Auslegung des Jahresloses der Brüdergemeinde für 2006 (vom 08.01.2006)
Jesaja 12,2:
„Siehe, Gott ist mein Heil! Ich bin getrost und fürchte mich nicht. Denn
meine Stärke und mein Loblied ist der Herr, und er ward mir zum Heil.“ (n.
Zürcher Übersetzung)
„Surely God is my Salvation; I will trust and not be afraid. The Lord, the
Lord ist my Strength and my song; he has become my Salvation.“ (, Holy
Bible, New International Version).
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde, liebe Gäste!
Bevor ich dazu komme, das Jahreslos der Brüdergemeinde zum neuen Jahr 2006
auszulegen, möchte ich doch noch etwas sagen zum Jahreslos des vergangenen
Jahres - Sie erinnern sich noch? Richtig: es ging dabei darum, Gott zu
bitten und so die Erfahrung zu machen, daß „die Freude vollkommen“ werde!!
Haben Sie diese Erfahrung gemacht in 2005? Nein? O. k., dann haben wir
etwas gemeinsam!
Deswegen habe ich auch mal laut darüber nachgedacht (in kleinem Kreise...)
diese Losung doch auch für 2006 noch stehen zu lassen, also quasi einfach
um ein Jahr zu „verlängern“...! Damit sich die vollkommene Freude doch
noch einstellen kann bei mir und bei Ihnen!? Vielleicht haben wir ja GOTT
doch einfach noch viel zu wenig zugetraut im abgelaufenen Jahr! Und jetzt
gibt es schon wieder eine neue Jahreslosung!
Bei der neuen Jahreslosung für das Jahr 2006 fiel mir als erstes auf: da
ist ja schon wieder von Vertrauen zu Gott die Rede!
Am Beginn eines neuen Jahres stellt sich ja tatsächlich
die Frage: worauf setzte ich denn mein Vertrauen im neuen Jahr?
Und als „guter Christ“ ist die Antwort darauf natürlich klar: auf GOTT!
Auf wen oder was denn sonst! Oder?
Allerdings, ehrlich gesagt: manchmal habe ich trotzdem Angst...!
Z.b. wenn ich höre, die Russen stellen (der Ukraine) das Gas ab! Denn ich
lebe in einem Haus, das ausschließlich mit Gas beheizt wird. Und wir haben
gerade Winter....! O. k. , die Regierung sagt natürlich: nur keine Panik -
wir haben alles im Griff! Klar: die wollen nicht, dass der schöne
Optimismus für das neue Jahr gleich wieder futsch ist, den unsere
Wirtschaft doch so dringend braucht! Aber wenn das nun gar nicht
stimmt!!?? Vor ein paar Tagen war das bei uns ja schon mal so: alle
Heizkörper am Sonntag morgen waren kalt und genauso das Wasser aus den
Hähnen mit der roten Markierung...! Und ich dachte: und wenn das nun der
Hausmeister nicht mehr auf die Reihe kriegt!?
Und manchmal beschleicht mich doch so ein ungutes Gefühl, wenn ich höre,
die Renten seien sicher – natürlich - , aber keiner wisse, in welcher
Höhe! Da tue sich möglicherweise eine „Versorgungslücke“ auf...! Was, wenn
das stimmt!?!
Aber das ist ja alles noch ganz harmlos! Was aber, wenn noch mal so ein
paar Verrückte, die meinen, auf ihre ganz spezielle Art die Welt retten zu
müssen, ein paar Flugzeuge irgendwo rein krachen lassen wie am 11.
September 2001 und es so doch noch schaffen, dass die gesamte
Weltwirtschaft zusammen bricht!?!!
Jesaja, der die Worte des diesjährigen Jahresloses der BG gesagt hat, war
ein Sohn des Amos und wohl der bedeutendste Prophet des alten Testaments
zur Zeit der Könige von Juda Usija, Jotam, Ahas und Hiskia. Man weiß
immerhin über ihn, dass er wohl verheiratet war und dass er zwei Kinder
hatte.
Also in etwa bundesrepublikanische Durchschnittsfamilie. Allerdings: der
„Beruf“ des Vaters dieser zwei Kinder war etwas ungewöhnlich, wenigstens
für unsere Zeiten: Prophet!
Also einer, der von Gott die Aufgabe hatte, in seinem Namen zu reden zu
dem Volk Gottes. Und Vieles, was Jesaja gesagt hat, klingt nicht so
optimistisch und positiv wie unser Jahreslos! Denn gerade in den ersten 12
Kapiteln warnt er vor allem sein Volk vor dem Gericht Gottes! Denn die
feierten wohl immer noch die offiziellen Gottesdienste wie eh und je, aber
innerlich waren die wohl längst auf einem anderen Trip unterwegs!
Innerlich hatte sich das Volk Israel wohl eigentlich schon abgewendet von
Gott. Und Jesaja sollte denen wohl sagen, welche Konsequenzen dies für sie
haben werde. Jesaja sagte Ihnen wohl die sog. babylonische Gefangenschaft
voraus. Er hat Gottes Gericht voraus gesagt.
Keine Ahnung, ob jemand auf ihn gehört hat. Propheten gelten ja
sprichwörtlich wenig im eigenen Land. Also hatte Jesaja wohl schlechte
Karten mit seiner Message...! Außerdem: wer hört schon gern Unangenehmes!
Da schaltet man doch lieber auf „Durchzug“...! Kann man doch bei jedem
Raucher beobachten...!
Und heute, im Rückblick wissen wir, dass das Volk Israel tatsächlich nicht
auf ihn gehört hat. Denn die babylonische Gefangenschaft kam danach.
Jesaja sagt das Wort der Jahreslosung der Brüdergemeinde 2006 allerdings
voraus als einen Ausspruch, den das Volk später – viel später – noch tun
wird. Er sagt dies auch an als Zukunftsprognose für einen Zeitpunkt, an
dem ihnen Gott zwar gezürnt hat, sich ihnen dann aber auch wieder
zugewandt hat! Also kurz zusammen gefasst: was ihr tut, wie ihr
gegenwärtig eure Gottesdienste feiert und euere Brandopfer opfert, das ist
Gott ein Greuel! Und die Folge davon wird übel sein für euch, ihr geht
also keinen guten Zeiten entgegen.
Aber das wird nicht das Letzte sein in der Geschichte zwischen dem
lebendigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und euch, einem immer
wieder auch mal sehr halsstarrigen Volk! Gott wird euch zürnen, aber er
wird sich euch auch wieder zuwenden.
Und dann werdet ihr sagen (Vers 1): „Ich danke Dir Herr, dass du bist
zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich
tröstest.“
Vers 2 „Siehe, Gott ist mein Heil!“ - werdet ihr dann sagen - „ich bin
sicher und fürchte mich nicht; denn meine Stärke und mein Loblied ist der
Herr....“
Das war also nicht blauäugige Gegenwartsbekundung. Sondern
Zukunftsprognose.
Jesaja sagt also den Fortgang der weiteren Geschichte zwischen Gott und
seinem Volk voraus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Jesaja war eben auch ein Prophet, der positive Dinge angekündigt hat, die
zu seinen Lebzeiten allerdings noch weit voraus lagen. Viele Kapitel
weiter redet er von der „Erlösung durch den Gottesknecht“; kündigt also
Jesu‘ Geburt, Leben und Erlösungstat am Kreuz an: „Fürwahr, er trug unsre
Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den,
der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um
unsrer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.
Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine
Wunden sind wir geheilt.“ (Kap. 53, 4 + 5).
Schon vergessen? Bzw.: haben Sie das gewußt?! Der lebendige GOTT hat für
Sie und für mich in Jesus Christus den Kopf hingehalten, und erst dadurch
sind wir ja – jedenfalls aus der Perspektive Gottes – überhaupt noch zu
retten!!
Aber zurück zu unserer Jahreslosung: was machen wir denn heute mit so
einer Losung?
Sie fängt mit der gleichen Tatsache an und soll ja vielleicht so daran
erinnern, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat: GOTT IST MEIN
HEIL!
Glauben Sie das wirklich!? Oder ich:
ist das wirklich meine tiefe echte Überzeugung, dass GOTT mein HEIL
ist!???
Und ich merke, dass mir die Antwort auf diese Frage gar nicht so leicht
über die Lippen kommt... GOTT ist mein Heil! - Wirklich!?
Ich denke, es ist gut, sich ab und zu daran erinnern, daß Gott tatsächlich
mein Heil ist! Denn erst diese Tatsache ist ja sozusagen die Basis für
das, was danach im Text kommt: “ich bin getrost und fürchte mich nicht.“
Eben weil Gott mein Heil ist! Ansonsten wäre doch ein solcher Ausspruch,
wie ihn Jesaja hier tut naiv, oder: ich bin sicher und fürchte mich nicht!
Rein menschlich gesehen bin ich doch allenfalls relativ sicher, und
fürchten tue ich mich deshalb durchaus auch hin und wieder! Kein Mensch
weiß, was das neue Jahr uns bringen wird, und deshalb ist es doch auch
müßig , darüber nach zu sinnen, was es bringen könnte. Ich bin kein Freund
von „Kaffeesatzleserei“...!
Das, was Jesaja hier dem Volk Israel voraus gesagt hat, ist ja inzwischen
längst eingetroffen: das Volk Israel hat die babylonische Gefangenschaft
inzwischen überstanden, und Gott hat sich ihnen wieder zugewendet; das
haben wir ja gerade auch an Weihnachten wieder gefeiert: Gott wurde Mensch
und kam in sein Eigentum, wie es bei Johannes heißt. Um zu leben, um zu
sterben, und um auf zu erstehen und wieder bei Gott zu sein. Und um uns
allen so zu ermöglichen, mit Gott leben zu können in lebendiger
Verbindung.
Dann können auch wir als Brüdergemeinde – trotz aller Risiken, die deshalb
ja immer noch da sind - getrost sagen können: GOTT IST MEIN HEIL, ICH BIN
SICHER UND FÜRCHTE MICH NICHT!
DENN: Gott, der Herr ist meine Stärke...
Nicht die diversen Versicherungen, die ich habe, nicht mein Besitz und
auch nicht mein eigenes Können und Tun – nein, ich sage ganz bewußt und im
Vollbesitz meiner geistigen Kräfte: GOTT, der Herr ist meine Stärke!
Kenne Sie dieses einfache Glaubensbekenntnis aus Taize‘, das man auch
singen kann:
Meine Hoffnung und meine Freude, meine STÄRKE, mein Licht: Christus meine
Zuversicht: auf DICH vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht...! Auf Dich
vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht!
Lt. unserem Gesangbuch ist der Text übrigens ein katalansicher Spruch nach
Jes. 12,2 – also unserem Jahreslos der Brüdergemeinde 2006...!
Vielleicht kann ja dieses Jahreslos, das wir da gezogen haben ganz neu
Ansporn sein für uns – auch für uns als Gemeinde hier in Wilhelmsdorf -
Gott als unserem „Heil“ ganz neu zu vertrauen...
Und dann das zu tun als Gemeinde, was der Text aus Jesaja 12 dann im
weiteren vorgibt:
mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils (!),
dem Herrn danken,
seinen Namen anrufen und
seine Taten kund tun unter den Völkern.
Und IHM lobsingen, weil er Großes getan hat!
Damit lade ich Sie ein, mit zu singen, dieses einfache Lied aus Taize‘
(576):
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine
Zuversicht, auf Dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht; auf Dich
vertrau‘ ich uns fürcht‘ mich nicht!