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Auslegung des Jahresloses der Brüdergemeinde für 2004
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Jochen Hallanzy |
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Gestern beim YouGo sprach Heiko Bräuning über das Thema „Und jährlich
grüßt das Murmeltier“. Dies bezieht sich auf einen Film, bei dem sich das
selbe Geschehen täglich wiederholt. Die selben Sätze beim Frühstück, die
selben Begebenheiten den Tag über. Sogar beim zu Bett gehen das gleiche
Geschehen. Am nächsten Morgen wieder das Selbe von vorn – und das jeden
Tag: Furchtbar!
Das Fazit des YouGos war:
Bei Gott wird der Teufelskreis durchbrochen. Mit Gott machen wir immer
neue Erfahrungen, denn „Gott hat Lust auf Euch“!
Der Satz: Es gibt nichts Neues unter der Sonne, den uns der Prediger
bereits vor vielen Jahrhunderten sagte, stimmt bei Gott so nicht!
So gab es sehr viele Kriege, seit es Menschen gibt, aber dennoch kann Gott
den ewig gleichen Trott durchbrechen:
Walther Lüthi, ein Prediger aus Basel, predigte unmittelbar vor Ausbruch
des 2. Weltkrieges über „Jesus und Nikodemus“. Also genau über den
Abschnitt im Johannes-Evangelium in dem unsere diesjährige Losung steht:
»Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn
gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das
ewige Leben haben.« (Joh. 3, 16)
Er setzte dieses ewige Leben in Beziehung zum bevorstehenden Tod im
nahenden Krieg. Heute wissen wir, wie vielen Menschen dieser Krieg
tatsächlich das Leben gekostet hat.
Lüthi schreibt: »Nicht verloren gehen! „Alle, die an ihn glauben, sollen
nicht verloren gehen.“ Das ist uns in diesen Tagen so recht aus dem Herzen
gesprochen. (...) Dies eine treibt uns in solchen Tagen und Nächten um,
wir denken es, wir seufzen es, ja, es greift nach uns und schreit aus uns
heraus in tiefer Not: Gott im Himmel, wir möchten nicht verloren gehen!
Und nun ist das Evangelium, (...) nun ist diese Frohbotschaft wie eine
Antwort Gottes auf unser Flehen: Du sollst nicht verloren gehen! Denn
„alle, die an ihn glauben, sollen nicht verloren gehen, sondern das ewige
Leben haben“.« Soweit Walther Lüthi aus der Schweiz.
Vielleicht hat der Eine oder die Andere unter Ihnen gestern bei der
Sirenenprobe auch wieder an die damalige Zeit gedacht. Für mich war es nur
eine Übung, aber manche unter uns haben schreckliche Erfahrungen mit den
Sirenen gemacht!
Wir leben nun in einer Zeit, wo wir hier in Deutschland nicht unmittelbar
mit einem Krieg rechnen müssen. Eine solche existenzielle Bedrohung gibt
es für uns zum Glück nicht!
Bei uns gibt es die Bedrohung durch Terroranschläge, die mich aber
persönlich in Wilhelmsdorf, wenn ich ehrlich bin, nicht sonderlich
erschrecken. Hier in Wilhelmsdorf wird wohl nicht viel passieren.
Realer und häufiger schon ist die Bedrohung durch Sterben durch Krankheit
und Alter!
Auch Suizid gehört zu unseren Erfahrungen – ist dies doch die häufigste
Todesursache bei Jugendlichen!
Ganz real ist auch die Bedrohung durch Tod im Straßenverkehr. Fast alle
von uns fahren Auto. Wie geht es Ihnen, wenn Ihre Kinder, die Eltern oder
Partner mit dem Auto unterwegs sind und Sie ein Martinshorn hören? Mir
fuhr es immer durch Mark und Bein, wenn ich mir ausmalte, wie eines meiner
Kinder gerade einen Unfall hatte (Gott sei Dank ist nie etwas passiert!).
Haben wir vor Augen, dass wir sterben müssen? Haben wir es vor Augen, „auf
dass wir klug werden“?
Aber wie schon Walther Lüthi im Angesicht des Krieges wiederholte, gilt es
auch heute für uns: »Du sollst nicht verloren gehen! Denn „alle, die an
ihn glauben, sollen nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“.«
Ganz einfach – oder? Doch hier warnt Graf Zinzendorf mit einem Gedicht:
„Dies ist das wundervolle Ding:
erst dünkt’s für Kinder zu gering,
und dann zerglaubt ein Mann sich dran
und stirbt wohl, eh er’s glauben kann. (...).“ (Zinzendorf)
Hier wird unser kindlicher Glaube gefragt. Glauben wir das wirklich?
Begreifen, erfassen oder gar erklären bzw. beweisen können wir’s
jedenfalls nicht!
Im Brief an die Römer schreibt Paulus in Kapitel 3, Vers 21 – 24: »Nun
aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt,
offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von
solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus
Christus zu allen, die da glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie
sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben
sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die
Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.«
Also:
allein durch Gnade! Nehmen wir sie doch einfach an!! Glauben wir und
danken Gott dafür!
Und warum das alles? Wie haben wir das verdient?
»Denn also hat Gott die Welt geliebt, (...)«
Dieses „also“ bedeutet bezieht sich auf das Zeichen, das Gott in der Wüste
dem Volk Israel gegeben hat: Gott schickte eine Schlangenplage, weil das
Volk wie üblich gemurrt hat und nicht gehorsam war. Wer nun von einer
Schlange gebissen wurde, musste nur zur auf einem Stock erhöhten eisernen
Schlange schauen und schon war er gerettet. Wer das für zu kindisch hielt,
starb am Schlangengift!
Genau das Gleiche gilt heute für uns:
»Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss des Menschen
Sohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben
haben.«
(Joh. 3, 14 + 15)
Wir sollen aber nicht auf das Holzkreuz über mir schauen oder gar den
Korpus daran, sondern die Gnade Gottes annehmen.
Gott erbarmt sich unser aber nur aus einem einzigen Grund:
»Denn also hat Gott die Welt geliebt, (...)«
Gott liebt die Welt,
Gott liebt Wilhelmsdorf,
Gott liebt die Menschen in Wilhelmsdorf,
Gott liebt Sie und mich!
Wir sind Gott so viel wert, dass er das Kostbarste hergab, das er hatte:
seinen Sohn. Gott opferte seinen Sohn, damit wir gerettet werden können
und nicht verloren gehen müssen – aus Liebe zu uns - allein aus Gnade!
Meine Mutter hatte eine Angewohnheit, wie übrigens ihre Schwestern in
gleicher Weise: Wenn wir Kinder von der Verwandtschaft ein Geschenk
erhielten, schrieb sie es gewissenhaft auf, damit ein späteres
Gegengeschenk für die Nichten und Neffen, in etwa dem gleichen Wert
entsprach! Uns Kindern war das immer sehr peinlich, wie genau hier Buch
geführt wurde.
Aber gilt für uns hier in Wilhelmsdorf nicht ganz Ähnliches?
»Denn also hat Gott die (Menschen in Wilhelmsdorf) geliebt, (...)«
Auch die, mit denen wir Schwierigkeiten haben. Auch die, die uns etwas
Böses antun oder wünschen. Auch die, denen wir etwas Böses antun oder
wünschen.
Auch die, die alte Verletzungen oder Kränkungen noch heute mit sich herum
tragen. Auch die, die diese Verletzungen vor langer Zeit zugefügt haben.
Gott kann, wie Heiko Bräuning gestern im YouGo sagte, auch diesen
Teufelskreis durchbrechen. Durch ihn ist es möglich, alte Wege zu
verlassen!
Lassen Sie uns doch in diesem neuen Jahr daran gehen, etwas von der
göttlichen Liebe hier in Wilhelmdorf weiterzugeben. Lassen Sie uns so
miteinander umgehen, dass von dieser göttlichen Liebe etwas zu spüren ist.
Lassen Sie uns uns gemeinsam auf den Weg machen, indem jeder dem anderen
etwas entgegenkommt und wir so gemeinsam die Gnade Gottes annehmen können,
dass der Satz für uns ganz persönlich gilt:
»Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn
gab, auf dass ich, die oder der an ihn glaubt, nicht verloren werde,
sondern das ewige Leben habe.«
Amen.
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