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Auslegung des Jahresloses der Brüdergemeinde für 2005 Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen sei! Joh. 16.24
In welche Situation hat Jesus diese Worte hineingesprochen? - Er war mit seinen Jüngern in Jerusalem. Das Passahfest stand bevor.
Ein ernstes Thema: Jesus wird weggehen. Abschied. Trauer. Verlust für die Jünger. Der an den sie geglaubt haben, für den sie ihren Beruf aufgegeben haben, mit dem sie in den vergangenen Jahren so viel erlebt haben: … er kündigt an, dass er gehen wird. Die Jünger werden alleine bleiben. Da kommt an die Stelle von Begeisterung und Treue, Ernüchterung und Entsetzen. Da platzt die Hoffnung auf Befreiung Israels von den Römern wie eine Seifenblase. War doch alles nur Trug? Haben nun doch die kritischen Stimmen recht, die von Anfang an schon warnten: Lass dich nicht zu tief ein mit diesem Jesus, am Ende steht die Enttäuschung…? Er ist auch nicht anders wie die anderen, die ein besseres Leben versprochen haben? Hier hinein spricht Jesus die Aufforderung: Bittet und ihr werdet empfangen … damit eure Freude vollkommen sei! Jesus ist anders als die anderen Heilsversprecher! Er bleibt auch jetzt noch der Gleiche. Er zeigt sich nicht plötzlich von einer anderen unbekannten Seite, er bleibt authentisch. Er macht keine leeren Versprechungen. Er bereitet seine Jünger auf seinen Tod vor. Er kann ihnen im Moment nur die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen hinterlassen, die Vorfreude als Gegengewicht gegen die Trauer. Es ist das einzige woran sich die Jünger klammern können. Jesus ist der andere Mensch, der Menschensohn wie er von sich sagt. Er ist im Unterschied zum ersten Menschen Adam ohne Unterbrechung in der Beziehung zum Schöpfer geblieben. Es gab keinen Bruch in der Beziehung zu seinem Vater. Er hat sich nicht vom Versucher überreden lassen, ohne den lebendigen Gott selbst groß sein zu wollen. Er blieb so in der Sohnesbeziehung zum Vater. Da hat nichts die Harmonie gestört. Jesus ist anders. Er willigte ein in den großen Rettungsplan für die Menschen, den der Gott des Lebens in seiner großen Liebe zu den Menschen erstellte. An diesem Rettungsplan sollte Jesus maßgeblich beteiligt sein. Es bedurfte eines Opfers. Jesus selbst wurde das Opfer, der Unschuldige – für die Schuldigen – für uns Menschen, die wir alle Gott den Rücken gekehrt haben, die wir in die Klugheit unseres Humanismus abgeirrt sind – in die Menschlichkeit ohne Gott. Wie häufig hinterließen wir so einen Scherbenhaufen zurück oder wurden voller Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit über unser scheinbares Gutsein. Jesus blieb in der Beziehung zu Gott. Daraus kam seine Kraft zu lieben, seine Kraft aufzurichten, seine Kraft zu heilen. Jesu Mission war, uns Menschen wieder in eine geheilte Beziehung zu unserem Schöpfer, dem einzigen lebendigen Gott zu bringen. Wenn wir uns mit unseren Bitten an diesen Gott, den Vater aller Vaterschaft wenden, dann wird unsere Freude vollkommen sein. Wir mögen zwar nicht eins zu eins erhalten worum wir bitten, aber wir sind beim richtigen Adressaten, der einen viel besseren Überblick hat, über das was wir brauchen. Gott ist es eine Freude, gute Gaben zu geben. Wenn wir schon unseren Kindern keine Steine geben, wenn sie um Brot bitten, wie viel mehr dann erst Gott. Und wenn wir Fragen haben an ihn, wenn wir enttäuscht sind, wenn der Ärger auf Gott in uns steckt, aus welchen Gründen auch immer, dann ist er selbst die beste Adresse, zu der wir mit dem gehen können, was in uns rumort. Und dann wird der Frust nicht bleiben. Dass eure Freude vollkommen sei! Es ist keine Vertröstung aufs Jenseits, auch wenn das Beste noch kommt. Es ist der Mut zum Überwinden, der Mut das Dennoch zu sprechen; Trotz, der sich aller Hoffnungslosigkeit entgegenstellt, allen scheinbaren Beweisen, dass Gott ein schwacher Gott sei und die Versprechungen der Bibel leer wären. Es ist eine Freude, die nach außen scheinbar wirken kann wie die Illusion eines Phantasten. Es ist eine visionäre Freude, die weiß, dass das Ziel erreicht wird, auch wenn der Weg bis dahin noch nicht sichtbar ist. Es ist die Freude, die sich nicht von den eigenen Erfolgen beeindrucken lässt, die sich nicht begnügt mit dem, was menschlicher Geist und menschliche Hände schaffen können. Es ist die Freude, die angesichts des Jammertals nicht den Kopf hängen lässt, sondern sich schon auf die Hochzeit des Lammes freut. Es ist die Freude, die in der Dunkelheit das Licht sieht, die weiß je dunkler die Nacht, umso näher der Morgen. Es ist die Freude auf eine Beziehung zu Gott, wie Jesus sie hatte. Eine Beziehung in der nichts mehr stören darf. Eine Beziehung in der die Sehnsüchte nach Frieden, nach Heilsein, nach enttäuschungsfreiem Vertrauen endlich wirklich geworden sind. Jetzt erkennen wir es stückweise, jetzt erleben wir es stückweise, so wie die Sonne, die zwischen Wolken hindurchleuchtet, dann wird es vollkommen sein. Eine Geburt ist eine anstrengende Angelegenheit – auch für Väter. Aber wenn die Anstrengung überwunden ist, ist sie vergessen über das neue Leben, das wir in unseren Armen halten - und wir staunen und staunen. Ein schönes Los für die Brüdergemeinde: Vollkommene Freude – nicht die Freude darüber dass es keine Schwierigkeiten mehr gibt, nicht die Freude, dass die totale Einheit in der Gemeinde da ist, dass es keine gegensätzlichen Standpunkte mehr gibt, nicht die Freude darüber, dass die Schulden bezahlt sind. Für ‚vollkommen’ steht im griech. das Wort ‚pleroö’ ‚füllen’, von ‚pleres’ ‚voll’. Der Freudentank soll aufgefüllt werden. Wenn Gott der Freudenspender ist, dann können wir bei ihm unseren Freudentank füllen lassen. Auch wenn es daneben noch andere Tanks geben mag: wenn unser Freudentank in der Beziehung mit Gott aufgefüllt ist, dann sind wir gut gewappnet für dieses Jahr. Vielleicht können wir hier etwas aus der Angstforschung übertragen: Angstpatienten, so weiß man, haben nicht mehr Angstgedanken als andere Menschen. Aber die anderen Menschen haben doppelt so viele tröstende, Mut machende, die Angst entschärfende Gedanken wie die Angstpatienten. Wenn wir Nachfolger Jesu sind, haben wir nicht weniger Belastungen wie andere Menschen, aber wenn wir durch Jesus in der Beziehung zu Gott bleiben, wenn wir auf ihn sehen, werden wir sehr viel Grund haben uns zu freuen – und dann wird die Freude bei weitem überwiegen. Es ist die Freude, die einer Beziehung entspringt, in der wir unseren Freudentank immer wieder auffüllen können. Und dann bekommen wir Lust, auch andere hinzuweisen auf diese Tankstelle der Freude.
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