. Die weißen Kleider sind Zeichen der Reinheit und der Rettung.
Es soll unser aller Bestreben sein, zu ihnen zu gehören. Amen! (Pfr. Dr. K.
Knauß)
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Bibelarbeit am Mittwoch, 19. Dezember 2001 über 1. Thessalonicher 3
Zuerst den roten Faden: Worum geht es?
Paulus hatte der Gemeinde gesagt, dass Bedrängnisse kommen würden. Nun sind
diese Bedrängnisse da. Er hat sich Sorgen gemacht, ob die Gemeinde deshalb
vielleicht vom Glauben hätte abfallen können oder sonst Schaden genommen
hätte. Deshalb hat er Timotheus geschickt.
1 Thessalonicher3
1 Darum ertrugen wir's nicht länger und beschlossen, in Athen allein
zurückzubleiben,
2 und sandten Timotheus, unsern Bruder und Gottes Mitarbeiter am Evangelium
Christi, euch zu stärken und zu ermahnen in eurem Glauben,
3 damit nicht jemand wankend würde in diesen Bedrängnissen. Denn ihr wisst
selbst, dass uns das bestimmt ist.
4 Denn schon als wir bei euch waren, sagten wir's euch voraus, dass
Bedrängnisse über uns kommen würden, wie es auch geschehen ist und wie ihr
wisst.
5 Darum habe ich's auch nicht länger ertragen und habe ihn gesandt, um zu
erfahren, wie es mit eurem Glauben steht, ob der Versucher euch etwa
versucht hätte und unsre Arbeit vergeblich würde.
6 Nun aber ist Timotheus von euch wieder zu uns gekommen und hat uns Gutes
berichtet von eurem Glauben und eurer Liebe und dass ihr uns allezeit in
gutem Andenken habt und euch danach sehnt, uns zu sehen, wie auch wir uns
nach euch sehnen.
7 Dadurch sind wir, liebe Brüder, euretwegen getröstet worden in aller
unsrer Not und Bedrängnis durch euren Glauben;
8 denn nun sind wir wieder lebendig, wenn ihr feststeht in dem Herrn.
9 Denn wie können wir euretwegen Gott genug danken für all die Freude, die
wir an euch haben vor unserm Gott?
10 Wir bitten Tag und Nacht inständig, dass wir euch von Angesicht sehen,
um zu ergänzen, was an eurem Glauben noch fehlt.
11 Er selbst aber, Gott, unser Vater, und unser Herr Jesus lenke unsern Weg
zu euch hin.
12 Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe
untereinander und zu jedermann, wie auch wir sie zu euch haben,
13 damit eure Herzen gestärkt werden und untadelig seien in Heiligkeit vor
Gott, unserm Vater, wenn unser Herr Jesus kommt mit allen seinen Heiligen.
Amen.
Die Gemeinde in Thessalonich muss in heftiger Not gewesen sein. Diese
Verfolgungssituation war nichts Außergewöhnliches für die frühen Gemeinden.
Sie hatten damit rechnen müssen. Ja, Paulus hatte sie sogar darauf
vorbereitet.
Die Situation ist hier als Bedrängnis bezeichnet. Das kann wortwörtlich eine
Verfolgung bedeuten, die tatsächlich als Verfolgung geplant ist. Aber wir
tun gut daran, die Lage etwas weiter zu sehen. Wenn man im NT vergleicht, wo
das Wort noch verwendet wird, dann kann es auch die Situation bezeichnen, wo
man einfach einen Druck empfindet, den man nicht aushält. Wenn Jesus in Joh.
16,33 sagt: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt
überwunden... Was hier als Angst bezeichnet ist, meint das gleiche Wort
Bedrängnis. Man könnte auch sagen: Druck, Not.
Das gleiche Wort in Joh. 16,21 verwendet, wenn eine Frau ein Kind zur Welt
gebracht hat, dann denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen...
Aber es ist nicht immer eine Bedrängnis um des Glaubens willen. Die schwere
Lage in einer Hungersnot wird gleich bezeichnet. ZB die Bedrängnis der
Familie Jakobs in der Hungersnot, bevor sie nach Ägypten ausgewandert sind.
Besonders ist dann die Situation, wo Jesus in seiner Endzeitrede die Lage
seiner Jünger schildert. (Matth. 24, 21 par): Es wird dann eine große
Bedrängnis sein, wie sich nicht gewesen ist...
Und dann in der Offenbarung (1,9; 7,14) Diese sind's, die gekommen sind aus
der großen Bedrängnis...
Würde man das AT dazu nehmen, wäre die Situation ähnlich vielfältig. Da geht
es um Druck und Not aufgrund von Hunger, Kriegsereignissen usw.
Doch der Schwerpunkt im NT ist klar: Es geht um Not und Druck aufgrund des
Glaubens. Nicht immer systematische Verfolgung, sondern auch der Druck, der
von den anderen Menschen ausgeübt wird. Irgendwie ein Druck, der auch
seelische Not macht. Man meint: Das halte ich nicht aus!
Ein solcher Druck kann den Glauben zum Wanken bringen. Und zwar nicht
unbedingt so, dass man sagt: Jetzt will ich vom Glauben nichts mehr wissen.
Sondern so, dass man Zug um Zug in Deckung geht und seinen Glauben nicht
mehr nach außen zeigt. Der Glaube wird immer mehr verborgen, man kommt in
Halbheiten hinein und steht schließlich nicht mehr dazu.
Ein Muster für diese Drucksituation ist die Situation des Petrus bei der
Anklage Jesu. Petrus verleugnet aufgrund der Not, in der er sich befindet.
Er wird in keiner Weise tatsächlich bedroht. Aber er fürchtet eine solche
Bedrohung. Deshalb verleugnet er. Das Nachspiel ist bekannt.
Alexander Solschenizyn berichtet in seinem "Archipel Gulag" davon, wie sich
die Menschen gefühlt haben. Was eigentlich erschütternd ist: Die Angst vor
Gefängnis oder vor Verfolgung ist schlimmer als das Gefängnis selbst. Und
dann kommt diese erstaunliche Bemerkung, dass die Menschen schließlich
erleichtert gewesen seien, als sie dann gefangengenommen wurden. Sie konnten
besser mit dem umgehen, gefangen zu sein, als mit der Angst, möglicherweise
gefangengenommen zu werden.
In der Welt seid ihr in Bedrängnis, aber seid getrost, ich habe die Welt
überwunden. Die Angst vor der Verfolgung ist ähnlich schlimm wie die
Verfolgung selbst. Dass Jesus die Angst vor der Verfolgung wegnimmt, ist
darum wichtig. Das Stärken und Ermahnen im Glauben hat auch das mit zum
Inhalt.
Ich möchte die Situation der Märtyrer ein bisschen näher beschreiben. Sie
liegt zur Zeit des NT nicht in einer systematischen Verfolgung. Es geht nur
jeweils um eine Einzelentscheidung. Die Verfolgungen des Paulus kennen wir
aus seinen Briefen und aus der Apostelgeschichte. Auf die Gemeinden wartete
in den folgenden Jahren tatsächlich auch ähnliches. Meist traf es zunächst
die Gemeindeleiter und Bischöfe.
Durch die Situation der islamischen Selbstmordattentäter wird die
Märtyrerfrage in der Gegenwart wieder öfter diskutiert. Um den unterschied
zu kennzeichnen: Islamische Märtyrer sind Märtyrer im Kampf, christliche
Märtyrer sterben als Opfer in der Nachfolge ihres Herrn!
Wir haben eine gute Beschreibung der Lage durch den Märtyrerbischof Ignatius
von Antiochien. Er wurde nach Rom abgeführt, um dort den Märtyrertod zu
sterben. Unterwegs schrieb er an verschiedene Gemeinden Briefe. Diese Briefe
sind erhalten. Ich verlese einen Abschnitt aus seinem Brief an die Römer.
4. 1. Ich schreibe allen Kirchen und schärfe allen ein, dass ich gerne für
Gott sterbe, wenn anders ihr es nicht verhindern werdet. Ich rufe euch zu:
Werdet mir nicht unzeitiges Wohlwollen! Laßt mich ein Fraß für Bestien sein,
durch die es möglich ist, zu Gott zu gelangen! Weizen Gottes bin ich und
durch die Zähne von Bestien werde ich gemahlen, damit ich als reines Brotes
Christi erfunden werde. 2. Lieber schmeichelt den Bestien, dass sie mir zum
Grabe werden und nichts von den Bestandteilen meines Leibes übrig lassen,
damit ich nach dem Tod niemand zur Last falle! Dann werde ich wirklich ein
Jünger Jesu Christi sein, wenn die Welt nicht einmal meinen Leib sehen wird.
Fleht Christus für mich an, dass ich durch diese Werkzeuge als Gottes
Opfer1a erfunden werde! 3. Nicht wie Petrus und Paulus befehle ich euch.
Jene sind Apostel, ich bin ein Verurteilter; jene sind freie, ich bin bis
jetzt ein Sklave. Aber wenn ich gelitten habe, werde ich ein Freigelassener
Jesu Christi werden und als Freier in ihm auferstehen. Und jetzt lerne ich
als Gefesselter nichts zu begehren.
5. 1. Von Syrien bis nach Rom kämpfe ich mit Bestien, zu Wasser und zu Land,
bei Tag und Nacht, an zehn Leoparden gefesselt, d. h. eine
Soldatenabteilung; diese werden sogar durch erzeigte Wohltaten noch
schlimmer....
6. 1. Nichts werden mir nützen die Enden der Welt und die Königreiche dieses
Äons. Besser ist es für mich zu sterben auf Jesus Christus hin, als König zu
sein über die Enden der Erde. Jenen suche ich, der für uns starb; jenen will
ich, der unsertwegen auferstand. Das Gebären steht mir bevor. 2. Seid
nachsichtig mit mir, Brüder! Haltet mich nicht ab vom Leben, wollt nicht
meinen Tod, verschenkt den, der Gottes sein will, nicht an die Welt und
verführt ihn nicht mit der Materie! Laßt mich reines Licht empfangen! Dort
angekommen werde ich Mensch sein. 3. Gestattet mir, ein Nachahmer des
Leidens meines Gottes zu sein"! Wenn einer ihn in sich trägt, soll er
verstehen, was ich will, und Mitleid mit mir haben, weil er meine Bedrängnis
kennt.
Auch bei seinen 12 Jüngern hat Jesus das Durchhalten angemahnt und daraufhin
das Erbe des Reiches Gottes in Aussicht gestellt:
Lukas 22,
28 Ihr aber seid's, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.
29 Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir's mein Vater zugeeignet
hat,
30 dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und
sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den
Weizen.
32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn
du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
Wir kommen zurück auf die Verse 1-6 (1. Thess). Paulus fürchtet nicht die
Verfolgung in der Gemeinde. Die hat er erwartet. Sondern er fürchtet ein
Ausweichen und ein Untreu-Werden, vielleicht aus Angst vor dem Druck.
Das Stärken im Glauben (Vers 2) wird damit deutlicher. Es bedeutet, sie zum
Durchhalten ermahnen. Den Sieg Jesu deutlich vor Augen malen. Ihnen die
Angst zu nehmen vor irdischen Nachteilen. Der Glaube wird gestärkt, wenn er
Belastungen und Erschütterungen aushalten kann.
Hinter den Versuchungen zum Abfall vom Glauben steht der Versucher (V5). Es
ist der gleiche, der auch Jesus versucht hat. Die Versuchung war so
raffiniert, dass sie nicht als solche erkennbar war. Er hat Jesus mit Zielen
verführen wollen, die nicht völlig falsch sind (Brot, Einfluss, Macht). Aber
mit Mitteln, die unbedingt falsch sind. Der Versucher versteht sich auf die
Kunst, Menschen von der Nachfolge abzuwenden.
Timotheus ist von dem Gemeindebesuch wieder zurückgekommen. Er hat gute
Nachricht mitgebracht. Die Gemeinde steht fest im Glauben. Es ist eine
gegenseitige Liebe da.
Auch die Person des Paulus ist in diese Liebe einbezogen, bzw., er ist in
gutem Andenken. Das ist deshalb wichtig, weil die Lage der Gemeinde mit
ihrem geistlichen Vater eng verbunden ist.
Es gehört zu einer christlichen Unterweisung ("Ausbildung im Glauben"), auch
zu sagen, dass nicht immer alles gut geht, dass es auch Schwierigkeiten
geben wird. Und diese Schwierigkeiten sind nicht dummer Zufall. Sondern sie
haben mit dem Glauben zu tun.
Paulus hat es der Gemeinde in Thessalonich nicht leicht gemacht. Und damit
hat er es auch sich selbst nicht leicht gemacht. Er geht keinen Weg des
billigen Kompromisses. Aber die Nachricht des Timotheus stärkt ihn. So wird
er getröstet. Auch er war in Not und Bedrängnis. Wir werden wohl nicht nur
die Sorge um die Gemeinde darunter zu verstehen haben, sondern wohl auch
eigenen Druck in der Verkündigungssituation. Denn überall, wo das Evangelium
verkündigt wurde, entstand Widerstand und Druck. Paulus war zu dieser Zeit
in Athen, wie er selbst in Vers 1 schreibt. Aber es handelt sich um eine
Zeit, über die wir aus der Apostelgeschichte nichts wissen. Apg 17, 16-34
(Areopagrede) bezieht sich auf eine Zeit davor. Damals war er erst ganz
frisch nach Athen gekommen und hatte das allererste Mal noch auf Timotheus
und Silas gewartet.
Es ist für die Gemeinde auch eine Stärkung, wenn sie erfahren: Ihr Glaube
hat den Apostel ebenfalls gestärkt. Das Miteinander Bangen, Leiden,
Sich-Freuen stärkt den Glauben gegenseitig.
Vers 10: Jetzt wird die Sehnsucht des Paulus um so größer, die Gemeinde
wieder zu sehen. Er betet Tag und Nacht für sie und für einen weiteren
Besuch.
Sein nächster Besuch soll ergänzen, was an ihrem Glauben noch fehlt. Wir
sollen keine Kritik darin erblicken. Die Gemeinde ist noch sehr jung. Sie
braucht noch weitere Begleitung im Glauben. Wer noch jung im Glauben ist,
muss noch viele biblische Zusammenhänge erkennen lernen. Muss lernen,
Situationen des täglichen Lebens aus dem Glauben heraus zu leben und zu
bewältigen. Und das gilt nicht nur für Thessalonich. Das gilt auch heute.
Wer Jesus nachfolgt, muss es machen wie es in der Apg (17,11) von der
Gemeinde Beröa heißt: "Sie forschten täglich in der Schrift, ob sich's so
verhielte..." Das heißt dann für uns. Wir haben auch zu prüfen, ob das
stimmt. Wir haben weiter zu prüfen, ob das immer noch so zu machen ist, was
unsere Vorfahren gemacht haben. Diese Prüfung wird dazu führen, dass man in
manchen Dingen ein weiteres Herz und in anderen Dingen ein engeres Gewissen
kriegen muss als unsere Vorfahren. Wir haben auch zu prüfen, zu welchen
Ergebnissen diese und jene Freiheit oder Enge geführt haben und haben daraus
zu lernen. Wer als Christ im Glauben lebt, hat immer noch neue
Glaubensfragen zu bedenken, hat zu lernen.
Aber das geht nicht nur in Lehrfragen und Ethikfragen.
Wachsen in der Liebe (V12). Das stärkt die Gemeinde als ganze. Eine
Gemeinde, die in Liebe und Vertrauen untereinander gestärkt ist, wird nicht
so leicht vom Versucher überwältigt. Darum Vers 13: Liebe stärkt die Herzen.
Man richtet sich gegenseitig und miteinander auf die Wiederkunft Jesu aus.
Noch ein Rückblick auf die Bemerkung in Vers 11: Er selbst, Gott unser Vater
und unser Herr Jesus Christus lenke... Es heißt hier nicht "lenken" sondern
Einzahl! Das scheint bewusst Einzahl. Ähnlich 2. Thess. 2, [16 Er aber,
unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns
einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade,]
Ein kleiner Anklang an die Dreieinigkeit. Nicht verzwungen, sondern in
großer Natürlichkeit und Schlichtheit.
(Pfr. Dr. K. Knauß)
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